Modernes Vintage oder was!?
Das Keeley RK2000 Funk Siren Delay ist ein kompaktes Effektpedal, das den Sound der legendären DM2000-Rackdelays aus den frühen 1980er-Jahren in ein modernes Pedalformat überträgt. Wir hören heute rein.
Worum geht es? Das Keeley RK2000 Funk Siren Delay bringt den Charakter der legendären DM2000-Rackdelays der frühen 1980er-Jahre in ein kompaktes Stereo-Pedal und kombiniert den markanten 12-Bit-Sound mit modernen Features wie MIDI, Presets und Modulation.
- Sound: Charakterstarke Vintage-Delays mit eigenständiger Klangfärbung, von klassischen Echos bis hin zu experimentellen Soundscapes.
- Ausstattung: Stereo-I/O, MIDI, Expression-Pedal-Unterstützung, fünf Presets und vielseitige LFO-Modulation.
- Bedienung: Übersichtliches Layout und intuitive Oberfläche, einige Funktionen sind jedoch nur über Hidden Features erreichbar.
- Einsatzbereich: Ideal für Ambient, Sounddesign und kreative Delay-Effekte, weniger als universelles Standard-Delay ausgelegt.
- Preis-Leistung: Hochwertig verarbeitet, klanglich eigenständig und für Fans charaktervoller Delays eine interessante Alternative zu den üblichen Verdächtigen.
Inhaltsverzeichnis
Keeley RK2000 Funk Siren Delay
Der Markt für Effektgeräte und insbesondere Delays wächst stetig und ist selbst für Fachleute kaum noch zu überblicken. Mit völlig neuen Funktionen überrascht heute kaum noch ein Hersteller, aber mit eigenen Kombinationen und Charakteren punkten einige Pedale immer wieder. Heute liegt ein Pedal vor, das spannend anmutet. Wir checken rein …
Der erste Eindruck
Optisch wirkt das RK2000 angenehm aufgeräumt und besitzt einen dezenten, fast schon Understatement-artigen Charme. Sieht so aus, als bräuchte man kein Benutzerhandbuch (was ich ja immer sehr schätze, haha) und sogar mit Stereo-In- und -Out-Buchsen ohne Split-Y-Kabel oder Ähnlichem. Herrlich! Den Input-Knob finde ich direkt hot, das heißt, wir können bei einem Delay mit Verzerrungsgraden arbeiten. Der Rest sieht erstmal üblich aus: Presets, Mix, Filter etc. Remote/Exp/MIDI lässt weitere helle Lichter erscheinen. Die LFO-gesteuerte Mod-Sektion lässt große Träume erscheinen!
Klanglich toll. Definitiv kein Allrounder-Delay-Pedal, aber in dem, was es tut, sehr gut! Soundschrauber und Freunde von individuellen Soundwerkstätten werden hier Freude finden. Eher kein Pedal für den Top-40-Covergig.
Handling
Die Oberfläche lässt schon vermuten, dass es sich beim RK2000 um kein kompliziertes Pedal handelt. Das ist auch so, zumindest überwiegend. Alle Funktionen auf der Pedalfront sind klar beschrieben, die I/Os sind ebenso klar benannt und alles tut das, was man erwartet. Ich nehme schon mal voraus: Es gibt noch Hidden-Features, die man ohne Handbuch erst vergeblich sucht und dann etwas umständlich aktivieren muss.
Delay-Zeiten/Subdivisions sind klar angegeben und farblich als verschiedene Modi voneinander getrennt (weiß: Delay-Zeiten in ms; rot: Delay-Zeiten als Subdivisions).
Witzig, aber natürlich praktisch ist, dass die Freeze/Hold-Funktion des Delays durch Drücken (nicht halten) des Buttons als Direktzugriff verfügbar ist, durch Gedrückthalten des Schalters wird der Buffer gelöscht (Clear).
Auch zur Verkabelung denkbar gut benannt. Alles top soweit!
Die Hidden-Features werden unter Specs & Facts genauer erklärt!
Keeley RK2000 Funk Siren Delay – Specs & Facts
Das Keeley RK2000 Delay vereint den Spirit des legendären DM2000 der 1980er-Jahre mit modernen Features und einem Pedalboard-freundlichen Format (im Gegensatz zu 19″-Kühlschränken der Dekade der Exzesse).
Auf der Front findet man neben zwei Fußschaltern (links: On/Off/Tap-Tempo, rechts: Hold-Freeze/Clear, gleichzeitig: Preset-Wechsel), drei kleine Taster (links: Phase/Subdivisions, Mitte: Preset-Wechsel, rechts: Modulation), LEDs (Preset-Status, Delay-On/Off, Tempo, Subdivision, Mod-On/Off) sowie sieben Drehpotis für Input/Gain, Blend (Mix), Feedback (Anzahl der Wiederholungen), Filter (Highpass/Lowpass), Depth und Rate (letztere beide für den LFO/Modulation).
Anschlussseitig findet man auf der Kopfseite des Pedals die üblichen Verdächtigen: vier 6,3-mm-Standard-TS-Klinkenbuchsen für Input (mono oder stereo) und Output (mono oder stereo), eine 2,1 x 5,5 mm Hohlkontaktbuchse für die Stromversorgung (nicht im Lieferumfang enthalten; ACHTUNG: Ein Batteriebetrieb wird nicht unterstützt; 9-18 V, DC bei 150 mA; Center negative) und zwei TRS-Buchsen für REMOTE, EXP/MIDI. Direkt vorab: Warum MIDI über TRS und nicht über ein 5-poliges DIN-Kabel (Standard MIDI-Kabel)? (Exkurs des Autors: Von den fünf Pins/Adern eines Standard-MIDI, also 5-pol DIN-Steckers/Kabels, arbeiten für normale MIDI-Anwendungen PC und CC nur drei und sind oft auch nur verkabelt, daher klappt das auch via Adaptern über dreipolige TRS- oder sogar XLR-Kabel).
In diesem Fall spart man sich so eine Buchse und Platz am Gerät, da MIDI und EXP als entweder/oder-Option hier über dieselbe Buchse zur Verfügung gestellt werden. MIDI über XLR zu übertragen, empfiehlt sich im Live-Betrieb in jedem Fall, da XLR-Kabel oft leichter verfügbar sind, im Falle eines Kabelausfalls und die Einrastoption eines XLR-Steckers mehr Sicherheit bietet als MIDI-DIN-Stecker, Exkurs Ende!)
Am linken „Remote“-TRS-Anschluss lassen sich „Momentary“- und/oder „Latching“-Fußschalter anschließen. Während der TIP des TRS immer die HOLD-Funktion steuert, kann mit RING zwischen Modulation oder Delay-Bypass gewählt werden. Praktisch!
Die rechte EXP/MIDI-Buchse kann entweder für ein Expression-Pedal genutzt werden, das auf eines der Potis gemappt werden kann (ab Werk ist BLEND gemappt) oder via Adapter TRS-auf-5pol-DIN als MIDI-Anschluss genutzt werden (muss intern auf EXP oder MIDI geschaltet werden). Über die MIDI-Integration können dann bis zu 127 Presets via MIDI-PC gespeichert und aufgerufen werden!
Das Pedal misst lediglich 130 x 100 x 69 mm (L x B x H) und ist damit so mittelgroß und wiegt nur 500 g. Es ist komplett „Made in USA“!
Mit Delay-Zeiten von 1 ms bis 1023 ms deckt das Pedal einen sehr weiten Bereich ab. Ebenso die Parameter des LFO-gesteuerten Modulation-Blocks, der von sanfter leichter Modulation bis zur Space-Achterbahn in jede Form gebogen werden kann.
Das Pedal arbeitet mit einer 12-Bit-Signalverarbeitung (ja, das macht Sound, vergleichbar mit der Framerate bei Filmen, erzeugt das einen Vibe, der hörbar ist).
Die volle MIDI-Integration ist für alle Soundwerkstättler natürlich hochinteressant, um das Pedal möglichst flexibel mit all seinen Features zu nutzen und wiederabrufbar zu machen. Sei es aus einem MIDI-Floorboard getriggert oder direkt aus einer DAW im Studio oder Live-Betrieb!
Über die Preset-Funktion lassen sich fünf Presets abspeichern und per Taster oder über beide Fußschalter anwählen.
Wermutstropfen des Keeley RK2000 Funk Siren Delays sind leider ein paar tolle „Hidden“-Features bzw. die Art und Weise, wie diese aktiviert bzw. umgeschaltet werden. Hierzu muss das Gerät ausgeschaltet und beim Verbinden mit dem Netzteil eine Tastenkombination gedrückt gehalten werden. Bei Bypass-Modes (wie True-Bypass oder Buffered-Bypass), Factory-Reset oder EXP/MIDI-Umschaltung ist dieses Verfahren in Ordnung. Delays-Trails, Wet/Dry-Mix, Remote-Switch (Latching/Momentary) und Stereo-Ping-Pong (Parallel-Stereo/Ping-Pong) wären besser im laufenden Betrieb umschaltbar oder sogar pro Preset speicherbar.
Alle Features im Überblick
Praxistest: Sounds
Starten wir einfach mal mit „Standardsounds“ à la Slapback-, Long-, Short- oder Mod-Delays sowie durch Delay und die Modulationssektion erzeugte Chorus-Effekte in Mono oder Stereo.
Je nach Setup lässt sich der RK2000 in Mono oder Stereo betreiben bzw. auch im Betrieb mit zwei Amps können die Effekte in quasi Dual-Mono ausgegeben werden. In den Beispielen 1 und 2 hört man deutlich (v. a. mit Kopfhörern), wie im Stereobetrieb der Sound breit wird und sich schön vintagemäßig gefärbt auf und ab bewegt.
Die charaktervollen Delays in den Klangbeispielen 3 bis 6 bewegen sich zwar im Bereich von Standardsounds, aber die Färbung spricht sehr für sich. Kein klinisch glattes Signal, sondern viel Farbe und Wiedererkennbarkeit.
Im Stereobetrieb kann der RK2000 auch Ping-Pong-Effekte abbilden, vgl. Beispiel 8.
Spielt man etwas mit den Delay-Zeiten (im kurzen bis sehr kurzen Bereich), so lassen sich in Kombination mit mittleren bis längeren Feedback-Einstellungen auch Reverb-ähnliche Sounds erzeugen (Beispiel 7/9). (Anmerkung des Autors: Reverbs sind im Endeffekt auch „nur“ viele Delays mit unterschiedlichen Laufzeiten und klanglichen Färbungen).
Im RK2000 steckt bis hierhin schon jede Menge Potenzial zum Experimentieren. Die Soundpalette, die sich allein hier ergibt aus Delays, Pseudo-Reverb, Modulation, Mono/Stereo und Input-Gain (und der daraus resultierenden möglichen Verzerrung) spricht Bände. Herrlich für Soundtüftler, die Hands-on-Mentalität mögen.
Mit dem RK2000 Funk Siren Delay lassen sich aber auch abseits der „normalen“ Delaysounds noch eine Menge experimenteller Sounds erzeugen. Hier habe ich einfach mal das spielende Kind in mir rausgelassen und euch ein paar spontan gebastelte Sounds dagelassen.
Von Laser-Delays über Ring-Mod-ähnlichen Sounds und Filter bis hin zu Pitch-Effekten durch Veränderung der Delay-Zeiten oder LFO-Parameter in der Mod-Sektion. Checkt die Jams mal aus. Viel Spaß beim Hören!
Die Klangbeispiele wurden in folgender Signalkette aufgenommen:
Shabat Lion Deluxe Black vor Gold → Fractal Audio FM9 (dry Amp Sound mono) → KEELEY RK2000 Funk Siren Delay (stereo) → RME FireFace400 / UAD Apollo Twin X → MacBook Pro M1 → Cubase 15 PRO
Es wurden keine nachträglichen EQs, Kompressoren etc. verwendet (ausgenommen Opening-Song).


































Schöner Test, schöne Beispiele, schönen Dank!
Kleine Anmerkungen:
– Für die jüngeren Leser: Das Vorbild ist das Ibanez DM2000. Das DM1000 sollte ähnlich klingen.
– Bei „Long Delay“ denke ich an das Intro von Morning Dew (Nazareth) – dafür ist mindestens eine volle Sekunde an Verzögerung nötig, insofern ein guter Test.
– „Funk Siren“? Bezieht sich das auf Sounds wie im Beispiel „Weird Sound Delay“?
– Besonders nett finde ich die Abschnittüberschrift „Alle Features im Überblick“, unter der sich lediglich das Bild vom Beutel befindet. Dieser subtile Humor 😎
Gruß, Carsten
@chardt klingt sehr wie ein Tape delay oder eine digitale Nachbildung davon 😃👍
@Numitron Tape Delay mit so viel Höhen? Ähhh – nein, nicht wirklich.
@chardt aso. ich meinte nur die Art der Wiederholungen
Genau solche Pedale liebe ich. Nicht unbedingt, weil sie alles können müssen, sondern weil sie einen eigenen Charakter haben. Für mein Pedalboard wäre das vermutlich zu speziell, mein Flashback 2 deckt den Alltag hervorragend ab. Aber für Ambient, Soundtracks oder einfach zum Experimentieren scheint das RK2000 eine echte Spielwiese zu sein. Solche Geräte inspirieren oft zu neuen Ideen und Songs.