Test: Keith McMillen K-Mix, USB-Audio/MIDI-Interface

Klang

McMillen k-mix-headphones-fin

Diese Frage hat mir im Vorfeld großes Kopfzerbrechen bereitet. Was ist, wenn der K-Mix an sich toll ist (wenn überhaupt), aber der Sound nur so mittelmäßig, was bei der „zusätzlichen‟ Technologie, die in dem kleinen Gerät verbaut ist, durchaus möglich gewesen wäre? Kaum wagte ich die ersten Hörtests zu machen. Sich ständig verschiebende Veröffentlichungstermine bedeuten in der Regel nie etwas Gutes.

Nach den ersten Sekunden breitete sich aber ein fettes Grinsen auf meinen Gesicht aus, meine Ängste lösten sich in Luft auf. Ein extrem musikalischer, runder Klangkörper löste sich von den Boxen.

Der Klang des K-Mix ist eigen. Ein RME (Babyface Pro) ist das noch nicht, da fehlt eine Spur Aufgeräumtheit in der Tiefenstaffelung und der Detailauflösung. Es ist auch kein Resident Audio mit seinen superknackigen Transienten und seinem fordernden, lebhaften Klang. Mit MOTU kann man eigentlich sowie nichts vergleichen, das ist eine ganz eigene ästhetische Welt und der K-Mix klingt auch nicht so entspannt.

Der nächste Vergleich, der mir einfällt, ist das Presonus Studio 192 mit seinem professionellen „Allround-Klang‟, das ein schönes Panorama und eine überzeugende Tiefenstaffelung hat, ohne es mit irgendwas zu übertreiben und einfach frisch klingt. Ja, irgendwo zwischen Presonus und RME bin ich überaus zufrieden mit dem K-Mix.

Zu RME fehlt aber nicht allzu viel, aber mein Nr.1 Test-Track, „We’re in this together now‟, von Nine Inch Nails zeigt doch Unterschiede. Zwar wird die Wall auf Sound des Refrains gut aufgelöst, aber die Drum-Sektion wird nicht so plastisch dargestellt und aufgelöst wie bei RME oder Resident Audio. Die Cymbals haben weniger Luft zum Schwingen und die Bassdrum und Snare setzen sich weniger definiert vom Rest des Songs ab.

Allerdings rollt die Drum von „Starfuckers Inc.‟, ebenfalls NIN, nun endlich fast bis zum Taktende, so wie es eigentlich sein sollte. Das schaffte das Presonus 192 nicht so gut und die Taiko von „Making of Cyborg‟ vom Ghost in the Shell Soundtrack hat beim K-Mix auch eine wesentlich länger ausklingende, schöne Hallfahne. Etwas, das bisher nur Focusrite (Clarett) überzeugend hinbekam.

Auch bei rein akustischem Material zeigt der K-Mix ein aufgeräumtes, tightes Bassfundament und wunderbar runde, körperlich klingende Mitten. Die Höhen fügen sich frisch, aber unaufgeregt in das Klangbild ein. Komplexes Klangmaterial stellt der K-Mix sauber dar, auch wenn es noch Luft nach oben gibt, wenn man bereit ist, mindestens den doppelten Preis für ein Audiointerface zu bezahlen. Wobei man dann noch keinen Standalone-Mixer und keinen MIDI-Controller hat, die einem beim Live-Auftritt sehr entgegenkommen.

Der K-Mix ist definitiv für Mastering-Aufgaben geeignet und die Limits sind diebezüglich für ein knapp 700,- Euro Interface sehr weit gesteckt. Doch vertrete ich auch hier mal die Meinung, bevor man in ein wesentlich teureres Interface investiert, sollte man erst seine Monitorboxen und sein Raum-Tuning überprüfen.

Fazit

Der K-Mix stellt in seinen klanglichen und funktionalen Eigenschaften sowie der Bedienbarkeit und den frisch und detailliert klingenden µPre-Mikrofonvorverstärkern eine echt harte Konkurrenz im Preissegment bis 1.000,- Euro dar und ist in seiner Kombination ein Novum.

Ein paar Eigenheiten muss man wie überall, wo Paradigmenwechsel ins Spiel kommen, hinnehmen, aber das invalidiert weder den praktischen Nutzen noch den Spaß, den man mit dem K-Mix haben kann. Reine Studiomusiker werden mit gezielten Teillösungen, also mehreren speziellen Geräten, möglicherweise eher zufriedengestellt – möglicherweise. Ob sie in diesem Preissegment allerdings ein spürbar besser klingendes Interface bekommen, stelle ich mal in Frage. Für Live-Musiker, Laptopisten und iPadisten ist der K-Mix die Erfüllung (fast) aller Träume: Ein ultraportables, robustes Gerät, das den Gig-Koffer um so viel leichter macht und garantiert ver- und bewundernde Blicke vom Publikum ernten wird und es leuchtet sogar im Dunkeln. Gekauft! – Klares BEST-BUY.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Audiomixer
  • MIDI-Controller
  • Livetauglichkeit
  • guter DSP-Hall
  • benötigt nur USB-Strom
  • iOS-kompatibel
  • fast alle Einstellungen über das Gerät bedienbar, nur wenige, selten benötige Einstellungen über Editor erreichbar
  • Gewicht

Minus

  • USB-Buchsen an der Rückseite zu tief angebracht
  • Kopfhörerausgang an der Vorderseite zu tief, Winkeladapter eventual nötig
  • MIDI-Expander muss zugekauft werden

Preis

  • Ladenpreis: 679,- Euro
Forum
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    ctrotzkowski  

    Interessantes Gerät, schön geschriebener Testbericht. Ich habe eine kleine Schwäche für Multifunktions-Taschenmesser :-)

    Einziger Kritikpunkt: Dass beim Stand-Alone-Mixer keine Mute Funktion im direkten Zugriff ist, finde ich schon etwas seltsam. Wenn man (z.B. in der Pause, oder zum Mikrofon-anstöpseln) die Kanäle muted, will man ja eben nicht ersatzweise alle Fader runterziehen, da man ja sonst neu mischen muß, wenn’s denn weitergeht…

    Sollte m.E. in der Zusammenfassung auch unter „Minus“ erwähnt werden.

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      Markus Schroeder  RED

      Hi ctrotzkowski,

      ja, kann absolut nachvollziehen. Aber ich hatte das „Mute-Problem“ eher bei plötzlichen Lautstärkespitzen gesehen, was bei mir öfter vorkommt (Feedback etc.), und da sind 2 Hände langsamer als eine.

      Wenn Du aber gezielt und ohne Dringlichkeit einen Kanal mal stumm schalten willst, so wie Du es beschreibt, also beim Setup und beim Mixen, kann ich dir versichern, dass Du spätestens nach einer Woche gar nicht mehr über den Mehraufwand zwei Tasten drücken zu müssen nachdenkst.

      Grüße,
      Markus :)

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      8-VOICE  AHU

      Habe zuerst nur den Preis auf der letzten Seite gesehen, da es aber noch ein Audiointerface hat, ist der Preis wohl doch gerechtfertigt.

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      chain  AHU

      nach ner Nacht drüber schlafen, gibts dann doch diesen „Habenwolleneffekt“ , behalte ich im Auge. Danke, das es sowas überhaupt gibt.

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    Odal

    Find den durchaus intereressant. Wenn aber mit schnellem rubbeln der fader gemeint ist, das man keine schnelle „faderfahrt“ machen kann, ist er ja zum liveeinsatz/jammen eher ungeeinet oder?

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      Markus Schroeder  RED

      Hi Odal,
      mit „rubbeln“ hab ich tatsächlich nur dauerhaftes rubbeln gemeint. Ich wollte damit nur darauf aufmerksam machen, das hier aufgrund des Silicons Kontaktreibung im Spiel ist, die Wärme und Abrieb erzeugt und wenn an das zu heftig macht, auch spürt im Gegensatz zu Schiebepoties, oder auch Touchscreens.

      Es hat sich aber auch schon so mancher mit einer Gitarre die Finger blutig gespielt. ;)

      Als „Battlemixer beim Extrem-Faden“ wäre der K-Mix deshalb nicht meine erste Wahl.

      Häufige, schnelle Faderfahrten beim Mixen und Live sind aber kein Problem. Die Bedienung erfolgt verzögerungsfrei.

      M. :)

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    Odal

    Hey vielen dank für die rasante antwort, also ich hoffe das ich das teil mal in echt sehen/fühlen kann.

    Bin mir bei solch einer „Eierlegenden Wollmichsau“ etwas unsicher, grade auch wegen den fehlenden Schiebereglern.

    Allerdings überlege ich ein neues interface anzuschaffen, zudem würde ich gerne einen Plattenspieler anschliessen und in hoffentlich naher zukunft mir ein live setup erstellen.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, würde sich das ja nahezu anbieten. Oder doch lieber seperate Hardware wie interface, Analog Mischer?, Phonovorverstärker.

    Bin da etwas überfordert^^ Eventuell mag ja nochmal jemand was dazu sagen.

    Gruß Tobi

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      Markus Schroeder  RED

      Hi Tobi,

      Paragidmenwechsel sind immer kritisch und die Skepsis diesen gegenüber verständlich, vor allem bei dem Preis.

      Ob Du mit einem Kompaktgerät glücklich wirst, oder eher mit einem Gerätepark kann ich Dir leider nicht sagen.

      Kompaktgeräte, geben einem halt eine bestimmte Arbeitsweise vor, das ist generell dem Design geschuldet, wenn viele Funktionen in einem Gehäuse zusammen kommen und damit muss man auch klar kommen.

      Ein optimierter Gerätepark bedeutet halt rumschleppen und verkabeln.

      Ich kann nur sagen, das ich jetzt seit ca. 4 Wochen mit dem Teil arbeite und ich hab „echte“ Fader bisher nicht vermisst und es läuft wie es soll.
      Ich trete Live nur mit iPad und ein paar analogen Effektengeräten und etwas MIDI auf. Der K-Mix ergänzt das ganz wunderbar. Ich bin aber auch erst noch am Üben und Ausprobieren, schließlich gab es bis hierhin nichts vergleichbares, aber bis jetzt ist das Teil einfach nur genial. Klein, absolut robust und flexibel.
      Das ist bisher meine Erfahung mit dem K-Mix.

      Falls sich die Chance zum Antesten ergibt, kann ich das nur empfehlen.

      M. :)

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    Jim

    Kann mir jemand sagen wie gut die Qualität der Preamps im Vergleich zu z.B. Apogee oder Focusrite ist?
    Ich finde das ist in dem Test nicht wirklich rausgekommen.
    Oder habe ich da was überlesen?

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hi Jim,

      Ist etwas schwierig zu beantworten, da das Abhören der Aufnahmen mit den MicPres ja üblicherweise über dasselbe Interface geschieht und dieses ja seine eigene DAC-Charakteristik in die Aufnahme mit einbringt.

      Ohne eine dritte superneutrale Abspielreferenz lassen sich eigentlich _gar_keine_ Aussagen über die Qualität der Eingänge machen. Man kann höchsten beurteilen, ob einem die Gesamtheit der Signalkette zusagt oder nicht. Deswegen mache ich nicht so gerne
      Aussagen über die Qualität der Eingänge. Da hast Du nichts überlesen, das stimmt schon.

      Unter dieser Premisse:
      also Apogee klingt schon noch ein Stück besser, jetzt mal vom Quartet ausgehend und mit einem entsprechend guten Mic.

      Bei Focusrite, ich würde mal sagen on par, hat aber eine andere Ästhetik. K-Mix klingt neutraler und transparenter. Focusrite Clarett kllingt generell wärmer und direkter, aber nicht so transparent.

      Wenn Du also Aufnahmen nicht so sehr nachbearteiten willst ist Focusrite wahrscheinlich die bessere Wahl.

      Wenn Du hingegen noch stark am Klang schrauben willst, haben klare, neutrale Aufnahmen die Nase vorn.

      Aber da spielt, wie gesagt, schon einiges von der Charakteristik der Ausgangstufen des Interfaces mit.

      Grüße
      M.

      • Profilbild
        Jim

        Hi Markus,
        vielen Dank für deine Antwort. Das hilft mir schon weiter.
        Wenn die Focusrite Preamps wärmer klingen, wie klingen denn dann die von Apogee?
        Ich brauche ein kleines mobiles Interface und schwanke gerade zwischen dem Scarlett 2i2, dem K-Mix und dem Duet..

        • Profilbild
          Markus Schroeder  RED

          Hi Jim,

          nun ja, wenn Dir Wandler- und Pre-Qualität (Im allgemeinen vereint Apogee die Wärme mit der Offenheit.) am wichtigsten sind und I/O-Anzahl, nur Apple-Unterstützung und Preis nicht, dann ist das Duet 2 eindeutig der King.

          Der K-Mix ist die 1. brauchbare Eierlegendewollmilchsau überhaupt und bietet professionelle Qualität, für einen sehr fairen Preis.

          2i2 (2nd Gen) bei dem Preis kann man egentlich nichts falsch machen kann. Es sei denn man mag den Focurite-Sound (wie gesagt sehr 2D) nicht. Bei den 2nd Gen-Geräten gibt es aber z.Z. noch Probleme mit dem Windows-Treiber.

  5. Profilbild
    markmark

    Moin,

    Ist es möglich die einzelnen Mixerfunktionen (Faderwege, Routings usw) über midi cc’s im Standalonebetrieb zu steuern?
    Das wäre fantastisch!

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hi markmark,

      Du kannst die Mixer-Funktionen über einen USB-Host steuern der MIDI-Ports ansprechen kann, also entweder Desktop, iPad etc.
      Ein einfacher USB-MIDI-Kontroller reicht dafür nicht (da kein USB-Host).
      Dafür hat der K-Mix den Audio Control-MIDI-Port. Im PDF-Handbuch ab Index 4.3.3 (S.87) findest Du alle Informationen dazu.
      Du kannst sogar die Presets per MIDI wechseln.

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