ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Lehmann Audio Studio Cube Kofhörerverstärker

11. April 2011

Zeiss für die Ohren

Lehmann Audio Studio Cube Kofhörerverstärker

Lehmann Audio Studio Cube Kofhörerverstärker

Kurzer Überblick zum Lehmann Audio Studio Cube

Im Test befindet sich ein Studio-Cube-Kopfhörerverstärker von Lehmann Audio, ah, Kopfhörerverstärker, das sind doch diese Stereoklinken-Löcher in den Mischpulten und Audiointerfaces. Muss man die denn testen?

Tatsächlich hat sogar meine halbaktive Reise-Abhöre so ein Ding mitten im linken Lautsprecher stecken. Allerdings ist mir neulich aufgefallen, dass mein Kopfhörer an dem Teil irgendwie keinen Bass produziert. Also muss ich die Boxen aus dem Laptop ziehen, wenn ich den Kopfhörer brauche, und diesen direkt ins Macbook stecken. Jetzt klingt wieder alles normal oder besser ausgedrückt, so wie ich es gewohnt bin.

ANZEIGE

Möglicherweise gibt es einige Leser, die dieses Phänomen bereits kennen gelernt haben. Kopfhörerverstärker gibt es halt überall, aber über Qualitätsunterschiede macht man sich erst dann ernsthaft Gedanken, wenn ein Exemplar so grottenschlecht klingt, dass es schmerzt oder ganze Signalanteile schlichtweg fehlen. Dabei sind die typischen „Phones“-Buchsen auch in hochwertigeren Geräten, guten Mischern oder Audiointerfaces in der Regel von eher mäßiger Qualität. Da wurde irgendein Massenware-Billig-Chip mit Tesafilm unter der Buchse geklebt, mehr nicht – kein Transistörchen weit und breit, natürlich nicht, denn das kostet Geld und vor allem auch Platz.

So, neue Geschichte, neue Betrachtungsweise: Studiobau. Gute Aktiv-Monitore müssen schon sein, am besten Fullrange. Das Dusselige daran ist, dass die Dinger sauteuer sind. Für einen Frequenzumfang von 40 Hz bis 20 kHz ist man mit 3000 Euro und mehr dabei, autsch! Wenn man geschickt ist, schlau und fleißig und bestenfalls auch Physiker, dann bekommt man vielleicht auch seine Regie akustisch einigermaßen optimiert. Sonst sind die teuren Boxen nämlich komplett überflüssig. Besser ist übrigens, man baut den Raum gleich selbst – mit Bagger, Backstein, Beton, Schaufel und Estrich – die schwimmende Variante. Okay, stopp, kürzen wir hier besser ab.

Wer das nämlich nicht leisten kann, also bestimmt 99,9 Prozent aller Hobby- und Profi-Tonis, der braucht, vor allem um fiesen Stehenden Basswellen aus dem Weg zu gehen, mindestens zur Beurteilung des tiefen Frequenzbereichs einen Kopfhörer. Außerdem sind die Dinger für die Positionierung der Schallquellen im  Panorama unverzichtbar. Und – haha, natürlich gibt beim Konsumenten einen ganz klaren Trend zum ohrnahen Schallwandler. Das wollen nur viele Fachleute noch nicht wahrhaben. Angesichts dessen muss man sich wohl fragen, warum wir bereit sind, für Aktiv-Studiomonitore ein paar Tausend Euro hinzublättern, während wir uns mit einen Kopfhörerverstärker für 50 Cent zufrieden geben.

Lehmann Audio Studio Cube Kofhörerverstärker

Erscheinungsbild und technische Daten

Das aktuelle Testgerät kostet auch gleich das 700-fache, rund 350 Euro, und selbst das ist unter den Kopfhörer-Spezialisten noch ein echtes Sonderangebot. Für den „Phonitor“ von SPL muss man gleich 1400 Euro hinblättern. Bei Herrn Lehmann bekommt der Kunde eine unauffällige, nicht unschicke schwarze Kiste aus Metall auf drei kippelfreien Gummifüßchen, die bei 130 x 43 x 132 mm (B x H x L) exakt 0,88 kg auf die Waage bringt.

Auf der Rückseite befinden sich zwei symmetrische Eingänge im praktischen XLR/TRS-Combo-Format, zwei Klinken-Ausgänge (symmetrisch), an denen das unverstärkte, also „passive“ Eingangssignal anliegt und eine Buchse für den Anschluss eines externen Netzteils in Form einer schwarzen Plastik-Wandwarze mit 24V Gleichspannung und mindestens 420 mA.

Vorn liegen zwei große 6,3mm-Stereoklinken-Kopfhörer-Ausgänge, die ein identisches Signal führen, ein großer Lautstärkeregler aus Aluminium, ein Stereo/Mono-Kippschalter und drei LEDs. Die „Power“-LED zeigt, wenn das Gerät eingeschaltet ist, „OK“ zeigt, wenn ein Signal am Eingang anliegt (> -30 dB) und „OL“ (Overload) warnt vor Übersteuerungen. Wer das Gerät auf einem Stativ positionieren möchte, kann zwei Gewindebuchsen an den Seiten zur Anbringung eines U-Bügels mit Rändelschrauben verwenden. Dank vierer Gewindebuchsen von Typ M3 auf der Unterseite kann der Verstärker auch in einer Rackwanne untergebracht werden. Trotz der übersichtlichen Bedienung wird eine ausführliche Anleitung mitgeliefert, 20 Seiten stark,  sauber gedruckt in Farbe und – wie schön für alle Non-Polyglotts – auf Deutsch.

ANZEIGE

Die Leistung der vollständig diskret aufgebauten Ausgangsstufe wird mit 200 mW an 33 Ohm angegeben. Nun hat der durchschnittliche Kopfhörer wahrscheinlich so um die 200-250 Ohm, was bei ihm zu einer wesentlich niedrigeren Leistungsausbeute führen wird. Der Frequenzgang reicht von 10 Hz bis 40 kHz. Der Klirranteil im Signal liegt bei 0,02 Prozent (+0dBU an 32 Ohm). Der Studio Cube liefert im Normalbetrieb am Ausgang maximal +6 dBU. Wer mehr Pegel benötigt, kann sich einen Schraubenzieher greifen, das Gehäuse aufschrauben und im Inneren mit Hilfe von Jumpern den +12-dBU-High-Gain-Modus aktivieren. Solche ziemlich krassen Anforderungen an die Nutzer sind bei Profitools nicht ganz unüblich. So muss man auch beim ersten RME Multiface ins Innere des Gerätes vordringen, um über Jumper zwischen -10 dBV und +4dBU hin- und herzuwechseln. Natürlich fühlt man sich als Kunde von Lehmann auch gebauchpinselt – so viel Vertrauen, wow, aber ein Schalter am Gerät ist noch cooler.

Ebenfalls etwas unpraktisch und gleichzeitig sehr vorbildlich: Über weitere Jumper können die Audiomassen der Eingänge geräteseitig aufgetrennt werden. Das widerliche Rumlöten an Audiokabeln bei Brummschleifen entfällt also. Aber auch hier wären Knöpfchen oder wenigstens diese Schieberchen für Phasenprüfer noch feiner gewesen.

Eine Wahrscheinlichkeit, dass man die Groundlift-Jumper benötigt, ist gegeben. In der Praxis wird der Lehmann über die passiven Klinkenausgänge mit mehreren Geräten kaskadiert sein – mit weiteren Lehmanns oder mit dem Studio-Abhör-Controller. Und natürlich hängt er direkt oder mittelbar am Audiointerface, an dem wiederum Synths und Co angestöpselt sind. Der Abhör-Controller wiederum hängt an den aktiven Studiomonitoren. Da sind doch einige Geräte mit Audiomassen und verbundenen Erden im Spiel, die interferieren und brummen können. Da können Groundlifts die Rettung sein.

Bewertung des Kopfhörerverstärker

Auch im Test hing der Lehmann zwischen diversen doppelt und dreifach geerdeten Geräten, allerdings ohne zu brummen. Der chirurgische Eingriff im Geräteinneren konnte folglich ausbleiben, puh. Die Verarbeitung des Gerätes wirkt solide. Allerdings irritieren die Beschriftung und die Verwendung des Stereo/Mono-Schalters. In Mono-Stellung produziert das Gerät ein Stereo-Signal.

Der Vertrieb begründet dies folgendermaßen: Das Wort „Mono“ unter dem Kippschalter informiere nicht etwa über die Reglerstellung, sondern es handle sich lediglich um die Regler-Beschriftung. Darüber hinaus werden im Mono-Betrieb bei diesem Gerät nicht etwa der linke und rechte Kanal summiert, sondern es wird ausschließlich der linke Kanal auf beide Ohrmuscheln gegeben. Diese Funktion soll laut Vertrieb von Rundfunk- und Mess-Technikern sowie von Musikern angefragt worden sein.

Nicht verwirren lassen. Das hier ist Stereobetrieb, nicht mono!

Klanglich, tja, hat man so ein Ding erst einmal, wird man es wohl sehr ungern wieder hergeben wollen. Wer über die Jahre etwas kurzsichtig geworden ist, so -1 Dioptrie, hat die Unschärfe wahrscheinlich erst nur unterschwellig bemerkt. Beim Sehtest ist sie dann deutlich aufgefallen. Nun bekommt man eine neue Brille und – ah, was ist das? Diese Schärfe und Räumlichkeit, Wahnsinn! Auf einmal wird auch klar, wie unsicher man sich zuvor bewegt hat.

Ein ähnlicher Effekt wie beim Optiker des Vertrauens entsteht beim Lehmann Studio Cube: Das Signal ist schlichtweg höher aufgelöst, transparenter und räumlicher – mit diesen Begriffen lässt sich der Klang im Vergleich zum RME-Multiface-Kopfhörerverstärker-Sound, der ja nicht einmal so übel ist, wohl am besten umschreiben. Extrem sauber und tight klingt der Bass. Auch können Lautstärkeverhältnisse und Panorama-Positionen besser beurteilt werden. Eine Monokick, die aus der Phantom-Mitte kommen soll, kommt jetzt auch endlich mal wirklich aus der Mitte!

Ungleiche Gegner: Lehmann extern gegen RME HDSP intern

Wer nicht total taub ist oder werden will, kann den internen High-Gain-Jumper getrost in Ruhe lassen. An einem alten Beyer DT990 Pro mit wohlgemerkt sehr hoher 500-Ohm-Impedanz kommt man nahe an die Schmerzgrenze – mit einem neueren DT770 (250 Ohm) weit darüber. Ein voll aufgedrehter Lautstärkeregler produziert keine hörbaren Verzerrungen – sehr schön!

ANZEIGE
Fazit

Mit dem etwas unorthodoxen Mono-Schalter kann man sicher leben. Ansonsten handelt es sich um ein Gerät von höchstem, gemeinhin völlig unterschätztem Nutzwert. Der Lehmann klingt ausgezeichnet und erhält die Endnote „hervorragend“.

Plus

  • extrem guter Sound
  • niedriger Preis
  • mehrere Groundlifts
  • gute deutsche Bedienungsanleitung

Minus

  • Mono-Betrieb umfasst nur linken Kanal
  • "Mono"-Beschriftung irreführend
  • Jumper-Verwendung umständlich

Preis

  • UVP: 399,- Euro
  • Straßenpreis: 349,- Euro
ANZEIGE
Forum
  1. Profilbild
    Lopez  

    Hmm, lt. eurer Bestenliste ist der „Lake People G92“ anscheinend aber besser – und günstiger. Ist das wirklich so?

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE