Test: Korg M3 Xpanded Workstation

19. Oktober 2008

Pimp Your Korg M3

Nach einer Marktpräsenz von gut anderthalb Jahren schickt Korg ein runderneuters Betriebssystem für seine Workstation M3 ins Rennen. Neben einem komplett überarbeiteten Sequenzer werden auch massig neue Sounds mitgeliefert. Fortan bekommt Korgs Workstation-Hammer auch gleich einen neuen Namen: Korg M3 Xpanded. So erweitert hat Amazona die Soundmaschine einem erneuten Test unterzogen. Als Basis zu diesem test empfehlen wir den ausführlichen ersten Test der Korg M3 hier auf AMAZONA.de.

Die Welt dreht sich weiter

Für wahr, keine neue Erkenntnis. Als erster Hersteller hat Roland mittlerweile seine Workstation-Familie erneuert. Noch mehr Samples, noch mehr Authentizität. Letzteres sagt zumindest die Broschüre. Gehört habe ich den neuen Fantom noch nicht.

Korg frischt seine Modelle mit Software auf und verspricht mit völlig neu erstellten Samplesets ebenfalls mehr Realismus. Aber das Beste: Software & Sounds stehen ab sofort zum Downoad auf www.korg.de KOSTENLOS zur Verfügung. Und wer seinen geliebten M3 auf kosmetisch aufwerten möchte, bekommt den EXPANDED Aufkleber, die Software auf einem USB-Stick sowie die Bedienungsanleitung für ca. 20 Euro zugeschickt.

Somit wäre dann eine upgegradete Version von einer aktuell neu gekauften aus dem Laden, nicht mehr zu unterscheiden. Tolle Idee von KORG!

Neues Klangfutter

Widmen wir uns als zunächst den neuen Klängen. Drei Klangerweiterungen erwarten den Anwender:

  • EXB-PCM-01 – Brass & Woodwinds 1
  • EXB PCM-02 – Brass & Woodwinds 2
  • EXB PCM-03 – Stereo Grand Piano

Korg gibt die Größe der einzelnen Samplesets mit 128 MB an. De facto belegen ein einzelnes Set jedoch lediglich ca. 64 MB, da die Klänge komprimiert vorliegen. Wichtig ist an dieser Stelle vor allem eins: die neuen Klänge belegen Sample-RAM. Davon hat die M-3 von Haus aus nur 64 MB eingebaut. Für die Praxis hat das zur Folge, dass immer nur eine EXB Erweiterung geladen werden kann. Wer alle gleichzeitig spielbar zur Verfügung haben möchte, benötigt die kostenpflichtige Sample-RAM Erweiterung EXB-PCM256. Damit lässt sich Korgs Workstation auf 320 MB aufrüsten.

Für das Aufspielen der neuen Firmware und Klänge ist ein mindestens 256 MB großer USB-Stick erforderlich. Nach der reibungslosen Installation der neuen Firmware fällt zunächst die deutlich längere Startphase des Geräts auf. Dazu später etwas mehr im Praxisabschnitt. Fertig gebootet erwartet den geneigten Keyboarder das geladenen PCM-03 Set: Stereo Grand Piano. Welche der drei Erweiterungen die M-3 beim Start laden soll, kann bequem im Setup-Menü festgelegt werden. Selbstredend können dort bei installierter Sample-RAM Expansion auch alle drei EXB ausgewählt werden.

Das Kürzel EX3 zeigt einen Sound der Xpanded-Version an

Klanglich weiß vor allem die Piano-Erweiterung zu gefallen. Der vierfach gelayerte Flügel lässt sich über die gesamte Tastatur gefühlvoll spielen. Sample-Sprünge sind imgrunde nicht auszumachen. Die Klänge der beiden Expansions der Blech- und Holzabteilung ertönen ebenfalls sehr realistisch, wenngleich mir die Holzfraktion besser gefällt. Hier atmet und vibriert es auf oberem Niveau. Die versammelte Blechfraktion ist für eine Workstation immer noch klasse, fällt aber etwas ab. Vor allem die Hörner und Posaunen lassen etwas Biss und Kraft vermissen. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass auch Fantom und Motif im Brass-Bereich ähnlich klingen. Wer hier auf einen möglichst hohen Grad an Realismus Wert legt, kommt an speziellen Sampling-Libraries nicht vorbei.

Auch das interne Sampling-ROM wird mit dem 2.0 Update gepatcht. Neben neuen Drumsamples finden so deutlich bessere E-Pianos ihren Weg ins Gerät. Zwar fand ich schon die alten E-Pianos überzeugend, doch die aktuellen Presets besitzen mehr Druck und Durchsetzungskraft. Zusammen mit dem angenehm warmen Grundklang der M-3 sind die elektronischen Klaviere ein wirkliches Highlight im Klangvorrat.

Gewünscht hätte ich mir noch eine Gitarrenerweiterung. Zwar ist der Grundklang der vorhanden Gitarren-Samples gut bis sehr gut, dafür fehlen jedoch – bis auf etwas Griffbrettgequietsche – jegliche Art von realistischen Spielweisen. Keiner Hammer-Ons, Pull-Offs etc. Vielleicht gibt’s es ja noch irgendwann eine EXB-PCM04 Guitars.

Einige Presets greifen übrigens gleichzeitig auf Samples der Erweiterungen PCM-01 und PCM-02 zu. Dafür ist dann die EXB-PCM256 zwingende Voraussetzung, es sei denn, man begnügt sich in solchen Fällen mit leeren Tastatur- bzw. Velocity-Zonen.

Der neue Sequenzer

Die Bedienung des Sequenzers vor Xpanded gestaltete sich gewöhnungsbedürftig. So existierte weder eine Piano-Roll noch wurde das Touch-Display wirklich intuitiv in die Nutzerführung einbezogen. Mit dem neuen Betriebssystem macht Korg hier viel an Boden gut und zeigt, wie man vieles von Anfang an hätte umsetzen können. So gehört zum modernen Sequencing ein Piano-Roll Editor einfach zum guten Ton. In der Variante, die die Japaner ihrem Sprössling spendiert haben, lassen sich Noten nun bequem via Berührung mit den Fingern oder einem Stift (Stylus) setzen und natürlich auch wieder löschen. Leider stellt die Vorauswahl an Noten lediglich maximal Viertelnoten bereit. Sollen die nach dem Platzieren im Song in die Länge gezogen werden, ist die Auswahl eines separaten Werkzeugs erforderlich.

Es ist keinerlei Möglichkeit vorhanden, die Länge der Note direkt beim „Einzeichnen“ zu beeinflussen. Gehe ich so falsch in der Annahme, dass das nahe liegend gewesen wäre? Manchmal verstehe einer die Entwickler. Controller-Kurven für sämtliche 128 MIDI-Controller dürfen dagegen beliebig eingezeichnet und verändert werden. Das macht trotz des kleines Displays Spaß und erlaubt gute Korrekturen von z.B. beim Spiel mit aufgenommenen Verläufen.

Vollkommen stressfrei lassen sich dagegen in der Spurenansicht Inhalte verschieben und duplizieren. Ein eben eingespielte Linie kann so einfach auf eine zweite Spur kopiert werden, um sie z.B. mit einem anderen Klang zu doppeln.

Karma

Mit dem Update bekommt auch die Karma-Abteilung neue Features. Das automatische Wechseln zwischen zwei Scenes war bisher auf eine Quantisierung von 16tel Noten beschränkt. Diese Beschränkung ist umfassenden Quantisierungsmöglichkeiten von 16tel Noten bis hin zu vier ganzen Takten gewichen. Für selbst erstellte Karma-Phrasen stehen nun 1024 Speicherplätze bereit. Wer Lust auf das Kreieren eigener Phrasen hat, muss allerdings nochmal in die Tasche greifen: 169 Dollar werden auf www.karma-labs.com für die Editor-Software fällig.

Praxis

Wie oben bereits erwähnt, hat sich mit dem neuen Betriebssystem der Startvorgang verlangsamt. Die reine Boot-Zeit (vom Anschalten bis zur Spielbarkeit des ersten Tons) beträgt 52 Sekunden.

Ohne eingebautes Sampling-Board wird voreingestellt die neue Piano-Expansion beim Start ins Sample-RAM geladen. Dann wartet man geschlagene 74 Sekunden. Bei vollem RAM-Ausbau und dem Laden aller drei Erweiterungen vergehen 116 Sekunden. Als Vergleich sei mal folgendes angestellt: Mein Laptop benötigt vom Drücken des Anschaltknopfs bis zum ersten möglichen Ton eines Hypersonic 2 in Cubase 141 Sekunden. Schalte ich sämtliche unnötigen Prozesse wie Virenscanner und Office-Loader aus, sind es nur 125 Sekunden. Natürlich kann man nun sagen, das sei irgendwie Äpfel mit Birnen verglichen, kommt auf die Sichtweise an. Meine M-3 dient sehr oft als schnelles Ideenbuch. Ganze 125 Sekunden Geduld üben zu müssen, bis man die Idee aufnehmen kann, können eben 2 Minuten zu viel sein. Ein abgeschlossener Bootvorgang nach 30 Sekunden wirkt deutlich inspirierender. Nun lässt auch meine Workstation voll ausgebaut, PC-Startzeit-Feeling aufkommen. Zumindest für meine Arbeitsweise bedeutet das: Das Laden der neuen Klängen beim Startvorgang ist deaktiviert.

Dafür ergibt die neue Bedienungslogik an vielen Stellen wirklich einen Sinn. Endlich kann man aufs Display tippen und nahezu jeden Regler berühren und so die Werte und Parameter verändern. Das Display ist ausreichend fein aufgelöst, so dass auch kleine Eingriffe gelingen.

Auch die Betriebsstabilität gibt keinen Grund zur Klage. Selbst mit dickeren Arrangements im Sequenzer und heftigen Controller-Daten ließ sich die M-3 nicht zum Absturz bewegen.

Defektes Touch-Display am Korg M3?

Da gibt es Abhilfe. Hier ein Report zum Austausch des Korg M3-Touch-Displays HIER KLICKEN.

Korg M3 on YouTube

Hier ein schönes Video, welches das Karma-Feature demonstriert:

Fazit

Das Korg M3 Xpanded Update bringt vor allem beim Sequenzer und in der Bedienung enorme Verbesserungen. Auch die neuen kostenlosen Sound-Expansions werten die weiße Workstation nochmals auf. Das neue vierfach gelayerte Klavier bietet ein gelungenes Spielgefühl. Für alle Leute, die es eilig haben, mag das Laden der Erweiterungen ins Sample-RAM ein Nachteil sein. Auch der notwendige Erwerb der optionalen Sampling-RAM Erweiterung sollte kalkuliert werden, falls der Wunsch besteht, mehr als eine Expansion gleichzeitig laden und spielen zu wollen.

Plus

  • kostenlose Sounderweiterungen
  • sehr überzeugender Piano-Klang
  • Sequenzer-Bedienung erheblich verbessert
  • angenehmere Nutzerführung durch bessere Touch-Screen-Integration

Minus

  • lange Ladezeit, wenn Expansion Klänge geladen werden
  • einige Presets setzen Besitz der Sample-RAM Erweiterung voraus

Preis

  • Kostenlos aber Einbau von RAM-Board empfohlen
Klangbeispiele
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ein großes Kompliment und Dankeschön an Korg, die dieses Upgrade inkl. neuen Sounds KOSTENLOS (!) dem geneigten M3-User zur Verfügung stellt.Viele Ideen/Wünsche der User gingen hier mit ein – Dank dem Einbezug von User-Foren und dessen Care seitens Korg.Sequencer-Editing (Track) ist zwar noch nicht optimal bzgl. Funktionsumfang (z.B. kann man noch immer nicht mehrere Noten/Bereiche selektieren und gemeinsam bearbeiten), aber die Pianoroll ist schon mal etwas sinnvolles und übersichtliches!Insgesamt ein tolle Sache dieses gratis Upgrade für die Kunden von Korg!

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja, das mit der Bootzeit stört mich an meiner Fantom X6 auch (obwohl ich nur ein paar User-Samples mitladen lasse). Ein bisschen mehr Spontanität durch schnelle Ladezeiten wäre wünschenswert, immerhin zählt eine Workstation zu Hardware.

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