Doppelt so gut? - Doubling aus der Dose
Mit dem Keeley 30ms Double Tracker lassen sich Doubling-Effekte live oder im Homestudio schnell und ohne Aufwand realisieren.
- Vielseitige Modi: Dimension, Abbey und Slapback bieten klassische bis experimentelle Doubling-Effekte mit Reverb und Tuning.
- Stereo-Routing: Interne DIP-Schalter ermöglichen erweitertes Routing und versteckte Funktionen für kreatives Sounddesign.
- Authentischer Vintage-Charakter: Inspiriert von Tape-Echo und Hallkammern der Abbey Road Studios.
- Hochwertige Verarbeitung: Robustes Gehäuse, intuitives Layout und bühnentaugliche Bedienung in bewährter Keeley-Qualität.
Inhaltsverzeichnis
Keeley 30 ms Double Tracker – Facts & Features
Seit den Anfängen des „automatischen“ Doubletrackings, das von Ken Townsend in den EMI Studios entwickelt wurde, ist diese Technik zum Standard geworden, um Aufnahmen mit einem volleren, voluminöseren Klang zu versehen. Mit dem Keeley 30ms Double Tracker können solche Doubletracking-Sounds auch in Pedalform und ohne großen Aufwand auf der Bühne bzw. im Studio simuliert werden. Ob das Gerät den Ansprüchen genügen kann oder ob man hier nur geschicktes Marketing betreibt, wird der Test zeigen.
Wem die Produkte des Boutique-Herstellers Keeley bereits bekannt sind, weiß um deren hohe Qualität und Praxistauglichkeit. Die in den USA hergestellten Pedale sind erwartungsgemäß etwas kostenintensiver als vergleichbare Kollegen aus Fernost. Im Lieferumfang befindet sich ein Klinkenadapter (6,3 mm), der den Stereoausgang in zwei Monoausgänge (L/R) splittet.
Unser heutiges Testobjekt soll also vintage-orientierte Doubling-Klänge in Studioqualität liefern, um Instrumente – insbesondere die E-Gitarre – fetter und voller klingen zu lassen. Zudem bietet es Routing-Möglichkeiten, die man in diesem kleinen Pedalformat sonst nicht findet. Zusätzlich wurde ein Reverb integriert, der die berühmte Hallkammer in Studio 2 der Abbey Road Studios simulieren soll. Das Pedal funktioniert auch gut mit Bass, Keyboard oder Gesang.
Das Pedal mit Standardabmessungen wirkt wertig, die Verarbeitung ist robust und bühnentauglich. Es kann in Mono oder auch Stereo betrieben werden – mit zwei Amps oder in der DAW klingt die Stereo-Variante natürlich deutlich räumlicher.
Die Potis am Double Tracker leisten den gewünschten leichten Widerstand. Im Lieferumfang befindet sich kein Netzteil. Das bedeutet, man betreibt es auf dem Board via Multinetzteil oder nutzt ein 9-Volt-DC Netzteil mit Hohlstecker Minuspol in der Mitte. Batteriebetrieb ist nicht möglich.
Regler – Bedienelemente
Der Fußschalter aktiviert den Effekt geräuschlos, eine LED signalisiert den jeweiligen Schaltungszustand. Das Bedienpanel des 30ms gestaltet sich aufgeräumt. Der kleine Kippschalter in der Mitte wählt zwischen drei verschiedenen Modi:
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Dimension: Erzeugt Chorus-ähnliche Sounds, indem dem trockenen Signal zwei verzögerte und modulierte (leicht verstimmte) Stimmen hinzugefügt werden – auch mit Hall kombinierbar.
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Abbey Mode: emuliert ein Tape-Machine-Echo und kann zusätzlich „verhallt“ werden.
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Slapback: In diesem Modus sind mit dem Time-Regler längere Verzögerungszeiten bis 120 ms möglich. In Verbindung mit dem integrierten Hall klingt das besonders authentisch für Country und Rockabilly.
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Tuning: Jede der beiden Stimmen kann um bis zu 30 Cent nach oben oder unten verstimmt werden – von subtiler Schwebung bis zu „seasick“-artigen Modulationen.
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Time: Bestimmt die Verzögerungszeit der Dopplung (10–30 ms, im Slapback-Modus bis 120 ms).
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Reverb: Mischt dem trockenen Signal den gewünschten Hallanteil bei.
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Level: Steuert die Lautstärke der Summe aller Effekt-Signale.
Die Bedienung des Double-Trackers gestaltet sich selbsterklärend. Zunächst wählt man mit dem kleinen Kippschalter den gewünschten Effektmodus und findet dann mit den vier Reglern per Gehör den Sweetspot. Es lohnt sich zu experimentieren – auch weil in der kleinen Kiste einige „hidden features“ implementiert wurden.
Bedienung/Routing des Effektsignals
Schraubt man den Boden des Double Trackers ab, findet man zwei kleine DIP-Schalter, mit denen man das Routing der Dry- bzw. Wet-Signale beeinflussen kann. Die Signale könnten, sofern man es stereo betreiben wollte, nach Belieben (mithilfe des mitgelieferten Klinkenadapters) den zwei Ausgängen zugewiesen werden. In folgendem Auszug aus der Bedienungsanleitung werden die Möglichkeiten dargestellt.
Im sogenannten Stereo-Double-Tracker-Pro-Modus (aktiviert durch Umschalten der internen DIP-Schalter auf Position 2) entsteht ein verändertes Stereobild. In diesem Modus wird der Reverb-Regler zu einem zweiten Tuning-Regler, was allen drei Modi zusätzliche Klangformungsmöglichkeiten hinzufügt.
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Sound
Die Aufnahme der Klangbeispiele erfolgte in Stereo, rechts das trockene Signal, links das Effektsignal. Wir hören eine typische Country- und Rockabilly-Slapback-Anwendung mit Delay, dezenter Verstimmung und etwas Hall:
Da ein Chorus-Effekt generell durch ein dem trockenen Signal hinzugefügtes, minimal verzögertes Signal mit leichter Verstimmung erzeugt wird, sind diese Sounds mit dem Pedal natürlich auch zu erreichen. Wir hören eine Telecaster im Dimension-Modus mit aufgedrehtem LEVEL-Regler:
Nun die Telecaster, angereichert mit einem leicht verstimmten Delay und dem integrierten Hall – das Ergebnis klingt inspirierend:
In einem weiteren Beispiel kommt eine Gibson ES-335 mit verändertem Setup (mehr Hall, weniger Verstimmung) zum Einsatz:
Zuletzt hören wir eine Suhr Classic Strat mit deutlich mehr Verstimmung und viel Hall – für spacigere, atmosphärische Sounds:
Signalweg: Telecaster/Gibson ES335/Suhr Classic Stratocaster – Peavey Classic 20 Minihead, Recording Out – Keeley 30 ms (Stereo) – MOTU M4 – Mac Studio mit Logic.






























