Alles im grünen Bereich
Die Larry Carlton S10 HSS präsentiert sich als hochwertig ausgestattete Strat-Style-Gitarre mit edler Optik, durchdachten Features und einem vielseitigen Klangkonzept.
Was ist es? Larry Carlton S10 HSS, hochwertige Strat-Style-Gitarre mit Seymour-Duncan-HSS-Bestückung
- Optik: Edles Finish mit auffälliger Maserung und goldener Hardware
- Verarbeitung: Sehr hohe Fertigungsqualität und nahezu perfekte Werkseinstellung
- Spielgefühl: Exzellente Bespielbarkeit dank C-Shape-Hals und Compound Radius
- Klang: Vielseitiges HSS-Setup von Vintage-Strat bis druckvollem Humbucker-Sound
- Kritik: Kein Coil-Split schaltbar und fehlende Security Locks
Inhaltsverzeichnis
Larry Carlton S10 HSS – Der erste Eindruck
Direkt beim Öffnen des Kartons überrascht mich ein äußerst stabiler Koffer aus robustem Kunststoff, in dem die Larry Carlton S10 HSS stabil und ohne jegliches Spiel sanft gebettet auf mich wartet. Edel sieht sie aus in ihrer durchscheinenden Lackierung in sattem Grün mit schwarzem Burst-Rand. Die Decke aus massiver Pappel hat eine atemberaubend schöne Maserung, die durch die perfekt ausgeführte Lackierung wunderbar zur Geltung kommt.
Das Fake-Binding rund um den Korpus verleiht der Optik zusätzliche Plastizität und bildet einen gelungenen, farblichen Übergang zum komplett aus Ahorn gefertigten Hals. Die goldene Hardware tut ihr Übriges, auch die Kappe des Humbuckers der HSS-bestückten Gitarre ist in Gold gehalten. Optisch spielt die Larry Carlton S10 in der absoluten Oberliga. Das gleiche Modell ist auch noch in Natural Burst zu haben, was sicherlich auch seinen Reiz hat, aber gerade dieses unglaublich schöne Grün hat es mir angetan.
Neben der Gitarre liegen noch der Vibratohebel nebst zwei Inbusschlüsseln im Koffer. Einer dient der Einstellung der Gängigkeit des Hebels, der andere bedient bei Bedarf alle anderen wichtigen Schrauben, wie zum Beispiel die Lagerbolzen des Vibratosystems oder den Halsspannstab.
Das ist eins dieser Instrumente, die sofort zum Jammen einladen, und genau das habe ich dann auch getan. Eine Random-Begleitspur in Logic erzeugt und ab geht’s.
Verarbeitung und Werkseinstellung
Hinsichtlich der Verarbeitung der Larry Carlton S10 HSS gibt es nur Positives zu berichten. Die 22 Medium-Jumbo-Bünde sind vorbildlich abgerundet, der Hals sitzt fest in der Halstasche und die Werkseinstellung ist mit den ab Werk aufgezogenen DR Dragon Skin Saiten in der Stärke 0.10 bis 0.46 nahezu perfekt. Direkt aus dem Koffer ist das Instrument ohne weitere Mühen easy bespielbar und lädt direkt zum Jammen ein.
Wer genau hinschaut, dem dürfte auffallen, dass an der Kopfplatte kein String-Tree zu sehen ist. Der wurde nicht etwa vergessen, sondern die Schäfte der Mechaniken sind auf den Saiten D bis e kürzer. Nicht so, wie man das von herkömmlichen Staggered-Tunern kennt, die mit zunehmendem Abstand vom Sattel immer kürzer werden, sondern wir haben es mit einer 2 + 4-Anordnung zu tun, bei der die beiden Saiten E und A jeweils mit einer Schaftlänge aufgenommen werden, die Saiten D bis e mit deutlich kürzeren Schäften. Das erhöht den Druck auf den Sattel und verhindert, dass die Saiten beim Vibrieren aus dem Sattel hüpfen.
Das Gotoh 510TS-FE Vibratosystem ist schwebend eingestellt, drei Federn halten die Grundplatte parallel zum Korpus fest im Griff. Auf der G-Saite im siebten Bund ist ein Spielraum von exakt einem Ganzton nach oben vorgesehen, nach unten ist bei sieben Halbtönen Schluss. Zusammen mit den Locking-Tunern aus eigener Produktion sollte die Stimmung auch bei exzessiverer Nutzung des Vibratosystems halten, doch dazu kommen wir später.
Die Specs in aller Kürze
- Korpus: Erle mit massiver Pappeldecke
- Hals: Ahorn, C-Shape
- Griffbrett: Ahorn
- Griffbrettradius: 305 – 356 mm (12″ – 14″ Compound Radius)
- Bünde: 22 Medium-Jumbo, Edgeless™ (abgerundete Bundkanten)
- Sattel: Knochen, 42 mm
- Tuner: Sire Premium Locking-Tuner
- Mensur: 648 mm (Fender-Style)
- Vibratosystem: Gotoh 510TS-FE
- Elektronik: Seymour Duncan HSS-Set, 5-Wege-Schalter, Volume- & Tone-Poti
- Coil Split: nein
- Pickguard: nein
- Security-Locks: nein
Die Praxis
Das Gewicht der Larry Carlton S10 HSS ist im normalen Rahmen, eine Kopflastigkeit lässt sich weder im Sitzen noch am Gurt feststellen. Leider sind mal wieder keine Security-Locks im Lieferumfang enthalten. Ich wiederhole mich möglicherweise, aber selbst bei Gitarren, die nur ein Drittel der Larry Carlton S10 kosten, sollten Security-Locks zum Standard gehören. Welches System dabei eine Rolle spielt, ist eigentlich überhaupt keine Frage, denn wer mehrere Instrumente besitzt, kann immer noch das System wechseln, während aufstrebende Einsteiger in der Regel noch keine Präferenzen haben, das Instrument so aber effektiv gegen versehentliche Abstürze sichern können.
Trocken angespielt imponiert die drahtige, direkte Ansprache und ein in allen Bereichen ausgeprägtes Sustain. Die Bespielbarkeit der Larry Carlton S10 HSS ist vorbildlich. Dazu tragen das Gesamtkonzept aus C-Shape-Hals, Compound-Radius des Griffbrettes und der abgeschrägte Hals-Korpus-Übergang bei. Hier ist also alles im Lot. Selbst wenn man, wie ich, lackierte Ahorngriffbretter nicht mag. Ich bin und bleibe Fan von purem Holz unter den Fingern, sei es geröstet oder mit Öl behandelt. Aber da das natürlich streng subjektiv ist, kann ich es nicht bemängeln. Ich kann mir ja eine Gitarre mit diesen Specs kaufen. So what?
Erste, wenig zaghafte Versuche, durch Betätigung des Vibratohebels eine nennenswerte, nachhaltige Verstimmung zu provozieren, scheitern. Das System ist stimmstabil, auch wenn die komplette Range ausgenutzt wird. Das spricht für ein hervorragendes Setup, einen sauber gekerbten Sattel und erfreulich wenige Windungen auf den Schäften der Mechaniken.
Der 5-Wege-Schalter rastet in allen Stellungen satt ein, die Potis laufen leichtgängig und gleichmäßig. Das Volume-Poti ist mit dem kleinen Finger gut zu erreichen, um Volume-Swells zu erzeugen oder schnell nachzuregeln.
Mittels Kabel verstöpselt dürfen die Pickups jetzt zeigen, was sie draufhaben. Der TB-4 Humbucker am Steg ist bekannt für seine Vielseitigkeit und seinen klaren, hohen Output, der sich in nahezu jeder Stilrichtung gut macht. Die beiden SSL-2 Singlecoils in Mittel- und Halsposition liefern den klassischen Vintage-Strat-Sound. Was mich zunächst etwas betrübt, ist die fehlende Splitbarkeit des Humbuckers. Das wäre zwar schnell nachgerüstet, aber ein Push-Poti mit dieser Funktion würde die Flexibilität des Sets noch deutlich erhöhen.
Aber Überraschung: Die Zwischenposition klingt! Und zwar ausgesprochen gut, sodass der Steiger mal auf Spurensuche geht. Die Website gibt keine Auskunft, aber das Gehör sagt eindeutig, dass in der Zwischenposition am Steg nur eine Spule aktiv ist. Also Schrauben raus, Deckel ab und: Yesss, in Position 2 des Schalters ist der Humbucker gesplittet.
Der Sound
Verstärkt zeigt sich ein zu erwartendes, ausgewogenes Klangbild. Die Singlecoils lieben cleane und angezerrte Sounds, gerade der Hals-Pickup kann aber auch mit höheren Gainsettings richtig gute Ergebnisse liefern. Die Zwischenpositionen knopflern clean gespielt ganz prächtig, angezerrt ergibt sich hier ein wunderbar offener Sound mit schönem Anschlagsschmatzen. Tone- und Volume-Poti arbeiten wunderbar gleichmäßig und erlauben volle Kontrolle über den Sound.
Der Humbucker macht ebenfalls, was man von ihm erwartet. Er liefert satte Rhythmus-Sounds für Rock oder Metal, kann dicke Leads erzeugen und mit zurückgedrehtem Volume-Poti offene, klare Akkorde liefern. Dieses Instrument sieht nicht nur gut aus, sondern es erfüllt auch absolut alle Erwartungen an einen Vintage-orientierten, dabei vielseitigen Sound.
Signalkette: Larry Carlton S10 HSS → UA Volt 476 Interface → Logic Pro mit Neural DSP Morgan Amps Suite

































