Test: Korg Monotron Analog-Synthesizer-Box

16. Juni 2010

Analogfilter in a Box

Auf der Musikmesse 2010 präsentierte Korg eine faustdicke Überraschung: Nach Jahrzehnten der Abwesenheit in diesem Segment kündigte das Unternehmen an, wieder einen echten Analog-Synthesizer zu bauen! Mit an Board ist dabei laut Hersteller die Filterschaltung des legendären Klassikers MS-20 – und das zum äußerst einsteigerfreundlichen Preis von deutlich unter 100 Euro. Noch Fragen?

Überblick zum Korg Monotron

Der Monotron ist dem Namen getreu ein monophoner, also einstimmiger Synthesizer mit einem Oszillator, einem Tiefpassfilter sowie einem LFO (Tieffrequenzoszillator). Letzterer dient dabei zur Modulation entweder der Tonhöhe oder der Filtereckfrequenz. Hüllkurven im eigentlichen Sinne gibt es dagegen nicht.

Synthesizer? Da fehlt doch eine Klaviatur. Wer nun denkt, der Monotron ließe sich zumindest über eine externe Tastatur ansteuern, der wird leider enttäuscht – dazu später mehr.

Der Korg Monotron kommt in einer Pappschachtel inkl. zweier AAA -Batterien und einer Faltanleitung. Nach dem Auspacken findet man ein Gerät kaum größer als ein Smartphone aus schwarz-weißem Kunststoff vor, dessen Verarbeitung einen tadellosen Eindruck macht.

Rückseite Korg Monotron

Der Monotron verfügt über je einen Audioein- und ausgang im Miniklinkenformat (3,5mm). Zur Stromversorgung kommen ausschließlich Batterien zum Einsatz, einen Stromanschluss gibt es nämlich nicht. Außerdem lässt sich die Ausgangslautstärke über einen Drehregler einstellen und der Tonumfang des Ribbon-Controllers mittels eines etwas verdeckt angebrachten Trimmers regulieren.

Auf MIDI-, CV- oder gar USB-Anschlüsse wurde komplett verzichtet, die Möglichkeit der Ansteuerung über einen externen Controller oder Sequencer ist daher von Haus aus nicht gegeben. Damit beschränkt sich der Einsatz des Monotron auf die Verwendung als Effektgerät – aber zum Glück gibt es da noch den integrierten Ribbon-Controller, mit dem sich Noten spielen lassen.

Vorderseite Korg Monotron

Oben auf dem Gerät sind neben einem kleinen Lautsprecher und dem Ribbon-Controller mit aufgedruckter Klaviatur auch die eigentlichen Regler und ein Schiebeschalter angebracht.

Im ausgeschalteten Zustand steht dieser Schieberegler auf „Standby“. Zum Einschalten stellt man ihn auf „Pitch“- bzw. „Cutoff Mod“, also das Modulationsziel des LFOs.

Ribbon-Controller

Ein Ton erklingt, sobald man auf den Ribbon-Controller tippt, nach dem Loslassen verlischt er sogleich wieder. Hält man einen Ton gedrückt und tippt gleichzeitig an eine andere Stelle, erklingt der zuletzt gedrückte Ton, nach dem Loslassen ist dann wieder der andere zu hören (last note priority). Der Ribbon-Controller ist nicht auf halbe Töne gerastert, d.h. je nachdem an welcher Stelle nach links oder rechts versetzt auf der aufgemalten Taste man einen Ton antippt, erklingt dieser auch höher oder tiefer.

Über den Ribbon-Controller saubere Melodien zu spielen, stellt sich als sehr schwierig heraus, weil man kaum den genauen Druckpunkt für die exakte Tonhöhe trifft. Preis hin oder her, hier hat Korg ein gewaltiges Potential verspielt. Wenigstens CV/Gate In hätte Korg dem Monotron auf jeden Fall spendieren sollen.

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Oszillator

Der Oszillator des Monotron erzeugt eine Sägezahnschwingung und ist in der Tonhöhe flexibel über den Regler „VCO Pitch“ in einem mehrere Oktaven umfassenden Frequenzbereich verstellbar.

Niederfrequenzoszillator

Der LFO lässt sich stufenlos von etwa 0,1 Hz bis in den hörbaren Bereich hinein verstellen. Dabei blinkt der entsprechende „Rate“-Drehregler dank eingebauter LED rot im Takt. Über den „Int.“-Regler wird die Wirkung des LFO auf das Modulationsziel von überhaupt nicht bis maximal eingestellt.

Filter

Die Filtereckfrequenz ist mittels „Cutoff“ über den gesamten hörbaren Bereich regelbar. Der „Peak“-Regler bestimmt die Intensität der Filterresonanz, also der Frequenzanhebung um die Filtereckfrequenz herum. Sie kann stufenlos von minimaler Wirkung bis zu einer hörbaren Eigenschwingung des Filters gewählt werden.

Klang

Kommen wir zum wichtigsten Teil – wie klingt er nun, der Monotron?

Schon beim ersten Anspielen wird klar, dass hier tatsächlich analoge Bauteile den Ton angeben. Tönt der Oszillator an sich noch recht brav, aber angenehm klar in den Höhen, geht beim Einsatz des Filters die Sonne auf. Hier schmatzt und zwitschert es nun tatsächlich so satt und lebendig wie bei einem „großen“ Synthesizer. Bringt man den LFO ins Spiel, sind reinrassige Synthesizer-Effektklänge von kaputt bis abgefahren möglich. Auch druckvolle Bassdrums, Percussion-Sounds oder FM-/Ringmodulator-ähnliche Modulationen lassen sich mit etwas Herumprobieren realisieren.

Erst über den externen Eingang erschließt sich aber das wahre Potential des Winzlings: Wer möchte, kann seine Samples, Drumloops, Vocals usw. in Echtzeit durch das Filter jagen und nach Herzenslust verwursten. Die aus den berühmten Korg Vintage-Synths übernommene Schaltung klingt wirklich in jeder Einstellung interessant und wunderbar knurrig – kein Wunder also, dass etwa der Produzent William 0rbit fast alles durch seinen MS-20 schickt. Auch ohne den direkten Vergleich zum Original ist die Verwandtschaft zum Sound, den man von ungezählten Veröffentlichungen im Bereich der elektronischen Musik kennt, leicht herauszuhören. Übersteuert man den Eingang, ergibt sich eine fette, angenehm organische Zerre, die ebenfalls sogleich Erinnerungen wach werden lässt.

Dabei reicht der Frequenzumfang sowohl des Oszillators als auch des Filters weit über den hörbaren Bereich hinaus. Das ist insbesondere bei einigen neueren analogen Synthesizern nicht immer gegeben, sorgt aber für einen frischeren Klang. Auch der externe Input klingt sehr transparent, es ergeben sich kaum Einschränkungen im Frequenzgang.

Praxis

Einige Wermutstropfen sind die erwähnten Beschränkungen des Ribbon-Controllers, sowie die fehlenden Möglichkeiten, den Synthesizer mittels einer externen oder internen Klaviatur anzusteuern.

Störend fällt zunächst insbesondere das – sowohl über den eingebauten Lautsprecher als auch über den Audioausgang präsente – deutliche Grundrauschen auf.

Und: Selbst bei maximaler Einstellung des Ausgangsreglers ist der Output immer noch ziemlich leise, und der Eingang übersteuert schon sehr früh. Für einen Einsatz im Studio ist der Monotron daher nur bedingt geeignet. Zwar lassen sich durchaus abgedrehte und lebendige analoge Effektklänge erstellen und abgesampelt und mit weiteren Effekten versehen in einer Produktion einsetzen. Für einen Einsatz des Filters auf externem Material ist das Rauschen dann aber meist doch zu laut, vor allem,  wenn es sich um das Ein- und Ausfiltern ganzer Songpassagen handelt, was ansonsten – dem guten Frequenzgang sei dank – durchaus möglich wäre.

Unpraktisch sind auch die Miniklinkenbuchsen, die so dicht beieinander liegen, dass es z.B. schwierig ist, Adapter auf die im Studio benötigten 6,5mm Anschlüsse nebeneinander einzustecken.

Für die Live-Anwendung sind solche Bedenken natürlich kaum relevant. Hier zählt die Transportabilität, die leichte Bedienbarkeit und die Durchsetzungsfähigkeit des Klangs weit mehr als Störgeräuschabstände, weshalb der Monotron insbesondere für diesen Bereich prädestiniert erscheint. Sowohl DJ-Sets als auch Liveacts können durch das Filter und auch die damit verbundenen Übersteuerungsmöglichkeiten eine deutliche Aufwertung für kleines Geld erfahren.

Modifikationen

Zu guter Letzt haben findige Bastler sich natürlich gleich nach Verfügbarkeit des Monotrons daran begeben, doch eine externe Steuerung zu ermöglichen. Denn die Aussicht, auf diesem Wege einen „MS-10 light“ zu bekommen, ist verlockend. Im Internet verfügbare Videos zeigen, dass dies auch gelungen ist. CV-Anschlüsse, mit denen also ein Ansteuern über eine Standard-Schnittstelle möglich wäre, waren bisher aber noch nicht dabei.

Es bleibt abzuwarten, was es sonst noch an Modifikationen zu sehen gibt, denkbar wäre z.B. eine externe Stromversorgung mit erhöhter Spannung zur Verbesserung des Rauschabstandes.

Ausblick

Übrigens plant Korg offiziell bisher nicht, einen „aufgebohrten“ Monotron mit externer Steuerung auf den Markt zu bringen. Entsprechende Berichte aus dem Internet gehören ins Reich der Legenden. Es ist aber wohl nicht ausgeschlossen, dass man sich bei durchschlagendem Erfolg des Monotron entschließt, auch wieder einen größeren Analogsynthesizer zu bauen. Bei den Gebrauchtpreisen, die mittlerweile für MS-10 und MS-20 zu entrichten sind, dürfte das so manchen freuen. Bis es vielleicht mal so weit ist, hat man aber auch mit dem kleinen Monotron weit mehr als ein Spielzeug.

Korg Monotron on YouTube

Fazit

Dieses Fazit schreibe ich mit gemischten Gefühlen. Der sensationelle Preis sowie authentischer Korg Filtersound für DJs, Liveacts und Homestudios steht auf der Haben-Seite. Die fehlende Anschlussmöglichkeit für eine externe Klaviatur stehen auf der Soll-Seite.

Die rudimentäre Synthese-Engine klingt gut, ist aber mangels Ansteuerungsmöglichkeiten über eine interne oder externe Klaviatur kein vollwertiger Synthesizer und daher ernsthaft nur für Effektsounds zu gebrauchen. Getrübt wird das Bild leider auch durch niedrigen Output und hohes Grundrauschen. Trotzdem war ein derart gut klingendes Filter nie günstiger zu haben und kann überall da, wo die erwähnten Nachteile keine Rolle spielen, gewinnbringend eingesetzt werden.

Plus

  • echtes Analogfilter mit ausgezeichnetem Klang
  • Größe/Gewicht
  • externer Eingang
  • gute Verarbeitung

Minus

  • deutliches Grundrauschen
  • kein Stromanschluß
  • nur Batteriebetrieb möglich
  • Ribbon-Controller zum Spielen von Melodien wenig brauchbar

Preis

  • Straßenpreis: 59,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    nativeVS  AHU

    Arbeitet der Monotron mit nachbauten oder den originalen KORG 35 filterchips?
    Wenn ja, könnte man ja die chips zum reperieren oder nachbauen der MS Synthesizer verwenden.

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    filterfunk  

    Die „faustdicke Überraschung“ liegt also in der Tatsache, dass KORG nun offensichtlich sein Glück in der Herstellung von Scherzartikel sucht! Selbstverständlich hat die PR-Abteilung von KORG kein Problem damit, diese tolle Maschine in eine Linie mit den Analog-Klassiker zu stellen…
    Mit welchen Peinlichkeiten dürfen wir als nächstes rechnen? Etwa ein vollanaloges Pupskissen, mit über Anpressdruck gesteuerte Filter- und Resonanzsteuerung ? Für den- „Boah, der hat aber resoniert“- Effekt?

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      AMAZONA Archiv

      moog hat mal einen wecker gebaut. korg ist auch scho so a firma. das zeug auf der diesjährigen musikmesse war nur so plastikkram, der aber trotzdem ziemlich witzig ist. korg müsste mal wieder einen richtig fetten mittlere-preisklasse synth bauen. denn die hochwertigen oberpreisklasse synths sind ja ziemlich gut. wobei auch hier mal neue produkte cool wären

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      AMAZONA Archiv

      Super! Und sehr unterhaltsam dazu. Was zeigt es? Eine kreative und zugleich gebildete Person, die selbst mit einer verchipten Coladose eine ulkige Performance hinlegen kann. Der wahrscheinlich schönste Pausenfüller, wenn der ICE unpünktlich ist oder man auf der BAB im Stau rumsteht. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Easy synthesistening ;-)

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    AMAZONA Archiv

    korg könnte mal sowas wie die nanokey mit sound entwickeln. also quasi in erster linie eine tastatur mit sound für unterwegs. das wär cool

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    AMAZONA Archiv

    ok das Teil klingt wirklich mal analog.

    Leider ist das Grundrauschen zu übel.

    Ich bin aber gespannt, inwiefern Korg seine Analog-Entwicklungsabteilung reaktivert und mit neuen Produkten in Zukunft aufwartet.

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    c.hatvani  AHU

    Mal angenommen, Korg baut zwei Oszillatoren ein, Ringmodulator, eine richtige Tastatur, zwei Filter, zwei Hüllkurven, ein kleines Patchpanel und erhöt den Preis dafür um das zehnfache – also 600,- Euro – wäre das auch nicht zu verachten… :-)

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    Steppenwolf  

    macht ne gute bassdrum, das fehlende cv-in müsste man doch irgendwie nachrüsten können?

    also ich hoffe ja noch den irgendwo im angebot zu finden ;)

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    Filterpad  AHU

    Also was soll das denn sein? Entweder kaufe ich mir einen anständigen analogen synthesizer für 700 € (DSI Mopho) oder für 50 € ein VST – Instrument als Analogsimulation! Was will Korg damit erreichen? Das Teil ist weder auf der Bühne, noch im Studio zu gebrauchen! Ich bin mal gespannt wie das in Zukunft weitergeht!!

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      g.scherer  RED

      Als Filter ist es auf der Bühne und (mit Abstrichen wegen des relativ hohen Grundrauschens) auch im Studio durchaus zu gebrauchen. Zu diesem Preis gibt es keine Alternative, schon gar nicht mit dem gebotenen Sound.

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        Filterpad  AHU

        Es gibt auch analog – Simulationen als Free Plug – In mit LFO – Rate und integrierter Tastatur, ohne Grundrauschen versteht sich ;) ….(sorry, aber ich musste das jetzt loswerden!)

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          Mario Höll

          Der winzige Korg Monotron zwingt einen mit nur fünf Reglern, den Klang quasi aus den Tiefen einer echten analogen Schaltung zu fördern. Die Regler reagieren so feinfühlig, da reicht eine winzige Berührung, schon ist der Klang ein anderer. Wenn man mit dem Ding Rohmaterial erzeugt und über eliche Spuren verteilt, das dann bearbeitet und entrauscht, kann man für sehr wenig Geld einmal echten analogen Klang erleben – das ist schon ein großer klanglicher Unterschied zu allen PlugIns! Eine Beschränkung auf das Wesentliche, nämlich den reinen Klang, zwingt einen, kreativ zu sein, so entstehen mitunter interessante neue Klangerlebnissse – brachial und nicht weichgespült!
          Hier habe ich mal aus 16 Spuren ein Sück ausschließlich mit dem Monotron gemacht:
          http://www.....c-85165218

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