Test: KS Digital A200, Studiomonitor

7. August 2017

Präzises Klangwerkzeug

Die Monitore des deutschen Herstellers KS Digital aus Saarbrücken finden sich nun schon seit 20 Jahren oft bei Rundfunk und Theater. Die koaxialen Modelle C5 und C8 werden gerne auch als Nahfeldmonitore in Projektstudios eingesetzt. Die gesamte C-Serie wurde übrigens gerade frisch aktualisiert, wir berichteten. Am anderen Ende der Preisskala bietet KS Digital die Monitore der A-Line an. Hier haben wir heute den KS Digital A200 in Test, ein Fullrange-Monitor für mittlere Abhörentfernungen.

Das Produkt

Die KS Digital A200 ist ein 3-Wege Monitor mit einem 8“ Woofer aus Carbon, einem 2“ Kalotten-Mittenlautsprecher und einem 1“ Hochtöner. Damit kann die Box einen Frequenzgang von 32 Hz bis 22 kHz abdecken.

Der Monitor wird liegend betrieben, folgerichtig gibt es eine linke und eine rechte Box. Das Bassreflexgehäuse mit zwei nach vorn ausgerichteten Ports hat die Maße H/B/T 28 x 42 x 33 cm. Es ist aus MDF gefertigt, das Gewicht liegt bei 18 kg.

Optisch sehr ansprechend ist die Naturholzeinfassung aus Kirsche des Mittel- und Hochtöners. Die Kanten der Einbaumulden sind zur Vermeidung von unerwünschten Reflexionen abgerundet und dienen beim Hochtöner als Waveguide. Hier sitzt auch die, leider blaue, Betriebs-LED.

Mittel- und Hochtöner mit HT Waveguide

Auf der Rückseite der KS Digital A200 finden sich vier Anschlüsse. Signale können die Monitore entweder digital oder analog jeweils über eine XLR-Buchse empfangen. Zwei Ethernet-Buchsen dienen mit „Remote In“ und „Remote Out“ zur externen Steuerung.

Drei gerasterte Potis sind für Volume, Bass und High zuständig und lassen jeweils eine Anpassung um +/-6 dB zu. Powerschalter, Kaltgerätebuchse mit Sicherungshalter und ein Block Kühlrippen vervollständigen die Rückseite.

Die Rückseite

Elektronik

Eine Besonderheit bei KS Digital sind die digitalen FIRTEC-Systemfilter. Sie werden für Klangregelung, Weiche und Limiter eingesetzt und sorgen für eine phasenlineare Wiedergabe über den gesamten Frequenzbereich. Dabei werden pro Box die Filter auf ein Idealmaß eingemessen, so dass sich sogar kleinste Toleranzen in den Systemkomponenten ausgleichen lassen.

Befeuert werden die Komponenten mit drei gleichstarken PWM-Amps mit je 250 Watt/RMS. Das hat wohl vorwiegend den Grund, das Gesamtsystem durch dasselbe Impulsverhalten der Verstärker zu optimieren, ansonsten würden die Leistungsdaten für den Mittel- und Hochtonbereich wenig Sinn ergeben. Durch die digitalen Verstärker kann das Signal dem digitalen AES3-Input ohne zusätzliche Wandlung zugeführt werden. Bei Anschluss an den analogen Eingang wird mit 24 Bit/192 kHz gewandelt.

Digital- und Analog In plus die Remote Buchsen

Eine Klanganpassung wird direkt an der Box über die Potis für High und Low vorgenommen, die als Shelving-Filter agieren. Ebenso kann hier der Lautsprecher eine Pegelanpassung erfahren.

Die KS Digital A200 bietet aber noch detailliertere Eingriffe. Drei parametrische Filter, je ein Low- und High-Shelving-Filter, Gain, Volume, Sublevel, Delay, Phase, FIR Presets, Digital-In: active/not active, Mono, Digital Volume können eingestellt werden. Dafür braucht es aber den optionalen RC-100 Hardware-Remote-Controller, der auch als Monitor-Controller dienen kann.

Der RC-100 Remote-Controller

Hier wird es nach Aussage der Firma ab Sommer eine neue Version geben, die neben erweiterten Monitorfunktionen auch ein zusätzliches viertes parametrisches Filter bereitstellt. Eine weitere Möglichkeit ist die FIR-WLAN-Fernsteuerung, eine Anschlussbox plus Software-Steuerung, die aber aktuell nicht mehr angeboten wird. Bestehende Systeme werden aber natürlich weiterhin unterstützt.

Etwas schade ist, dass das gesamte Potential des doch an die 4.000,- Euro teuren Boxenpaares nur durch zusätzliche Investitionen ausgeschöpft werden kann.

Klang

Kommen wir nun zum Wesentlichen, wie klingen die KS Digital A200 und wie lässt es sich damit arbeiten? Nun, beim ersten Durchhören einiger meiner Favourites für diesen Job tönt der Monitor richtig brutal. Hier ist kein Schönfärber am Werk, das wird sofort klar. Stattdessen werden Mängel gnadenlos aufgedeckt. Das braucht ein wenig Einhörzeit, die ersten Minuten klingen die A200 fast schon unangenehm ehrlich.

Das ändert sich nach ca. 15-20 Minuten, wenn sich das Ohr an die erhöhte Informationsdichte gewöhnt hat. Speziell in den Mitten bietet die Box eine Detailtreue, die ihresgleichen sucht. Hier ist natürlich eine 3-Weg-Box im Vorteil, die dem wichtigen Mittenbereich ein eigenes Chassis zur Verfügung stellt. In der A200 wird mit dem Mittenlautsprecher der Bereich von 500 Hz bis 1,5 kHz abgedeckt und somit wird sowohl der Woofer als auch der Hochtöner entlastet.

Die A200 bei mir im Studio

Für meinen Test nehme ich mir zuerst „Along Comes Mary“ der Bloodhound Gang her. Das ist eines der Stücke, mit dem ich auch eine Live-PA beurteile. Nicht weil es ein besonderes audiophiles Erlebnis ist, sondern weil es wirklich eine Herausforderung ist, das Stück gut klingen zu lassen. Die gepannten Gitarren klingen matschig, der Bass unsauber, die Kick mit zu wenig Attack und die Snare patschig. Der Gesang ertönt zu gepresst.

Zunächst erschreckt die A200 hier mit einem Mittenbrett der viel zu laut gemischten Gitarren. Da kann die Box aber nichts dafür, tatsächlich gewinnt der Sound hier an Durchsichtigkeit und wird durch die schnelle und direkte Ansprache etwas präziser. Auch der Gesang kann sich klarer präsentieren und rückt räumlich nach vorn. In den Tiefen ist die Bassdrum besser zu orten und die Snare bekommt mehr Attack. Auch der Bass trennt sich sauberer vom Schlagzeug und klingt nun etwas knochiger. Dem ganzen Song sind auf den A200 deutlich mehr Informationen zu entnehmen. Vielleicht hätte der Engineer auf den A200 mischen sollen?

Auch der „Accordion Waltz“ von Calexio verunsichert zunächst. Das titeltragende Instrument klingt ungewohnt scharf. Aber auch hier stellt sich nach einiger Zeit die Erkenntnis ein, dass hier einfach die prägenden Mitten besser abgebildet werden. Die Panoramatrennung Bass/Diskant kommt auf den A200 perfekt zum Tragen. Im weiteren Verlauf des Stückes bildet sich die Ukulele schön in der Panoramamitte ab.

In letzter Zeit öfters wieder in meine Abspielliste gerückt ist „Beds Are Burning“ von Midnight Oil. Ein für die Entstehung wirklich knackig abgemischter Song mit einer schönen Detailverliebtheit. Die wird auch auf den KS Digital Monitoren gut abgebildet, die Instrumente trennen sich sauber voneinander. Hier kann die A200 auch zeigen, was sie im Bass zu bieten hat. Der klingt schön voll und geht ordentlich tief runter. Die Kick ist sehr präzise und trocken mit dem nötigen Punch. Hier versuche ich mal, die Klangregelung an der Box zu bemühen.

Volume, Bass und High machen jeweils +/-6 dB

Das offenbart tatsächlich noch Reserven, ohne dass der Tieftonbereich angestrengt klingt. In der Regel dürften hier zwar eher Absenkungen vorgenommen werden, wenn die Monitore zu dicht in den Raumecken stehen, aber auch eine Bassanhebung ist durchaus machbar. Auch der Höhenregler arbeitet akkurat, was ich anhand des Schellenkranzes im Intro von „Whoah“ auf derselben CD überprüfe.

Weiter geht es mit der Tiefton-Beurteilung mit „Parantheses“ von The Blow. Hier herrscht eine tiefe Synthbass-Linie vor, die der Kick nur wenig Raum lässt. Auf den Testobjekten kommt diese Line sehr akzentuiert und sauber zum Tragen und lässt trotzdem noch genug Raum für die flappige und extrem tiefe Bassdrum. Sehr gut wird auch der Gesang dargestellt, der sich schön räumlich darstellt.

Egal mit welcher Musik ich die A200 noch füttere, die Charakteristik bleibt für alle Stilarten erhalten. Ein tiefer, sehr direkt ansprechender Bassbereich, klare Mitten mit ungeheurem Detailreichtum und präzise Höhen, die nie zu schrill werden. Dazu gesellt sich eine räumliche Tiefe und eine genaue Panoramazuordnung, die jedes Instrument klar herausstellen.

Die Charakteristik bleibt so über den gesamten Lautstärkebereich erhalten, was sicher auch ein Ergebnis der digitalen FIR Filter ist.

So beeinflusst der FIR Filter das Impulsverhalten

Dabei gelingt es dem Monitor, das Ohr nicht zu überanstrengen, so dass auch längere Sessions problemlos zu bewältigen sind.

Der KS Digital A200 Studiomonitor agiert wie eine akustische Gleitsichtbrille. Erst verwirrt er ob der ungewohnten Perspektive, nach etwas Eingewöhnen zeigt er aber Details auf, die bisher schlicht verborgen geblieben sind.

Preislich ist ein Paar A200 sicher kein Schnäppchen. In Hinblick auf die hochwertigen Komponenten, die tadellose Fertigung „Made In Germany“ und vor allem den exzellenten Klang, der sich genau so darstellt, wie es von einem Studiomonitor zu erwarten ist, kann der KS Digital Monitor durchaus als preiswert empfunden werden. Erst recht im Vergleich mit ähnlich hochwertigen Systemen und unter dem Gesichtspunkt, dass die A200, trotz geringer Abmessungen, einen Fullrange-Monitor darstellt, der nur für die wenigsten Musikarten nach Unterstützung durch einen Subwoofer bittet.

Fazit

Mit der A200 liefert KS Digital ein Präzisionswerkzeug ins Studio, das durch seine schonungslose Ehrlichkeit eine große Hilfe für Recording, Mix und Mastering bietet.

Komponenten und Verarbeitung sind hochwertig, die Wiedergabe ist durch den Einsatz der FIRTEC-Systemfilter optimiert, phasenlinear und zeitrichtig über den gesamten Frequenzverlauf angepasst.

Neben der Anpassung in Lautstärke und High/Lowshelfing-Filter direkt am Monitor kann die A200 auch noch optional weitreichender mit der RC-100 Remote-Controller an die Abhörumgebung angepasst werden.

Die A200 ist eines der Testobjekte, die ich nur ungern wieder aus meinem Studio entlasse.

Plus

  • sehr detaillierter, impulstreuer Klang
  • weiter Frequenzgang
  • innovative FIRTEC Filter
  • sehr gute Verarbeitung
  • schöne Optik
  • digitaler Eingang ohne Wandlung

Minus

  • volle Funktionalität leider nur mit RC-100 Remote Controller
  • blaue LED (kann sicher auf Wunsch geändert werden)

Preis

  • Ladenpreise: 1.999,- Euro (Stückpreis)
  • RC-100 Remote: 999,- Euro
Forum
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    MidiDino  AHU

    Danke Armin für den detailliert beschriebenen Höreindruck. Für Studiobetreiber ist dieser Artikel durchaus interessant. Mein Projektstudio betreibe ich hingegen ausschließlich per Kopfhörer ;-)

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    tubeheat  

    Dankeschön Armin. Sag mal, sind die Kühlrippen eigentlich immer noch so scharfkantig, wie damals bei den C-55 ?

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    Markus Schroeder  RED

    „Class D“ Verstärker (Sigma Delta-Wandler) trifft man ja immer häufiger auch im unteren bereich z.b Dynaudio BM5mkIII oder Mackie XR. Ich weiß nicht was ich davon halten soll.

    Besonders wenn die Boxen keinen Digitaleingang haben und dann intern „nur“ mit 48kHz (BM5mk3/ XR) arbeiten.

    Prinzipiell ist es ja ein Trend der zur „Eleminierung des Audio-Interfaces“ führt. Erst wurden bei Studiomonitoren die separaten Verstärker eliminiert (Passiv -> Aktiv) und mit „Class D“ der separate DAC-Wander – wenn man es konsequent zu Ende denkt und mit der A200 hier ja hier auch geschehen ist. Oder?

    Meinungen, Einsprüche?

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi Markus,

      ist hier eben eine Option, die nicht zu verachten ist.

      Wenn hier eine Wandlung weg fällt ist´s gut.

      ClassD ist recht impulstreu nach meiner Erfahrung, passt also für gut abgestimmte aktive Systeme.

      Ansonsten, im PA Bereich, Eisen macht einfach mehr Rumps. Trotzdem nehme ich inzwischen live für 4 Monitorkanäle die 4-Kanal RAM mit 8 Kilo mit statt 40 Kg Class H, der Rücken…

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