Vintage Korg-Filter mit moderner Modulation
Die Korg Collection Filter Ark Effekt-Plug-ins sind eine Sammlung von 14 Filtermodellen aus der Synthesizer-Geschichte von Korg für macOS und Windows. Wer sich oft schon wünschte, allein die Filter eines bestimmten Software-Synthesizers nutzen zu können, sollte sich unseren Testbericht dazu nicht entgehen lassen.
Was ist es? Korg Filter Ark ist ein Effekt-Plug-in für macOS und Windows mit 14 klassischen und modernen Filtermodellen aus der Synthesizer-Geschichte von Korg.
- Filter-Sammlung: 14 Modelle aus verschiedenen Korg-Synthesizern, darunter MS-20, Polysix, microKorg 700S und ARP Odyssey.
- Flexibles Routing: Bis zu vier Filter gleichzeitig mit frei konfigurierbarer Signal-Matrix und individuellem Gain-Staging.
- Starke Modulation: Vier Macros und vier Modulatoren (LFO, Envelope-Follower, Step-Sequencer, Random) mit rund 60 Modulationszielen.
- Klangcharakter: Besonders effektiv bei Drums und akustischen Quellen, da sich hier zusätzliche Filterbewegungen stark bemerkbar machen.
- Fazit: Gelungene Kombination aus klassischen Korg Charakterfiltern und modernen Modulationswerkzeugen mit hohem Sounddesign-Potenzial.
Inhaltsverzeichnis
Die Korg Collection Filter Ark wurde zusammen mit den beiden USB-Audiointerfaces Korg microAudio 22 und microAudio 722 vorgestellt. Das 722 hatten wir bereits getestet, hier geht’s zum Artikel.
Die Software gibt es zum Preis von 99,- Euro, ist aber auch in der Korg Collection 6 enthalten.
Zur Autorisierung der Software wird ein Benutzerkonto bei Korg, genannt „Korg-ID“, benötigt. Wenn man schon angemeldet ist, kann die Aktivierung sowie das Herunterladen und Installieren direkt über die Korg Software Pass-App erfolgen.
Das Plug-in gibt es für macOS (Intel 64 Bit und M-Serie) und Windows als VST, VST3, Audio Unit und AAX.
Korg Filter Ark: Filtermodelle
In der Software sind die folgenden Filter enthalten:
- MS-20 Tief- und Hochpass (12 dB/Okt.)
- PolySix Tiefpass 24 dB/Okt.
- Modal – physikalisch modellierter Resonator (wahrscheinlich Korg Karma, Prophecy)
- Vowel-Filter (u. a. Korg Miku Stomp)
- Stereofilter – Multifilter mit getrennten L/R-Einstellungen
- IR-Loader – Impulse-Response für EQ und Hall-IRs
- All-Pass-Filter – Phasenmodulation ( L/R-Kanaldifferenz)
- Morphing-Filter – Hoch-, Tief-, Bandpass und Filtersperre, 12 und 24 dB/Okt., MVL22-Filter, ~logue-Serie
- microKorg 700S-Filter Traveller-Filter 12 dB/Okt.
- ARP Odyssey, Typ I, II, III (12 dB/Okt., 24 dB/Okt.)
- Wave Guide (u. a. Wave State, Volca Drum)
- Spectrum Tracer – Sample Spektralanalyse
- Drift – Stereo-Tief- und Hochpass
- Multi-Mode – 10 Filtermodelle in 6 und 24 dB Flankensteilheit
- Korg Filter Ark Liste 5-8
- Korg Filter Ark Liste 9-12
- Korg Filter Ark Liste 13-14
Die Filter scheinen alle 1:1 aus den Beständen der Korg Collection zu stammen. Ich konnte jetzt nur zum direkten Vergleich das KLC MS-20FX Plug-in mit dem Pendant aus der Filter Ark heranziehen, weil dies eine extra Effekt-Version bietet. Unterschiede sind aber nur schwer auszumachen und rühren hauptsächlich daher, dass die Filter im MS-20 noch (u. a.) mit den zwei Hüllkurven moduliert werden können.
Einsatz der Filter
Es können maximal vier Filter gleichzeitig aktiv sein, werden einfach aus der Übersichtsleiste auf die gewünschte Position gezogen und auch so wieder gelöscht. Die Filter können im Nachhinein in der Reihenfolge umsortiert werden.
Das Einstellen der Eingangslautstärke schien hier besonders wichtig zu sein, denn irgendwie mögen diese Filter keine Übersteuerung. Das klingt dann schnell krachig. Es kann auch luxuriös ein Gain-Staging über die Filter-Slots hinweg vorgenommen werden, denn jedes Filter hat eigene Einstellungen für Ein- und Ausgangspegel.
Als ob das noch nicht genug wäre, kann der Signalpfad durch die Filter-Slots über eine Matrix frei eingestellt werden. Es gibt zwar einige feste Presets, aber wenn man Filter 4 unbedingt auf Filter 1 routen will und danach in Filter 3 etc., ist das kein Problem. Außerdem lässt sich für jedes Routing auch noch die Lautstärke individuell einstellen. Allein daran kann man sich geistig und auch musikalisch dran erschöpfen, sehr schön.
Zuletzt, d. h. eher am Anfang der Signalkette, bietet Korg Filter Ark einen Noise-Regler der einfach nur Weißes Rauschen beimischt. Zuerst dachte ich wirklich „Wozu?“, aber ich muss gestehen, zumindest in diesem Falle wirkt es! Das Rauschen fügt hier eine gewinnbringende Komponente in den Klang mit ein. So wie man bspw. Dithering hinzufügt, um dem digitalen Quantisierungsrauschen entgegenzuwirken.
Ganz am Ende sitzt der FX-Depth-Regler zum Einstellen des Effektanteils am Gesamtsignal. Diese beiden Parameter können sogar per MIDI kontrolliert werden.
Die Chromatic-Einstellungen der Korg Filter Ark bietet auch die Möglichkeit, die Cutoff-Parameter bei der Modulation automatisch auf eine Frequenz zu setzen, die der ausgewählten Tonart entspricht. Dies wird über das kleine Klaviatur-Icon aktiviert. Ein direktes Spielen des Cutoffs wäre jedoch auch schön gewesen. Die Tonart gilt für alle Filter-Slots.
Modulation
So weit, so gut, aber die Filter sind nur die eine Hälfte. Die andere Hälfe setzt sich aus vier Macro-Reglern und vier Modulationsquellen zusammen, die ca. 60 Modulations-Slots zugewiesen werden können. Das geschieht einfach per Drag & Drop des schwarzen Punktes an den Modulator-Icon auf den gewünschten Parameter.
Ist ein Modulator einem Parameter zugwiesen, kann über einen Sekundärklick auf die Parameter (oder in der MOD-TABLE-Ansicht) die Modulationstiefe eingestellt wie auch zwischen unipolarer und bipolarer Auslenkung gewählt werden.
Sehr schön ist hier auch, dass über das Mini-Pop-up-Fenster die Modulationszuweisung direkt wieder gelöscht werden kann. Das erspart einem das Suchen in der Modulationstabelle. Es gibt aber auch einen Menüeintrag zum Löschen aller Zuweisungen auf einmal.
Macros
Die Macros sind ganz einfache Regler, die per MIDI-CC direkt gesteuert werden. Die Zuweisung der MIDI-CCs erfolgt über die Voreinstellungen und die Macros können auf beliebig viele Parameter gleichzeitig angewendet werden.
Modulatoren
Die vier Modulatoren können jeweils eine Funktion ausüben: LFO, Hüllkurvenverfolger, Step-Sequencer oder Zufallsgenerator. Darüber hinaus können die meisten Modulationsparameter einer Funktion selbst wieder den Macros und Modulatoren zugewiesen werden – auch von demselben Modulator. Hier wird es dann richtig mental.
LFO
Im Wave-Editor des Korg Filter Ark Plug-ins können nicht nur frei definierbare Schwingungsformen erzeugt werden, sondern wir haben auch zwei davon, zwischen denen mit MORPH überblendet werden kann. Allerdings teilen sich die beiden alle Parameter, sind also nur in der Form unabhängig voneinander.
Der LFO kann in seiner Startphase eingestellt und auch neu gestartet werden. Beides kann dazu über einen Macro oder einen Modulator automatisiert werden, z.B. den Step-Sequencer. Sobald der Quellwert 0,5 übersteigt, wird der LFO neu gestartet, sehr schön.
Das Editieren der Schwingungsformen erfolgt über Multipunktkurven. Punkte können per Primärklick eingefügt werden. Zwischen je zwei Punkten befindet sich ein Bezier-Punkt, mit dem der ansonsten geradlinige Werteverlauf kurviger gestaltet werden kann.
Weitere Editierhilfen sind Invertieren der gesamten Kurve und Spiegelung entlang der vertikalen Mitte – entweder von links nach rechts oder umgekehrt. Sollten einem die Ideen ausgehen, gibt es einen Zufallsgenerator mit bis zu 40 Punkten. Nehmen wie dann noch die Funktionen hinzu, um die Punktanzahl zu verdoppeln oder zu halbieren, lassen sich sehr schnell komplexeste Schwingungsformen erstellen. Das Einzige, was hier eigentlich noch fehlt, ist eine Bereichsauswahl der Schwingungsform, ähnlich wie beim Zufallsgenerator.
Schließlich kann der LFO auch zur Hüllkurve umgeschaltet werden, also endlos oder One-Shot. Der LFO kann dabei auch frei oder synchronisiert zum Takt schwingen.
Hüllkurvenverfolger
Hier wird die Hüllkurvenreaktion auf ein eingehendes Audiosignal eingestellt. Als Audioquellen können entweder der Audioeingang, ein spezifischer Filter-Slot (Ausgang) oder der Side-Chain-Eingang des Plug-ins von einer anderen Audiospur gewählt werden. Die Reaktionszeit kann den Pegelspitzen (schnell) oder dem RMS-Durchschnitt (langsamer) folgen.
Step-Sequencer
Eine maximal 16 Schritte lange Sequenz kann mit der Maus eingezeichnet werden. Dabei sind auch Anfangs- und End-Step frei wählbar und es können einzelne Steps einfach ausgeschaltet und damit übersprungen werden. Sehr schön ist hier auch die Einstellbarkeit der Portamonto/Glide Anstiegs- und Abfallzeiten zwischen den Steps.
Eine kleine weitere Besonderheit ist, dass der Sequencer nicht nur synchronisiert oder frei laufen kann, sondern auch per manueller Kontrolle durchschritten werden kann, was sich z. B. hervorragend mit dem RESTART-Parameter des LFOs versteht.
Zufallsgenerator
Korg hat es wirklich geschafft, selbst dem Aspekt des Zufallsgenerators etwas Neues abzugewinnen. Grundlegend wird hier ein Rechtecksignal erzeugt. Mit FREQUENZ wird die stete Häufigkeit der erzeugten Werte festgelegt. Mit JITTER wird diese Stetigkeit variiert und es werden mehr Werte erzeugt als der Frequenzwert normalerweise zuließe. Im Taktmaß wird statt dessen die Wahrscheinlichkeit festgelegt, mit der neue Werte erzeugt werden. Ist der PROBABILITY-Wert Null, werden keine neuen Werte erzeugt.
Schließlich wird mit SLEW einen gradueller Verlauf zwischen den ansonsten rechteckigen Flanken der Verlaufsform erzeugt. Es werden aber leider keine bezier-artigen Kurven erzeugt, sondern „nur“ Rampen, aber ich denke, das ist auch ausreichend. Vielleicht ja etwas für ein zukünftiges Update.
Das Sahnehäubchen ist, dass sich im Display der Wertebereich skalieren lässt, den der Zufallsgenerator ausgibt. Also von „nur kleinen“ Werteänderungen, z. B. für ein Vibrato, bis zur „vollen Bandbreite“ lässt sich schnell einstellen, was man braucht. Ehrlich gesagt ist das der beeindruckendste Zufallsgenerator der mir sein Langem untergekommen ist.
Sonstiges
Korg hat hier ein (fast) perfekt designtes Plug-in entwickelt. Helle, kontrastreiche und gut lesbare Beschriftungen, ein umfassendes Drag & Drop-System, freie LFO-Schwingungsformen – alles, was man von einem modernen Plug-in erwarten kann! Und alles ist nur einen Klick entfernt.
Einige Wünsche habe ich allerdings doch. Zum einen gibt es für die Modulation keine Farbeinstellungen für die acht Modulationsquellen, was es deutlich schwerer macht, auf die Schnelle zu unterscheiden, was womit moduliert wird. Zum anderen ist die Darstellung der Modulationsauslenkung an den Parametern selber teilweise nur schwer ablesebar, wie z. B. beim Spectrum Tracer oder dem IR-Loader. Das wäre dann aber die einzige Kritik, die ich vorbringen könnte.
Wie klingt Korg Ark Filter?
Klanglich gibt es außer an der anscheinenden Übersteuerungsempfindlichkeit nichts auszusetzen. Ganz besonders profitieren von diesem Plug-in mechanische Instrumente bzw. solche ohne eigenes Filter wie bspw. Drums. Bei Synthesizern ist das Ergebnis mehr durchwachsen. Da sollte man dann schon Sounds wählen, die nicht schon im Vorhinein moduliert und gefiltert sind.
Oftmals liegen die Sweetspots entweder bei ca. 30 % (zur dezenten Anreicherung) oder 75 % (für tiefen Vibe). 100 % ist in den meisten Fällen weniger gefällig. Wer schon Plug-ins aus der Korg Collection besitzt und den Sound mag, wird auch hier bestimmt nicht enttäuscht.
Klangbeispiele
- Als Quellen diente D16 Drumazon 2, Korg Salzburg (Piano), KLC Polysix (ohne Filter).
- Peak bei -6 dBFS, 48 kHz.


















































mit dem noise gehen bestimmt auch karpuls strong Geschichten …
noise>lfo/envelope auf lautstärke (wir wollen einen klick hören)>waveguide und/oder resonator>mit IR hübsch machen
dafür ist das wohl gedacht ;)
Vielen Dank für den Überblick und den tollen Test des Plugins!
Grundsätzlich finde ich die Idee, alle Filter in ein Plugin zu bringen, ganz gut. Durch die Routing- und Modulationsoptionen ergeben sich sicher kreative Ansätze. In diesem Fall aber natürlich auf einen Hersteller beschränkt.
Mir persönlich reichen die vier Filter aus der Arturia FX Collection (M12, SEM, Mini und MS-20) aber mehr als aus. Kreative Tools (Modulationen etc.) haben diese auch viele an Board und das Routing mache ich direkt über Reaper bzw. Gig Performer. Ob es qualitative Unterschiede gibt, kann ich wegen fehlender Erfahrung mit Korg Filter Ark nicht einschätzen. Die Klangbeispiele aus dem Test klingen auf jeden Fall ganz ordentlich 😊
@Dizzy Falls du das Plugin mal testen willst, kann ich eine Anmeldung bei Korg Software Pass (auch wegen der tollen Synthies) nur empfehlen. Die sind sehr großzügig bei ihren Demo-Versionen, lassen sich super nutzen und ausprobieren.
@manomym Stimmt, danke dir für den Tipp!
Da ich die Korg-Plugins Triton (Classic/Extreme), M1 und MonoPoly schon länger nutze, habe ich sowieso einen Account und den Software Pass, da würde sich ein kleiner Test (und Vergleich zu den vorhandenen Filter-Plugins) direkt mal anbieten 😊