Analoger Synth-Baukasten mit M/S
Mit dem Larix-Elektro Dual Undula testen wir einen komplexen Oszillator, der im Gegensatz zu vielen anderen Neuerscheinungen analog aufgebaut ist. Das Modul kann aber auch viele andere Funktionen übernehmen. Dazu gehören unter anderem eine Mitte/Seite-Bearbeitung sowie das Filtern von externen Audiosignalen.
Worum geht es? Der Larix-Elektro Dual Undula ist ein analog aufgebautes Eurorack-Modul, das als komplexer dualer Oszillator, Filter, M/S-Prozessor und kompakte Synthesizer-Voice eingesetzt werden kann.
- Konzept: Analoger dualer Feedback-Oszillator, der zugleich als resonanzfähiges Filter und vielseitiges Sounddesign-Tool arbeitet.
- Vielseitigkeit: Kann als dualer Oszillator, Filter für externe Signale, M/S-Prozessor oder komplette Synthesizer-Voice genutzt werden.
- Klang: Liefert charaktervolle analoge Sounds mit vielen Feedback-Nuancen und teils schwer kontrollierbaren Sweetspots.
- Extras: Wavefolder, VCAs, Envelope Generator und LFO ermöglichen auch Standalone-Patches ohne zusätzliche Module.
- DIY: Zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten und Zugriffspunkte auf der Platine machen das Modul besonders für Bastler interessant.
Inhaltsverzeichnis
Larix-Elektro Dual Undula Oszillator
Einführung
Die französische Firma Larix-Elektro bietet auf ihrer Website und über Schneidersladen unkonventionelle Module an, oft mit Modifikationsmöglichkeiten. Ich bin mit Larix-Elektro bislang nicht in Berührung gekommen. Ein vergleichbares Angebot wie das folgende habe ich aber auch noch nicht gesehen: Auf der Website mit Shop prangt ganz oben links ein „Special Request“-Produkt, frei nach dem Motto: „Du willst es etwas anders oder ganz speziell haben? Schick uns eine E-Mail!“
Basics
Larix-Elektro Dual Undula ist hier in der Kategorie Audio-Generators & Modifiers eingetragen, kann aber mehr. Es gibt das Modul in neuer Black-&-Gold-Aufmachung oder in Silber/Aluminium. Die Beschreibung sagt sinngemäß: Dual Undula ist ein dualer komplexer Oszillator, Full-Synth-Voice, Filter und M/S-Prozessor. Das Modul besteht aus mehreren Submodulen:
- 2 Sinus-VCOs, die auch Rechteck ausgeben oder als Filter arbeiten können
- 2 Wavefolder (einer pro Osc)
- 2 bipolare VCAs
- beide VCAs können als Teil eines Mid/Side-Converters agieren
- 1 LFO (10 s bis 24 Hz)
- 1 Attack/Decay-Envelope
Das Handbuch weist zudem auf Optionen hin, das Modul zu „hacken“. Das Modul benötigt 26 HP Platz sowie jeweils 190 mA auf den ±12-Volt-Schienen. Wegen des analogen Charakters werden 15 Minuten Aufwärmzeit sowie Blindplatten zur Abschirmung beziehungsweise gut abgeschirmte Gehäuse und Stromversorgungen empfohlen.
Oszillator und externe Audiosignale
Der Oszillator basiert laut Herstellerangaben auf einer kontrollierten Rückkopplungsschleife und ist ähnlich wie ein resonierendes Filter aufgebaut. Der Parameter Osc Ctrl entspricht der Filterresonanz beziehungsweise dem Q-Faktor. Hohe Einstellungen führen zu angenehmen Sättigungen und Verzerrungen. Erst wenn Osc Ctrl über einen bestimmten markierten Punkt hinaus aufgedreht wird, entsteht ein Klang im Stil eines Oszillators.
Führt man ein externes Signal ein, kann Larix-Elektro Dual Undula wie ein Filter benutzt werden und Osc Ctrl wird zum Q-/Resonanzregler. Coarse und Fine justieren die Frequenz, die sich gut einstellen lässt. Ungewohnterweise ist der gröbere Coarse-Regler kleiner als der größere Fine-Regler. Letzterer kann die Frequenz jedoch ebenfalls noch in einem recht großen Umfang verändern. Die V/Oct-Eingänge sind für FM miteinander normalisiert.
Es wird auch vorgeschlagen, den Eingang einmal als Sync-Input auszuprobieren. Während der VCO laut Handbuch einen Frequenzbereich von 5 Hz bis 12 kHz umfasst, ist das Pitch-Tracking laut eigenen Angaben nicht ganz so perfekt wie bei den besten VCOs. Ein frontseitiger Schalter erlaubt die Umschaltung zwischen Sinus und Rechteck.
In den nachfolgenden Wavefolder können sowohl Sinus (per großem FOLD-Knob) als auch das Osc-Signal allgemein (via kleinem Mod-Knob) sowie das externe Audiosignal (via Ext.-Input) gesendet werden. Der Fold-Regler lässt sich per CV skaliert modulieren. Das ist in der Praxis sehr wichtig.
VCAs und M/S Sektion
Beide VCAs sind identisch. Der große VCA-Knopf ist ein Attenuverter. Die Nullstellung liegt bei 12 Uhr. Dreht man ihn nach links, steigt die Lautstärke und das Signal wird invertiert. Alternativ gibt es einen unipolaren Modus. Ebenfalls Attenuverter sind die darunterliegenden Mod-Potis.
Normalisiert ist bei diesem Modul nicht ganz so viel, aber doch einiges: Beide Inputs sind mit den korrespondierenden Fold-Outs verbunden. Diese erscheinen anschließend an den VCA-Outs. Mit manuellem Patching lässt sich der Signalfluss aber auch umorganisieren. Zudem können die VCAs zwischen L/R- und M/S-Mode umgeschaltet werden. Auf diese Weise lässt sich der Seitenanteil eines Signals betonen oder absenken und somit das Signal verbreitern.
Im unipolaren Modus können die VCAs Ringmodulation leisten und die VCOs als Quelle nutzen. Das uneitle Handbuch weist auch hier darauf hin, dass
- andere Ringmodulatoren vielleicht besser klingen und
- die unipolare Option vorhanden ist, weil vollständige Ruhe in Mittelstellung schwer zu erzielen ist.
Modulationsquellen
Die Modulationsquellen haben insbesondere das Ziel, Larix-Elektro Dual Undula zu einem Standalone-Synthesizer zu komplettieren. Der LFO bietet Rechteck und Dreieck, der Hüllkurvengenerator (Envelope Generator/EG) eine einfache AD-Kurve.
Der Square-Out des LFOs ist direkt mit dem Trig-In der Hüllkurve verbunden, sodass der LFO standardmäßig die Hüllkurve triggert. Soll diese jedoch auch den VCA im Stil eines fertigen Synthesizers auslösen, ist ein manuelles Patching des Env-Outs in den Mod-In eines VCAs nötig.
DIY und Jumper
Die VCA-Umschaltung (bipolar/unipolar) erfolgt rückseitig per Jumper (siehe unten).
Für weitere DIY-Basteleien gibt das Handbuch sinngemäß folgende Hinweise: Versuche, Kabel an Pin-Header zu löten (vorher den Jumper entfernen). An die andere Seite der Kabel kannst du einen Schalter löten. So lässt sich relativ einfach eine Frontplatte bauen oder eine vorhandene modifizieren, um diesen Schalter auf der Frontplatte zu platzieren. Dadurch kannst du die VCA-Einstellung bequem umschalten.
Der LARIX-ELEKTRO Mult. – eigentlich ein Multiple (!), aber auch ein vollständig konfigurierbares Jack-I/O-Modul in 2 HP – kann für diesen Zweck verwendet werden. Dazu schneidet man einfach eine Hälfte der Platine ab und nutzt die Bohrungen für die Buchsen, um dort den Schalter einzubauen.
Zum Thema M/S heißt es außerdem:
Auf der Platine gibt es einige Bohrungen, an die Pins oder Kabel gelötet werden können. An jeder Stelle sind jeweils zwei Bohrungen vorhanden. Die Idee ist, das Signal nach der LR-zu-MS-Schaltung abzugreifen (M1 und S1). Außerdem kann man Signale auch direkt in den VCA einspeisen, ohne durch die LR-zu-MS-Schaltung zu gehen (M2 und S2). Wenn du eine solche Art von „Insert“ hinzufügen möchtest, musst du einfach die Leiterbahn zwischen den beiden Bohrungen durchtrennen.
Wozu soll das gut sein?
In der DAW kann man beispielsweise einen komplexen Bass aus einem Sinuston erzeugen, den man dupliziert. Die Kopien lassen sich durch verzerrende Verstärker und signalverbreiternde Effekte wie Phaser oder Hall schicken. Via M/S und mit Hilfe eines EQs kann man das Gesamtsignal oder eine andere Quelle beispielsweise unterhalb von 100 Hz auf Mono stellen, indem man alles unter 100 Hz im Seitensignal herausfiltert. Gleichzeitig lassen sich höhere Frequenzen im Seitensignal anheben, um deren Stereowirkung zu verstärken.
Eine solche Option hat man mit Larix-Elektro Dual Undula, wenn man das Signal erst nach der Wandlung von L/R zu M/S in die M/S-Inputs einführt.
Klang, Praxis und Sound
Führt man externes Audiomaterial in Undula hinein, kann man es mit dem Filter bearbeiten. Dreht man Osc Ctrl weiter auf, beginnt es kräftig zu pfeifen und wir erleben eine Art Übergang zwischen Filter und Oszillator. Steht Osc Ctrl ganz links (CCW), ist das externe Signal deutlich lauter. In Mittelstellung bei etwa 12 Uhr ist es nicht zu laut, gleichzeitig erhält man eine angenehme Resonanz.
Die drei folgenden Klangbeispiele stammen ausschließlich aus der linken Sektion. Das letzte Beispiel greift Out A ab, die ersten beiden lassen das Signal am Osc-Out hören. Out A bezieht durch interne Normalisierung den Wavefolder mit ein. Diesen muss man dann allerdings ein wenig aufdrehen, um überhaupt etwas zu hören.
Im nächsten Beispiel läuft ein anderes Audiofile wieder durch Filter und Fold. Diesmal wird der VCA von der internen Hüllkurve moduliert, die zwischendurch verstellt wird. Diese wird wiederum vom internen LFO getriggert, dessen Geschwindigkeit im Beispiel variiert.
Hier ein Beispiel für die Mitte/Seite-Bearbeitung eines externen Audiosignals. Ich schalte nach den ersten Klängen von L/R auf M/S um und bewege die beiden zugehörigen Regler. Übrigens habe ich dabei den Wavefolder umgangen, indem ich die Osc-Outs in die Inputs A und B gesteckt habe, um die interne Normalisierung aufzuheben.
Nutzen wir Larix-Elektro Dual Undula nun endlich als dualen Oszillator. Ich habe die linke Seite in den Left-Input, die rechte Seite in den Right-Input eines VCAs gesteckt. Als Drone- oder Bass-Soundgenerator liefert Dual Undula interessante Ergebnisse und kann recht laut werden.
Was an Sound herauskommt, ist – zumindest wenn die Outs A und B und damit auch der Wavefolder einbezogen werden – vielleicht nicht ganz so leicht kontrollierbar wie bei konventionelleren dualen Oszillatoren. Allein die Lautstärke ergibt sich aus den OSC-Ctrl-, VCA- und Fold-Einstellungen. Letztere erzeugen zusätzlich Obertöne. Im M/S-Mode entstehen übrigens auch ohne externes Audiosignal sehr interessante Ergebnisse.
Vom Charakter her spürt man den analogen Charakter der Klangerzeugung und des Feedback-Konzepts. Schon kleine Änderungen der Einstellungen liefern recht unterschiedliche und meist interessante Ergebnisse.
Im nächsten Beispiel greife ich das Signal an den Osc-Outs ab und mische beide mono zusammen. Zwischendurch schalte ich zwischen Sinus und Rechteck um. Am Ende ziehe ich die Kabel aus den Osc-Outs heraus und stecke sie in Out A und B, sodass der gleiche Sound durch die Wavefolder läuft. Dabei gab es zwischendurch einige Sweetspots.
In weiteren Versuchen habe ich den Larix-Elektro Dual Undula mit meinem Vermona Melodicer verbunden. Der Mod-In zum Triggern der Hüllkurve entspricht quasi einem Gate-In. Allerdings ist der VCA im unipolaren Modus auch in Mittelstellung meist nicht ganz still. Davor hatte das Handbuch bereits gewarnt, ebenso wie vor gelegentlich nicht ganz perfektem Tracking. Dabei darf man nicht vergessen, dass die V/Oct-Inputs der VCOs standardmäßig miteinander normalisiert sind.
Den VCA habe ich in den Beispielen einmal über die Envelope, einmal über den LFO moduliert.
Natürlich kann man mit Larix-Elektro Dual Undula auch zwei voneinander unabhängige Sequenzen realisieren.
Konkurrenz
Duale Feedback-Oszillatoren sind rar. Viele Filtermodule mit Selbstoszillation können allerdings ebenfalls im Stil von Oszillatoren über V/Oct angesteuert werden. Eowave Tempête Magnétique könnte eine Alternative sein.
ACL M/S Matrix (ausverkauft) und XAOC Devices Minsk sind Alternativen im Bereich M/S. Als Standalone-Synthesizer bietet sich auch das Doepfer A-111-6 Miniature Synthesizer Voice an. Dieses verfügt allerdings nur über einen einzelnen VCO, bietet aber ebenfalls ein resonanzfähiges Filter. Kauft man zwei davon, kann das eine Alternative sein. Der Larix-Elektro Dual Undula bietet zusätzlich Wavefolding und M/S.
Wavefolding und Crossmodulation sind typische Features komplexer dualer Oszillatoren im Stil des Buchla 259, zum Beispiel auch beim Make Noise DPO.
Video
Hier noch ein Video mit Klangbeispielen zum Larix-Elektro Dual Undula:
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Hört sich OK an. Allerdings überzeugen mich für diese Art Klänge die Serge-Module mehr.
Nachdem ich inzwischen eine große Anzahl an Oszillatoren besitze, darunter auch viele von Behringer, die ich mir vor allem wegen des günstigen Preises zugelegt habe, wächst in mir der Wunsch, einmal mit einem wirklich hochkomplexen Oszillator zu arbeiten. Selbst wenn so ein Modul deutlich mehr kostet und damit eine echte Investition darstellt, reizt mich genau diese extreme Komplexität, da Geräte dieser Art klanglich und strukturell weit über das hinauszugehen scheinen, was klassische Oszillatoren bieten, und genau das macht sie für mich interessant. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob sich dieser finanzielle Aufwand am Ende tatsächlich lohnt, denn für den Preis müsste ich mich schon bewusst entscheiden und gewisse Kompromisse eingehen, dennoch übt gerade die Tiefe und Vielschichtigkeit solcher Oszillatoren eine starke Faszination auf mich aus, vielleicht gerade deshalb, weil sie so anspruchsvoll und schwer vollständig zu durchdringen sind.
@NONAME ;)…sehr verständlich ….Willkommen in der geistigen Welt , die das Arbeiten mit modularen Synthesizern nicht selten begleitet… es gibt viele komplexe Oscs, auch Schlappi Three Body, Make Noise Dpo oder Spectraphon, Buchla 258, 259 u.v.a.