Klangforschung leicht gemacht
Das LeafAudio Contact Microphone ist ein Körperschallmikrofon mit frei montierbarer Sonde. Die Idee mit der Sonde stammt vom Sound Designer Robert Dudzic, der auf seinem YouTube-Kanal eindrucksvoll den richtigen Einsatz solcher und weiterer Mikrofone zeigt. Im folgenden Testbericht schauen wir uns das Mikrofon näher an und klären, welche Einsatzmöglichkeiten, auch bezüglich der Sonde, es hierfür gibt.
Was ist es? LeafAudio Contact Microphone, Kontaktmikrofon mit Sonde zur Aufnahme von Körperschall und experimentellen Klangquellen
- Sonde: Erweiterung für tiefere und ungewöhnliche Klangquellen, auch in Flüssigkeiten einsetzbar.
- Klangcharakter: Betonung der Mitten, weniger Fokus auf Low-End als bei anderen Kontaktmikrofonen.
- Einsatzbereiche: Vielseitig für Sounddesign, Field Recording und experimentelle Klangforschung.
- Zubehör: Umfangreiches Set inklusive Halterungen und Transporttasche.
- Fazit: Solides Kontaktmikrofon mit einzigartiger Sonde und großem kreativen Potenzial.
Inhaltsverzeichnis
Die Neuauflage des LeafAudio Contact Microphone
Das LeafAudio Contact Microphone gibt es in einer neuen Auflage, bei der kein Geringerer als Robert Dudzic mitgewirkt hat. Von ihm kam die Idee, eine Kontaktsonde – einen Metallstab, der quasi als Verlängerung dient – anzubringen. So lässt sich das Mikrofon in der Erde befestigen oder es kann tiefer in Objekte eindringen, die man sonst nur von der Oberfläche aus aufnehmen könnte.
Außerdem lässt sich mit der Sonde – nicht mit dem Mikrofon selbst – auch in Flüssigkeiten arbeiten. Während das Mikrofon trocken bleibt, kann die Sonde beispielsweise in Wasser, Öl oder andere Flüssigkeiten eintauchen, was sonst meist nur mit einem Hydrophon beziehungsweise wasserdichten Kontaktmikrofonen möglich wäre (sie ersetzt jedoch kein echtes Hydrophon!). Die Sonde nimmt auch Einfluss auf das Klangverhalten, wodurch Impulse und Frequenzbereiche stärker betont werden.
Versionen & Spezifikationen des Kontaktmikrofons
Das LeafAudio Contact Microphone gibt es in zwei Ausführungen: einmal mit einem 3,5-mm-Klinkenstecker, einmal mit einem 6,3-mm-Klinkenstecker. Ansonsten sind sie komplett identisch.
- Breite: 36 mm
- Höhe: 10 mm
- Gewicht: 59 g (3,5 mm) / 69 g (6,3 mm)
- Kabellänge: 2 m (unsymmetrisch)
- Resonanzfrequenz: 4,6 kHz
- Resonanzwiderstand: 200 Ohm
Größe und Gewicht sind recht typisch für gängige Kontaktmikrofone, auch eine ähnliche Resonanzfrequenz findet man häufig. Sie bestimmt neben dem Gehäuse, dem Befestigungsmaterial und dem verwendeten Vorverstärker, den Klangcharakter eines Kontaktmikrofons.
LeafAudio Contact Microphone: Lieferumfang
Das LeafAudio Contact Microphone wird in einer praktischen Transporttasche aus Polychloropren mit nützlichem Zubehör geliefert. Einzig eine Universalklemme würde ich zusätzlich empfehlen, da sich das Mikrofon so etwas leichter an manchen Objekten befestigen lässt.
- Neopren-Tasche
- Universalhalter
- Sondenhalter
- 2 Gummibänder
- Inbusschlüssel
Wie klingt das Kontaktmikrofon?
Wie bereits erwähnt, gibt es bei Kontaktmikrofonen ganz bewusste Unterschiede bezüglich ihres Frequenzspektrums. Viele Modelle konzentrieren sich auf eher tiefe Frequenzbereiche, um schwachen Signalen etwas mehr Druck und Fülle zu verleihen.
Das LeafAudio Contact Microphone betont dagegen eher den Mittenbereich. Das Low-End wird damit zwar auch schon ganz gut eingefangen, ist jedoch bewusst nicht der Fokus, denn hierfür gibt es nochmals andere Optionen, wie beispielsweise das hauseigene LeafAudio Geophon.
Zum Vergleich habe ich diverse Klangbeispiele erstellt. Sie sollen den Einsatz der Sonde, Vergleiche mit anderen Modellen und auch die Qualität verschiedener Vorverstärker aufzeigen. Vor allem die Sonde lässt einen auf ganz neue Ideen kommen und erweitert den Einsatzbereich des Mikrofons ungemein. Ob Wasser, Öl oder andere Flüssigkeiten, mit dem LeafAudio Contact Microphone lassen sich nun auch solche Bereiche erforschen.
Es lässt sich so auch in der Erde fixieren oder, wenn es das jeweilige Objekt es zulässt, tiefer platzieren, um nochmals deutlich andere klangliche Ergebnisse zu erhalten. Auch sehr kleine Stellen, auf denen sich das Mikrofon selbst nicht ablegen oder befestigen ließe, sind somit erreichbar.
Die Sonde wirkt dabei als mechanischer Leiter, Resonator und Filter zugleich. Je nach Material, Länge und Einstecktiefe können dadurch unterschiedliche Resonanzen entstehen, die sich gezielt nutzen lassen.
Neben der erwähnten Resonanzfrequenz und der benötigten Vorverstärkung ist auch das Befestigungsmaterial ein entscheidender Faktor. Es lassen sich Knete, Kleber, Magnete, Gummibänder und Klemmen aller Art einsetzen, die jedoch das Klangergebnis recht stark färben, was sich natürlich sowohl positiv als auch negativ auswirken kann.
Beispiel 1 – Eiswürfel (mit Sonde)
Die Eiswürfel befinden sich in einem Glas und die Sonde liegt lose darin.
Beispiel 2 – Spieluhr (Stereo)
Für das zweite Beispiel habe ich zwei der LeafAudio Kontaktmikrofone an einer kleinen Holzspieluhr befestigt und zum Vergleich auch mit einem Zoom H4n Pro aufgenommen.
Beispiel 3 – Holzplatte mit Münze und Klopfen
Um den Einfluss des LeafAudio FieldAmp nochmals zu demonstrieren, wurden zwei identische Kontaktmikrofone auf einem Holztisch befestigt. Als Klangquellen dienten eine rotierende Münze sowie Klopfgeräusche mit der Hand.
In der Spektralansicht zeigen sich Unterschiede zwischen beiden Signalwegen deutlich: Links ist das Kontaktmikrofon direkt am Zoom H4n Pro angeschlossen, rechts das gleiche Mikrofon über den LeafAudio FieldAmp mit nur sehr geringer Vorverstärkung. Anschließend wurden beide Kanäle auf denselben Pegel normalisiert. Während die Direktaufnahme ein höheres Grundrauschen aufweist, zeigt die Aufnahme über den FieldAmp eine ausgewogenere Darstellung tiefer Frequenzen sowie ein insgesamt volleres Resonanzverhalten.
Beispiel 4 – Walkman (mit Sonde)
Auch elektronische Geräte können mit einem Kontaktmikrofon detailliert aufgenommen werden. Mithilfe der Sonde habe ich einen laufenden Walkman (kein Wortspiel) sozusagen „abgetastet“. Am Ende der Aufnahme gibt es noch ein kurzes Beispiel mit diversen Effekten.
Beispiel 5 – Druckfeder
Noch ein Beispiel bezüglich einer möglichen Nachbearbeitung. Hierfür habe ich eine kleine Druckfeder aus einem Kugelschreiber entnommen und direkt am Gehäuse des Kontaktmikrofons befestigt. Aufgenommen habe ich den Klang zusätzlich mit einem Richtrohrmikrofon. Beide Signale wurden in der DAW mit einem Gate bearbeitet. Der aufgenommene Raum des Richtrohmikrofons bleibt störend.








































THX:)🙂
Danke für diesen Bericht über ein pannendes Mikrofon. Interessantes Angebot, wie ich finde.😍
Die Firma hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Vielen Dank
Auf der SB habei ich mir am Leaf-Audio-Stand die Sachen angesehen. Hat mich nicht sonderlich vom Hocker gehauen. Ein paar Tonabnehmer, ein Mini-Mixer und ein paar Gegenstände, die Geräusche machen. Jetzt, wo ich die Preise sehe, bin ich komplett raus. Sowas bekommt man für einen Bruchteil des Preises in der gleichen Qualität. Ich werde mir wohl ein paar Tonabnehmer bei Thomann kaufen und das nachbilden. Einen Minimixer habe ich schon. Um ein paar Sounds zu samplen, die es so noch in keinem Synth gibt, wird es mehr als ausreichend sein. Die Idee ist schon gut, aber beileibe nicht neu.
@Mac Abre Beim reinen Ansehen passiert da auch nichts. Wenn man sich das aber mal anhört und vor allem damit arbeitet und es auch mal vergleicht, dann passiert da schon einiges würde ich sagen ;)
@Jens Hecht Min „angesehen“ meine ich natürlich „ausprobiert“.