Test: KMA Audio Machines Logan, Verzerrer-Pedal

28. April 2020

Drive-Kunst aus deutschem Lande

KMA Audio Machines Logan

KMA aus Berlin ist – könnte man argumentieren – der zurzeit spannendste deutsche Pedalbauer. Die Formel, auf die die Jungs setzen, muss in Sachen Ästhetik und Klangqualität den internationalen Vergleich nicht scheuen.

We only use premium components like Alpha-Pots, WIMA or Panasonic caps, Neutrik Jacks and indestructible Hammond die-cast enclosure. Every pedal makes its first step along the breadboard, gets refined until it tells its own story and we are absolutely satisfied.

So heißt es auf der Homepage der Firma. KMA ist also keine experimentelle Schmiede oder ein Hobbyprojekt – ein Blick auf den inzwischen umfangreichen Katalog der Firma zeigt, dass sie sich inzwischen an unzähligen Arten von Gitarrenpedalen versucht haben. Über die Audio Distribution Group, die den Vertrieb von KMA in Europa regeln, konnten wir eine Reihe von Pedalen nun in unserer Redaktion unter die Lupe nehmen. Den Anfang macht Das KMA Audio Machines Logan – ein Verzerrer für Mid-Gain-Gefilde, der auf vielen Ebenen funktioniert: Gitarren, Drum-Machines und Synthesizer. Wir schauen mal genauer hin:

KMA Audio Machines Logan, Overdrive-Pedal – Facts and Features

Unterschätze niemals den Wert von hochwertigem Artwork – das hat KMA Audio Machines verstanden und versehen ihre Pedale regelmäßig mit John Baizley- und Skinner-inspirierten Kunstwerken. Das Auge spielt mit und das KMA Audio Machines Logan ist mit seinem dunkelgrünen Hintergrund und dem wölfischen Schamanen darauf keine Ausnahme. Das Verzerrer-Pedal soll vor allem mit zwei Aspekten punkten: die Reaktivität des Gains bei der Anschlagsdynamik und dem damit verbundene Headroom, der einen offenen, saturierten Sound gewährleisten soll. Bis zu 25 dB soll das Logan durch das Headroom-Design draufpacken können, womit das gute Stück in Preamp-Gefilde vorstößt. Es ist kein rückkopplungsfreudiges High-Gain-Pedal, sondern ein Tone-Shaper und Boost, der sich darauf konzentriert, Mitten und Bässe hervorzuheben. Treble und Bass verstärken den Sound um bis zu 15 dB, eignen sich also hervorragend dazu, bei einem größeren Cabinet ein ordentliches Fundament zu liefern. Die eigentliche Stärke des Logan liegt in der Flexibilität der Mitten – doch dazu später mehr.

KMA Audio Machines Logan

In Sachen Anschlüsse gibt sich der Logan übersichtlich: 6,3 mm Klinkeneingang und -ausgang auf der Stirnseite, dazwischen der Anschluss für ein (nicht im Lieferumfang enthaltenes) 9 V Netzteil. Der Logan läuft mit 30 mA und True-Bypass und wiegt nur 400 g. Wie alle anderen Pedale von KMA Pedals ist auch dieses in der Verarbeitung makellos – von den geriffelten Potis bis zum Kippschalter: Nichts wackelt, die Werksqualität stimmt also. Darüber hinaus besitzt der Logan eine kleine Öffnung auf der Rückseite, über die ein internes Trimpoti erreicht werden kann. Die Bandbreite des Mitten-EQs kann hier erweitert oder verengt werden. Außerdem besitzt der KMA Logan einen Anschluss für ein Expression-Pedal, mit dem man über den Mid-EQ ansteuern kann – ein erfreuliches Plus, das bei diesem Preis keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Bedienpanel

Vier große Regler, zwei kleine, ein Kippschalter, zwei Fußschalter – der KMA Audio Machines Logan ist also definitiv mehr als ein One Trick Pony. Die Regler bedienen folgende Parameter:

  • Level bestimmt das allgemeine Output-Level des Pedals. Und Fakt ist: Das Logan kann laut, vor allem durch den offenen Headroom, den das Logan in die Signalkette schiebt.
  • Drive lässt einen das Ausmaß an Zerre einstellen. Obwohl der Logan ein Mid-Gain-Pedal ist, kratzt er in den höheren Drive-Regionen an High-Gain-Gefilden.
  • M-Freq ist einer der zwei Regler, der die Mittenfrequenzen bedient. Hier wird der Frequenzpunkt der Mitten eingestellt im Spektrum von 100 Hz ganz auf der linken Seite und 2,4 kHz auf der rechten.
  • M-C/B ist der weite Mittenregler. Hier kann ein Midscoop oder eine Hervorhebung der Mitten vorgenommen werden, indem man diese von -12 bis +12 dB regelt.
  • Lows lässt eine Beschneidung oder Betonung der tiefen Frequenzen und Bässe von -15 bis +15 dB zu.
  • Highs ist im Grunde nichts als ein Treble-Control, der es erlaubt, die Höhen um 15 dB hochzufahren oder abzusenken.

KMA Audio Machines Logan

Soviel zu den Reglern. Neben dem ENGAGE-Fußschalter, der das Pedal in den aktiven oder den Bypass-Modus versetzt, findet sich ein zweiter Fußschalter mit der Bezeichnung Mids. Dieser aktiviert den M-Freq, sodass man quasi zwischen zwei Spielmodi wechseln kann. Ist das gewählte Mitten-Zentrum der Frequenzen durch den M-C/B-Regler mit ein paar Dezibel mehr versehen, kann man über den Mids-Fußschalter einen Boost während des Spiels aktivieren, für Soli die Mitten pushen oder für tiefe, basslastige Riffs zurücknehmen. Der KMA Logan Overdrive lässt einen zudem einstellen, wo genau man im Schaltkreis Mid-EQ haben möchte: vor oder nach dem Drive. Während Ersteres einen saturierten Sound erlaubt, fungiert vor allem bei hohem Drive Zweiteres als ein umfassender Boost. Pre ist also gut für klar umrissene Crunch-Sounds, Post ist für eine erhöhte Präsenz praktikabel, wenn man in Lead-Parts wechselt. Insgesamt also ein sehr Performance-orientiertes Verzerrer-Pedal, dessen interne Trim-Regler eine zusätzliche Flexibilität erlauben, die sich vor allem bei anderen Instrumenten als der Gitarre praktisch erweisen wird – wie wir nun im Praxisteil nachvollziehen werden.

In der Praxis

Der KMA Logan klingt für ein Mid-Gain-Pedal ungewohnt bissig – aber das ist gar nicht schlecht. Sein Grundcharakter ist dreckig, aber vor allem über den Amp entfaltet das Pedal eine Vielzahl an Gesichtern. Gleich vorweg: Eine große Stärke des KMA Audio Machines Logan ist die Anschlagsempfindlichkeit – das Logan ist eins der dynamischsten Overdrive-Pedale, die ich in der letzten Zeit spielen durfte. Der Headroom sorgt dafür, dass sich der Sound ordentlich öffnet und das Gain ungemein reaktiv und trotzdem transparent agiert. Im Beispiel zwei aktiviere ich ab der ungefähren Mitte mithilfe des MID-Fußschalters einen ordentlichen Mitten-Scoop – das Resultat ist ein verstärktes Low-End. In Klangbeispiel 3 wird die Offenheit und Dynamik des Logan demonstriert. Im vierten Beispiel nutzen wir ein Expressionpedal und demonstrieren den Filter-Sweep, den man mithilfe des M-Freq-Reglers leisten kann. Eine weitere Geheimwaffe des Logan ist der etwas unscheinbare kleine Low-Regler. Die Verstärkung der tiefen Frequenzen entfesselt einen kleinen Behemoth: Es dröhnt und knallt, wie Beispiel 5 demonstriert, bei dem wir den ordentlich aufgedrehten Zerrkanal des Amps zusätzlich mit dem Logan und stark hervorgehobenen tiefen Frequenzen befeuern. Bei Beispiel 6 nutzen wir einen Loop und demonstrieren die vielen Gesichter und Frequenzen, die der Logan hervorbringen kann.

Das gleiche Bild zeichnet sich bei der Verwendung des Hi-Z-Anschlusses des Audiointerfaces, wobei hier der Yamaha THR und das Two Notes Torpedo dem Logan ein bisschen Kontur geben. Die Zerre des Logan ist auch dann noch dreckig, wenn Drive auf ein Minimum eingestellt ist – das dürfte den einen oder anderen stören. Erfreulich ist hingegen, dass man mithilfe des Logan auch Loops mehr oder minder zersetzen und vernichten kann, wie Beispiel 2 zeigt.

Nachdem ich den Mid-EQ durch das Trimpoti maximiert habe, wird der KMA Audio Machines Logan sowohl an den Malekko Synthesizer Manther geschlossen als auch an den DFAM. Der Filter-Sweep zeigt sich vor allem beim DFAM äußerst nützlich. Beim Manther wird der klare Charakter der Oszillatoren und der Sequenz durch ein Mitten-, Höhen- und Tiefen-Sweep gejagt. Von der Verträglichkeit habe ich mir tatsächlich ein bisschen erhofft, auch wenn der Boost der tiefen Frequenzen einiges hergibt.

 

Fazit

KMA Machines machen es vor – aus deutschem Lande kann durchaus handfeste Pedal-Kunst kommen. Das Logan ist – Mid-Gain hin oder her – ein gemeiner, beißender Verzerrer, der untenrum im Low-End eine unglaubliche Wucht entfalten kann. Der Mid-Sweep per Expression-Pedal macht Spaß, aber sinnig ist vor allem Mid-Fußschalter, der sich in jedweden erdenklichen Booster verwandeln kann – Midscoop, Mid-Boost, erhöhtes Treble. Für den Preis eine äußerst feine Sache. Daumen hoch, KMA!

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • vielfältig und dynamisch
  • ordentlich Headroom

Preis

  • 189,- Euro
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