Test: Keeley Aria Compressor/Overdrive, Effektgerät

5. August 2018

Two Classics in one!

Keeley Aria titel

Fast zwanzig Jahre technisches Know-how und Herzblut sind in den Keeley Aria Compressor/Overdrive geflossen. Robert Keeley dürfte einer der bekanntesten amerikanischen Pedalpioniere sein. Seit der Jahrtausendwende setzt seine Firma aus Oklahoma Akzente und hat in den letzten Jahren vor allem mit großartigen Verzerrern und Kompressoren von sich Reden gemacht. Alles begann damit, dass Robert Keeley mit ein paar Kommilitonen alte Effektgeräte umbaute und modifizierte – einer der ersten Gehversuche: der Nachbau eines alten Ross-Compressors.

Der Rest ist Geschichte und für das Hier und Jetzt bedeutet das: Die vorliegende Mischung aus Compressor und Overdrive dürfte ein Heimspiel für den Pedalbauer aus Edmond sein – immerhin ist der Keeley Compressor einer der meistbenutzten Kompressoren für Gitarristen. Man darf also gespannt sein, was der Aria, halb Kompressor, halb Overdrive, alles mitbringt und ob es Keeley gelungen ist, seinen hervorragenden Ruf für Pedale aus dieser Riege zu zementieren.

Keeley Aria Compressor/Overdrive Facts & Features

Im Grunde bekommt man mit dem Keeley Aria Compressor/Overdrive zwei der bekanntesten und beliebtesten Keeley-Schaltkreise in einer Box geliefert – den des legendären Keeley Compressors, kombiniert mit der Schaltung des Keeley Red Dirt Overdrives. Also hat Keeley hier das Naheliegende getan und zwei All-time-favourites zusammengeführt. Der Red Dirt Overdrive-Schaltkreis basiert auf einen Tubescreamer und legt entsprechend den Hauptfokus auf treibende Mitten und Mid-Range-Dynamik, während der Keeley Compressor-Schaltkreis die gewohnte Noise-Reduction und den Keeley-typischen „Squeeze“ mit sich bringt. Beide Schaltungen können frei kombiniert werden, will heißen: entweder den Kompressor vor den Overdrive schalten oder umgekehrt, je nachdem, was das Spiel erfordert.

Außerdem lassen sich über TRS-Kabel beliebig viele andere Effekte zwischen Kompressor und Overdrive schalten, ein integrierter Effect-Insert, denkbar beispielsweise für Modulationseffekte jeder Art. Phaser, Flanger oder auch Tremolo können also nach dem Overdrive, aber vor den Kompressor geschaltet werden – so sorgt man zum Beispiel dafür, dass die Effekthascherei auf der Bühne in Sachen Lautstärke und Frequenzen nicht ausschert und man schön im Klangbild der Band bleibt. Sinnvoll ist auch das Einspeisen eines Fuzz nach dem Compressor und vor dem Overdrive, um den rhythmischen Punch zu akzentuieren – die Möglichkeiten sind also vielfach vorhanden.

Keeley Aria Compressor / Overdrive

Die Stromversorgung verläuft über die 9-Volt-Buchse, die auf der Stirnseite angebracht ist. Batteriebetrieb ist mit dem Aria nicht möglich. Das 350 Gramm schwere Metallgehäuse ist gut verarbeitet und liegt angenehm auf. In Sachen Verarbeitung gab es in der Vergangenheit immer wieder ein paar schwarze Schafe bei Keeley – das vorliegende Exemplar genügt aber allen Ansprüchen und ist makellos!

Keeley Aria Compressor/Overdrive – Bedienpanel

Keeley Aria Compressor / Overdrive

Auf den ersten Blick fallen beim Keeley Aria Compressor/Overdrive natürlich die zwei Stomper auf – Drive und Compressor können hier unabhängig voneinander oder zusammen aktiviert oder in den True-Bypass-Modus versetzt werden. Allein dies garantiert ein breites Spektrum an tonalen Möglichkeiten, wird aber durch die Möglichkeiten der Reihenschaltung noch mal potenziert – der kleine, fein eingerastete Minischalter FX Order zwischen den Pedalhälften ermöglicht genau dies. Legt man es also vor allem auf Noisereduction und die Handhabe von Nebengeräuschen an, will aber gleichzeitig einen konstanten Gain-Level gewährleisten, liegt es nahe, beide zu aktivieren, den Kompressor jedoch vor den Overdrive zu schalten. Will man ein rundes, warmes Profil im Sound und viel Sustain, sollte man den Kompressor hinter den Overdrive schalten – hier gibt der Aria vor allem mit dem Blend-Poti der Kompressor-Seite die Möglichkeit, Weichheit und Biss sehr genau aufeinander abzustimmen.

Der Compressor Plus-Schaltkreis und die Overdriveschaltung werden links und rechts mit jeweils drei Potis angesteuert. Die linke Seite, die den Overdrive-Schaltkreis regelt, bietet folgende Regler:

  • Level regelt allgemein den Volume des Drives und wie stark dieser in der Signalkette durchkommt.
  • Drive setzt die Intensität des Overdrives. Im Low-Gain-Bereich ermöglicht dies eine differenzierte, zurückhaltende Anzerrung, die, kombiniert mit zurückgesetztem Tone, einen  hervorragenden, transparenten Boost vor allem für Strophen-Passagen ermöglicht. Im High-Gain-Bereich kann alles abgedeckt werden, bis hin zum Tube-Screamer-Sound – Vielfalt lautet hier die Devise!
  • Tone ermöglicht das Kalibrieren, Rein- sowie Rausnehmen von Presence und Klangfarbe im Sound.

Garniert wird dies durch einen Low-Gain/High-Gain-Minischalter, der sich vor allem auf das Drive-Poti auswirkt. Die Kompressor-Seite besitzt folgende Regler:

  • Level regelt die allgemeine Lautstärke des Kompressors und wie stark sich dieser in der Signalkette bemerkbar macht – als Boost für cleane, z. B. mit Daumen gespielte Passagen ideal.
  • Blend ermöglicht das Hineinmischen des cleanen Signals in den Gesamtsound, was für rhythmische Akzentuierungen sinnvoll ist und den natürlichen Klang der Gitarre im Sound beibehält.
  • Sustain bestimmt, wie lange der Sound quasi ausschwingt und im Raum stehen bleibt. Ein hoher Wert auf dem Sustain-Poti lässt den Kompressor entsprechend länger arbeiten und das Decay nur langsam durchkommen.
  • Tone, als kleinster Regler auf dem Pedal, ermöglicht entsprechend das Hervorheben von Lead- oder Rhythmsounds bei aktivem Kompressor.
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