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Test: Kali Audio LP-UNF, Ultra-Nahfeldmonitore

Klangstarke Monitore für den Ultra-Nahbereich

17. Juni 2024
kali audio lp unf test ultra nahfeldmonitore fürs homestudio

Kali Audio LP-UNF, Ultra-Nahfeldmonitore

Mit ihren Kali Audio LP-UNF richten sich die Studiomonitor-Spezialisten aus dem kalifornischen Burbank an alle Musiker, die mit einem sehr begrenzten Platzangebot in ihrem (Heim-) Studio auskommen müssen. „Ultra-Detailed. Ultra-Accurate. Ultra-Nearfield“ – so preist Kali Audio seine extrem kompakten Speaker an und ergänzt: „… a package that you can set up anywhere.” Aber geht diese Kompaktheit vielleicht zu Lasten des Klangs? Welche Technik steckt in den bisher kleinsten Lautsprechern aus dem sonnigen Kalifornien?

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Intermezzo: Die Namensgebung und LP-Verwandte

Kali Audio ist ein sehr heimatverbundener Hersteller und benennt seine Produkte fast immer nach kleinen oder größeren Ortschaften in Kalifornien. So steht in diesem Fall das „LP“ im Namen auch nicht etwa für „Langspielplatte“ (die älteren AMAZONA.de Leser werden mit diesem Begriff noch etwas anfangen können), sondern für das 2.000 Einwohner Dörfchen Lone Pine, das – östlich von Fresno – im Sequoia National Park liegt. „UNF“ dagegen ist kein Ort, sondern ist ganz einfach die Abkürzung für „Ultra Near Field“. Zum „Project Lone Pine“ gehören noch die größeren Modelle LP-6 V2 und LP-8 V2, 2-Wege-Boxen mit 6,5- bzw. 8-Inch-Woofern. Erfahrung im Ultra-Nearfield-Bereich hat Kali Audio auch schon mit dem Modell „IN-UNF“ gemacht, die ich hier vor gut einem Jahr getestet und für gut befunden hatte.

Kali Audio LP-UNF, Ultra-Nahfeldmonitore

Technische Daten der Kali Audio LP-UNF

Die Kali Audio LP-UNF sind aktive 2-Wege-Desktop-Monitore (Bi-Amp Class-D), die paarweise angeboten werden und mit einem 4,5‘‘ Woofer (Papierverbundmembran) und einem 1‘‘ Tweeter/Hochtöner (Gewebekalotte) bestückt sind. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 54 Hz – 21 kHz an, den Frequenzgang (Frequency Response) mit 39 Hz – 25 kHz. Das Crossover findet bei 1.950 Hz statt, der maximale Schalldruck liegt bei 103 dB. Der Amp leistet 80 W – je 40 davon gehen an den Woofer und 40 an den Hochtöner, also halb so viel wie bei den größeren LP-6 2nd Wave. Laut Kali Audio nutzen die LP-UNF größtenteils aber dieselbe Technik wie die LP-6 und LP-8 V2-Speaker. Wir dürfen also auf den Klangtest gespannt sein.

Kali Audio LP-UNF

Lieferumfang und Platzierung der Studiomonitore

Mit im bunt bedruckten Karton befinden sich – sicher in viel Styropor gebettet – (natürlich) die beiden Monitore, ein Netzteil (3 A, 24 V, 72 W) mit Mittelklotz und Kaltgerätestecker und ein sehr spezielles Verbindungskabel (vierpoliger Phoenix-Connector) für die Speaker, das mit einer Länge von 1,5 m etwas arg kurz ausfällt. Für die meisten kleinen Studiotische mag das ja ausreichen. In meinem (zugegebenermaßen recht speziellen) Fall aber wäre das schon zu knapp, da ich zum Beispiel meine Speaker links und rechts neben dem 1,5 m breiten Zaor-Table auf Lautsprecherständern habe. Da hätte Kali Audio besser schon von Werk aus noch ein paar Zentimeter drauf legen sollen, um alle Eventualitäten abzudecken, statt eine längere Version des Kabels (2,4 m) nur optional für 10 USD in seinem Shop anzubieten.

Kali Audio LP-UNF

Auf dem ebenfalls beigefügten Quickstart-Guide empfiehlt der Hersteller zwar, die beiden Monitore in einem Abstand von 80 cm zu platzieren (bzw. „Arm’s Length“), sowie ebenfalls jeweils eine Armlänge von den Ohren entfernt – und dafür würde das Kabel dann wiederum ja locker ausreichen. Wer – wie ich – aber mit zwei nebeneinander stehenden PC-Monitoren arbeitet, die zusammen schon 1,2 m breit sind, dürfte Probleme haben, diese Vorgabe in die Praxis umzusetzen.

Für größere Setups jenseits der Schreibtische mit nur einem PC-Monitor scheinen die Kali Audio LP-UNF daher tatsächlich nicht gedacht zu sein, womit die Zielgruppe definiert wäre. Aber klingen die mit einem Aufstelldreieck von ca. 1,4 m Kantenlänge denn wirklich schlechter? Diese Frage werde ich gleich mal im Praxisteil testen, denn auch als zusätzliche Ultra-Nearfield-Monitore für eine weitere Abhörmöglichkeit in einem bestehenden größeren Setup wären die doch eine denkbare Option. Weitere Hinweise zur Aufstellung auf dem Quickstart-Guide: Optimaler Abstrahlwinkel plus/minus 15 Grad sowie Boxen nicht auf der Seite liegend betreiben.

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Und wie immer meine schon obligatorische Frage: Warum muss man Kabel eigentlich x-mal knicken, statt sie zu rollen? Sieht unschön aus, kostet zusätzlich Länge und provoziert unter Umständen noch Bruchstellen.

Kali Audio LP-UNF

Verarbeitung, Maße und Design der Kali Audio LP-UNF

Mit ihren Abmessungen von 25,4 x 16,4 x 18,6 cm (HxBxT) sind die Kali Audio LP-UNF überaus kompakt – damit passen sie dann tatsächlich noch auf so ziemlich jeden Schreibtisch oder (wenn es sein muss) auch ins Regal. 3,2 kg bringt der Monitor mit der Verstärkereinheit auf die Waage, glatte 3 kg sein sklavischer Kollege. Wobei die geringe Größe aber nicht auf Kosten des Design erkauft wurde, im Gegenteil: Mit den geschwungenen Linien des mattschwarzen, vinylbeschichteten MDF-Chassis, der leicht konvexe Frontpartie und den abgerundeten Kanten machen die beiden LP-UNF einen geradezu eleganten Eindruck, die muss man nicht verstecken. Prädikat: „wohnzimmertauglich“. Zudem haben die vielen Rundungen ja auch einen klanglichen Aspekt, da sie den Schall besser ableiten.

Den 3D-Waveguide, der für ein detailliertes, naturgetreues Stereobild sorgen soll, hat Kali Audio von den größeren LP-6 / LP-8 Monitoren übernommen. Denen hatte Kollege Stephan Merk in seinem Testbericht zu den LP-6 V2 dann auch einen „weiten Sweetspot und gute räumliche Abbildung“ attestiert. Ob das wohl bei der kompakteren LP-Version auch noch der Fall ist?

Kali Audio LP-UNF

Die Bass-Reflexöffnung ist – wie bei den größeren Modellen auch – nach vorne ausgeführt und zudem recht breit. Der Vorteil bei dieser Bauart ist, dass man die LP-UNF-Monitore so auch beruhigt an die Wand stellen kann, ohne dass einen die nach hinten ausgeführten Bässe matschig zuwummern. Durch die breite Ausführung der Tube sollen zudem Portgeräusche und Kompressionen verhindert werden – keine Chance dem Bass-Stau. Ob sich diese theoretischen Überlegungen auch in der Praxis bewahrheiten, werden wir ja gleich sehen.

Am Boden sind am vorderen Teil zwei eckige, größere Gummifüßchen angebracht, am hinteren Ende hingegen zwei recht flache, kleine Gummischeiben. Viel entkoppeln werden die nicht, aber immerhin wohl das Monitorgehäuse vor Kratzern schützen. Bzw. die Tischplatte vor dem Monitor. Vier kleine Ersatzaufkleber werden mitgeliefert. Wer sich, dem Klang und den Nachbarn etwas Gutes tun möchte, kauft sich für kleines Geld besser zusätzlich ISO-Pucks oder -Matten, um dem Bass den Weg in die Tischplatte zu verwehren.

Die Verarbeitung der Monitore ist einwandfrei, es gibt keine scharfen Kanten, unsauberen Verklebungen oder auffällige Spaltmaße.

Kali Audio LP-UNF

Anschlüsse und Regelwerk der Nahfeldmonitore

Wie schon erwähnt, befindet sich der Verstärker mit allen Reglern in einer Box, während die andere passiv aufgebaut ist. Werfen wir also erst einmal einen Blick auf den aktiven Monitor. Was direkt ins Auge fällt, ist die ungewöhnliche Volume-Steuerung auf der Front. Die nämlich erfolgt nicht – wie so oft – über einen meist nur schwer erreichbaren Drehregler auf der Rückseite, sondern über zwei unscheinbare Plus- und Minus-Zeichen, die sich nach einem Blick ins Online-Handbuch als Touch-Controls entpuppen. Angezeigt wird die Lautstärke mit einem langen LED-Indikator zwischen den beiden Touch-Reglern, mit denen sich die Monitore zudem auch stummschalten und ins Bluetooth-Pairing schicken lassen. Das ist überaus praktisch und eine echte Erleichterung für alle, die ihre Monitore schwer zugänglich platziert haben.

Angeschlossen werden die LP-UNF per 6,3 mm Klinke (symmetrisch, +4 dBU) oder Cinch/RCA (unsymmetrisch, -10 dBU). Ein symmetrischer XLR-Anschluss ist nicht vorhanden. Eher ungewöhnlich, aber praktisch ist die USB-C-Buchse. Damit lassen sich die Kali Audio LP-UNF direkt ohne Umweg über einen Mixer oder über ein Audiointerface an den Rechner oder an ein Tablet anschließen. Laut Handbuch soll das auch mit „certain smartphones“ funktionieren, ausdrücklich unterstützt wird diese Funktionalität aber nicht. Bei meinem alten Samsung S10 jedenfalls hat das geklappt. Wenn das nicht geht, ist das auch kein Drama, da die Verbindung zu den Mobilgeräten auch per Bluetooth (Version 5.1) hergestellt werden kann.

Das Feintuning des Klangs wird über ein Mäuseklavier mit acht kleinen DIP-Switches geregelt. Switch 1 bis 3 sorgen für EQ-Kompensation bei unterschiedlichem Abstand zur Wand (direkt an der Wand, bis zu 50 cm, mehr als 50 cm), wobei auch die unterschiedliche Höhe mit berücksichtigt werden kann (On a desk, On Monitor Stand, On a Recording Desk). Switches 4 und 5 sind für den LF Trim, Switches 6 und 7 für den HF-Trim zuständig. Der Trimbereich liegt bei -2 dB/+2 dB, also tatsächlich Feintuning. Mit DIP Switch 8 schließlich lässt sich die Power-LED auf der Vorderseite auf Wunsch abschalten. Warum auch immer man diesen Wunsch verspüren sollte.

Die Buchse für das Anschlusskabel zum passiven Monitor, eine weitere für das Netzteil und der Power-Schalter komplettieren das Angebot an Schaltern, Reglern und Anschlüssen. Der passive Monitor besitzt nur eine Buchse für das Verbindungskabel, alle Einstellungen erfolgen über die aktive Box.

Kali Audio LP-UNF

Anschluss über USB-C und Bluetooth

Der Anschluss an den PC über USB-C funktioniert problemlos. Direkt nach dem Anstöpseln werden die LP-UNF als USB-Speaker unter Windows 10 erkannt und genutzt. Die Kopplung mit dem Smartphone über Bluetooth ist an sich ebenso einfach.

Kali Audio LP-UNF

Praxistest: So klingen die Kali Audio LP-UNF

Bleibt die Gretchenfrage: Wieviel Klang können die ultra-kompakten Monitore produzieren? Um das zu klären, schließe ich die beiden LP-UNF per Klinke an meinen Mackie-Mixer an und platziere sie – wie von Kali Audio empfohlen – auf einem gleichschenkligen 80 cm Dreieck. Die Einstellungen des Mäuseklaviers belasse ich zunächst auf der Neutralstellung: Speaker 50 cm von der Wand entfernt, LF + HF-Trim disengaged. Zum Start gibt es ein bisschen Punk & Roll aus Düsseldorf (ein bisschen Lokalpatriotismus muss sein): „Die einzig wahren Farben für uns sind rot und weiß“, versichert Peter Hein, und ich bin erstaunt, wieviel „Wumms“ aus den kleinen Speakern kommt. Die Bässe sind druckvoll und sehr prägnant, die knackige Bassdrum setzt sich gut vom 4-Saiter ab, ohne dass das tiefe Fundament die darüberliegenden Bratgitarren zu ersticken – die Mitten kommen sauber durch und sind gut und unvermatscht zu hören, die Höhen thronen darüber, ohne ins Schrille abzudriften. Alles ist – trotz des recht dichten Mixes, bei dem ja auch noch ein mehrstimmiger Gesang hinzu kommt – feinporig sauber aufgelöst und schön differenziert.

Auch die Live-Fassung von Diana Kralls „Cry Me A River” überzeugt klanglich, mit samtweicher Stimme, breit- schwebenden  Streichern, perlendem Piano und schön gezupfter Gitarre.

Bei Kraftwerks Trans Europa Express muss ich etwas nachjustieren. Während der Bass weiterhin prägnant und klar ist, klingen die anfänglichen hohen Synthesizer-Akkorde und der Vocoder doch etwas schrill. Die -2 dB am HF-DIP können das etwas, aber nicht völlig entschärfen. Mit der Aufnahme haben aber so ziemlich alle Monitore so ihre größeren und kleineren Probleme.

Kali Audio LP-UNF

Das gilt auch für die „Main Titles“ aus Vangelis Blade Runner, wo etwa bei Minute Eins das synthetische Donnergrollen in den Bässen auf einige Arpeggios in extrem hohen Lagen treffen, während kurz darauf die kräftige CS-80-Fanfare ertönt. Mit all dem kommen die LP-UNF erstaunlich gut klar und liefern trotz allem ein sehr differenziertes Klangbild, bei dem mich auch die recht breite Stereoabbildung überzeugt. Gerade dieser Track gewinnt enorm, wenn die Breite gut vermittelt wird, und das schaffen die LP-UNF gut. Der Sweet-Spot ist da auch nicht auf wenige Zentimeter beschränkt, ein bisschen Bewegung ist erlaubt, wenn auch keine großen Wanderungen. Aber gut, es sind Ultra-Nearfield-Monitore, die die räumliche Kurzdistanz schon in ihrem Namen festgeschrieben haben.

Apropos Distanz: Die LP-UNF funktionieren tatsächlich im Bereich knapp unter 1 m am besten. Bei größerer Entfernung zwischen Ohren und Speakern verlieren die Bässe ein wenig an Kraft und werden dezent flacher. Klingt immer noch gut, aber eben nicht mehr so gut wie in der empfohlenen Nahdistanz. Größere Lautstärken verkraften die LP-UNF klaglos. Ich hatte sie im Test kurz unter der „Nachbar greift gleich zum Telefon“-Schwelle, ohne dass der Sound im Rock-am-Ring-Matsch versank.

Zum Schluss wie immer der Hinweis: Höreindrücke sind immer auch ein Stück subjektiv und abhängig von Hörgewohnheiten und Hörvermögen (das im Alter ja nachlässt). Wenn irgend möglich, sollten potentielle Interessenten am besten selber probehören.

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Fazit

Die Bedenken, dass die geringe Baugröße der Kali Audio LP-UNF zu Lasten des Klangs gehen könne, haben sich nicht bewahrheitet: Die LP-UNF überzeugen durch ein schön differenziertes Klangbild mit sauberen Bässen und einem breiten Stereobild. Im Ultra-Nahfeldbereich spielen die LP-UNF ihre Stärken am wirkungsvollsten aus. In größerer Distanz klingen sie immer noch gut, aber etwas flacher. Sehr praktisch sind die zusätzlichen Anschlussmöglichkeiten via USB-C und Bluetooth, können die LP-UNF so doch auch ihren Beitrag zur spontanen Wohnzimmerbeschallung liefern. Für alle, die klangstarke Monitore im Ultranahbereich suchen und nur wenig Platz haben, sollten die Kali Audio LP-UNF unbedingt in die engere Wahl nehmen. Der Preis von aktuell 349,- Euro geht da völlig in Ordnung.

Plus

  • differenzierter, sauber aufgelöster Klang
  • präzise, klangstarke Bässe
  • schönes Stereobild
  • USB-C und Bluetooth
  • kann auch direkt am Rechner angeschlossen werden
  • viele Möglichkeiten der Klanganpassung
  • ansehnliches Design
  • gute Verarbeitung
  • Sensorsteuerung des Volumes auf der Front

Minus

  • Verbindungskabel der Monitore dürfte gern noch etwas länger sein

Preis

  • 349,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Faro

    Danke für diesen Bericht am frühen Morgen.
    Ich finde dieses Gesamtkonzept sehr interessant. Aber die Blaue LED- Kette würde mich wahnsinnig machen. 🙄

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