Atmosphäre auf Knopfdruck
Für Gitarristen, die nach einem vielseitigen, bühnentauglichen Reverb-Pedal mit übersichtlicher Bedienstruktur suchen, liefert das Keeley Nocturne Reverb eine spannende Lösung. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit Andy Timmons, vereint das Pedal hochwertige Verarbeitung, flexible Anschlussmöglichkeiten und drei charakterstarke Hallmodi – von klassisch bis kreativ.
- Drei Reverb-Typen: Nocturne, Spring und Plate decken von Vintage bis Ambient ein breites Klangspektrum ab.
- Praxisgerechte Bedienung: Klassisches Regler-Layout, Softklick-Schalter und klar strukturierte Oberfläche.
- Moderne Ausstattung: Stereo, MIDI, Presets und Expression-Anschluss sorgen für maximale Flexibilität.
- Hochwertige Verarbeitung: Solides Metallgehäuse, leise Schalter und zuverlässige Performance.
Inhaltsverzeichnis
Keeley Nocturne Reverb
Boutique-Pedale sind längst kein Nischenphänomen mehr, doch nur wenige Hersteller haben es geschafft, sich über Jahre hinweg eine so konstante Präsenz zu erarbeiten wie Keeley Electronics. Gegründet wurde das Unternehmen von Robert Keeley in Oklahoma City – zunächst mit Modifikationen klassischer Effektpedale, die vor allem in den USA schnell Kultstatus erreichten. Aus diesen frühen Umbauten entwickelte sich Schritt für Schritt ein eigenständiges Portfolio, das heute von Overdrives und Kompressoren über Delays hin zu komplexen Ambient-Tools reicht. Produziert wird weiterhin in den USA, was für viele Käufer nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch Teil der Markenidentität ist.
Kennzeichnend für Keeley ist seit jeher die Verbindung aus praxisnaher Bedienung und moderner Technik. Während andere Hersteller ihre Geräte zunehmend in Richtung Menüführung, Display-Navigation und tiefer Editierbarkeit entwickeln, verfolgen Robert Keeley und sein Team häufig einen direkteren Ansatz: klassische Regleranordnung, gut strukturierte Bedienoberflächen und dennoch eine technische Basis, die deutlich über einfache Standardlösungen hinausgeht. Gerade im Bereich digitaler Effekte wie Delay und Reverb hat sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das konnten wir auch in unseren Tests immer wieder feststellen.
Andy Timmons Signature Reverb
Vor diesem Hintergrund ist die Zusammenarbeit mit Andy Timmons ein folgerichtiger Schritt. Der texanische Gitarrenvirtuose ist seit den frühen 1990er-Jahren aktiv, zunächst als Mitglied der Hardrock-Band Danger Danger, später vor allem als Solokünstler und gefragter Studio- und Live-Musiker. Sein Spiel ist geprägt von ausgearbeiteten Melodiebögen, kontrollierter Dynamik und einer definierten Klangvorstellung, bei der räumliche Effekte eine wichtige Rolle spielen. Timmons ist zudem bekannt dafür, sein Equipment sehr bewusst auszuwählen und über Jahre hinweg konstant zu nutzen.
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Mit dem Keeley Nocturne bringt Keeley nun ein Hallpedal auf den Markt, das in Zusammenarbeit mit Timmons entwickelt wurde. Der Name „Nocturne“ verweist atmosphärisch auf eine bestimmte Klangästhetik, ohne diese jedoch konkret zu benennen. Ob es sich dabei um ein klassisches Signature-Pedal im engeren Sinne handelt oder eher um eine gemeinsame konzeptionelle Weiterentwicklung innerhalb der bestehenden Keeley-Produktlinie, wird sich im Verlauf des Tests zeigen. Legen wir los!
Facts & Features
Das Keeley Nocturne Reverb präsentiert sich im großzügig dimensionierten Metallgehäuse, das mit seinen Maßen von 157 × 117 × 81 mm deutlich macht: Hier geht es nicht um ein Mini-Pedal für das letzte freie Eckchen auf dem Pedalboard, sondern um ein ausgewachsenes Effektgerät mit entsprechendem Funktionsumfang. Mit rund 430 Gramm bringt der Kasten ausreichend Gewicht mit, um auch auf glatten Bühnenbrettern stabil zu stehen. Wer nicht vorhat, das Nocturne Reverb mit Klettband auf dem Board zu fixieren, sollte jedoch nach ein paar Gummifüßchen Ausschau halten. Denn leider befinden sich keine im Lieferumfang.
Verarbeitung und Haptik entsprechen dem, was man von einem Boutique-Pedal in dieser Preisklasse erwarten darf: sauber gefertigtes Stahlblechgehäuse, sahnig laufende Potis und ein insgesamt sehr solider Eindruck, bei dem auch fehlgeleitete Fußtritte keinen dauerhaften Schaden anrichten sollten.
Die Bedienoberfläche ist übersichtlich gehalten. Vier Regler – „Tone“, „Reverb Level“, „Decay“ und „Modulation“ – bilden das Zentrum der Steuerung. Die Potis laufen angenehm straff und vermitteln eine gute Dosierbarkeit. Ergänzt wird das Layout durch drei Schalter: einen Reverb-Mode-Schalter zur Auswahl der drei Halltypen (Nocturne, Spring, Plate), einen On/Off-Fußschalter sowie einen Preset-Schalter. Besonders positiv fallen die Softklick-Fußschalter auf. Sie arbeiten geräuscharm und mit angenehmem Druckpunkt – ein Detail, das bei diskreten Aufnahmen durchaus relevant sein kann.
Die vier Hauptregler greifen in allen drei Modi auf dieselben Grundparameter zu, wobei ihre Wirkung je nach gewähltem Preset leicht unterschiedlich ausfallen kann. „Tone“ beeinflusst den Klang des Effektsignals, „Reverb Level“ mischt das Hallsignal zum Direktsignal hinzu, „Decay“ regelt die Länge der Hallfahne und „Modulation“ steuert je nach Modus die Intensität von Modulationen innerhalb der Hallstruktur.
Eine große Status-LED zwischen den Fußschaltern des Keeley Nocturne informiert über den Betriebszustand, ohne dabei übermäßig hell zu wirken. Auf der Anschlussseite zeigt sich das Keeley Nocturne Reverb flexibel: Je zwei 6,3-mm-Klinkenbuchsen für Ein- und Ausgang ermöglichen echte Stereo-Signalführung. Hinzu kommen separate Anschlüsse für Expression- oder MIDI-Steuerung über eine Stereo-Klinke sowie eine Remote-Buchse für externe Momentary- oder Latching-Schalter. Sämtliche Anschlüsse sitzen an der Stirnseite, was Platzproblemen auf dem Board vorbeugt.
Intern ermöglicht das Keeley Nocturne, bis zu 72 Presets zu speichern – eine beachtliche Zahl für ein Gerät mit vergleichsweise direkter Bedienoberfläche. Die Stromversorgung erfolgt über ein 9–18 V, DC Netzteil bei einer Stromaufnahme von 150 mA.
3 Programme – Nocturne Reverb, Spring und Plate
Der Nocturne-Modus basiert laut Hersteller auf dem von Andy Timmons genutzten „Halo“-Delay-Algorithmus, wurde hier jedoch als eigenständiger Reverb-Ansatz neu umgesetzt. Technisch bewegt sich dieser Modus im Feld moderner algorithmischer Hallstrukturen mit erweiterten Reflexionsmustern und integrierter Modulation. Anders als klassische Feder- oder Plattenemulationen ist dieser Halltyp nicht an ein Vorbild gebunden, sondern verfolgt ein eigenständiges Raumkonzept.
Der Spring-Modus orientiert sich dagegen am klassischen Federhallprinzip. Hier werden die typischen, leicht unregelmäßigen Reflexionsmuster einer mechanischen Hallspirale digital nachgebildet. Charakteristisch für diese Bauart sind die schnell einsetzenden, leicht „federnden“ Hallstrukturen, die sich von gleichmäßig ausklingenden Plate oder Hallraum-Simulationen unterscheiden.
Im Plate-Modus simuliert Keeley Nocturne das Verhalten einer Hallplatte, wie sie in Studioumgebungen zum Einsatz kam bzw. auch heute vereinzelt noch kommt. Im Gegensatz zur Feder basiert dieses Konzept auf einer großflächigen Metallplatte, die durch Schwingungsübertragung angeregt wird. Das Resultat sind dichte, gleichmäßig ausklingende Hallfahnen mit tendenziell homogenerer Verteilung der frühen Reflexionen. So – und nach so viel grauer Theorie – geht es nun endlich in den Praxisteil!
In der Praxis
Keeley Nocturne Reverb
Der Nocturne-Modus ist der namensgebende Algorithmus des Keeley Nocturne und bietet ein dicht strukturiertes, leicht moduliertes Klangbild. Im Praxiseinsatz wirkt er offen und lebendig, ohne dabei zu dominant zu werden. Besonders bei Soli oder melodischen Passagen entfaltet sich der Nachhall gleichmäßig, während die Modulation eine subtile Bewegung ins Signal bringt. Die Hallfahnen sind lang, aber transparent. Frühe Reflexionen sorgen dafür, dass der Ton stets präsent bleibt und nicht im Hall „versinkt“. Die vier Regler greifen hier präzise: „Tone“ formt die Höhen, „Reverb Level“ mischt die Intensität, „Decay“ steuert die Länge der Hallfahne, „Modulation“ fügt Bewegungen hinzu, die sich leicht dosieren lassen.
Spring Reverb
Der Spring-Modus emuliert den klassischen Federhall. Im Praxisbetrieb zeigt er das typische „federnde“ Verhalten: Der Hall setzt schnell ein, schwingt leicht unregelmäßig und vermittelt das bekannte Vintage-Gefühl, wie man es von den Hallspiralen klassischer Röhrenverstärker kennt. Gerade bei rhythmischen Passagen und Clean-Sounds erzeugt dieser Modus eine organische Räumlichkeit. Die Regler reagieren hier wie erwartet: „Decay“ bestimmt die Nachhallzeit, „Reverb Level“ die Präsenz im Mix, „Tone“ formt die metallisch-eigenwilligen Spitzen der Feder, „Modulation“ fügt nur minimale Bewegung hinzu, was dem traditionellen Federhall-Sound treu bleibt.
Plate Reverb
Der Plate-Modus orientiert sich an klassischen Studioplatten. Praktisch umgesetzt erzeugt er einen dichten, gleichmäßig ausklingenden Raum, der sich sowohl für Clean- als auch für Lead-Sounds eignet. Die Hallfahnen sind lang, stabil und gut definiert. Frühe Reflexionen sind gleichmäßig verteilt, wodurch der Klang sehr homogen wirkt. Besonders bei melodischen Linien oder Ambient-Parts entsteht ein transparenter, tragender Raum, der die Gitarre ins Zentrum setzt, ohne dass Details verloren gehen. Alle Regler wirken differenziert: „Tone“ beeinflusst die spektrale Balance der Plate-Hallfahnen, „Reverb Level“ mischt die Intensität ein, „Decay“ steuert die Länge und „Modulation“ erzeugt subtile Bewegungen, die den Raum lebendig wirken lassen.
Klangbeispiele
Für die folgenden Klangbeispiele habe ich das Keeley Nocturne Reverb in den Effektweg meines Orange Micro Dark Topteils eingebunden. Als Box kam eine 1x 12″ mit Celestion-Vintage-30-Speaker zum Einsatz. Aufgenommen wurden die Tracks mit einem AKG C3000 Mikrofon und einer Maybach Lester Les Paul.
































Ich habe mir vor kurzem ein UAFX Evermore geleistet. Klar, das hat keine Presets und kein Midi und kein Control aber es klingt einfach fantastisch und hat weniger als die Hälfte des Nocturne gekostet. Für meine Ohren löst es um einiges besser auf, die Qualität ist unerreicht.