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Test: LeafAudio Geophon S, Spezialmikrofon

Ungewöhnliche Klangwelten für Sound-Designer

20. April 2026
leafaudio geophon test

LeafAudio Geophon S, Spezialmikrofon

Das LeafAudio Geophon ist ein Spezialmikrofon zur Aufnahme von Vibrationen und Körperschall. Es gehört zur Kategorie Körperschallmikrofone und verschafft uns einen Einblick in eine andere Klangwelt. Woher Geophone stammen, wo und wie sie eingesetzt werden und vor allem wie sie klingen, möchte ich euch gerne anhand des LeafAudio Geophons zeigen.

Kurz & knapp

Was ist es? LeafAudio Geophon S, Spezialmikrofon zur Aufnahme von Körperschall und Vibrationen für Sound-Design und kreative Klangexperimente.

  • Einsatzgebiet: Spezialmikrofon für Vibrationen und Körperschall, ideal für Sound Design, Film, Gaming und experimentelle Musik.
  • Klang: Liefert tiefe Frequenzen und ungewöhnliche, oft „größer als echt“ wirkende Sounds mit viel Charakter.
  • Praxis: Vielseitig einsetzbar, besonders spannend in Kombination mit anderen Mikrofonen.
  • Handling: Benötigt etwas Einarbeitung, bietet aber großes kreatives Potenzial beim Experimentieren.
  • Fazit: Hochwertiges Spezialmikrofon mit durchdachtem Zubehör und sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Bewertung

LeafAudio Geophon S, Geophon L

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Was ist ein Geophon?

Das Geophon benötigt eventuell eine kurze Erläuterung. Ein Geophon ist ein elektromechanischer Sensor zur Erfassung niederfrequenter Vibrationen (zur Messung der Geschwindigkeit einer Bodenbewegung) und wird eigentlich eher in der Seismik (Teilgebiet der angewandten Geophysik) verwendet, um den Erdboden, genauer gesagt dessen Schwingungen, zu erkunden.

Mit einem Geophon können sehr tiefe Frequenzen aufgenommen werden und an einer vibrierenden Oberfläche angebracht, klingt es, als ob man ein Objekt von seinem Inneren abhört. Auch eine nicht wahrnehmbare Vibration, wie beispielsweise bei einem Heizkörper, reicht hierfür bereits aus. Im Inneren eines Geophons befindet sich eine bewegliche Spule, die sich relativ zu einem Magneten bewegt und so elektrische Spannung erzeugt, sobald Vibrationen auftreten.

Wichtig zu wissen: Geophone ergeben vor allem in Kombination mit Luftschall-Mikrofonen oder anderen Kontaktmikrofonen Sinn, da sie selbst lediglich untere Frequenzen übertragen (Geophone S/L nur bis 1000 Hz).

Das Geophon kann sich zum einen als sehr nützlich erweisen, wenn man Geräusche, getreu dem Hollywood-Motto „Larger than Life“ wirken lassen möchte. Dann reicht das Geophon alleine natürlich nicht aus, sondern muss mit anderen Mikrofonen kombiniert werden, spielt aber eine wichtige Rolle. Doch auch nur mit einem Geophon und einem Field-Recorder macht es schon Spaß, auf die Klangsuche zu gehen. So können sich unter allerhand verschiedener Klangkörper, beispielsweise tolle Quellen für Drone-Sounds, verbergen. Typische Klangquellen sind große Metallstrukturen, Rohre, Heizkörper oder auch Gebäudestrukturen. Doch wie immer gilt auch hier, Neues zu entdecken und zu erforschen.

Lieferumfang des Geophons

Zum LeafAudio Geophon erhält man ein praktisches Transport-Case dazu. Hier lassen sich alle zusätzlichen Add-Ons, von denen die meisten ebenfalls mitgeliefert werden, sicher verstauen.

  • Transport-Case
  • Magnet
  • Klemme
  • Saugnapfhalterung
  • Stahlstachel (zur Befestigung im Boden)

 

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Versionen und Spezifikationen des Geophons

Das LeafAudio Geophon gibt es in zwei unterschiedlich großen Versionen: Version S und Version L. Hier zunächst ein Vergleich der Spezifikationen (S – L):

Geophon S:

  • Breite: 38 mm
  • Höhe: 70 mm
  • Gewicht: 214 g
  • Kabeltyp: XLR (2 m)
  • Frequenzbereich: 28 Hz – 1 kHz
  • Impedanz: 1850 Ohm
  • Klirrfaktor: 0,2 %
  • Empfindlichkeit: 28 V/m/s (Ausgangsspannung pro Meter/Sekunde)

Geophon L:

  • Breite: 42 mm
  • Höhe: 76 mm
  • Gewicht: 250 g
  • Kabeltyp: XLR (2 m)
  • Frequenzbereich: 15 Hz – 1 kHz
  • Impedanz: 5.222 Ohm
  • Klirrfaktor: 0,05 %
  • Empfindlichkeit: 74,8 V/m/s (Ausgangsspannung pro Meter/Sekunde)

Bei beiden kommen wohlgemerkt keine Klinken- sondern XLR-Stecker zum Einsatz. Das Geophon benötigt als elektromechanischer Wandler auch keinen Hi-Z-Vorverstärker und verhält sich eher wie ein dynamisches Mikrofon. Hier reicht in der Regel jeder solide Mikrofonvorverstärker völlig aus.

Zubehör für das Geophon

Für beide Varianten des LeafAudio Geophons gibt es jeweils ein optionales Zubehörpaket. Dieses besteht aus folgenden Elementen:

  • Bogenhalterung
  • Holzschraube
  • Adapter von M4 auf 1/4“-Universal-Kamerahalterung.

Mit der Bogenhalterung lässt sich das Geophon nicht nur im 90°-Winkel oder parallel zu Oberflächen befestigen, sondern auch in einem variablen Winkel. Somit lässt sich der Klang nochmals etwas beeinflussen, da das Geophon, je nach Winkel, unterschiedliche Ergebnisse liefern kann. Die Art der Befestigung hat beim Geophon einen großen Einfluss auf den Klang, da verschiedene Materialien Vibrationen unterschiedlich übertragen.

Einsatzgebiete eines Geophons

Obwohl die LeafAudio Geophone dieselben Sensor-Kapseln enthalten wie im wissenschaftlichen Bereich üblich, sind die Produkte als solche für die künstlerische Anwendung konzipiert und zum Beispiel nicht explizit als wasserdicht ausgewiesen.

Für Sound-Designer lässt es sich bspw. hervorragend für verschiedene Zwecke nutzen:

  • LFE-Quelle (Low-End Rumbles)
  • Drone-Quelle
  • Kombination mit anderen Mikrofonen um Objekte größer oder surreal wirken zu lassen.

LeafAudio Geophon S, Spezialmikrofon

Die potentiellen Klangquellen sind dabei nahezu unbegrenzt. Von Metallplatten über Treppengeländer bis hin zu Gebäuden und Brücken lässt sich alles, was eine noch so kleine Schwingung übertragen kann, auch aufnehmen. Als LFE-Quelle kann dabei prinzipiell alles dienen und als Drone-Quelle eignen sich Heizkörper und alle Objekte mit einer natürlichen Eigenresonanz hervorragend.

Doch vor allem das Kombinieren mit anderen Mikrofonen kann nochmal sehr spannend sein. So lassen sich kleine Fußschritte beispielsweise als riesiges Stampfen oder eine kleine Metallplatte als schweres Erdbeben erscheinen.

Wie klingt das LeafAudio Geophon?

Das Geophon kann manchmal genauso klingen wie man erwartet, eröffnet aber oftmals auch ungeahnte Klangquellen – je nach Objekt versteht sich. Stellenweise ist es sehr empfindlich und vermutlich ist für die meisten von uns das Arbeiten mit einem Geophon auch zunächst ungewohnt.

Es gibt Quellen, die sind so leise, dass selbst das Geophon ordentlich Vorverstärkung benötigt. Andere Quellen sind für das Geophon wiederum so laut, dass auch ohne jegliche Verstärkung eine Verzerrung auftreten kann. Das ist aber auch immer von vielen Faktoren abhängig, wie beispielsweise der Platzierung am Objekt oder auch davon ob und welche Befestigung man nutzt.

Doch es lohnt sich eine Weile zu experimentieren und das Geophon kennenzulernen, denn nach den ersten Aha-Effekten, möchte man auf ein Geophon nicht mehr verzichten. Typische Foley-Geräusche klingen hierdurch größer, mächtiger und viel mehr nach „Kino“. Aber auch rhythmische Basselemente zur Musikproduktion sind denkbar.

Praxisbeispiele

Die Klangbeispiele zum LeafAudio Geophon habe ich alle mit der Herkunft des Sounds benannt. Lediglich für Beispiel 1 sei erwähnt, dass das Geophon zuerst direkt am Backofenfenster befestigt war und ich es während der Aufnahme zu einer ca. 2 m entfernten Küchenzeile umplatziert hatte. Bei dem Beispiel mit dem Massagegerät habe ich das Geräusch mit einem Kontaktmikrofon, dem Geophon und einem Richtrohrmikrofon aufgenommen. Das ist auch die Reihenfolge, wie ihr die Klänge im Beispiel hört.

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Klangbeispiele
Fazit

LeafAudio hat sich nicht umsonst in den letzten Jahren einen sehr guten Namen rund um die Themen Synth DIY, Eurorack und Körperschall erarbeitet. Und mit dem LeafAudio Geophon bekommt man ein sehr gutes Spezialmikrofon zu einem fairen Preis.

Nicht nur beim Lieferumfang merkt man, dass die Macher ihr Konzept zu Ende gedacht haben. Das Arbeiten mit dem Geophon macht richtig Spaß und zwar als Solo-Instrument oder gemeinsam mit anderen Körper- und Luftschallmikrofonen. Es lässt viele ungewohnte Klänge zu, die sich vor allem für Film und Gaming anbieten. Aber auch musikalisch lässt sich das Geophon toll einsetzen.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • sehr nützlicher Lieferumfang
  • fairer Preis

Preis

  • LeafAudio Geophone S: 189,- Euro
  • LeafAudio Geophone S Add-Ons: 31,- Euro
  • LeafAudio Geophone L: 269,- Euro
  • LeafAudio Geophone L Add-Ons: 32,- Euro
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Über den Autor
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Jens Hecht RED

Irgendwo zwischen Electronica, Dub, Ambient und UK Bass. Freiberuflicher Produzent, Sound Designer und Dozent mit einer Vorliebe für Synthesizer und Eurorack.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ollo AHU

    Spannend. Das würde mich wohl eher als Unterstützung zu meinen Kontakt-Mikros interessieren aber für tiefe Drones könnte das auch solo ziemlich geil sein.

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @ollo In Kombination funktioniert das super! Es wird bald noch ein Workshop zu dem Thema folgen ;)

  2. Profilbild
    Flowwater AHU

    Ich habe auch, genau wie @ollo, die Augenbrauen gen Norden gezogen: Was es nicht alles gibt! Gerade das 2. Soundbeispiel, bei dem später der Hall hinzu gefügt wurde, hat mir die Ohren geöffnet. Jetzt noch ein wenig mit EQs herumspielen und ausgewählte Frequenzen übersteigern, evtl. auch verzerren und das Ganze noch mal etwas langsamer abspielen … faszinierend!

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @Flowwater ich bin immer noch am lernen und forschen aber sowas wie das zweite Beispiel funktioniert immer gut :)

  3. Profilbild
    Filterpad AHU

    Ich persönlich bleibe lieber bei einem herkömmlichen Instrument, aber die Faszination hat mich ebenso gepackt! Beim Lesen des Artikels ging mir pausenlos durch den Kopf: „ich würde so gerne Beispiele hören!“ Als es diese am Ende des Artikels gab, war ich überglücklich! :) Mein Favorit bleibt das Wasserrohr. Ich hätte mir auch noch viele dutzende weitere angehört. Das maximum, was man klangexperimentell unter anderem tun kann! Es ist genial! PS.: Mich hätte ein angeschalteter Synthesizer interessiert. Könnte man dies noch hinzufügen? Der Preis ist nicht super günstig, aber in Ordnung. Es scheint unverwüstlich zu sein.

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @Filterpad Kann ich gerne mal ausprobieren, aber ich vermute da wird nicht viel passieren. Hatte es bisher nur mit meiner alten Bandmaschine versucht. Da macht es gar keinen großen Unterschied ob sie lief oder nicht…außer wenn ich die Geschwindigkeit änderte. Schau dir mal den YouTube-Kanal von Robert Dudzic an. Der macht wahnsinnig spannende Sachen damit (man sieht das Geophon dort häufig nicht, da es oftmals unter dem Tisch befestigt ist).

  4. Profilbild
    Bernd-Michael Land AHU

    Ich hab das große Geophone L schon ein öfter eingesetzt. Ohne einen zusätzlichen Verstärker sind viele Signale aber zu schwach. einen kleinen PreAmp (Triton FetHead, o. ä.) sollte man also gleich mit einkalkulieren.

    Für „nur mal so“ ist die Investition aber recht hoch, denn vieles geht auch mit Kontaktmikros für einen Bruchteil der Kosten.
    Wer aber ständig Fieldrecordings aufnimmt, für den ist so ein Geophone und auch das Hydrophone eine gute Ergänzung.
    Letzteres ist sehr cool, um beispielsweise knackende Eiswürfel aufzunehmen, wenn man sie in Glas mit warmem Wasser legt (damit hab ich schon Eisberge produziert).

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @Bernd-Michael Land guter Hinweis mit dem PreAmp! Und ja, es lohnt sich wirklich nur wenn man regelmäßig damit arbeitet, aber dann ist es vor allem zusammen mit Kontaktmikrofonen auch eine tolle Ergänzung. Ein richtiges Hydrophon hätte ich auch gerne, da schlägt dein Argument aber noch härter zu finde ich (Investition und Nutzung).

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @Franz Walsch Danke für die Verlinkung, das Mikrofon kannte ich zwar bereits, wusste aber nicht dass der Hersteller auch als Label fungiert. Höre mich gerade durch deren Bandcamp-Seite :)

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