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Test: Ketron SD40 Music Arranger

Multimedia Player Modul für Heim und Bühne

16. März 2022

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Ja, es gibt sie noch: Arranger Module. Wer jetzt an Alleinunterhalter mit Orgel oder Keyboard denkt, liegt sicherlich nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Arranger können vielfältige Aufgaben übernehmen. Mit der langen Geschichte dieser speziellen Musikinstrumente haben wir uns in einem gesonderten Artikel befasst. Nun geht es in diesem Artikel ganz konkret um das Ketron SD40 Arranger Modul. Interessenten des Ketron SD7 Keyboards dürfen auch weiterlesen, denn hier handelt es sich im Prinzip um das Pendant mit Tasten. Auf geht’s!

Ketron

Wem der Hersteller Ketron kein Begriff ist, dem sei gesagt, dass dieser bereits seit 1981 Instrumente fertigt. Nun haben italienische Orgelhersteller eine lange Tradition. Man denke nur an Farfisa, Orla, Elka, Bontempi, Viscount, um nur einige zu nennen. Auch Ketron wollte ursprünglich auf den Orgelboom aufspringen, der dann mit dem Erscheinen der ersten günstigen Arranger Keyboards abrupt Mitte der 1980er Jahre einbrach. So wurden die Erkenntnisse mit der Herstellung eines digitalen Musikinstruments, die man bis dahin mit Orgeln gesammelt hatte (zum Beispiel mit der unter dem Solton Label verkauften B1000S), in die Entwicklung von Keyboards und Arranger Module, mit denen sich MIDI-Instrumente erweitern ließen. Der Programmer 24 dürfte Fans von Italo-Disco ein Begriff sein. Von da an ging es steil bergauf und der Name Ketron stand für viele Musiker und Entertainer gleichbedeutend mit den damals angesagten Instrumenten von Technics, Roland oder Yamaha. Bis heute ist man dem Amateurmusiker, der in den eigenen vier Wänden musiziert, und dem Solo Entertainer treu geblieben und produziert Arranger sowie Soundmodule und weiteres nützliches Zubehör.

Ketron SD40 Music Arranger & Multimedia Player

Die Überschrift verrät des schon: Beim Ketron SD40 Arranger Modul handelt es sich mehr als um einen simplen Expander für Alleinunterhalter. Der Ketron SD40 Music Arranger ist zugleich auch ein fortschrittlicher Multimedia Player für viele verschiedene Formate wie MIDI, MP3, MP4, WAV und beherrscht sogar Karaoke. Texte lassen sich nicht nur auf dem integrierten Farbdisplay anzeigen, sondern auch auf einem externen, per DVI angeschlossenen Monitor. Die für DJs wichtige Crossfade-Funktion ist ebenso enthalten wie die Möglichkeit, Multitrack WAV-Files abzuspielen und die einzelnen Spuren getrennt voneinander in der Lautstärke zu regeln.

Musiker werden sich über die Chord to Lyrics-Funktion freuen, mit der Akkordsymbole gemeinsam mit den Songtexten eingeblendet werden können. Selbst PDFs mit Noten lassen sich darstellen (auch auf einem externen Monitor).

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss: Die entsprechenden Dateien lassen sich miteinander verknüpfen und werden somit automatisch gemeinsam aufgerufen. Schließt man zum Beispiel über einen Splitter mehrere Displays für die Mitmusiker auf der Bühne an, lässt sich nicht nur zu einem Multitrack Backing Track spielen, sondern es werden auch gleich für alle Musiker synchron die Texte, Akkorde oder Noten angezeigt. Sogar das Blättern und Scrollen per Fußschalter ist möglich. Das Ketron SD40 Arranger Module ist also weitaus mehr als ein Instrument für Entertainer.

Natürlich lässt sich am Ketron SD40 ein Mikrofon anschließen und sogar ein Voicetron getaufter „Vocalist“ ist enthalten.

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Der Ketron SD40 Music Arranger ist sehr gut verarbeitet und wirkt nahezu unzerstörbar.

Bedienfeld des Ketron SD40 Arranger Module

Alle Bedienelemente sind um das Farbdisplay herum angeordnet. Beim Display handelt es sich um ein 7“ Touch Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel, sodass viele Funktionen einfach durch Tippen auf das entsprechend angezeigte Bedienelement auf dem Display abgerufen werden können.

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Links vom Display finden wir sechs Drehregler. Diese regeln die Lautstärke des angeschlossenen Mikrofons sowie einzelner Arranger- oder Multitrack-Spuren.

Unterhalb des Displays sind mehrere Tasten angeordnet, die einerseits den Arranger-Part des SD40 steuern, andererseits aber auch andere Funktionen wie die PDF-Anzeige oder Menüs zur Darstellung von Bildern oder Filmen auf einem angeschlossenen Display aufrufen. Auch das schnelle Stummschalten der Lead-Spur eines MIDI-Files (MIDI Track 4), das Aktivieren der Lyrics, die Jukebox-Funktion oder der Zugriff auf die vom MIDI-File genutzten GM-Sounds ist hierüber möglich.

Rechts unten sind der Transpose-Schalter, der Tempo-Schalter sowie der Master-Regler zur Regelung der Gesamtlautstärke angebracht.

Rechts vom Display finden wir das Job Dial, mit dem sich Parameter ändern lassen, sowie wichtige Tasten für Funktionen wie Exit, Enter, Save oder das Aufrufen spezieller Menüs für zum Beispiel Media, den Registrations, Voice oder Player.

Anschlüsse

Die Rückseite ist vollgepackt mit Anschlüssen: Auffällig ist zunächst einmal ein MIDI-Quartett. Quartett? Ja, das sonst übliche MIDI Trio (In, Out, Thru) wird durch einen weiteren MIDI In erweitert. MIDI In 1 ist mit GM beschriftet, MIDI In 2 mit Key. Was genau sich dahinter verbirgt, schauen wir uns später noch genauer an. Dort finden wir außerdem zwei (!) Mikrofoneingänge samt kleiner Gain-Regler für das Einstellen der Vorverstärkung. Micro 1 ist mit einer Combo-Buchse (XLR/Klinke) ausgestattet und Micro 2 mit einer Monoklinkenbuchse. An beide Anschlüsse lässt sich sowohl ein dynamisches Mikrofon als auch ein Instrument anschließen. Das Signal von Micro 1 kann bei Bedarf über einen Ausgang (Mono-Klinkenbuchse) an ein Mischpult geleitet werden.

Weiter geht es mit dem Kopfhörerausgang, dem Anschluss für ein Sustain-Pedal, einen weiteren Anschluss für ein Volume-Pedal und der DVI-Buchse für einen externen Monitor. An die rückseitige USB-Buchse schließen wir bei Bedarf einen Computer an. Die zweite Multipin-Buchse auf der Rückseite dient dem Anschluss eines Ketron-Fußschalters, mit dem sich viele Funktionen des Ketron SD40 fernsteuern lassen.

Wichtig sind auch die Anschlüsse auf der rechten Seite des Ketron SD40 Arranger Module, denn hier finden wir nicht nur einen SD-Karten Steckplatz für das Zuspielen von Medien, sondern auch gleich drei USB-Anschlüsse für USB Sticks oder Festplatten.

Gerade bei einem abendfüllenden Programm mit vielen verschiedenen Medien wie Audiodateien, PDFs, Videos und so weiter ist das eine große Hilfe. Nicht unterschlagen werden sollte, dass der Ketron SD40 Music Arranger über eine interne SSD mit 16 Gigabyte verfügt. Das klingt jetzt im Zeitalter von Terabyte nicht nach viel, dürfte aber für MP3s, Songtexte, PDFs, eigene Styles und so weiter mehr als ausreichend sein. Für größere Speicherlösungen stehen schließlich die drei USB-Anschlüsse bereit.

Display-Menüs

Wie bereits erwähnt verfügt der Ketron SD40 Arranger über ein Touch Display. Viele Funktionen wie die Auswahl von Styles oder Sounds lassen sich direkt über das Display erledigen. Das Layout unterscheidet sich dabei nicht groß von dem, was man von anderen Arranger Keyboards kennt und die Bedienung ist selbsterklärend.

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Die Styles erstrecken sich über mehrere Bildschirmseiten. Am unteren Bildschirmrand sind die Software Buttons für Intros und Endings angeordnet.

Style-Gruppen, Styles, Sound-Gruppen und Sounds werden übersichtlich dargestellt und bei den Sound-Gruppen sogar durch Bilder der jeweiligen Instrumente oder Instrumentengruppen visualisiert.

Über die Voice & Vari-Taste am unteren Bildschirmrand gelangen wir zu den Arranger Settings: Bis zu vier Sounds lassen sich dem Lead (Upper)-Bereich zuweisen und über die Voice to ABCD-Funktion automatisch aufrufen, sobald eines der vier Arrangements aktiviert wird. Ähnliche Funktionen kennt man zum Beispiel von der Korg PA-Serie. Drei verschiedene Intros sind zuweisbar und lassen sich anschließend bei laufendem Arranger über die Tasten In1, In2 und In3 abrufen. Verschiedene Intros, Endings und sogar eine Modeling-Funktion, um Styles zu verändern oder eigene Styles zu erstellen, stehen ebenfalls zur Auswahl.

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Die einzelnen Sounds sind in Kategorien einsortiert.

Auf weiteren Menüseiten finden wir Parameter für die Drum-Sektion, den Drum-Mixer, die Bass-Spur, die Auswahl der vier Sounds für den Upper-Bereich, die Chord-Funktion, Pianist & Bassist für die Steuerung des Arrangers, Lower für die Einstellungen des Lower-Bereichs und vieles mehr.

Der Funktionsumfang ist so groß, dass sich alle Funktionen hier nicht im Detail beschreiben lassen. Dass man bei so vielen Funktionen schnell den Überblick verlieren kann, muss auch Ketron bewusst geworden sein, denn man hat die Möglichkeit integriert, sogenannte User Tabs zu erstellen. Fünf User Tabs können mit eigenen Funktionen belegt werden, um diese schnell abzurufen.

Styles

Der wichtigste Part einer jeden Begleitautomatik ist der Style. Hierbei handelt es sich um das entsprechende Begleitmuster, das zumeist aus einer Schlagzeugspur, einer Percussion-Spur, einer Bassspur, mehreren Akkordspuren und oft auch einer Lead-Spur besteht. Ein Ketron-Style besitzt den folgenden Aufbau:

2 Spuren für Drums und Percussion (MIDI-Kanäle 9/10)

1 Bassspur (MIDI-Kanal 5)

5 Akkordspuren (MIDI-Kanäle 6, 7, 8, 11, 12)

2 Realtime-Spuren für Lower 1 und Lower 2 (MIDI-Kanäle 3 und 4)

Lead Spur für den Upper-Bereich

Jeder Style besitzt drei Intros, drei Endings, vier Arrangements (ABCD) mit Variationen, vier Fills und vier Breaks. Variationen ergeben sich durch das gezielte Ausschalten dreier Akkordspuren. So können Styles gezielt ausgedünnt werden, um dann später die Akkordspuren einzeln wieder zuzuschalten und das Arrangement im Live-Betrieb nach und nach aufzubauen.

Das Tempo des Arrangers kann in BPM eingestellt oder per TAP-Taste eingegeben werden. Außerdem stehen Ritardando und Accelerando zur Auswahl, um das Spiel mit dem Arranger lebendiger und weniger maschinell klingend zu gestalten.

Soll die Begleitung zugleich mit dem Anschlag eines Akkords starten, nutzt man die Key Start-Funktion. Soll sie beim Loslassen eines Akkords automatisch wieder stoppen, realisiert man das per Key Stop. Per Hold-Funktion wird der zuletzt gespielte Akkord solange gehalten, bis ein neuer Akkord angeschlagen wird. Das ist insbesondere praktisch, um das Instrument beim Spielen zu bedienen oder einen Schluck aus dem bereitgestellten Glas mit einem (alkoholischen) Kaltgetränk zu nehmen.

Richtig praktisch ist die My List-Funktion. Bei so vielen verschiedenen Kategorien und Styles kann man schnell den Überblick verlieren und häufig verwendete Styles sollen schließlich auch schnell wiedergefunden werden. Bis zu 64 Styles lassen sich deshalb in einer eigenen Liste speichern. Bei anderen Instrumenten kennt man dies als Favoriten-Funktion. So speichert man am Besten die Highlights der 260 internen Styles sofort per My List und spart sich das zeitaufwändige Suchen beim nächsten Einschalten.

Audio Drums

Viele Styles enthalten einen Audio Drum-Part. Bei diesem Part handelt es sich um im Studio live aufgenommene Schlagzeug-Loops, die den MIDI-Spuren hinzugemischt werden. In der Regel klingen solche Styles wesentlich realistischer als reine MIDI-Drums. Während sich MIDI-Drums aber recht einfach in der Geschwindigkeit manipulieren lassen, ist das bei Audio-Spuren erheblich aufwändiger, da dieses per Timestretching erfolgen muss. In diesem Zusammenhang sei eine Besonderheit des Ketron SD40 Arranger Module erwähnt: Per Drum Restyle lassen sich die MIDI-Drums eines MIDI-Files einfach durch die Audio Drums eines Styles ersetzen. Gerade bei MIDI-Files, deren MIDI-Drums vielleicht nicht so authentisch klingen, kann das eine deutliche Verbesserung bewirken.

Styles modifizieren oder eigene Styles erstellen

Um eigene Styles zu erstellen, nutzt man entweder das Styl- Modeling, wo auf Basis von Templates neue Styles entwickelt werden können, oder man nutzt den Style Editor, um eigene Styles von Grund auf zu erstellen. Da sich Musikstile nun einmal über die Zeit weiterentwickeln, sind das die wichtigsten Funktionen, damit ein Arranger nicht schon nach kurzer Zeit altbacken klingt und aktuelle Top-Hits auch stets authentisch damit gespielt werden können.

Während das Programmieren eines Styles von Grund auf sehr aufwändig ist, ist das Style-Modeling für das schnelle Anpassen von Styles gedacht und für jeden Anwender leicht durchzuführen. Dazu wählt man einfach den Style aus, den man verändern möchte und aktiviert anschließend den Modeling-Tab am unteren Display-Rand. Der Ketron SD40 Music Arranger zeigt nun die einzelnen Kanäle des Styles an, die verändert werden können. Durch das Aufrufen einer Vielzahl verschiedener Templates kann man so schnell einen eigenen Style basteln.

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Viele Menüs, viele Optionen

Nicht so einfach gestaltet sich hingegen das Programmieren eigener Styles ohne das Nutzen des Modelers. Dazu benötigt man in jedem Fall einen Computer mit DAW, um ein entsprechendes MIDI-File zu erstellen, das dann in den Ketron SD40 importiert wird. Da so ein Style aus vielen verschiedenen Bestandteilen besteht wie die einzelnen Kanäle, vier Arranger-Variationen, vier Fill Ins, vier Breaks, Intro Ending beziehungsweise auch verschiedenen Akkordtypen wie Major, Minor oder Seventh, ist das ein ganz schön aufwändiges Unterfangen. Im MIDI-File müssen die einzelnen Sektionen mit Markern gekennzeichnet sein, außerdem sind Control Changes und Program Changes entsprechend zu setzen. Das fertige MIDI-File wird anschließend im MIDI-File-Format 0 gespeichert und mit der Endung *.KST versehen. Nun kann der Ketron SD40 per USB mit dem Computer verbunden und die Datei in einem der Unterordner im Ordner USER STYLE abgelegt werden. Das Finetuning geschieht nun am Instrument selbst.

Sounds

668 GM-Sounds und 368 Preset Voices stehen zur Auswahl, die mit 128-stimmiger Polyphonie gespielt werden können. Die Sounds sind in Kategorien wie Piano, Organ, Accordion, Guitar, Sting/Choir, Brass, Sax/Flute, Pad, Synth, Ethnic, Bass/SFX und User kategorisiert. Zwei Sounds lassen sich als Layer schichten und somit gemeinsam spielen. Ein solches Layering kann man als User Voice abspeichern und somit bei Bedarf schnell wieder aufrufen. Intern stehen noch weitere Voices für das Layering zur Verfügung, deren Aufruf über die Edit-Menüseite geschieht. Für das schnelle Layering mit einer zweiten Voice steht der 2nd Voice Button zur Auswahl.

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GM-Übersichtsseite

Die Sounds lassen sich in vielen Parametern editieren und das Ergebnis auf einem von 368 User Voice Speicherplätzen speichern. Gleiches gilt für die Effekte. Leider ist das nicht so intuitiv, dass man ohne die Bedienungsanleitung auskommt. Gerade das Zuweisen von Effekten und das Editieren derselben erschließt sich nicht so leicht von selbst.

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Die GM-Sounds mit ihren Parametern

Die Sound-Auswahl ist sehr groß und orientiert sich deutlich an dem, was für Unterhaltungsmusik üblich ist.

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GM-Mischpult

Ketron SD40 Music Arranger: Player

Der Player erlaubt das Abspielen verschiedener Dateiformate. Dazu zählen:

Wav, MIDI, MP3, MP4, AVI, MOV, FLV, CDG, JPG, TXT, PDF

Wie bereits erwähnt verarbeitet der Ketron SD40 Music Arranger Mehrkanal 5.1 WAV-Files. Diese lassen sich beispielsweise mit einer DAW erstellen und gestatten dann den Zugriff auf bis zu sechs Spuren, die sich separat in der Lautstärke regeln lassen. Liegt auf Spur 6 ein Click Track vor, ist es möglich, diesen per M.Track To Aux-Funktion in den Voreinstellungen auf den Kopfhörerausgang zu legen. So spielt der Schlagzeuger dann (hoffentlich) synchron zum Playback. Sehr praktisch ist, dass die Regler 1 bis 6 nun die Lautstärke der einzelnen Tracks regeln. Der Regler 1/2 ist für einen Stereo Track zuständig, während die Regler 3 bis 6 die individuelle Lautstärke der weiteren Mono-Tracks anpassen. Wichtig ist, dass nur Track 6 auf den Kopfhörer-Ausgang geroutet werden kann. Die WAV-Files müssen im Format 16 Bit/44.1 kHz vorliegen. Das Stummschalten der Lead-Vocals funktioniert auch beim Abspielen von Audiodateien. Wie bei ähnlichen Algorithmen filtert auch der Ketron SD40 Music Arranger Signalanteile in der Mitte des Stereo-Panoramas davon ausgehend, dass der Lead-Gesang stets in der Mitte liegt. Hallanteile oder andere Effekte, die über ein Panning verfügen, bleiben erhalten. Das funktioniert mal sehr gut, mal überhaupt nicht, was aber in der Natur der Sache liegt und nicht dem Player anzulasten ist.

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Die nächste Karaoke-Party kann kommen.

Spielt man eine MIDI-Datei ab, schaltet der Lead-Taster per Default MIDI-Kanal 4 stumm.

Interessant ist das Abspielen von Videos sowie das Anzeigen von Texten (mit Akkorden) oder Grafiken. Liegt beispielsweise zu einem MP3 eine txt-Datei mit gleichem Namen vor, verlinkt der Ketron SD40 Music Arranger diese beiden Dateien automatisch und zeigt auf Wunsch den zugehörigen Text ab. Gleiches gilt für PDF-Dateien mit Noten oder Karaoke-Files (CDG). Im Falle von CDG-Files wird sogar der aktuell zu singende Text farbig markiert, wie es bei Karaoke-Systemen üblich ist. Auch Akkorde lassen sich passend zu Text anzeigen.

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Wenn die Auflösung eines Videos nicht passt, wird ein Warnhinweis mitsamt dem Angebot zur Konvertierung eingeblendet.

Die Anzeige geschieht entweder auf dem integrierten 7“-Display oder auf einem externen, per DVI oder VGA angeschlossenen Monitor oder Projektor. Die Auflösung des Monitors wird in den Systemeinstellungen angezeigt und kann entsprechend ausgewählt werden. Leider erfordert jede Änderung einen Neustart des Music Arrangers. Die maximal mögliche Auflösung von Videos beträgt übrigens 1440×900 Pixel. Diese Angabe hätte ich mir in der Bedienungsanleitung gewünscht. Versucht man eine Datei mit einer höheren Auflösung zu öffnen, zeigt das Gerät einen Warnhinweis mit der Frage, ob die Datei entsprechend umkodiert werden soll. Das nimmt eine nicht unerhebliche Zeit in Anspruch und sollte vielleicht besser auf einem leistungsfähigen Computer erfolgen. Von meinem 49,5 MB großen Testvideo waren nach einer Stunde gerade einmal 33 Prozent konvertiert.

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Das Konvertieren eines knapp 50 MB großen MP4-Videos hat 2,5 Stunden in Anspruch genommen.

Weitere Features

Sehr gut gefallen hat mir der integrierte MIDI/Audio-Recorder. Mit diesem lässt sich das eigene Spiel aufzeichnen. Nach der Aufnahme können Audioaufnahmen sogar editiert werden, um den Anfang und das Ende sauber zu schneiden oder die Datei zu normalisieren. Auch das Erzeugen von Audio Loops ist möglich.

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Audio- und MIDI-Recording

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Audio Editing am Ketron SD40 Music Arranger

Die Möglichkeit, ein Mikrofon oder eine Gitarre direkt an den Ketron SD40 Music Arranger anzuschließen, erspart unter Umständen ein kleines Mischpult Besonders gut gefällt mir, dass man für die Gitarre verschiedene Stomp Boxes zur Auswahl hat, mit der sich der Gitarren-Sound in alle Richtungen verbiegen lässt. Für die Vocals stehen ebenfalls verschiedene Effekt-Settings bereit: Equalizer, Compressor, Limiter, Noise Gate, Echo, Hall und natürlich Voicetron zum Generieren weiterer Stimmen passend zur Lead-Stimme.

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Die Signalkette für ein angeschlossenes Mikrofon

Sehr schön ist, dass sich diese Settings mit den Registrations speichern lassen. So ändert sich der Sound für Gesang und Gitarre passend zu den Einstellungen des Keyboards. Insgesamt gibt es vier Bänke mit je 1024 Registrationsspeichern. Das ist eine ganze Menge und sollte für jede Bühnenshow mehr als ausreichend sein.

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Pedal Board für Gitarristen

Erwähnenswert sind verschiedene Play Modes, denn der Ketron SD40 Music Arranger eignet sich nicht nur für Keyboarder, sondern auch für Pianisten oder Akkordeonspieler. Im Piano-Modus wird der Split ausgeschaltet und die ganze Tastatur für die Akkorderkennung herangezogen. Auch eine Manual Bass-Funktion, bei der der Bass selbst mit der linken Hand gespielt wird, ist vorhanden. Die Akkorderkennung nutzt dann den links gespielten Bass-Ton und den rechts gegriffenen Akkord für die Analyse. Zwei verschiedene Modes für ein MIDI-Akkordeon ermöglichen es dem Akkordeonspieler, die Sounds und die Styles anzusteuern.

Praxis

Ich habe den Ketron SD40 Music Arranger mit diversen Tasteninstrumenten wie Keyboard, am Digitalpiano und an einer Nord C2 Orgel ausprobiert. Auch über einen Computer wurde er angesteuert. Sehr schön ist, dass über die zwei MIDI-Eingänge der Arranger und der GM-Part separat anzusteuern sind.

Die Sounds klingen allesamt gut, sind aber hinsichtlich ihrer Komplexität von den Sounds mit vielen programmierten Artikulationen anderer Hersteller wie zum Beispiel Yamaha oder Korg doch etwas entfernt. Das liegt nicht zuletzt auch am Alter des Ketron SD40 Music Arranger, der in diesem Sommer seinen sechsten Geburtstag feiert. Prinzipiell ließe sich aus den Presets einiges mehr herausholen, würde man die Sounds entsprechend editieren, um zum Beispiel per Aftertouch bei Bläsern auf ein Brass Falls-Sample zu wechseln. Dennoch klingen die Sounds gerade im Zusammenspiel sehr gut, was gerade bei einem Arranger wichtig ist. Die mitgelieferten Demos präsentieren den Ketron SD40 Music Arranger meines Erachtens perfekt, deshalb habe ich einige ausgewählt und in die Playlist am Ende das Artikel als Hörbeispiel gepackt.

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Die DSP Insert-Effekte des Ketron SD40 Music Arranger

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Es stehen unzählige Effekte zur Auswahl bereit.

Sehr gut gefallen haben mir die Styles, die nicht so überladen sind wie die einiger Mitbewerber. Durch die Drehregler lassen sie sich zudem schnell anpassen, indem man zum Beispiel den Bass und die Drums etwas hervorhebt, während man die Akkordspuren absenkt. Auch das schnelle Anpassen des Verhältnisses zwischen live gespielten Sounds und den Styles über einen eigenen Regler gefällt mir sehr gut. Insbesondere die gut gespielten Audio Drums lassen die Styles sehr lebendig und authentisch klingen.

Was mir persönlich nicht so zusagt, ist die Aufteilung zwischen Hardware Buttons und Soft-Buttons im Display. Irgendwie ist es schwer, den richtigen Button schnell zu treffen. Hier hilft der Anschluss eines Pedalboards weiter, zum dem ich auch dringend raten möchte. Für Akkordeonspieler ist das ohnehin Pflicht. So bleiben die Hände an der Tastatur und man hat dennoch die volle Kontrolle über das Gerät. Behelfen kann man sich, indem man dem Gerät die Wahl über das jeweilige Fill oder den Break lässt. Dennoch gibt es für Intros und Endings keine eigenen Taster an der Hardware. Alternativ greift man zum Ketron SD-90, der entsprechende Hardware Button für die genannten Funktionen besitzt. Die Taster haben alle einen definierten Druckpunkt. Für das schnelle Abfeuern von Fills oder Breaks dürften sie für meinen Geschmack aber etwas weniger Widerstand besitzen. Das ist aber alles nur eine Frage der Gewöhnung.

Das Touch Display lässt sich gut ablesen und bedienen. Es reagiert nicht so feinfühlig wie ein iPad oder iPhone, aber ausreichend gut, um präzise damit arbeiten zu können.

Es gibt aber auch einen negativen Punkt, der unbedingt erwähnt werden muss: Der Ketron SD40 Music Arranger benötigt knappe 54 Sekunden für den Start. Bei einigen Änderungen, wie zum Beispiel der Bildschirmauflösung externer Monitore, wird zudem ein Neustart fällig. Das dauert dann noch einmal länger, denn nach dem Drücken des Betriebsschalters fährt der Ketron SD40 Music Arranger erst einmal gemütlich herunter. Das erinnert mich alles irgendwie an Windows.

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Das Hochfahren dauert knapp 57 Sekunden, das Herunterfahren fast 13.

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Bei einem Auftritt sollte besser kein Neustart erfolgen müssen.

Viele wertvolle Tipps, vor allem zum Erstellen der 5.1 WAV-Files bekommen Ketron SD40-Besitzer unter https://www.ketron-musixx.de. Diese Seite sei unbedingt empfohlen, wenn es um einige speziellere Fragen geht, auf die in der (Online-)Bedienungsanleitung nicht eingegangen wird. Dazu gehören auch so scheinbar simple Dinge wie das Ändern der Rotor-Geschwindigkeit von Orgel-Sounds über das Sustain-Pedal. Oder wie wäre es mit dem Anschluss eines USB-Masterkeyboards an den Ketron SD40 Music Arranger? Auch dazu findet man dort eine Anleitung. Oder Sie möchten allen Dateien eine Nummer voranstellen, um diese dann schneller aufrufen zu können? Kein Problem.

Der Ketron SD40 Music Arranger ist ein erstaunlich gut durchdachtes Gerät und obwohl er schon mehrere Jahre am Markt ist, werden weiterhin regelmäßig Updates veröffentlicht.

Alternativen

Konkurrenten findet man im Yamaha PSR-SX900, das mit extrem realistisch klingenden Audio Styles aufwarten kann. Gerade bei den Naturinstrumenten wie akustische Gitarre, Blechbläser oder Holzbläser erreicht das Yamaha PSR-SX900 einen hohen Realismus, der mit dem Ketron SD40 nicht zu erreichen ist. Wenn es also ein Instrument mit Tastatur sein darf, sollte das Yamaha PSR-SX900 unbedingt zum Vergleich herangezogen werden. Vom Funktionsumfang her ist es in vielen Bereichen nahezu identisch. Im Player-Bereich kann es allerdings dem Ketron SD40 nicht das Wasser reichen.

Ein weiterer Konkurrent kommt von Korg: Das Korg PA-1000 ist für 1777 Euro im Handel erhältlich und klingt ebenfalls amtlich. Auch hier sind die Natur-Sounds denen des Ketron SD40 deutlich überlegen. Die Styles klingen sehr amtlich und auch im Player-Bereich muss sich das Korg PA-1000 nicht verstecken, denn es spielt nicht nur MIDI-Files ab, sondern auch MP3 und MP3+G. Das 7“ TFT Touch Display und der Video Out sorgen für eine gestochen scharfe Darstellung von Lyrics im internen Display sowie auf einem externen Display.

Auf ausgefallene Features wie das Multitrack Playback muss man bei beiden Kandidaten aber verzichten.

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Fazit

Schon sechs Jahre hat der Ketron SD40 Music Arranger auf dem Buckel und trotzdem ist er nach wie vor beliebt. Das liegt sicherlich nicht nur am sehr gefälligen Sound, sondern auch am durchdachten Konzept des Geräts, welches mit Multichannel WAV-Playback, Audio Drums und dem Multiformat-Player seiner Zeit weit voraus war. Insofern kann man auch heute noch die Anschaffung empfehlen, wenn auch einige Mitbewerber hinsichtlich der Authentizität von Naturinstrumenten die Nase etwas vorn haben. Liegt der Schwerpunkt hingegen auf der Wiedergabe von Playbacks, Karaoke-Files, MIDI-Files, Videos etc., hat der Ketron SD40 Music Arranger die Nase vorn. Die tolle Schnittstellenausstattung und die Möglichkeit, alle Formate nebeneinander zu nutzen, sind ein großes Plus des SD40. Vor allem das schnelle Editieren von Styles direkt am Gerät durch das Verwenden von Templates ist ein tolles Feature. MIDI-Files mit einer neuen Drumspur aus Audio Drums zu versehen, ein weiteres Plus. Das wertet viele MIDI-Files deutlich auf. Angesichts des Alters ist der Preis von aktuell 1899,- Euro allerdings schon recht hoch, bei den Arrangern im Expander-Format gibt es allerdings auch kaum Konkurrenz, weshalb man es sich bei Ketron sicherlich erlauben kann, auch ältere Expandern eine längere Laufzeit zu gönnen. So empfiehlt sich der Ketron SD40 Music Arranger für all diejenigen, die einen guten und Road-tauglichen Multimedia Player für eine skalierbare Tanzband suchen, die stets in unterschiedlichen Besetzungen unterwegs ist.

Plus

  • absolut Road-tauglich
  • viele Anschlussmöglichkeiten
  • gute Sounds/Styles
  • Audio Drums
  • interne SSD
  • spielt viele verschiedene Audio-, MIDI und Videoformate ab
  • 7" Touch Display
  • Monitor-Ausgang (analog/digital)
  • zwei MIDI-Inputs
  • drei USB-Anschlüsse für Massenspeicher oder USB-Masterkeyboards
  • SD-Card
  • integrierter MIDI-/Audio-Recorder mit Bearbeitungsfunktion
  • kann als USB-Expander am Computer verwendet werden
  • 5.1 WAV-Format Unterstützung für Multitracks
  • Verwendung des Kopfhörerausgangs als Einzelausgang
  • Re-Arranging von MIDI-Drums mit den Audio Drums

Minus

  • recht hoher Preis
  • lange Boot-Dauer/langes Herunterfahren
  • Buttons für Intro/Ending nur als Software Buttons

Preis

  • 1.899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Markus,

    Herzlichen Dank für dem Artikel. Ich wusste gar nicht das es solche Sachen (noch) gibt ;-) Interessant zum Lesen und meine Erinnerungen an die Elka Orgel das ich Jahren lang als Teenager mal gespielt habe.

    Wenn ich dieser SD-40 aber Vergleiche mit ein Akai MPC-X den ich mir überlege, dann doch lieber der MPC-X und der ist noch einige Schmal-Taler billiger auch! Und ja klar, das ist fast so wie Äpfel mit Birnen vergleichen aber trotzdem wurde ich dann eher für den MPC-X gehen statt der SD-40.

    Und da gibt es auch noch der größere Bruder der SD-90 der noch mal eine Stufe teurer ist…

    Das lesen von deinem Artikel hat aber viel Spaß gemacht und gute/alter Erinnerungen nach oben geholt ;-) Danke dir dafür und viele Grüße, Garfield.

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