Diese Drum-Machine fühlt sich lebendig an
Hand aufs Herz: Wann habt ihr das letzte Mal Drums programmiert, bei dem ihr nicht nach zehn Takten das dringende Bedürfnis verspürt habt, eine echte Rassel in die Hand zu nehmen? Wir alle kennen das Problem der „digitalen Nähmaschine“. Man arrangiert Samples, variiert die Velocities, schiebt die Noten mühsam manuell vom Raster weg – und trotzdem klingt der Shaker am Ende so lebendig wie der alte klapprige Tischventilator im Office. Klevgrand OneShot2 möchte dies ändern und wir haben die Software für euch getestet.
Was ist es? Klevgrand OneShot 2, Drum-Sampler/Drum-Machine-Plug-in, Fokus auf artikulierte und organische Drum-Performance
- Motion-Engine: Steuerung per iPhone-Bewegung sorgt für realistische, organische Rhythmik.
- Sample-Konzept: 20.000 Samples mit Round-Robins und Velocity-Layern vermeiden den „Nähmaschinen-Effekt“.
- Workflow: Stack-Trigger, Note-off-Support und intuitive Oberfläche fördern kreatives Programming.
- Sound & Effekte: Charakterstarke Reverbs, Transient-Shaping und Mono-Tools für präzise Klangformung.
- Fazit: Innovatives Tool für anspruchsvolle Nutzer, das Performance und Natürlichkeit in den Mittelpunkt stellt.
Inhaltsverzeichnis
Klevgrand, die schwedischen Design-Ästheten mit dem Hang zum Unkonventionellen, haben uns vor einiger Zeit mit OneShot gezeigt, dass man Drum-Sampling auch anders denken kann. Nun steht OneShot 2 vor der Tür. Und ich sage es vorab: Die Jungs aus Stockholm haben nicht nur an den Parametern gedreht, sie haben das Gehäuse aufgeschraubt und eine völlig Platine eingebaut.
Klevgrand OneShot2: Warum eine Drum-Machine?
Bevor wir in die Details eintauchen, müssen wir über das „Warum“ sprechen. Der Markt ist überschwemmt mit Samplern. Wir haben die „Klassiker“ wie Native Instruments Battery, die algorithmischen Sortiermaschinen wie XO oder Atlas und die Brot-und-Butter-Player in jeder DAW.
Klevgrand möchte jedoch einen anderen Pfad gehen. Während andere versuchen, sich durch 100-GB-Librarys zu profilieren, fokussiert sich Klevgrand OneShot2 auf die Artikulation. Es geht nicht darum, was gespielt wird, sondern wie es sich zwischen den Schlägen anfühlt. In der Welt von OneShot2 ist ein Sample kein statisches Ereignis, sondern ein physikalisches Objekt, das auf seine Umgebung reagiert.
Den Großteil der Settings für die Drumsounds werden mittels einer übersichtlichen Page pro Slot justiert. Neben den „Klassikern“ wie Envelopes für Gain, Pitch und Filter findet sich hier auch eine coole Humanize Sektion.
Welches Sample auf welche Note gemappt ist, sieht man jederzeit in der praktischen farbcodierten Bar am unteren Ende des Plug-ins.
Einsetzen könnt ihr Klevgrand OneSho2 im Übrigen unter macOS (ab 10.13) und Windows (ab 10). Zur Installation und Aktivierung ist eine Internetverbindung notwendig. Die Software lässt sich in der DAW in den Formaten VST2/VST3, AU und AAX nutzen.
Klevgrand OneShot2: Was ist neu?
Werfen wir einen Blick auf das Datenblatt. Klevgrand hat hier im Vergleich zum Vorgänger massiv aufgerüstet: Von ehemals ca. 8.000 Samples haben die Schweden auf 20.000 erhöht. Das ist ein stattlicher Sprung. Mit der Sample-Anzahl sind natürlich auch die verfügbaren Patches gestiegen. Klevgrand OneShot 2 zählt 310 statt der alten 120. Auf der Effektseite wurden drei neue Klangverformer hinzugefügt (dazu später mehr).
20.000 Samples klingen erst einmal nach „Overkill“. Aber der Teufel steckt im Detail. Ihr findet hier keine 20.000 „verschiedenen“ Kicks, sondern ein Sammelsurium an Samples. Viele sind als Round-Robins verfügbar oder mit vielen Velocity-Layers ausgestattet – so wird es nie langweilig. Ein einzelnes Snare-Kit in OneShot2 kann so aus hunderten Samples bestehen, die das Plug-in intelligent abruft, um eben jenen „Nähmaschinen-Effekt“ zu vermeiden.
Klevgrand OneShot2: Motion-Engine
Das absolute Highlight von Klevgrand OneShot2 ist die Motion-Engine. Und hier wird es experimentell. Modulationen werden nicht wie üblich manuell mit Stiftwerkzeugen oder anderen auf Bildschirm und Maus basierenden Tools programmiert, sondern völlig intuitiv mit dem eigenen Telefon. Klevgrand liefert hierfür eine kostenlose Begleit-App für das iPhone mit.
Das Konzept: Ihr verbindet euer Handy mit der DAW. Die App nutzt die Gyroskope und Beschleunigungssensoren eures Smartphones, um Bewegungsdaten in Echtzeit an das Plug-in zu senden.
Stellt euch vor, ihr habt einen virtuellen Shaker geladen. Statt mühsam Kurven im Automation-Editor zu malen, nehmt ihr euer Handy in die Hand und macht die Schüttelbewegung physisch mit. Die Motion-Engine übersetzt die Fliehkräfte und die Intensität direkt in die Sample-Wiedergabe, die Filterung oder das Timing.
Das Ergebnis ist eine organische Unregelmäßigkeit, die man mit der Maus niemals hinbekommen würde. Es fühlt sich an, als würde man ein echtes Instrument spielen. Für jemanden wie mich, der mit haptischen Reglern und echten VCAs aufgewachsen ist, ist das ein Segen im oft so sterilen Plug-in-Alltag.
DSP-Recycling auf höchstem Niveau
Klevgrand ist „klever“. Sie entwickeln nicht für jedes Plug-in das Rad neu, sondern nutzen ihre bewährten Algorithmen. In Klevgrand OneShot 2 finden wir drei neue Effekt-Sektionen, die eigentlich „Best-of“-Auskopplungen ihrer Standalone-Effekte sind:
Reverb 2: Hier findet sich die DNA des Walls-Algorithmus. Es ist kein klinischer Hall, sondern einer mit Charakter. Er kann nach billiger Garage klingen oder nach einer edlen Kathedrale – aber immer mit einer gewissen „Körnigkeit“, die im Mix gut sitzt.
Transient Adder: Wer das Plugin Fosfat kennt, wird sich hier sofort zu Hause fühlen. Es erlaubt, den Attack eines Drumsounds künstlich zu verstärken, ohne die Dynamik des Rest-Samples zu zerstören. Das ist das digitale Äquivalent zu einem sehr schnellen Kompressor mit Sidechain-Filter.
Unstereo: Ein oft unterschätztes Tool. In Zeiten, in denen jedes Sample mit Pseudo-Stereo-Breite aufgepumpt ist, hilft Unstereo dabei, das Signal wieder in die Mitte zu rücken. Erinnert ihr euch an die alten Mono-Aufnahmen der 60er? Da hatte jedes Instrument seinen festen Platz. OneShot 2 hilft uns, diese Ordnung wiederherzustellen.
Stacks, Flams und die Magie des Note-offs
Ein großes Manko vieler Drum-Machines ist die Handhabung von Layern. Meistens muss man mühsam mehrere MIDI-Noten übereinanderlegen. Klevgrand OneShot 2 führt um dies zu vereinfachen die Stack-Trigger neu ein.
Man kann nun innerhalb eines Slots mehrere Samples stapeln und festlegen, wie sie getriggert werden. Sollen sie gleichzeitig feuern? Oder leicht versetzt als Flam? Oder vielleicht sogar alternierend? Das macht das Programmieren von komplexen Lines zum Kinderspiel.
Zudem reagiert Klevgrand OneShot 2 nun auf Note-off. Das klingt trivial, ist aber für die Artikulation entscheidend. Wenn man eine Note auf dem Keyboard loslässt, kann OneShot 2 ein spezifisches „Release-Sample“ triggern – zum Beispiel das Ausklingen der Saiten einer Snare oder das Abdämpfen eines Beckens. Das ist der Ghost in The Machine, der den Unterschied zwischen „Software“ und „Instrument“ macht.
Wie klingt Klevgrand OneShot 2?
Die Library von Klevgrand OneShot 2 ist breit gefächert. Das neue „Studio Kit“ klingt modern, sauber und extrem druckvoll. Es erinnert an die hochwertigen Aufnahmen, die man aus den großen Studios kennt.
Ganz anders das „Jazz Brush Kit“. Hier zeigt OneShot 2 seine wahre Stärke. Das Wischen der Besen auf dem Fell ist eine der schwierigsten Disziplinen im Sampling. Durch die Motion-Engine und die tiefen Layer klingt es hier jedoch unheimlich echt.
Die Vintage-Sektion bietet zudem Emulationen klassischer Drum-Maschinen, die aber nicht einfach nur „abgesampelt“ wurden. Klevgrand hat versucht, das Verhalten der Original-Schaltkreise zu emulieren. Wenn man eine 808-Kick schnell hintereinander triggert, verändert sich der Sound leicht, genau wie bei den instabilen Kondensatoren der Original-Hardware.
Einige Klangbeispiele findet ihr weiter unten im Test, weitere findet ihr hier.
Für wen ist Klevgrand OneShot 2 geeignet?
Klevgrand OneShot 2 ist kein Sampler für jeden. Wenn du einfach nur „Fette Trap-Beats“ bauen willst und dich nicht für die Nuancen eines Shakers interessierst, gibt es günstigere und einfachere Lösungen.
OneShot 2 ist für die Ästheten unter uns. Für die Leute, die sich darüber aufregen, wenn die HiHat in der Bridge genau so klingt wie im Refrain. Es ist für Musiker, die den Performance-Aspekt zurück in ihre DAW holen wollen.







































Gekauft für Eur 54,23,- am 21.03.2026 direkt bei Klevgrand, da will ich nicht meckern….
Was mich aber in 2026 wirklich stört, ist die nicht skalierbare UI; ich hoffe, daß Klevgrand
in kurzer Zeit behebt…
Ich kenne sowas auch von Sugarbytes. Da habe ich 4-5 Jahre warten müssen,
ehe „Turnado“ skalierbar gemacht wurde. Das ist ein Witz.
Schaut man sich z.B. U-he an, selbst bei deren Freeware gibt es seit Jahren skalierbare UI´s…
Große Monitore mit hoher Auflösung werden seit Jahren angeboten; gegenwärtig genieße ich
einen Dell UltraSharp 40 Thunderbolt Hub-Monitor – U4025QW an einem Mac Studio M4 max
und möchte den Platz, die Auflösung und Qualität nicht mehr missen….
Gruß, RH
@R.H. Oben links geht resize bis 200% ;)
@colibri. Danke für die Richtigstellung.
Ich hatte es bisher noch nicht installiert und mich auf
die Wertung hier bezogen…
…und was lernt man daraus, Amazona?
Gruß,
R.H.
Wichtig ist das eigentlich wirklich nicht, ob Schatten oder nicht, der Klang ist das was zählt und ob dir die Bedienung gefällt.
Nur zu meinem Verständnis : das Plug In liefert nur die Sounds , die Rhythmen muss man selbst einspielen ?
@Spectral Tune Korrekt!
Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass man im Plugin – ähnlich wie bei den verschiedenen Kits – auch einige Rhythmen auswählen kann. Aktuell muss man diese also noch selbst erstellen.
@casterTele Oder man nimmt Boomcha von Sampleson. Gibt’s gerade zum Einführungspreis und ist ein unterhaltsames wie hilfreiches Tool, um Beats zu programmieren …
@fitzgeraldo Danke für den Hinweis. Das sieht mir in der Tat nach einer guten Zutat aus. Und der Preis ist auch gut.
„Wenn man eine 808-Kick schnell hintereinander triggert, verändert sich der Sound leicht, genau wie bei den instabilen Kondensatoren der Original-Hardware“.
instabile Kondensatoren, so ein Blödsinn, hat dir das die „AI“ erzählt? 🤭🙄
das ist ein feedbackloop der sich aufschaukelt ;)
@plumperquatsch und genau diesen feedbackloop kann man mit Round Robin sample play nicht nachmachen,
weil jeder klang abhängig von dem vorherigen ist …
@plumperquatsch da kann man sich dumm und dusselig dran samplen
und es funktioniert trotzdem nicht richtig 😁
Die eine Faderkappe wirkt wirklich etwas inkonsistent, aber ansonsten würde ich das Design eher als gewolltes “Flat 2.0” bezeichnen und macht erst mal für mich einen soliden Eindruck. Besser zumindest als die Fake-3D GUIs mit verzerrter Perspektive und völlig überzogenen Licht- und Schatteneffekten, die leider im Plugin-Bereich immer noch viel zu häufig anzutreffen sind…
„Kleine Unvollkommenheiten“ wie das wesentliche Feature nur für iPhone anzubieten – das schließt halt alle außerhalb des teuren Apple-Universums aus. Ich mag Beatmaschinen, aber für eine einzige – selbst eine offenbar knuffige – den ganzen Fuhrpark austauschen/upgraden/umbauen/erweitern auf anderes Betriebssystem?
Hm, wenn ich Geld und Zeit im Überfluss hätte, und so richtig Lust auf komplett neue Routinen und Arbeitsumgebungen … Oder wie motiviert oder sinnvoll wäre das Erwerben (und Erlernen) eines iPhones zusätzlich (bei sonstiger Beibehaltung damit nicht kompatibler Geräte und Programme): um jenes herausragende Feature eines Softwareinstruments nutzen zu können?
Da bleib ich dann doch lieber bei meiner Gewohnheit, mir zu steril geratene Beats mit eigenhändig gespielter Percussion aufzupeppen. Aber danke für den interessanten Artikel!
@Eibensang Nett wäre es gewesen, wenn man da einen XBox- oder PSX-Controller verwenden könnte. Dann hätte man dieses Feature für ungefähr 30€, und es wäre haptisch eine andere Welt..
Gegen sterile Beats nehme ICH den Sugarbytes DrumComputer, der BFD ansteuert, und Korg-Wavedrums…
@mort76 Ich definiere einfach sterile Beats als künstlerisch so beabsichtigt, fertig! 😁