Kleiner Vorverstärker für große Sounds
Der LeafAudio Field Amp ist ein Low-Noise-Vorverstärker, der speziell für hochohmige Körperschallmikrofone konzipiert ist. Die Leipziger Manufaktur LeafAudio hat sich unlängst durch verschiedene Produkte im experimentellen Bereich einen Namen gemacht. Vor allem die Microphonic Soundbox sollte den meisten Lesern bereits ein Begriff sein. Aus ihr stammt auch der Field Amp. Viele Nutzer waren von der sehr rauscharmen und gleichzeitig hohen Vorverstärkungsleistung begeistert. Daher haben wir uns dem Field Amp einmal näher für euch angeschaut.
Was ist es? LeafAudio Field Amp, Low-Noise-Vorverstärker für hochohmige Körperschallmikrofone
- Konzept: Speziell entwickelter Hi-Z-Vorverstärker für Piezo- und Kontaktmikrofone mit sehr geringem Eigenrauschen.
- Klang: Deutlich breiterer Frequenzgang und bessere Signalauflösung, besonders bei leisen Quellen.
- Praxis: Kompakt, mobil einsetzbar und auch batteriebetrieben ideal für Field Recording und Sound Design.
- Ausstattung: Zwei Ausgänge, davon einer um 12 dB abgesenkt, sowie flexible Stromversorgung.
- Kritik: Nur ein Eingang, mehrere Quellen bedeuten auch mehrere Field Amps.
Inhaltsverzeichnis
Über LeafAudio
LeafAudio wurde 2008 als Produktionsstudio von Manuel Richter gegründet. Er ist ausgebildeter Toningenieur und Schlagzeuger und hat sowohl als Studio- als auch als Live-Musiker viel Erfahrung. Seine musikalischen Referenzen sind so vielfältig wie sein ganzer Werdegang. Man könnte fast meinen, es gebe nichts, was er nicht kann und auch noch nicht getan hätte.
2009 startete er mit eigenen Workshops unter dem Namen LeafAudio, zunächst zum Thema modulare Klangsynthese. Bald wurde daraus eine in Deutschland sehr beliebte Workshop-Reihe zum Thema „DIY Synthesizer“, mit bekannten Musik-Festivals und Magazinen wie Electronic Beats als Kooperationspartner. Ab 2016 kam die Rolle als Hersteller hinzu und unter dem Namen Exploding Shed ein Vertrieb für alles um das Thema DIY Synth.
2017 wurde auf der Superbooth die Microphonic Soundbox mk1 vorgestellt, eine Holzbox mit integrierten Kontaktmikrofonen und verschiedenen Utensilien, um daraus experimentelle Klänge zu erzeugen. Sie wurde später durch die mk2 abgelöst und ist immer noch weltweit beliebt bei Sound Designern und Musikern.
Die Produktpalette hat sich bis heute erweitert. Dabei haben LeafAudio vor allem das Thema Körperschall bearbeitet und bieten professionelle Kontaktmikrofone, Geophone, Verstärker und Zubehör an. Das Thema Eurorack und DIY ist zugunsten der Hauptthematik etwas in den Hintergrund gerückt.
Ein sehr sympathisches Interview mit Manuel Richter und seinem Kollegen Hagen Haacker gibt es seit letztem Jahr auch hier bei AMAZONA.de.
Auf der von Manuel Richter und Hagen Haacker betrieben Website Exploding Shed gibt es zahlreiche Informationen und jede Menge Nützliches rund um das Thema Löten, Elektronik und Eurorack zu entdecken.
Einsatzgebiet der LeafAudio-Produkte
LeafAudio richten sich mit ihrer Produktpalette ausschließlich an Sound Designer und experimentierfreudige Musiker. Es soll darum gehen, neue Klänge zu entdecken und zu erforschen, um sie professionell aufnehmen und bearbeiten zu können. Vor allem beim Thema Körperschall und der nachträglichen Bearbeitung der Aufnahmen können so einige Unannehmlichkeiten entstehen, die den Spaß an der Sache rauben können. Ein zuvor noch verkraftbares Rauschen oder verfälschte Frequenzen sind beispielsweise immer wiederkehrende Probleme.
In Bereichen wie Sound Design für Film und Gaming, in denen nicht selten ein sehr hoher Standard verlangt wird, kommen spezielle Mikrofone verschiedenster Art zum Einsatz. Ein weiterer Faktor ist die Mobilität, denn die meisten Klangquellen befinden sich natürlich außerhalb des Studios.
LeafAudio haben mit ihrer langjährigen Expertise all diese Faktoren stets auf dem Schirm und einige Produkte zum Thema Körperschall und Sound Design bereits entwickelt und auch optimiert.
Der LeafAudio Field Amp
Wer bereits mit Kontaktmikrofonen gearbeitet hat, wird sehr wahrscheinlich schon auf diverse Probleme gestoßen sein. Zu viel Rauschen, zu wenig Bass, zu niedrige Pegel und ein veränderter Frequenzgang sind hier keine Seltenheit. Piezo-Tonabnehmer besitzen eine sehr hohe Ausgangsimpedanz und benötigen dementsprechend immer Vorverstärker mit einem sehr hochohmigen Eingang, um den Frequenzgang nicht zu verfälschen – genau dafür wurde der LeafAudio Field Amp entwickelt. Mit seinem Hi-Z-Eingang sorgt er für ausreichend Vorverstärkung und ist äußerst mobil.
Der LeafAudio Field Amp ist ein Low-Noise-Vorverstärker, der der LeafAudio Soundbox entnommen wurde. Viele Nutzer der Soundbox mochten die sauberere und äußerst rauscharme Vorverstärkung. Und durch das äußerst geringe Eigenrauschen, lassen sich auch schwache Signale noch sehr gut verstärken, ohne dass das Grundrauschen störend in den Vordergrund tritt.
Spezifikationen des LeafAudio Field Amp
Mit Maßen von 120 x 120 x 34 mm und einem Gewicht von 192 g ist der LeafAudio Field Amp äußerst kompakt und leicht. Somit sollte er noch in jeder Tasche Platz finden und angenehm zu transportieren sein.
Er besitzt einen 3,5 mm Klinkeneingang und zwei 3,5 mm Klinkenausgänge. Einer der beiden Ausgänge ist um 12 dB abgesenkt, um Signale für empfindliche Aufnahmegeräte etwas abzudämpfen und somit vor Übersteuerung zu schützen. Alle Anschlüsse befinden sich auf der Vorderseite des Gerätes.
Außerdem gibt es einen 9V-DC-Eingang (5,5 mm / 2,1 mm Hohlstecker, Pluspol innen) zur Stromversorgung. Wahlweise kann der Leaf Audio Field Amp aber auch mit einer 9V-Blockbatterie betrieben werden.
Auf der Ober- und auf der Unterseite gibt es jeweils ein 3/8-Zoll-Stativgewinde zur Montage auf gängigen Mikrofonständern. So lassen sich auch mehrere Field Amps übereinander fixieren (wie im vorherigen Beispielsbild von Robert Dudzic zu sehen ist), um mehrere Mikrofone zu verwenden, wobei der unterste immer noch an einem Stativ befestigt sein kann.
Lieferumfang des LeafAudio Field Amp
Der LeafAudio Field Amp kommt in einem praktischem und schicken Transport-Case, in dem man auch Platz für Kabel, Batterien oder Kontaktmikrofone findet. Zur Stromversorgung ist ein passendes USB-C-zu-9V-DC-Kabel ebenfalls beigelegt, das auch an Power-Delivery-fähigen Powerbänken betrieben werden kann.
Der LeafAudio Field Amp in der Praxis
Entsprechende Mikrofone werden am LeafAudio Field Amp angeschlossen, der das verstärkte Signal an einen Recorder weiterleitet. Für den Praxistest habe ich verschiedene Arten und Modelle von Kontaktmikrofonen ausprobiert. Ein paar Beispiele mit und ohne Field Amp zeigen ebenfalls sehr deutlich die klanglichen Unterschiede auf.
Mit dem LeafAudio Field Amp erhält man deutlich bessere Ergebnisse und er ist, durch den möglichen Batteriebetrieb und aufgrund seiner Größe, sehr vorteilhaft für mobile Aufnahmen. Besonders bei sehr leisen Klangquellen oder elektromagnetischen Tonabnehmern zeigt sich der Vorteil des LeafAudio Field Amp sehr deutlich.
Praxisbeispiele zum LeafAudio Field Amp
Die folgenden Beispiele sind, bis auf Pegelanpassungen, komplett unbearbeitet. Weitere Beispiele und vor allem wie man diese sinnvoll nutzen kann, folgen in einem zukünftigen Workshop.
Für das erste Beispiel habe ich den Bildschirm meines Smartphones mit einem elektromagnetischen Pickup-Mikrofon (EMF-Pickup) von KOMA Elektronik aufgenommen. Ohne den Field Amp waren schwache Signal deutlich weniger hörbar, was auch zu einem größeren Pegelkontrast geführt hat. Daher konnte ich die Aufnahme auch nur um 7 dB anheben (ohne Kompressor oder Limiter). Die Aufnahme mit dem Field Amp dagegen war vornherein schon lauter und hatte eine gleichmäßigere Signalverteilung, daher konnte ich das Signal noch problemlos um 4 dB anheben. Auch das Frequenzspektrum ist hörbar breiter bei der Aufnahme mit dem Field Amp.
Das zweite Beispiel vergleicht zwei identische LeafAudio Kontaktmikrofone, jeweils mit und ohne den Field Amp. Auch hier wirkt der Frequenzgang deutlich breiter bei der Verwendung mit dem Field Amp, vor allem bei dem Geräusch durch Reibung. Davor hatte ich das Geländer mit einer Münze angeschlagen und hier wirken sich die Transienten sehr unterschiedlich aus.
Beim nächsten Beispiel lässt sich ein Unterschied tatsächlich kaum ausmachen. Das Audiobeispiel zeigt viermal den identischen Anschlag mit und ohne dem Field Amp (mit, ohne, mit, ohne).
Im vierten Beispiel habe ich einen auf einer Holzplatte hüpfenden Gummiball mit vier Mikrofonen aufgenommen. Zuerst hört man ein Richtrohrmikrofon (Sennheiser MKH 416), danach das LeafAudio Kontaktmikrofon gemeinsam mit dem Field Amp, dann ein weiteres Kontaktmikrofon (Korg CM-300) und zuletzt noch ein Geophon. Am Ende ist die Summe zu hören, ohne dem Korg CM-300. Alle Signale wurden über einen Sound Devices Mix-Pre 6 II aufgenommen, das zwar sehr hochwertige Kashmir-Vorverstärker besitzt, nur eben keine speziell für Piezo-Quellen ausgelegten Eingänge.
Das letzte Beispiel zeigt, neben den positiven Eigenschaften des Leaf Audio Field Amp, nochmals einen Vergleich zwischen Körperschall und Luftschall, die sich ja auch oft gut kombinieren lassen. Hierzu habe ich ein Kontaktmikrofon an einen Wasserkocher, genauer gesagt am Griff, angebracht. Zu Beginn der Aufnahme war der Gain-Regler des Field Amps jedoch sehr niedrig eingestellt.
Während das kochende Wasser abkühlte und das Signal dementsprechend leiser wurde, habe ich den Pegelabfall versucht, während der Aufnahme über den Gain-Regler wieder auszugleichen. Zusätzlich habe ich einen kurzen Ausschnitt der letzten Sekunden in der DAW nochmals um 42 dB angehoben. Den gleichen Prozess habe ich mit einem Field Recorder (Zoom H4n Pro) wiederholt.
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Piezo Tonabnehmer sind in vielen Western Gitarren eingebaut. Aber ich habe noch nie gehört, dass die Gitarristen Probleme mit der Lautstärke ihrer Akustik-Gitarren haben und nach einem Piezo-Verstärker-System suchen.
@Spartakus Ich glaube, hier liegt ein kleines Missverständnis vor: Es geht bei Piezo-Tonabnehmern nicht um Lautstärke, sondern darum, dass ihr hochohmiges Signal ohne passenden Vorverstärker oft dünn und kraftlos klingt.
@Jens Hecht Sind dafür nicht die Hi-Z-Eingänge der Audio Interfaces vorgesehen?
@bluebell Grundsätzlich ja, aber Hi-Z-Eingänge unterscheiden sich klanglich und holen nicht immer das Optimum aus Piezo-Tonabnehmern heraus
Hallo, warum wird hier oft von rauscharmen Vorverstärker geschrieben? Das wundert mich etwas, sollte doch normal sein. Die habe ich schon Ende der Siebziger mit den Transistoren SC 207 e,f und g gebastelt.