Test: Lexicon MX400, Effektgerät

16. Juli 2018

Effekte in Surround

lexicon mx400

Vorwort

Neben dem Lexicon MX200, dass wir euch kürzlich vorgestellt haben, bietet Lexicon auch noch das Multi-Effektgerät MX400 an. Auch dieses gehört mittlerweile zu den Klassikern, ist es doch bereits rund 12 Jahre erhältlich. Wenn auch die meisten Nutzer mittlerweile mit Plug-ins arbeiten, gibt es doch etliche Hardware-Freunde, die lieber echten Direktzugriff nutzen, anstatt mit Maus und Tastatur Parameter einzustellen. Und im Live-Segment kommen die Lexicon Hardware-Geräte ohnehin noch regelmäßig zum Einsatz. Daher ab zum Test des Lexicon MX400.

Lexicon MX400

In alter Tradition baut der renommierte Hersteller Lexicon weiterhin echte Hardware, bietet aber wie viele andere Hersteller auch Software-Lösungen an. Auch wenn es inzwischen PCM und LXP-Algorithmen als Plug-ins gibt, sind für manche User Hardware-Effekte mit direktem Zugriff noch immer spannend.

lexicon mx400

Der Aufbau des Dual-FX Gerätes Lexicon MX400 ist vollkommen anders als das des kleinen Bruders MX200. Es stehen zwei identische FX-Prozessoren zur Verfügung, die in vier Strukturen (Seriell, Parallel, Dual-Mono und Dual-Mono-Send/Stereo Out) verschaltbar sind. Jeder der beiden Prozessoren verfügt über eine große Zahl an hochwertigen Algorithmen, die jeweils mit zahlreichen Parametern den Bedürfnissen angepasst werden können. Die drei wichtigsten Parameter sind als weitere Bedienelemente ausgeführt. Dies ermöglicht eine sehr direkte und schnelle Bedienung, da man nicht durch Menüs steppen muss, sondern alles sofort von der Front bedienbar ist. Zusätzlich kann man aber über das Display alle Effekte bis ins Detail an seine Bedürfnisse anpassen. Audition-Samples wie beim MX200 sind hier nicht zu finden.

Das MX400 ist mit Klinkenbuchsen ausgestattet, während das Schwestermodell MX400XL mit XLR-Buchsen aufwarten kann.

lexicon mx400

Effekte des Lexicon MX400

Die Qualität der Effekt-Algorithmen ist mit den bekannten MX-Geräten vergleichbar, bewegt sich also auf MX200 Niveau. Während dies vor allem für Live und ambitioniertes Homerecording vollkommen ausreichend ist, werden anspruchsvolle Toningenieure doch eher zu einem PCM91 greifen. Dies trifft vor allem für den Hall zu, die Modulationseffekte können auch Profis voll überzeugen.

Die Hallqualität übertrifft dennoch sämtliche anderen Effektgeräte dieser Preisklasse und kann sich dadurch sehr positiv absetzen. Im Vergleich zu den günstigeren Geräten klingen die Räume ausgewogener und ‚runder‘, wenngleich auch andere Hersteller eine Berechtigung in diesem Preissegment haben.

 

lexicon mx400

 

Praxiseinsatz des Lexicon MX400

Schade, dass es keinen ADAT I/O gibt. Denn um das MX400 digital in eine DAW einzubinden, benötigt man zwei S/PDIF-Anschlüsse. Der Klang der Wandler und die Verarbeitung des Gerätes sind sehr gut. Das grafikfähige Display lässt eine schnelle und komfortable Bedienung zu. Auch die internen Presets sind allesamt praxistauglich programmiert und bilden einen guten Querschnitt über Effektprogramme, die täglich gebraucht werden. Gerade der Surround-Hall könnte bei Live-Veranstaltungen oder auch bei Kunst-Installationen sicher ‚effektiv‘ eingesetzt werden. Bei der Einbindung in ein 5.1 Setup muss man allerdings den Center-Kanal und den Sub-Kanal extra routen, da das MX400 ja nur vier Ausgänge hat.

lexicon mx400

Fazit

Mit geglücktem Hall und exzellenten Modulationseffekten ist Lexicon in der MX-Klasse auch mit dem MX400 „State-Of-The-Art“. Dank zwei identischer Effekt-Blöcke, Surround-Hall und vier Routings sind neben klassischen Effekten auch ungewöhnliche Verschaltungen möglich. Somit ist das MX400 für Live und Studiobetrieb nicht nur Homerecordlern zu empfehlen, sondern auch wegen der guten Modulationseffekte dem geneigten Profi. Die ursprünglich angebotene Plugin-Integration ist heute zu vernachlässigen und war eh von Lexicon sehr stiefmütterlich implementiert worden.
Alles in allem dürfte der MX400 auch heute noch für Projektstudios interessant sein, die einen direkten Zugriff lieben und/oder einen Effektprozessor mit direktem Zugriff, auch live integrieren möchten.

Plus

  • sehr gute Modulationseffekte
  • Surround-Hall
  • guter, Lexicon-typischer Hall
  • zwei Prozessoren
  • zwei S/PDIF I/Os

Minus

  • Plugin-Einbindung heute kaum mehr möglich

Preis

  • Ladenpreis: 279,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    interessanter Bericht.

    Von den Klangbeispielen her finde ich den Hall nicht so überzeugend ( zu offen und dünn)

    erinnert mich an die MPX100,200 Klasse

    mich hätte mal interssiert, wie der Hall im Vergleich zum Lexicon MPX 500 bzw 550 abschneidet….?

    Der Klang ist aus meiner Sicht deutlich besser, als ich es einst angetestet habe.

    Wie sieht es mit der Parametervielfalt aus. Ähnlich viele wie beim MPX550 oder eher wenig wie beim MX200?

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo Boris,

    die Algorithmen der Lexicon MPX und MX Geräte sind alle nahezu identisch. Jedoch bieten die teureren Geräte mehr Parameter an, die man verändern kann. Im MX400 kann man -wie auch im 550- sämtliche Parameter justieren. Die Klangbeispiele sind mit den Presets des MX400 gemacht, da kannst Du sicherlich noch etwas rausholen.

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    AMAZONA Archiv

    Hi Torsten!

    also dass alle MPX Geräte den gleichen Sound/Algorithmen haben kann wohl kaum sein…

    der MPX100(hatte ich selber mal) zum Beispiel ist relativ flattrig, besonders im Aufbau des Halls …
    eigentlich ein schlecht klingendes Gerät aus meiner Sicht!

    Ich habe jetzt ein paar IRs vom mpx500 runtergeladen und das klingt deutlich dichter und "echter" als der Sound des MPX-100, den ich hatte…
    Besonders die Inverse Programme bauen sehr schnell an Dichte auf und sind somit deutlich professioneller!

    Der Autor dieses Reviews beschreibt dies auch und nennt den Klang vom MPX550 näher am PCM90 als am MPX100.

    http://www.....mpx550.asp

    Offensichtlich werden verschiedene Lexichips verbaut und die besseren erzeugen mehr Dichte und Reflexionen. Auch wenn wohl die Algorithmen von der Basis her ähnlich sind.

    Sorry wollte jetzt nicht als Klugscheisser rüberkommen.

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    AMAZONA Archiv

    @ Boris

    auch falls die MX/MPX-Algorithmen nicht komplett identisch sein sollten, so befinden sie sich aber alle auf einem Qualitätsniveau. Gegenüber den meisten Herstellern kann sich Lexion dadurch einfach sehr positiv absetzen. Vergleicht man aber die MX und MPX Geräte mit den großen PCM, 300, 480 und 960 auf klanglicher Ebene, so wird einem der Preisunterschied schnell bewußt. MX und MPX sind nunmal für den Homerecording-Markt entwickelt worden. Und was Algorithmen angeht: Die Rechenvorschrift ist eine Sache, die Umsetzung der Parameter eines Presets eine andere…!

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich habe beide das MPX550 und das MX400 sowie das MX200

    MX200: zuwenig einstellmöglichkeiten, Gerät läuft immer in 2 Engine Konfiguration und hat dadurch recht wenig dsp power zu verfügung deswegen klanglich nicht so toll. Würde sich die Engine in true Stereo setzen wäre der hall warscheinlich auch besser.

    MX400: Es lassen sich die DSP´s zu einer Stereo Engine koppeln, in dieser Konfiguration ist der Hall sehr brauchbar! in Dual Stereo finde ich ihn nicht ganz so toll und muss sagen, das der vom MPX550 mir doch teilweise besser gefällt (nur auf die Presets bezogen) evt. kann man da aber noch was rausholen beim editieren. Nachteil: Menüs sind verschachtelt (wenn auch einfach) und MIDICONTRLLER Nr. sind fest vorgegeben und nicht konfigurierbar (Leider)

    MPX550: Finde ich klasse da 1. Midicontroller sind frei zuweisbar und nicht vorgegeben. Und der Klang ist auch sehr schön. Bedienung finde ich auch übersichtlicher da keine verschatelten Menüs.

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      mb-music  

      Andreas schrieb: „MX400: Es lassen sich die DSP´s zu einer Stereo Engine koppeln, in dieser Konfiguration ist der Hall sehr brauchbar! in Dual Stereo finde ich ihn nicht ganz so toll“

      Das entspricht nicht ganz den Tatsachen.

      Im Stereo Mode kann man bis zu zwei Effekte nutzen, die jeweils eine halbe Rechenleistung des Geräts verbrauchen. Also z.B. Stereo-Compressor und Stereo-Reverb in Serie. In diesem Mode werden nur die Ein- und Ausgänge „A“ genutzt. L+R analog oder digital.

      Im Dual Stereo Mode wird die Rechenleistung auf zwei Anschlussstränge „A“ und „B“ aufgeteilt. Hier hat man die Wahl: Einen Effekt mit halber Rechenleistung pro Anschlussstrang oder zwei Effekt mit jeweils 1/4-Rechenleistung. Die sparsameren Algorithmen haben weniger Parameter und können an Qualität verlieren. Compressor wird z.B. zu mono, und es können keine Attack, Release und Knee mehr geregelt werden. Die sparsamen Reverbs mit ihren 3 Parametern funktionieren ganz gut. Wenn man pro Strang aber nur einen Effekt wählt, dann bekommt man in jedem der beiden Stränge einen vollwertigen Reverb mit bis zu 12 Parametern.

      Abgesehen von spezifischen Parametern lassen sich pro Effekt immer Wet/Dry-Verhältnisse einstellen.

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    Coin  AHU

    Hallo, hab da mal ne Frage,
    ein Freund hat sich das MX200 gekauft und will es an einem Behringer Xenyx X1222USB Mixer, über die AUX-Send Kanäle betreiben.
    Leider hat das Behringer nur Mono Send-Kanäle.
    Nun suche ich für ihn einen Mixer, der Stereo Send-Kanäle bietet,
    kann aber keinen finden.
    Das ist gar nicht so leicht zu ergoogeln.
    Also kann jemand einen Mixer mit Stereo Sends empfehlen ?
    (12 – 14 Kanäle wären optimal)
    Danke für den Test.

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      TobyB  RED

      AH ZED 10/12/14/16 . Kommt dann in den Master Insert. Musst dann noch ein Insert Kabel in Stereo kaufen.

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      Ruhestörung

      Moin Coin ;)

      habe mir vor einiger Zeit das Alto Live 1604 zugelegt. Das Teil hat 4 Send-Kanäle + 4 Sub Groups + Master Insert.
      Mein MX400 hängt an den Sub Groups, nicht an den Sends. Das hat zwar den Nachteil, dass ich zwei Stereo Kanäle als Returns benötige, aber auch den Vorteil, dass ich dann noch einen kompletten Channel Strip zur Sound Bearbeitung des Return-Signals habe :)

      D.h.:, mit dem Alto Live hast Du 2 Stereo Sends + 2 Stereo Groups (kann man mit guten Willen als Insert verwenden) + 1 x Master Insert und 8 individuelle Inserts.

      Nettes Teil für den Preis (um die 400 Goldtaler zur Zeit)

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    mb-music  

    Ein Zitat aus dem Artikel:

    „Die Qualität der Effekt-Algorithmen ist mit den bekannten MX-Geräten vergleichbar, bewegt sich also auf MX200 Niveau.“

    Man kann die Qualität rein subjektiv zwar unterschiedlich beurteilen und auf die Schnelle keine großen Unterschiede festellen. Fakt ist aber, dass

    1. der MX400 die doppelte Rechenleistung mit sich bringt und diese nach Wunsch auch bei einzelnen Effekten im Vergleich zum MX200. So sind dann z.B. auch zwei Stereo-Kompressoren möglich, was der MX200 nicht liefern kann. Aber auch bei Reverbs und Delays und weiteren Effekten steht die doppelte Rechenleistung zur Verfügung, und zwar – wie gesagt – nach Wunsch auch für einzelne Effekte, nicht nur in der Summe. Es sind also doppelt rechenintensive Algorithmen drin. Der Faktor 2 wird vielleicht nicht immer voll ausgeschöpft sein, es sind aber nun mal zwei statt einem AudioDNA-Chips verbaut, und die doppelte Rechenleistung steht nach Wunsch auch bei einzelnen Effekten zur Verfügung. Nach Wunsch deshalb, weil man je nach Konfiguration auch die sparsameren Algorithmen wie im MX200 nutzen kann. Dann geht auch das Doppelte an der Zahl, sprich bis zu 4 Effekte gleichzeitig.

    • Profilbild
      mb-music  

      2. die Algorithmen mit doppelter Rechenleistung bieten auch mehr Parameter zum Einstellen an, und das fällt für mich ebenfalls in den Bereich Qualität, wenn ich Effekte viel detaillierter einstellen kann, so dass man sie den Anforderungen besser anpassen kann. Einfach sich mal die Tabellen mit Parametern im Manual anschauen. Oder z.B. hier:
      http://mic.....ts_eco.png
      http://mic.....s_full.png
      „Eco“ sind die sparsameren teil-parametrisierten Algorithmen, die jeweils 1/2 Leistung eines AudioDNA-Chips verbrauchen.
      „Full“ sind die „vollen“ voll-parametrisierten Algorithmen, die jeweils 1/1 Leistung eines AudioDNA-Chips verbrauchen.
      Ein MX300 ist z.B. ein halber MX400 und hat nur einen AudioDNA-Chip verbaut, ermöglicht aber auch den Einsatz von „Full“-Algorithmen.
      Beim MX200 sind stets zwei „Eco“-Algorithmen aktiv. „Full“-Algorithmen nicht möglich.

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    mb-music  

    2. die Algorithmen mit doppelter Rechenleistung bieten auch mehr Parameter zum Einstellen an, und das fällt für mich ebenfalls in den Bereich Qualität, wenn ich Effekte viel detaillierter einstellen kann, so dass man sie den Anforderungen besser anpassen kann. Einfach sich mal die Tabellen mit Parametern im Manual anschauen. Oder z.B. hier:
    http://mic.....ts_eco.png
    http://mic.....s_full.png
    „Eco“ sind die sparsameren teil-parametrisierten Algorithmen, die jeweils 1/2 Leistung eines AudioDNA-Chips verbrauchen.
    „Full“ sind die „vollen“ voll-parametrisierten Algorithmen, die jeweils 1/1 Leistung eines AudioDNA-Chips verbrauchen.
    Ein MX300 ist z.B. ein halber MX400 und hat nur einen AudioDNA-Chip verbaut, ermöglicht aber auch den Einsatz von „Full“-Algorithmen.
    Beim MX200 sind stets zwei „Eco“-Algorithmen aktiv. „Full“-Algorithmen nicht möglich.

  9. Profilbild
    Tyrell  RED

    Ich benutze die alten Hardware-Effelte von TC und Lexicon (aus dem Low-Budget-Bereich) wirklich gerne im Studio. Da stehen die Teile direkt neben meinen Vintage-Synths. Ein Jupiter 4 durch ein Delay gejagt, klingt eben gleich ganz anders. Und da will man halt nicht mit der Maus irgendwelche Delayzeiten einstellen, sondern beim Spielen einfach den Effekt verstellen bis er passt. Genau das klappt mit dem MPX hervorragend :-)

    • Profilbild
      mb-music  

      Auf analogen Synthesizern wie Jupiter klingt m.E. der „Drum Plate“-Algorithmus sehr gut. Und weil der MX400 mindestens zwei Effekte gleichzeitig berechnen kann, kann man einen der Delay-Algorithmen mit dazu nehmen, ohne ein weiteres Gerät dafür zu benötigen.
      Man kann mit dem MX400 auch zwei Stereo-Signale gleichzeitig mit unterschiedlichen Effekten bearbeiten. Entweder jeweils mit einem voll-parametrisierten Effekt, der jeweils die Leistung eines kompletten AudioDNA-Chips in Anspruch nimmt, oder mit jeweils zwei teil-parametrisierten Effekten, die jeweils die Leistung eines halben AudioDNA-Chips in Anspruch nehmen. Mit zwei AudioDNA-Chips sind somit bis zu 4 Effekte gleichzeitig möglich, oder einmal Surround-Reverb, wer so etwas braucht.
      Manche Effekt-Algorithmen mischen das Stereo-Einganssignal zu mono. Hier sollte man „aufpassen“ und genauer hinschauen bzw. hinhören. Bei Audiosignalen, die im Ursprung sowieso mono sind, ist das natürlich egal, es sei denn es handelt sich bereits um eine im Stereo-Panorama verteilte Mischung aus solchen Signalen. Dann sollte man genauer schauen, ob das Zusammenmischen zu Mono am Eingang des Effekts für einen ok oder nicht ok ist. Ein monophoner Kompressor gibt natürlich auch am Ausgang ein monophones Audiosignal aus.

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