Test: KMA Audio Machines Horizont, Phaser Pedal

17. Mai 2020

Aim for the stars - Phaser-Power aus Deutschland

Test KMA Audio Machines Horizont

Unser letzter Kandidat aus der aktuellen KMA-Reihe ist der Horizont – ein multimodales Phaser-Pedal der neuesten Generation. Wir haben uns bislang das Sludge-Monster Logan angesehen sowie das fantastische Cirrus – und erfreulich festgestellt, dass verlässliche Pedal-Qualität eben auch aus Deutschland kommen kann. Man mag KMA Audio Machines eine gute Zukunft bescheinigen, wenn sie dran bleiben – entsprechend konnte unsere Redaktion nicht widerstehen und hat sich das Horizont im Detail angesehen und getestet.

KMA Audio Machines versehen ihre Pedale gerne mit einem gewissen „Kniff“, eine Besonderheit, die sie von anderen Pedalen dieser Rubrik abhebt und abgrenzt. In diesem Falle betreten KMA Audio Machines vertrautes Terrain – das Astrospurt Phaser dürfte das erste Pedal der Firma gewesen sein, das sich in die breitere Wahrnehmung drängte. Der Horizont ist der Astrospurt auf Steroiden – ein „Interdimensional Multispatial JFET Phaser“, mit zahlreichen Optionen und eigenem Charakter – taugt’s?

KMA Audio Machines Phaser – Facts and Features

Ich bin komplexen Panels ja durchaus zugetan – aber auf den ersten Blick zähle ich auf dem Horizont 10 (!) Kippschalter. Ob das gerechtfertigt ist, wird sich zeigen, kann aber durchaus erstmal für ein bisschen Verwirrung sorgen. Das Pedal zwingt einem die Komplexität jedoch nicht auf – wer einfach klassische Phaser-Dynamik will, kann sich einfach an den Reglern halten und seinen Sound aus den klassischen Parametern Waveform, Depth und Decay basteln. Zum Rest kommen wir im nächsten Abschnitt.

Test KMA Audio Machines Horizont

Doch zunächst: Das Pedal besitzt die Maße 125 x 153 x 58 mm und breitet sich also ein bisschen auf eurem Board aus. Es wiegt nur einen halben Kilogramm, und insgesamt ist die Haptik und die Qualität – wie gewohnt von KMA Audio Machines – restlos in Ordnung. Das Horizont besitzt Stereo-Ausgänge – was aufgrund der zahlreichen Sound-Optionen des Pedals eine gute Nachricht ist, sowie wie auf der linken und rechten Seite den Send und Return eines FX-Loops, der andere Effekte vor das Phase Shifting schalten lässt. Auf der Stirnseite gibt es noch zusätzlich neben dem Input und den Outputs einen Anschluss für das Expression-Pedal. Die zwei Fußschalter bedienen Engage und Tap – ganz recht, das Tempo (Spurt) kann per Tap-Tempo geschaltet werden.

KMA Audio Machines Horizont – das Bedienpanel

Das Gröbste zuerst: Die Regler. Das KMA Audio Machines Horizont besitzt mehrere größere Regler und mehrere kleine. Man muss sich ein bisschen Zeit nehmen und es kann nicht schaden, die Anleitung zur Hand zu nehmen. Ganz recht – für ein Phaser-Pedal.

  • Signal: Betrifft die allgemeine Lautstärke des Output-Signals.
  • Mix: Lässt einen die Balance von bearbeitetem und unbearbeitetem Signal einstellen.
  • Spurt: Die LFO-Geschwindigkeit des Phasers lässt sich über diesen Regler einstellen – kurze Ausrisse sind genauso möglich wie auslaufende Sweeps.
  • Depth: Die Intensität des Phaser Effekts kann hier eingestellt werden – ein leichter Phaser-Effekt oder ein intensiver JFET-Sound sind beide gleichermaßen möglich.

Nun, das ist mehr oder minder die Standard-Aufmachung eines Phasers. Doch das KMA Audio Machines Horizont geht darüber hinaus. Der wichtigste kleine Regler ist zweifelsohne der mittige Waveform-Regler. Das Horizont besitzt acht Waveforms, die mit diesem Regler angewählt werden können – randomisierte Steps sind genauso möglich wie der klassische Triangle- oder Sinus-Sound. Der kleine Kippschalter darunter erlaubt es, den Expression-Modus einzustellen. Ob das Expression-Pedal den Spurt, also die Geschwindigkeit des Phasers, ansteuert oder den Sweep, kann hier angewählt werden. Auf der linken Seite gibt es eins der spannendsten Features – der Reg-Regler und seine Kippschalter. Wird er aktiviert, kann er das Ausmaß des Feedbacks eingestellt werden. In welche Stages das Feedback eingespeist wird, kann über die Kippschalter 1 bis 4 bestimmt werden – hier entfalten sich die unberechenbaren, aggressiveren Sounds des KMA Horizont. Schematisch sieht das ungefähr so aus:

Test KMA Audio Machines Horizont

Auch die Stereo-Optionen des KMA Horizont können erweitert werden: Panning Output oder Standard Stereo – kann beides eingestellt werden über den unteren linken Kippschalter. Was kann das Horizont noch? Ansteuerung des Phasers kann über LFO und Envelope erfolgen – dafür ist der erste Sweep Schalter zuständig. Wird der Phaser über den Envelope eures Instruments angesteuert, könnt ihr entscheiden, ob das Signal oben oder unten beginnt mit einem weiteren Kippschalter. Zwei kleine Regler erlauben es, die Sensitivität des Envelopes einzustellen mit Fuel-Regler sowie den Decay. Zu guter Letzt: Der Spurt Control-Kippschalter. Auf der LFO-Position, stellt der Spurt-Regler die Phaser-Geschwindigkeit ein. Auf der Envelope-Position kann man entlang des gesamten LFO-Range durch die Intensität des eigenen Spiels den Phaser anfachen. Wer beides kombinieren möchte, kann dies über die mittlere Position des Toggle tun.

Also – ganz schön happig. Intuitiv geht anders, aber man merkt, dass sich KMA Audio Machines ordentlich Gedanken gemacht haben. Eine Envelope-sensitive Option für Phaser-Sounds ist nicht gang und gebe und die Feedback-Optionen des Horizont reichen weit über das hinaus, was man von anderen Phasern aus der Preisklasse gewohnt ist. Wir schauen uns das in der Praxis jetzt genau an.

KMA Audio Machines Horizont Phaser Pedal – Praxis

Wir nutzen den Yamaha THR30, spielen das Signal durch den Two Notes C.A.B. und in das Audio-Interface. Entscheidend ist bei einem Phaser letzten Endes die Frequenzklarheit, Rauscharmut und ein ausgewogenes Zusammenspiel von Höhen, Mitten und Tiefen. Wie bewährt sich der Horizont hier?

Test KMA Audio Machines Horizont

Gleich vorweg – wer das Horizont wirklich entfalten möchte, kommt an Stereo nicht vorbei. Die Bedienung des Pedals ist tatsächlich nicht auf Anhieb zu stemmen, man braucht seine Zeit, um ein Gespür für die vielfältigen Optionen zu entwickeln. Was sich besonders hervorhebt – die Schnelligkeit des Sweeps durch den Envelope und die Intensität des eigenen Spiels steuern zu können, macht eine Menge Spaß. Darüber hinaus sind die zahlreichen Wellenformen, mit denen man arbeiten kann, noch eine weitere Potenzierung der Möglichkeiten, die das Horizont mit sich bringt. Doch die größte Stärke des Horizont ist das Stereo Panning, das direkt von der Auswahl der Wellenformen beeinflusst wird – bis auf Beispiel 5 sind sämtliche Audios in diesem Modus aufgenommen. Für diese Preis-Riege ist mir kein anderes Phaser- oder Modulations-Pedal bekannt, das dies kann. Durch die Intensität des Anschlages das Panning zu beeinflussen ist definitiv eine äußerst tolle Angelegenheit, wie Beispiel 1 demonstrieren soll. Am Ende von Beispiel 6 und Anfang von Beispiel 3 nutzen wir den Reg-Regler und den Emphase-Kippschalter, um die Feedback-Funktion des Horizont auszuloten. Die Sounds, die dabei zustande kommen, überraschen definitiv, sprengen aber des öfteren den Rahmen des Nützlichen – die Oszillations-artigen Sounds, die dabei zustande kommen, reißen des öfteren unberechenbar aus. Dass sie aber auch verzerren, vor allem, wenn man Stage 2 und 4 gleichzeitig für den Feedback freischaltet, sorgt dafür, dass das Horizont spannend bleibt.

Kommen wir zum einzigen wirklich nennenswerten Manko des Horizont. Das Signal, das reingeht, wird hier durch eine Art Low Pass-Filter gejagt, der – sagen wir es mal so – nicht Part des Deals ist. Das Problem ist dabei, dass der Horizont den Sound grundsätzlich sehr dunkel einfärbt und dabei die Höhen für meinen Geschmack zu sehr kappt. Was dahinter steckt, dürfte auf der Hand liegen – ein Frequenz-Sweep des Phasers kann in den höheren Regionen schmerzhaft anmuten und hässlich im Klangbild ausreißen. Da wurde ganz klar versucht, diesem Störfaktor entgegenzuwirken, vielleicht gab es dafür noch andere Gründe, aber es ist nicht von der Hand zu weisen: Das KMA Audio Machines Horizont macht sich an den höheren Frequenzen zu schaffen, was vor allem bei den Hörbeispielen deutlich wird, die mit dem Malekko Manther durchgeführt wurden.

Fazit

Sehr runde Sache von KMA Audio Machines, mal wieder: Klar, das sperrige Konzept und die Bedienung machen es nicht jedem leicht, sich beim Horizont zurecht zu finden. Wer eine einfache Modulations-Maschine sucht, ist hier falsch beraten. Das Horizont ist mit seinen Stereo- und sensitiven Envelope-Qualitäten jedoch ein echtes Unikat und für diesen Preis tatsächlich zu rechtfertigen. Das Klangbild wird dunkel eingefärbt – das dürfte dem einen oder anderen auch sauer aufstoßen, aber das hier ein zweifelsohne einzigartiger, innovativer Phaser aus deutschem Lande, der ausgiebig erforscht werden möchte.

Plus

  • Zahlreiche Sounds
  • Feedback Stages spannend
  • Tolle Stereo-Panning Optionen
  • Expression-Anschluss

Minus

  • dunkel im Gesamtsound
  • Konzept auf den ersten Blick sperrig

Preis

  • 289,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Erfreulich, dass hier auch zwei Sound-Clips mit einem Synth dabei sind, obwohl die Gitarren-Beispiele auch schon recht aussagekräftig sind. Ich könnte mir den Horizont gut in Verbindung mit meinem MicroFreak vorstellen, um paraphonen Flächen-Sounds mehr Spice zu verleihen. Leider kostet der Phaser mehr als der Synth…

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „ein multimodales Phaserpedal“ — das muß man sich mal auf der Netzhaut zergehen lassen.

    Gibt’s irgendwann hier auch nochmal Demos, die nicht nur geklampft sind, sondern anhand der Standard-Tastenklängen Rhodes, Clavinet, Solo und Fläche vorgeführt werden? Gitarre klingt für mich in allen Bereichen ziemlich gleich, egal, ob mit oder ohne Zerre und Hüllkurvensteuerung.

    Gemessen an den vorliegenden Beispiele (und der blumigen Präsentation) finde ich den Klang nicht sonderlich spektakulär, sondern eher bieder in einer an einen MXR-Phaser erinnernden Weise, und die wirklich schrillen Klänge sind so schrill, daß man sie wirklich nur einmal benutzt — nämlich kurz bevor man wegen groben Unfugs aus der Band geworfen wird.

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