Test: Keeley Synth 1, Synthesizer für Gitarre

14. April 2019

Synthesizersounds mit der Gitarre - Keeley wagt den nächsten Versuch!

Keeley Synth 1

Keeley Synth 1

Ein bisschen bekommt man das Gefühl, dass von Gitarren getriggerte Synthesizerpedale die Effektklasse der Stunde darstellen und dass sich jedes Unternehmen mit Rang und Namen mal daran versuchen möchte. Und wenn Keeley aus Oklahoma gut in etwas ist, dann das: die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu reagieren.

Die Nomenklatur der Synthesizer auf Pedale für Gitarren zu übertragen, kann bisweilen zum Overkill in Sachen Features führen. Keeley hat das augenscheinlich erkannt – und die Kirche im Dorf gelassen. Herausgekommen ist eine reduzierte, monophone Handfeuerwaffe für Fuzz und Sägezahn. Die ersten Klangbeispiele sind vielversprechend und machen Lust auf mehr, die Qualität des Trackings macht neugierig. Tatsache ist: Wenn richtig angestellt, können Synthesizer-Pedale einen Haufen Spaß machen und das Klangbild bereichern. Und klar ist auch: Einer der größten Marktkonkurrenten für Keeley ist traditionell EHX. Und die haben mit ihrem Monosynthpedal bereits eine äußerst preisgünstige Variante vorgelegt. Klar also, dass Robert Keeley entsprechend nachziehen und der Welt seine Iteration dieses Effekts präsentieren möchte.

Keeley Synth 1 – Facts and Features

Ein monophoner Wavegenerator, der dem Gitarrensignal eine saftige Synthienote beimischt. Klar: Infinite Jets, Enzo, Monosynth – es gibt viele gute Beispiele für die Synthesizerpedale. Gut und gerne wird das Prinzip auch „Single Note Fuzz“ genannt, was ein bisschen die Puristen mit ins Boot holen soll. Wie man es such dreht und wendet: Das Gitarrensignal wird zur Waveshape und das Low-End zur Bassstufe. Nur dröhnen tut der Synth 1 von Keeley aber nicht: Mit dem Reverse-Attack-Feature und dem Chaos-Modus erscheint das puristische Gerät mit ein paar interessanten Fähigkeiten. Erst mal zu den Basics:

Keeley Synth 1 side

 

Von der Herstellungsqualität werden Keeley den Ansprüchen gerecht, die man von ihnen gewöhnt ist: kompaktes Metallgehäuse mit robuster Bodenplatte, an den Potis wackelt nichts, Kippschalter stabil und alle drei Buchsen sind ebenfalls tadellos verarbeitet. Der Look gefällt und Keeley-typischer Manier reduziert, aber geschmackvoll. Auch True-Bypass ist selbstredend mit an Bord.

Ein Netzteil wird nicht mitgeliefert. Auskommen tut der Synth 1 jedoch mit deinem typischen 9-Volt-Netzteil. Stereo ist nicht drin, wäre bei einem monophonen Synthesizerpedal aber auch eher untypisch. Was wiederum (auch bei der Preisklasse) positiv auffällt: eine TRS-Buchse für ein Expressionpedal, mit dem sich die Filterstufen in Echtzeit ansteuern lassen. Dafür gibt es jedoch keine Möglichkeiten, das Pedal mithilfe von MIDI mit anderem Equipment zu synchronisieren. Viel mehr ist nicht dabei und das bedarf es eigentlich auch nicht.

Keeley Synth 1 side 2

 

Die Entwicklung ist klar: Während die meisten Pedalboards früher nicht ohne ein Verzerrerpedal auskamen, schlichen sich Mitte/Ende der 80er Jahre verstärkt Hall-, Echo- und Modulationseffekte unter die Füße der Saitenzupfer. Inzwischen ist auch jedes zweite Pedalboard mit einem Synthesizerpedal ausgestattet. Klar – ganz neu ist das nicht, aber die technischen Entwicklungen haben das Tracking solcher Pedale in den letzten Jahren erheblich verbessert, was die Pedale daher für technisch versiertere Spieler inzwischen ebenfalls interessant macht. Damit steht und fällt es also: Klangbild und Tracking – beides vollziehen wir nun in den Folgeteilen nach.

Keeley Synth 1 – Bedienpanel

Keine tausend Kippschalter, keine Mini-Potis, keine „Second Layer“-Funktion, wie man sie beispielsweise von Meris kennt, sondern vier Potis, ein Kippschalter, ein Schalter für die Schwingungsformen. Reicht das? In diesem Fall: alle mal.

Links oben: das Level-Poti. Damit wird das generelle Ausgangssignal des Pedals kontrolliert – Vorsicht, die Lautstärken können ordentlich ausfallen! Das wird im Nachhinein noch im Praxisteil nachvollzogen, aber ein Problem, mit dem viele Synthesizerpedale zu kämpfen haben, sind das interne Clipping und die ordentlichen Ausreißer im Volume. Ob der Synth 1 das gut hinkriegt, vollziehen wir später nach.

Darunter rechts findet sich dann sogleich das Attack-Poti, das sich beispielsweise hervorragend für sphärische Klänge eignet. Im Grunde wird hier einfach mit ADSR-typischen Volume-Swells gearbeitet, von 4 bis zu 1500 ms. Ein Effekt, der sich hervorragend mit Hall oder Echos kombinieren lässt.

Darunter befindet sich das Blendpoti, mit dem man die Gitarre entweder in ein sägendes Monosignal verwandeln oder seinen gezupften Klängen einen synthetischen Schatten verleihen kann. Speziell für diese Effektklasse eine unabdingbare Eigenschaft, sonst verliert das Gerät recht schnell seinen Reiz – viele interessante Klänge entstehen vor allem, wenn das natürliche Signal im Klangbild präsent ist.

Und natürlich: der Regler des Filters, mit dem sich bestimmte Frequenzen hervorheben lassen. Stichwort: High-Cut für ein Spektrum zwischen 50 Hz und 5000 kHz: Zwischen Wummerbass und schrillem Tinitus ist also alles möglich. Drei grundlegende Schwingungsformen stehen zur Verfügung, um die Frequenz zu formen: Square, Saw und Sine.

Zu guter Letzt kommen wir zum vielleicht coolsten Feature des Synth 1: der Chaos-Switch. Schon lustig, dass so ein kleiner Kippschalter mit der Aufschrift „Chaos“ den Unterschied ausmachen kann – im Grunde verwandelt dieser das Effektgerät in einen knarzenden, kaputten Retrofuzz. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass es oft dieser Unberechenbarkeitsfaktor ist, der ein Pedal spannend macht. Ob das jedoch insgesamt was taugt und ob der Synth 1 die Konkurrenz als Gesamtpaket überholt, werden wir nun im Praxisteil nachvollziehen.

Keeley Synth 1 – In der Praxis!

Aufgenommen wurden die Klangbeispiele über den Line-In eines Focusrite Scarlett Solo. Und sofort wird deutlich: Rauschen? Gibt’s hier nicht. Bei einem beißenden Synthesizerpedal ist das umso erfreulicher, natürlich. Zunächst versuchen wir uns an der Sinusschwingung mit einem langen, aufsteigenden Attack.

Gefällt – der Sound als solcher ist eine Ecke knackiger als bei der EHX-Variante. Was gefällt, ist auch das Tracking: Bendings werden schön erfasst, ein bisschen Oszillation passiert ebenfalls, ohne auszuufern. Der Fuzz-Charakter kommt durch, erinnert ein bisschen an Downer von Malekko und klingt im Vergleich zum Monosynth eine Ecke dreckiger.

Und jetzt mit dem Chaos-Switch. Mit dem Blend-Knob auf Halbmast ergeben sich dadurch kleine Autowah-Fahnen, die im Hintergrund ihr Unwesen treiben und vor allem für Bassisten interessant sein dürften.

Weiter geht’s mit Saw. Hier geht es noch mal eine Ecke dreckiger zu – wie generell: Der Synth 1 beißt ordentlich! Das Klangbild insgesamt ist äußerst dreckig, das Tracking äußerst reaktiv, was beeindruckend ist, wenn man bedenkt, wie ungemein still das Pedal im Ruhezustand ist.

Es zeichnet sich also ab, dass der Synth-1 eine echte Alternative zu den sonstigen Fuzz-Pedalen auf dem Markt ist. Der Sound ist ungemein dreckig und angriffslustig. Wenn wir mit einem langen Attack arbeiten, lohnen sich vor allem Blend-Einstellungen auf Halbmast. Das Zusammenspiel von Synthesizer-Sound und unbearbeitetem Signal ergeben in diesem Falle dreckige, knisternde Swells, die das Klangbild angemessen ergänzen.

Manchmal geht das Handling eines solch speziellen Effektgeräts ein bisschen gegen die Intuition. Man möchte rumprobieren, aber speziell bei solchen Sounds gelingt es nicht immer, eine klare Idee herauszuarbeiten. Was hilft: Einfach das Pedal sprechen lassen. Töne stehen lassen, die Swells arbeiten lassen.

Kommen wir zur Rechteckschwingung: Die beliebteste Schwingungsform der Bassisten funktioniert auch auf Gitarre gut. Ein sinnvolles Feld für die Anwendung sind wieder die dreckigen Gefilde des Fuzz. Durch die hoch eingestellte Frequenz entsteht im Short-Attack ein leichter Auto-Wah-Charakter. Lässt man sich mit dem Attack mehr Zeit, gilt es auch hier, sich die Swells zunutze zu machen und nicht zu viele Töne zu wagen.

Bei Synthesizerpedalen ist die Verwendung eines Drumcomputers immer naheliegend. Ein paar dreckige Beats kommen mit einer einfachen Volca Maschine recht schnell zustande, aber ein Alleinstellungsmerkmal ist das nicht. Wir wechseln zwischendurch die Schwingungsformen und versuchen uns auch am Chaos-Modus, dabei wird deutlich: Das Schalten zwischen den Schwingungsformen wird von einem unangenehmen Knacken begleitet. Was aber auch deutlich wird: Das Spektrum des Filters ist zufriedenstellend und umfassend.

Tatsache ist: Im Gesamtbild ist der Synth 1 dreckiger als beispielsweise der Meris Enzo, aber auch einfacher zu handhaben. Das Tracking ist gut, aber nicht das Beste, was es auf dem Markt gibt – da haben Hologram Electronics schon besseres Handwerk bewiesen.

Fazit

Guter Sound für gutes Geld. Wie es halt so ist: Die Pedalbauer und -Hersteller registrieren, dass eine bestimmte Art von Pedal populär wird und jeder fühlt sich berufen, seine Version auf den Markt zu bringen. Das führt natürlich dazu, dass der Markt recht schnell gesättigt ist. Der Keeley Synth 1 hat in dem Getümmel durchaus seine Berechtigung, eignet er sich doch hervorragend als Fuzz-Pedal und zeigt sich äußerst vielseitig – gewohnter Keeley-Standard!

Plus

  • drei Schwingungsformen
  • gutes Tracking
  • Expressionpedal

Preis

  • Ladenpreis: 215,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  

    ich finde das klingt alles wie ein missglücktes Experiment. Selbst der liebe Andy von Reverb.com hat seine Probleme mit dem Tracking und hier wird es seltsamerweise gelobt…ts ts ts
    Dimi du hast vergessen die Leserbewertung frei zu schalten, damit dieses Gerät seine gerechte Strafe ähh Bewertung erhalten kann:)

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