Test: KS Digital, C55, aktiver Coax-Studiomonitor

13. Februar 2012

3-Weg ist Right-Weg?

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Wer bin ich?

Die C55 ist ein aktiver 3-Wege-Studiomonitor in koaxialer Bauweise. Der Hochtöner sitzt dabei mittig auf dem Mittel-Tieftöner auf, ein weiterer Tieftöner erweitert den Frequenzbereich nach unten. Jeder Lautsprecher besitzt seinen eigenen Verstärker, wobei Tieftöner und Mittel-Tieftöner mit jeweils 180 Watt befeuert werden, der Hochtöner besitzt eine 80 Watt starke Endstufe. Eine Menge Holz also für diese kompakte Box.

Koax-Bauweise

Koax-Bauweise


Von außen betrachtet

Der erste Eindruck, welcher sich nach dem Auspacken einstellt, ist ein sehr typischer „Made in Germany Charme“, mit dem sich früher viele unserer Produkte einen sehr guten Ruf erworben haben. Das bedeutet jetzt nicht, dass die C55 irgendwie altbacken wirkt, ganz im Gegenteil. Sie ist nur vom Anfassgefühl und von dem schnörkellosen Anschlussfeld mit überraschend kleinem Kühlblech so offensichtlich auf „deutscher Maschinenbau“ getrimmt, dass es tatsächlich beeindruckt. Man sieht und spürt, dass es sich hier nicht um einen auf preiswert heruntergestutzten Homerecording-Möchtegernprofi-Monitor handelt, sondern um echte „Männerware“ für Profistudio, Rundfunk- und Fernsehanstalt.

Grundsolide gebaut, aber wenig Anschlüsse

Grundsolide gebaut, aber wenig Anschlüsse

Deshalb muss er mir oder euch noch lange nicht klanglich zusagen, aber wir werden das ja nun mal abklopfen. Immer schön der Reihe nach, sehen wir uns erst einmal das Anschlussfeld im Detail an. Okay, die Details sind schnell abgehakt, denn es gibt lediglich einen XLR-Anschluss, einen Hauptschalter sowie drei Justagepotis zum Regeln von Gain, Bass und Höhen.

Mit welcher Musik wurde getestet?

Neben meinen eigenen Mischungen habe ich wieder mein Standardsortiment verwendet, welches bei jedem Lautsprechertest zum Einsatz kommt:

Sigi Schwab & Percussion Academia: LIVE

Diese Aufnahme ist exzellent zur Beurteilung von dynamischen Feinheiten geeignet, da erstens Spitzenmusiker an bestem Instrumentarium aufspielen und zweitens der Scheibe (entgegen dem derzeitigen Blödsinn der Totkomprimierung) auch eine wohltuende Portion Dynamik gelassen wurde.

Status Quo: BLUE FOR YOU

Knackiger Blues-Rock zum Lautstärketest und wie es so mit dem Druck einer Box aussieht. Besonders der „Mystery Song“ eignet sich dazu besonders gut, da er sich langsam aufbaut, zudem sollte der starke Choruseffekt auf der Gitarre am Anfang des Songs auch bei monophoner Wiedergabe einer Box noch angenehm klingen.

Yello: FLAG

Wundervoll gemischtes Meisterwerk mit edlem Synthsound und vielen musikalischen/tontechnischen Gimmicks. Gibt Aufschluss darüber, wie „edel“ diese Mischung wiedergegeben werden kann.

Dolcenera: UN MONDO PERFETTO

Eine emotionelle Frauenstimme vom Allerfeinsten mit einer erstklassigen Band im Hintergrund. Dolceneras Stimme erscheint vor guten Studiomonitoren wie plastisch davorstehend. Hier zeigt sich, wie „in sich stimmig“ und räumlich ein Lautsprecher arbeitet.

Wie klingen die C55?

Beim ersten Hören fällt als erstes der mächtige und präzise zeichnende Bass ins Auge (gut… ins Lauschläppchen), den man dieser kompakten Größe so nicht zutraut, die Box ist ja lediglich 44 cm breit, 24 cm hoch und 24 cm tief. Ein zusätzlicher Subwoofer dürfte in vielen Fällen überflüssig sein, außer man möchte den Tiefstbassbereich auch noch auf Fehler abklopfen. Man könnte zuerst vermuten, die Höhen wären etwas unterbelichtet, allerdings legt sich dieser Eindruck nach längerem Hören, sie sind stets gut vorhanden und bestens ortbar. Der Lautsprecher ist einfach eine kleine Spur „bassverliebt“ und dies macht eben auch seinen Charakter aus. Für einen langjährigen Genelec-Hörer (früher 1030, heute 8040) wie mich zuerst sehr ungewohnt, im Laufe der Stunden gefiel mir diese Abstimmung aber zunehmend besser.

Die Mitten sind unaufdringlich, aber immer präsent, zudem klingt es niemals scharf oder spitzig-unangenehm (außer ihr habt euren Pult-EQ in eine solchige „Ätz-Zone“ bewegt). Die Gesamtabstimmung der Box ist in meinen Ohren gelungen unaufdringlich, obgleich mir persönlich manchmal ein kleiner Schuss Spritzigkeit abgeht.

Alles in allem handelt es sich bei der C55 um einen Monitor der Spitzenklasse, der durch seine Ausgewogenheit überzeugt, da er auch nach stundenlangem Abhören nicht nervt oder das Gehör übermäßig ermüdet. Die stets vorhandene Tendenz zu einem vollen Bass ist Geschmackssache, keinesfalls aber mulmt die Wiedergabe. Selten habe ich bei Billy Joels „Root Beer Rag“ eine so deutliche und konturierte Trennung von Bassdrum und Bass gehört, welche aber im Zusammenspiel dann wieder füllig im Raum stand. Zur Beurteilung der Bassbereiche gehört die C55 zum Besten, was man sich vorstellen kann.

Interessant ist auch der Vergleich zum kleinen Bruder C5, welchen ich vor einiger Zeit getestet habe:

http://www.amazona.de/index.php?page=26&file=2&article_id=3149

Erwähnt sollen auch die Klangregler auf der Rückseite sein, denn damit lässt sich schnell und effektiv der Höhen- und Tiefenbereich den persönlichen Abhörverhältnissen anpassen, und wer wie ich etwas weniger Bass mag, hat mit einer kleinen Verstellung diesen Bereich schnell und unkompliziert ausgeglichen.

Kräftiger Geselle

Kräftiger Geselle

Forum
  1. Profilbild
    MrMeloD  

    Hallo Onkel Siggi, danke für den guten Test. Wie würdest Du die Box im Vergleich mit einer Adam A7x bewerten? Oder im Vergleich mit einer 2 Wege BM12 von Dynaudio? Ist die KS Digital deiner Meinung den anderen klanglich überlegen?

    Danke und Gruß
    Fabian

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Griass Di Fabian,

      vernünftig mischen kannst Du auf allen drei genannten. Ich würde mich an Deiner Stelle für den Lautsprecher entscheiden, der Dich am meisten „anspringt“. Denn Freude beim Hören ist neben Transparenz und einer möglichst hohen Linearität schon auch sehr wichtig.

      Musikalische Grüße von Onkel Sigi

      • Profilbild
        MrMeloD  

        Danke Dir für deine Antwort. Ich habe ein Budget bis 1550 für ein Paar, aber es gibt so viele Monitore am Markt und alle sollen top sein. Ich weiß gar nicht, welche ich überhaupt in die engere Auswahl nehmen soll.. :/ Nenn Du mir doch mal Deine Top 3 (ja ich habe den Vergleichstest mit dem Testsieger KH120 gelesen xD). LG Fabian

  2. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Ich kann Dir nur Monitore empfehlen, die ich entweder selbst habe oder getestet hatte. Die nachfolgend aufgeführten stellen keine Rangfolge dar, sie sind aus den genannten Gründen meine gleichwertigen Favoriten als Hauptlautsprecher im Nearfield:

    – Yamaha HS8: Sehr transparenter Lautsprecher mit gutem, aber eher weichem Bassfundament für unglaublich wenig Geld. Stellt Yamaha in seiner eigenen Fabrik in Indonesien her, deshalb ist die Verarbeitung auch sehr gut. Nachteil ist der rückwärtige Bassreflex-Port, die Box muss minimum 50 cm weg von der Wand.

    – Genelec M040: Extrem feinauflösend, trotz nur 6,5 Zoll-Lautsprecher gute Tiefenwiedergabe. Bassreflextunnel endet unten, deshalb ist wandnahe Aufstellung besser möglich, auch durch die verschiedenen Filterschaltungen. Made in Finnland, beste Verarbeitung.

    – Dynaudio LYD7: Sensationelle Transparenz, furztrockener Sound mit messerscharfer Kontur, auch im Bass. Laut, macht Spaß, wem der Sound gefällt. Auch hier muss die Box minimum 50 cm weg von der Wand. Made in Denmark, superschön verarbeitet.

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