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Test: KRK Rokit RP8 G4, RP10-3 G4, Nahfeldmonitore

4. November 2019

2- und 3-Wege-Monitore im Test

krk rokit g4

Die RP8 G4 und die RP10-3 G4

Die Monitore des amerikanischen Herstellers KRK sind unschwer an den gelben Lautsprechermembranen zu erkennen. Das ist auch bei der neuen Rokit G4 Generation so, die aus vier Modellen in der Woofer-Größe von 5“ bis 10“ Speakern besteht. Zum Test sind hier je ein Paar RP8 G4 und RP10-3 G4 eingetroffen. Den Test der beiden kleineren Versionen RP5 G4 und RP7 G4 findet ihr hier.

Unterschiede KRK Rokit G3 vs. G4

Schauen wir uns zunächst einmal an, was die neue Serie von der alten unterscheidet.

Optisch weisen die neuen Gehäuse weniger Abrundungen auf, dadurch wirken sie wuchtiger als das Vorgängermodell. Dabei sind die Maße beinahe identisch. Auffällig ist auch die nun größer gestaltete Bassreflexöffnung.

krk rokit g4

Links die alte 10-3 G3, rechts die neue 10-3 G4

Geändert wurde der Hochtöner. Während er bei der Rokit 8 und Rokit 10-3 G3 ein 1“ Neodym Soft Dome Hochtöner mit Textilmembran verbaut war, bietet die neue G4 Serie einen 1“ Kevlar Hochtöner, der nun auch im charakteristischen Gelb erstrahlt. Durch den neuen Hochtöner wird der Übertragungsbereich nach oben geschraubt und endet nun bei 40000 Hz.

Für den Tief- und den zusätzlichen Mitteltöner der RP10-3 G4 wird weiterhin auch auf Kevlar gesetzt.

krk rokit g4

Nun auch die Tweeter in Gelb

Beim Gewicht haben die neuen Boxen etwas abgespeckt, was vor allem bei dem größten Modell zum Tragen kommt. Ganze 4 kg ist die RP10-3 G4 nun leichter, 15,9 kg bringt sie trotzdem noch auf die Waage.

Mehr Leistung bieten die neu verbauten Class-D Endstufen, die die Class A-B der vorherigen Serie ablösen. Hier dürfte dann auch schon der Grund für die Gewichtsreduzierung gefunden sein. Mit 135 W RMS für den Tieftöner und 68 W RMS liefert die RP8 G4 die doppelte Wattzahl gegenüber der RP8 G3, ähnlich sieht es mit 300 W (150 W, 75 W, 75 W) bei der RP10-3 G4 aus.

Rückseitig hat sich ebenfalls einiges getan. Statt drei verschiedener Inputs mit XLR, Klinke und Cinch ist nun eine XLR/Klinke-Kombibuchse für die Signalzuführung zuständig.

Ganz neu ist das Display. Hier lässt sich die Lautstärke anpassen und mit EQ für Höhen und Tiefen jeweils vier Variationen zur Flat-Einstellung abrufen. Unter Setup ist Lichtstärke und Kontrast für das Display einstellbar, ebenso wird die Standby-Funktion und die Beleuchtung des KRK Logos auf der Vorderseite geschaltet.

krk rokit g4

Die Rückseite

Gerade die EQ-Funktionen dürften einen Fortschritt darstellen, hier war die G3 Serie mit jeweils drei Schaltschritten per gerasterten Drehreglern deutlich unkomfortabler ausgestattet. Auch die Volume-Einstellung in 0,1 dB Schritten ist natürlich viel genauer als das Poti der Vorgänger.

Klangliche Unterschiede kann ich nicht beurteilen, da mir die G3 Serie nie zur Verfügung stand. Die Rokit 10-3 G3 hatte mein Kollege Sigi aber schon vor den Ohren, deshalb empfehle ich hier seinen Test.

Die Fakten: Rokit RP8 G4 und Rokit RP10-3 G4 Monitore

In der RP8 ist ein 8“ Woofer und ein 1“ Tweeter verbaut. Beide Membranen sind aus Kevlar gefertigt. Damit wird ein Frequenzgang von 36 Hz – 40 kHz erreicht.

Die Verstärkung wird von zwei Class-D Endstufen übernommen, die 135 W für den Woofer und 68 W für den Hochtöner bereitstellen. Der max. SPL beträgt 111 dB.

Das Gehäuse des Monitors ist 40 cm hoch, 26,6 cm breit und 30,9 cm tief und wiegt 10,25 kg.

Die RP10-3 ist ein 3-Wege Speaker. Neben dem 10“ Tieftöner und dem 1“ Hochtöner arbeitet noch ein 4,5“ Mitteltöner in der Box. Auch hier sind alle Membranen aus Kevlar gefertigt. Zur Verstärkung werden drei Class-D Amps verwendet. Der Tieftöner erhält 150 W, die beiden anderen Wege werden mit jeweils 75 W beschickt.

Die PR 10-3 kann damit einen Pegel von 112 dB max. SPL erzeugen, der Frequenzgang liegt bei 26 Hz – 40 kHz.

Mit 15,9 kg ist sie definitiv kein Leichtgewicht, auch die Abmessungen sind mit 54,6 cm Höhe, 32,9 cm Breite und einer Tiefe von 37,1 cm durchaus imposant geraten.

Über das Gehäusematerial macht KRK keine Angaben, wir können aber hier vom üblichen MDF ausgehen. Die Folierung ist sehr sauber ausgeführt. Schön ist auch, dass auf der Unterseite eine ca. 3 mm starke Moosgummimatte aufgeklebt ist. Diese soll für eine Entkoppelung zum Untergrund sorgen und ist zudem rutschhemmend.

Die Frontblende aus Kunststoff wird von Magneten gehalten und kann abgenommen werden. Dahinter verbergen sich die ganzen Verschraubungen und die Front kann optisch sauber gehalten werden. Die 10-3 ist auch für den liegenden Betrieb vorgesehen, so kann hier leicht die Mittel-/Hochtoneinheit gedreht werden. Für den Fall hat der Hersteller ein Dämmpolster für die Seitenwand mit in den Karton gepackt, perfekt.

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Abnehmbare Front

An der Rückseite ist der Endstufenblock eingeschraubt, der auch das DSP-Modul für die EQ-Einstellungen enthält. Die Menüführung und Einstellungen sind mit dem gerasterten Dialrad mit Push-Funktion schnell und übersichtlich möglich. Allein bei der Volume-Einstellung von -70 bis +11 dB ist ein endloses Gekurbel nötig. Zudem wird diese Einstellung beim Ausschalten der Monitore nicht gespeichert und wieder auf 0 dB zurückgesetzt, seltsam.

Der EQ bietet keine freie EQ-Einstellung, sondern arbeitet mit Presets für Bässe und Höhen. So sind beim Low-EQ folgende Einstellungen wählbar:

  • 1: L.Shelf  -3 dB   60 Hz
  • 2: L.Shelf  -2 dB   60 Hz + PEQ   -2 dB  200 Hz
  • 3: Flat
  • 4: PEQ      -2 dB 200 Hz
  • 5: L.Shelf  +2 dB  60 Hz

Für den Höhenbereich sieht das folgendermaßen aus:

  • 1: H.Shelf  -2 dB  10 kHz
  • 2: H.Shelf  -1 dB  10 kHz + PEQ   -1 dB   3,5 Hz
  • 3: Flat
  • 4: H.Shelf  +1 dB  10 kHz + PEQ  +1 dB  3,5 kHz
  • 5: H.Shelf  +2 dB  10 kHz
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Das LC-Display

Die Hörprobe mit den Rokits RP8 und RP10-3

Hier vergleiche ich zunächst die kleinere Box mit meinen bewährten Emes Violet HR. Die Emes sind etwas kleiner und mit 7“ Woofer ausgestattet, kommen in Leistung und maximalem Schalldruck der KRK aber recht nahe. Auch eine Anpassung für Bässe und Höhen gibt es, hier noch old school (die Box ist ca. 20 Jahre alt) mit DIP-Schaltern. Die stelle ich, zur neutralen Begutachtung, auf 0.

Ach ja, ein Punkt noch zur Beurteilung: Die Emes wird immer noch angeboten, ist über die Jahre preisstabil geblieben und kostet somit immer noch das 4-Fache der RP8 G4.

krk rokit g4

Die RP8 G4 bei der Arbeit

Mit verschiedenen Songs gehört, offenbart die RP8 ziemlich schnell eine Schwäche in der Abbildung von Stimmen. Sie rücken oft etwas nach hinten oder aber, wie bei „M´Bife“ von Amadou & Mariam, die Männer- und die Frauenstimme, klingen räumlich getrennt. Die oberen Mitten werden nicht sauber übertragen und treten etwas zurück. KRK macht keine Angaben über die Frequenztrennung von Tief- und Hochtöner, ich könnte mir aber gut vorstellen, dass sie genau da liegt und die Speaker das Signal hier nicht sauber übergeben.

Der Hochtonbereich ist recht prägnant und scharf. Hier lässt sich mit dem EQ nachhelfen. Preset 1 zieht zu viel Höhen raus, mit Preset 2 klingt es ordentlich. Schön auflösen tut der Bereich, da bin ich auf die Performance beim Abmischen gespannt.

Die Bässe kommen sauber und nicht überbetont. Bei den Emes ist aber, trotz kleinerem Speaker, mehr Druck vorhanden. Meiner Meinung nach ein grundsätzliches Problem des Class-D Amps, er liefert einen schnellen Impuls, klingt aber meist ein wenig flach. Also mal den Low Shelf auf +2 dB bei 60 Hz. Mehr Druck liefert das auch nicht, wird nur etwas wummerig da unten.

Bei „Parantheses“ von The Blow, eines meiner Lieblingsstücke zur Bassbeurteilung, zeigt sich auch, dass die Bassverläufe einfach nicht so sauber abgebildet werden, wie die Emes das zu leisten vermag. Aber nochmals: 4-facher Preis! Die PR8 G4 schlägt sich also durchaus beachtlich.

Nun ist es an der Zeit, die großen Kübel auf ihre Position zu wuchten. KRK klassifiziert sie als Midfield Monitore, nun ja, ich würde auch die Rokit 8 nicht direkt auf dem Schreibtisch platzieren.

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Geht stehend und liegend

Das 3-Wege System überrascht. Alle getesteten Songs klingen absolut homogen. Zwar ist auch hier wieder der Tiefbereich, gerade auch im Hinblick auf die Größe der Monitore, recht schlank, schön tief geht er aber trotzdem. Damit lässt sich deutlich sauberer arbeiten als mit undifferenzierten, wummernden Bässen. Die Stimmen, die bei der RP8 zu kurz kamen, klingen hier sehr natürlich und perfekt im Mix integriert. Sägende Gitarren, wie bei „Along comes Mary“ von der Bloodhoung Gang, klingen auf einmal erträglich. Die Höhen zeichnen sich schön und seidig ab, haben aber nicht die Schärfe der kleineren Version. Keine Frage, der zusätzliche Mitteltöner und damit auch eine andere Weiche haben sich definitiv gelohnt.

Selbst bei wirklich schwierigem Material wie z. B. das „Ebony Concerto“ von Benny Goodman schneiden die Rokit RP10-3 hervorragend ab, alles ist auf seinem Platz, alles deckt die richtigen Frequenzen ab. Da müssen sich hier sogar meine geliebten Emes geschlagen geben.

Bisher also ist die größere Rokit der klare Sieger, wobei hier für eine Box schon das Paar RP8 G4 über den Ladentisch geht. Aber nochmals zur Erinnerung, für 1 Paar RP10-3 gibt es nur eine Emes Violet.

krk rokit g4

Doppelte Größe, doppelter Preis

Eine Sache möchte ich aber nicht unerwähnt lassen. Die RP10-3 zeigt ein recht lautes Ein- und Ausschaltknacken. Da verhält sich das kleine Geschwisterchen ruhig.

Nun arbeite ich noch an zwei Mixen mit den beiden Systemen. Einmal ein Gospelchor mit Band, zum zweiten eine Orchesteraufnahme.

Hier lässt sich mit den kleineren RP8 gut arbeiten. Die Tiefenstaffelung stimmt und auch die Panorama-Abbildung ist sauber aufgeteilt. Auch der Einsatz von Effekten lässt sich gut einstellen, hier kontrolliere ich in der Regel nochmals mit dem Kopfhörer, den ich ansonsten weniger im Mix benutze.

Gleiches gilt auch für die RP10-3. Das Klangbild ist sehr unaufgeregt, so dass auch über einen längeren Zeitraum höhere Pegel gefahren werden können, ohne die Ohren zu ermüden. Durch den eher dezenten Hochmitten-/Höhenbereich ist in meinem Raum eine leichte Anhebung möglich, Preset 4 passt hier. Auch ein Boost der Bässe wurde probiert, das trägt aber, wie auch bei der RP8, wenig zur optimalen Klangbalance bei.

Fazit

KRK Systems scheint mit der neuen Rokit G4 Serie ein echter Treffer gelungen zu sein. Die Monitore sind sehr sauber verarbeitet und glänzen mit praxisnahen Features wie EQ, Dämmgummis und drehbare Mid/High-Speaker bei der 10-3.

Die kleinere RP8 G4 bietet sich als ordentliche Low-Budget-Lösung an, mit der sich durchaus gute Mixes erstellen lassen, insofern man sich über die kleinen Schwächen im Klangbild im Klaren ist. Der Sound ist etwas angestrengt, womit bei längeren Sessions Hörpausen einzuplanen sind.

Eine Überraschung bringt die große RP10-3 G4. Hier ist stundenlanges entspanntes Arbeiten möglich, die Box liefert in Sound, Panorama und Tiefenstaffelung wirklich sauber ab. Wer für eine gute Abhöre weniger als 1.000,- Euro anlegen möchte, einen Hörabstand von mindestens 2 Meter einrichten kann und mit der schieren Größe der Boxen kein Problem hat, der kann hier zuschlagen.

Plus

  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • guter (RP8) bis sehr guter (RP10-3) Sound
  • gute Signalortung
  • prima Verarbeitung

Minus

  • klangliche Schwächen, vor allem in den oberen Mitten bei der RP8
  • Ein- und Auschaltknacks bei der RP10-3

Preis

  • RP8 G4: 258,- Euro/Stück
  • RP10-3 G4: 495,- Euro/Stück
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Griass Di Armin,

    sehr ausführlich beschrieben, wie von Dir gewohnt.

    Die Vorgänger des riesigen 3-Wege-Eimers hatte ich mal vor einigen Jahren zum Test in meinem Studio und war alles andere als begeistert. Hier scheint sich ja etwas zum positiven getan zu haben.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      N´Abend Sigi,

      hatte deinen Test natürlich aufmerksam gelesen und auch hier verlinkt, deshalb war ich über die Performance der RP10-3 G4 schon sehr erstaunt.
      Ja, da scheint KRK wirklich dran gearbeitet zu haben.

      Schöne Grüße
      Armin

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