Test: KS Digital C5-Reference, Nahfeldmonitor

1. Januar 2018

Koaxial Made In Germany

KSdigital C5 Reference

Die Koaxial-Serie von KS Digital aus dem Saarland steht schon seit 10 Jahren in Studios verteilt über die ganze Welt. Die Fullrange-Studiomonitore bestechen in erster Linie durch den koaxialen Aufbau. Hiermit werden auch bei suboptimaler Raumakustik bestmögliche Informationen transportiert. Das sagt zumindest die Produktbeschreibung.

Bei den neuen KS Digital C5-Reference wurde die Performance wie Klirrfaktor und Linearität optimiert. Dazu wurden sie mit dem patentierten FIRTEC-DSP-Processing ausgestattet, das die Leistung noch mal anhebt. Er ist weltweit der erste phasenlineare Kompaktmonitor, der auch exakt alle Instrumente im Stereobild anzeigen soll. Diese Technik ist der A-Serie des Herstellers entliehen. Schauen wir mal, was das überarbeitete Modell so zu bieten hat.

Der KS Digital C5-Reference

Angeliefert werden beide separat verpackt und gut gesichert, so wie man das kennt. Da es das kleinste Model dieser Serie ist, hält es sich auch mit dem Gewicht in Grenzen. Die aktiven Nahfeldmonitore bringen jeweils 8 kg auf die Waage. Was bei den Abmessungen von 200 x 220 x 245 mm aber ein beachtliches Gewicht ist. Nicht ganz unschuldig ist das zum größten Teil aus Stahlblech gefertigte Gehäuse, durch dieses bekommen die KS Digital C5-Reference auch ein sehr robustes Erscheinungsbild. Einzig die Front zeigt ein hübsches Kirschholzgesicht, wahlweise aber auch in Mattschwarz.

KSD C5 in mattschwarz

KSD C5 in Mattschwarz

Mit dem Nahfeldmonitor KS Digital C5-Reference bekommt man ein 2-Wege Koax-System, dazu gibt es einen digitalen 24 Bit Signalprozessor, basierend auf dem von KSD patentierten FIRTEC™ Equalizer. Der Hochtöner ist 1 Zoll groß und aus Neodym gefertigt. Der 6 Zoll Tief- und Mitteltöner besteht aus Kevlar, beides wertige und oft gewählte Materialien. Das aktive System beinhaltet jeweils eine Endstufe mit 80 Watt Nennleistung und 175 Watt im Peakbereich, das sollte in jedem Falle genügen. Ob der Bass für die meisten Fälle ausreichend ist, sehen wir im Praxisteil, der dargestellte Frequenzbereich liegt zwischen 48 Hz und 22 kHz (+/-3 dB). Die Stromversorgung liefert ein Spanne von 110 bis 220 Volt, somit sollte einem weltweiten Einsatz nichts im Wege stehen.

Auf der Rückseite der KS Digital C5-Reference findet man diverse übliche Einstellmöglichkeiten. Neben dem Einschalter liegt die Buchse für das Kaltgerätekabel (mit im Lieferumfang), daneben befindet sich ein Netzwerk-Eingang. Dieser kann verwendet werden, um die „Remote“ anzuschließen.

Die optionale Remote-Control KSD-RC funktioniert als Lautstärkeregler der Monitore und ermöglicht einen Zugriff auf sechs verschiedene Benutzer-EQ-Einstellungen. Anschluss finden die Monitore über einen analogen XLR-Eingang mit Abzugssicherung. Neben der XLR-Buchse befinden sich drei mit Plexiglas abgedeckte Trimmregler. Ein Lowshelf-, ein Highshelf-Filter und eines für die Eingangsempfindlichkeit. Somit kann man räumliche Defizite ausgleichen und bei optimaler Reglung auch wieder abdecken, so dass es nicht zu versehentlichen Einstellungsveränderungen kommt.

KSD C5 Rückseite

KSD C5 Rückseite

Im Lieferumfang befinden sich neben den schon erwähnten Kaltgerätekabeln jeweils ein Ständer aus schwarz lackiertem Metall. Dazu gibt es eine Schraube und Gummipads. Dieses System ermöglicht ein optimales Aufstellen und Angleichen des bestmöglichen Abstrahlwinkels oder eine Befestigung an der Wand.

Koaxial

Seit 1995 entwickelt KS Digital Studiomonitore mit dem übergeordneten Ziel, lineare und zielgerichtete Lautsprecher zu entwickeln. Das Koaxialsystem liegt da natürlich auf der Hand, zu mal Hoch- und Tief/Mittentöner auf einer Linie fungieren. Zielgerichteter kann man Signale wohl nicht übertragen. Dennoch gibt es auch hier gewisse Schwierigkeiten. Vor allem in der akustischen Abstimmung. Um das in den Griff zu bekommen, sollte KSD aber genug Zeit gehabt haben, zumal die aktuellen C5 eine überarbeitete Version sind.

FIRTEC™

Das von KSD pantentierte System liest sich ausgeschrieben: Finite Impulse Response Technology. Was im Grunde eine endliche Impulsantwort ist. Impulse Response (Impulsantwort) ist ja momentan gerade bei Speaker-Simulationen im Gitarrenbereich hoch im Kurs, sollte man zumindest schon mal gehört haben. Bei vielen analogen Systemen durchläuft das Signal verschiedene Frequenzweichen und Filter, die aufgrund von Laufzeit und Phasendrehung zeitliche Verzögerungen haben. Die digitale FIRTEC™ Filterung von KSD verhindert genau das und beseitigt diese Fehler im digitalen Signalprozessor.

Das soll sich im Idealfall positiv auf das räumliche Hören übertragen, indem Einbrüche und Überhöhungen der Frequenzübertragungskurve elektronisch durch Filter korrigiert werden. Praktisch kann man sich das folgendermaßen vorstellen. Jeder Schallwandler wird mit der FIRTEC™ Technologie vermessen, diese Systemantwort bildet dann den Grundsatz für den Datensatz des FIR-Systemfilters, welches das inverse Verhalten zum realen Lautsprecher darstellt. Das Signal wird nun zuerst durch das FIR-Filter geschickt und danach über den Lautsprecher, hier wird das Signal im Idealfall wieder originalgetreu abgestrahlt.

Natürlich laufen da noch ein paar mehr Prozesse ab. Dennoch denke ich kann man es sich so ganz gut vorstellen. Die erste Frage, die hier natürlich auftaucht ist: Wie groß ist die Latenz? Darum kümmern wir uns im Praxisteil.

KSD C5 Kirsch 2

KSD C5 Kirsch 2

Praxis

Der Aufbau und die Montage der KS Digital C5-Reference ist wie bei den meisten Monitoren einfach. Hier kommt positiv dazu, dass die Lautsprecher direkt in einem Gestell verschraubt sind, in dem sie entweder aufgestellt, oder an die Wand montiert werden. Hier kann man dann den Abstrahlwinkel von oben nach unten oder zur Seite verändern, abhängig davon, wie man sie befestigen möchte.

Für den Anschluß benötigt man zwei Kaltgerätestecker und symmetrische XLR-Kabel. Eine Kombibuchse wäre gut gewesen, da mein Apollo Twin nur über Klinkenein- und Ausgänge verfügt, doch ein Adapter löst das Anschlussproblem.

KSD C5 Rückseite

KSD C5 Rückseite

Mein Vorteil beim Testhören des Monitorpaares ist definitiv der Vergleich, da ich dieses Jahr schon einige Abhören dieser Preisklasse (und teurer) testen durfte. So gehe ich auch an den Praxisteil heran. Die für mich Besten waren im Preis-Leistungs-Verhältnis, die Neumann KH 80 DSP, dicht gefolgt von den Focal Shape 65 und den Mackie XR824. Auch wenn sich alle etwas unterscheiden, zum Beispiel in der physischen Größe und Frequenzbereich, siedeln sie sich zumindest in der ähnlichen Preisregion an. Die KS Digital C5-Reference haben natürlich den Vorteil der koaxialen Bauweise, mal davon abgesehen, dass sie auch in Deutschland konzipiert und auch gefertigt werden. Das ist für mich auch ein Bonus. Kurze Wege und direkter Service.

Schon beim ersten Reinhören bekomme ich einen durchweg positiven Eindruck. Wenn es eine Latenz geben sollte, wovon ich ausgehe, hört oder spürt man von dieser nichts. Das Boxenpaar klingt dynamisch und ausgewogen. Was mich am meisten beeindruckt, ist der satte und definierte Bassbereich. Mittlerweile bekommen das ja bei geringer Größe/Volumen viele hin, die KS Digital C5-Reference bieten hierbei aber auch noch eine schöne Linearität über den gesamten Frequenzbereich.

Mein übliches Prozedere führt mich durch die mir am besten bekannten Tracks, meist eine Mischung aus den letzten Dekaden. Das Ziel ist es, immer noch mehr Details zu hören als bei dem letzten Studiomonitor-Tests, ohne natürlich das Preis-Leistungs-Verhältnis aus den Augen zu lassen. „The New Wild West“ von Jewel ist eine sehr facettenreiche amerikanische Produktion, viele kleine Überraschungen poppen hier und da auf und das Ganze im kompletten Frequenzbereich. Eigentlich mittlerweile meine Hauptreferenz. Danach weiß ich, wo es hingeht.

KSD C5 gut in Szene gesetztKSD C5 gut in Szene gesetzt

KSD C5 gut in Szene gesetzt

Nach den Hörtests ist für mich klar, die C5 bestehen in allen Anwendungsgebieten. Die leichten Schwächen in der Transparenz, verglichen mit preisähnlichen Konkurrenzprodukten, gleichen sie mit anderen konzeptionellen Features aus. Hier bestechen sie durch die Koaxialität und die Aufbau bedingte Möglichkeit zur Montage und/oder einfacher Justierung im Abstrahlwinkel. Das sind auch Nuancen, die man im Vergleich hören sollte. Den angegebenen Frequenzbereich stellen sie sehr gut und sehr angenehm aufgelöst dar. Vor allem der Bassbereich weiß positiv zu übreraschen.

Die High- und Lowshelf-Filter erfüllen ihren Zweck, wobei ich keine große Notwendigkeit sah, Frequenzen anzupassen. Mit der optional erhältlichen Remote kann man noch sechs verschiedene User-Presets auf sich zurecht schneidern. Hier geht es in erster Linie um phasenkompensierte Peakfilter zur Aufstellungs- und Raumanpassung.

Die KSD C5 gewinnen für mich, auch wenn sie in Sachen Transparenz im Vergleich etwas abfallen. Sie reihen sich aber definitiv unter den genannten Vergleichsprodukten ein. Hier zählt am Ende nur noch der persönliche Geschmack und die eine oder andere Vorliebe.

Fazit

Ich möchte mal sagen, die KSD C5 sind eine sehr gute überarbeitete Version, auch wenn mir der Vergleich zu den Vorgängern fehlt. Für mich erfüllen sie alle wünschenswerten Anforderungen. Einzig in der Transparenz würde ich das eine oder andere Konkurrenzprodukt eventuell bevorzugen, aber das ist meiner Meinung nach nur persönlicher Geschmack. Studiomonitore anzuschaffen ist eine sehr persönliche Entscheidung, hier kommt man am Ende leider nicht um einen eigenen Vergleichstest herum. Rezensionen dienen, wenn nur, zu einer ersten Orientierung. Eine Empfehlung spreche trotzdem für die KSD C5 Reference aus.

Plus

  • Koaxial-System
  • Ausrichtungsmöglichkeit
  • trotz kompakter Größe sehr gute Basswiedergabe
  • ausgewogener linearer Sound

Minus

  • Transparenz besticht nicht ohne Zweifel im Produktvergleich

Preis

  • Ladenpreis: 699,- Euro (Stückpreis)
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hi Michael, schöner Test, ja, die machen schon tolle Monitore bei KS Digital. Hatte ja die A200 hier und war kurz versucht meine altgedienten Emes Violet abzulösen.
    Aber sag mal, dein vorletztes Foto, fester XLR/Klinke Adapter mit eingesteckter Klinke, das gibt soviel Druck auf die Buchse, willste da nicht eine Warung drunter setzen „Liebe Kids, bitte zuhause nicht nachmachen“ ?
    Mal im Ernst, ich hasse diese Dinger, löte alle Adapter selbst, zwei Stecker mit kurzem Kabel dazwischen. Das ist sehr viel Material schonender, gerade wenn man da mal dran stößt.
    Grüße Armin

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      Michael Fendt  RED

      Hi Armin, Danke für den Tipp. Du hast natürlich recht, auf Dauer sollte man die Dinger nicht einsetzen. Ich hab die nur für den temporären Einsatz, bei zB. Test Monitoren mit nur XLR Eingängen. Dementsprechend vorsichtig gehe ich auch damit um…dafür funktioniert das für mich.
      Grüße und ein Frohes Neues! Michael

  2. Profilbild
    Trance-Ference  

    Interessant geschrieben. Ist immer schön wenn Sachen wie FIR versucht wird einfach zu erklären. FIR und IIR ist für mich leider immer noch etwas verwirrend.
    Mir ist bei verschiedenen Tests aufgefallen das die Fotos teilweise ziemlich unscharf sind.

      • Profilbild
        Trance-Ference  

        Das Bild von der Rückseite hier z. B..
        Ist hier nicht ganz so dramatisch aber hin und wieder schade wenn man den Aufdruck kaum lesen kann.

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          Michael Fendt  RED

          Ah Ok. Da wir Eigene und vom Hersteller bereitgestellte Fotos benutzen, kann das immer mal passieren. Hier war von der Rückseite kein „besseres“ verfügbar. Aber wir versuchen das natürlich zu optimieren.

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      Michael Fendt  RED

      Hallo psv-ddv,
      für mich war in der Praxis, wie auch im Artikel geschrieben, keine Latenz wahrzunehmen. Du hättest wahrscheinlich gerne eine Zahl, ich habe diesbzgl. bei KS nachgefragt und reiche sie gerne nach. Grüße, Michael

        • Profilbild
          Michael Fendt  RED

          Hier ist die Antwort von Johannes Siegler von KSD:
          „…wir haben bei der C5 eine Latenz von ca. 3msec. Technisch ist dies allerdings falsch, man kann bei einem Lautsprecher nicht von einer ‚Latenz‘ im herkömmlichen Sinne sprechen.

          Durch die Gehäusegröße/Chassis/Volumen etc. ergibt sich rein physikalisch schon ein Hochpaß, in Kombination mit dem immer vorhandenen Low-Cut (egal wie realisiert, ob digital oder
          analog oder physikalisch durch zu geringes Volumen etc.) ergibt sich eine Phasendrehung im Low-End, das einer frequenzabhängigen Latenz entspricht (oft Größenordnungen von 10msec und mehr)

          Deshalb ist die Angabe einer Latenz (wie z.B. bei Plug-Ins oder ADConverter) physikalisch gesehn ziemlicher Unsinn.“

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            Hyboid

            Danke fürs Teilen! Ich finde die Aussage von Herrn Siegler etwas seltsam. Natürlich kann man von Latenz sprechen, wenn das Audiosignal AD- und DA-gewandelt wird und dazwischen von einem DSP bearbeitet wird. Da kann man doch ganz klar messen, welche Verzögerung durch die Wandlung und Verarbeitung des Signals entsteht.

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