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Test: Lindell Audio 503, 6X-500, API 500 Rack und Preamp

30. November 2020

Schwedische Qualität zum guten Preis

Lindell Audio 503 6X-500 rack preamp test

Lindell Audio 503, 6X-500, API 500 Rack und Preamp

Heute liefert mir der deutsche Lindell Audio Vertrieb einen ganzen Karton Gerätschaften an. Neben dem System-500 Rack mit drei Slots ist ein Preamp, ein Kompressor und ein Equalizer mit im Paket. Zusammengeschraubt ergibt das einen schnörkellosen, kompakten Channelstrip. Da das Gesamtsystem etwas zu umfangreich für einen Test wird, haben wir uns für eine Aufteilung in zwei Folgen entschlossen. Hier nun Teil 1 mit dem Rack und dem Preamp.

Über Lindell Audio

Die noch junge Firma wurde erst 2010 vom Namensgeber Tobias Lindell gegründet, einem der bekanntesten schwedischen Produzenten. Ziel war es, Geräte zu entwickeln, die sich zwar klassisches Audio-Gear zum Vorbild nehmen, aber sich dem Workflow des Produzenten und Toningenieurs anpassen. So ist Lindell kein typischer Kloner, denn hier finden auch immer eigene Ideen Zugang ins Layout. Bei der Gestaltung stand sehr gute Audioqualität zu günstigen Preisen im Fokus. Dafür wählt Lindell vorwiegend das System-500 Format, es werden aber auch einige 19“-Geräte angeboten. Inzwischen sind unter der Marke Lindell Plugins, die hier vorgestellten Module sowie noch einige andere Klassiker in der Software-Version erschienen. Lindell bleibt also umtriebig.

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Lindell 503 Power

Das 503 ist ein System-500 Rack, das drei Slots beherbergt. Auch Racks für sechs und 10 Einschübe werden vom schwedischen Hersteller angeboten. Die kleine Variante hat natürlich Platz- und Transportvorteile, wenn wirklich nicht mehr Module vorgesehen sind. Zudem ist das 503 mit einem internen Netzteil versehen, während bei den größeren Exemplaren eine externe Stromversorgung beiliegt.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

3 Slots in Alu

Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt, seitlich und oben ist eine leichte Wölbung eingeformt, was dem Rack eine sehr gefällige Formgebung verschafft. Unten sorgen vier Gummifüße für Rutschfestigkeit.

Die Rückseite bietet einen XLR-Ein- und Ausgang pro Kanal. Die Kontakte der Buchsen sind vergoldet und von ordentlicher Qualität. Einen Feed-Switch, der die Slots intern verbinden kann, findet sich beim 503 leider nicht, dieses Feature ist den beiden größeren Racks vorbehalten.

Das interne Universalnetzteil kann mit Spannungen von 90 bis 250 Volt betrieben werden. Der Power-Schalter bildet mit Kaltgerätestecker und Sicherungshalter eine Einheit. Pro Slot werden hier 800 mA zur Verfügung gestellt. Damit lassen sich auch stromhungrige Module sicher betreiben. In den von API vorgesehenen Spezifikationen ist eine Stromaufnahme von 130 mA verzeichnet, d. h. beim 503 sind wir in dem Punkt auf der sicheren Seite.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Die übersichtliche Rückseite

Da gerade der Name API fällt: Der amerikanische Audio-Pionier hat das Format erfunden, weswegen das Format auch als API 500 System bezeichnet wird.

Durch seine handlichen Maße von ca. 14,6 x 12,5 x 20,5 cm bietet sich das 503 Rack natürlich optimal zum Transport an. Und hier hat Lindell fein mitgedacht, ein Gigbag aus Neopren ist bereits im Lieferumfang enthalten.

Lindell 6X-500 Vorverstärker

Der 6X-500 ist ein einkanaliger Preamp, der eine Verstärkung von 65 dB liefert und mit Trafosymmetrierung im Ein- und Ausgang ausgestattet ist. Hier hat Lindell eigene Trafos mit den Bezeichnungen LXO-056 und LXO-045 verbaut.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Der 6X-500 Preamp

Der Pegel wird mit Gain für den Eingang und Output für den Ausgang eingestellt. Die bronzefarbene Frontplatte sieht schick aus, die weiße Schrift darauf ist aber bei entsprechendem Lichteinfall schwer abzulesen.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Wer schön sein will, muss leiden …

Die schwarzen Potis sind griffig und laufen angenehm sahnig. Diese sind ungerastert und liefern keine genaue Werteangabe, sondern die Skala ist jeweils von 0 – 10 unterteilt. Eine 5-pegelige Aussteuerungsanzeige liegt hinter dem Ausgang. Durch eine grüne Power-LED wird die Betriebsbereitschaft angezeigt.

Eine Besonderheit ist der integrierte Equalizer für Bässe und Höhen. Er ist nach dem klassischen passiven Pultec Design aufgebaut und bietet eine Frequenzanhebung von 15 dB. Je Kanal stehen drei Festfrequenzen zur Verfügung, 30, 60 und 100 Hz für die Bässe, 6, 10 und 16 kHz für die Höhen.

Der EQ kann in Gänze ein- und ausgeschaltet werden, das ergibt zusammen mit den Tastern für Polarität und 48 Volt Phantomspeisung eine Lichterkette in den Ampelfarben grün, gelb und rot.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Die Druckschalter sind beleuchtet

Einen Instrumenteneingang bietet der 6X-500 leider nicht, der wäre auch schwerlich beim reduzierten Platz auf der Frontplatte und dem vollgepackten Inneren unterzubringen.

Zwei Optionen kann der 6X-500 noch bieten: So lässt sich der Q-Faktor des Höhenreglers mit einem DIP-Schalter auf der Leiterplatte anpassen. Wichtiger ist sicher die Option, den gesockelten Operationsverstärker Typ 990 gegen den „Vintage OPA“ 2520 tauschen zu können, damit wird der 6X-500 nachträglich zum 6X-500 VIN.

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Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Der Operationsverstärker kann getauscht werden

Das Modul ist nicht gekapselt, aber immerhin ist auf der linken Seite ein Abschirmblech angebracht. Die Vorstellung des Kompressors 7X-500 und des Equalizers PEX-500VIN heben wir uns für den zweiten Teil auf und gehen nun über zum Praxisteil.

Praxis: 6X-500 Preamp im 503 API500-Rack

Für den Praxisteil wird der 6X-500 in das 503 Power Rack geschraubt. Die Kontaktleiste sitzt hier recht straff, es muss schon etwas Druck ausgeübt werden, damit das Modul einrastet. Das geht bei meinem eigenen Hertitage Rack etwas leichter.

Gegenüber diesem bietet das Lindell 503 einige Vorzüge. So ist das Netzteil intern verbaut, was gerade im mobilen Betrieb einen Vorteil darstellt. Wer dadurch eventuell Einstreuungen befürchtet, ich konnte über den gesamten Testzeitrahmen, auch mit Fremdmodulen, nichts dergleichen wahrnehmen. Praktisch auch die mitgelieferte Neopren-Tasche. Für mein eigenes Heritage OST-4 versuche ich schon einige Zeit eine passende Transportmöglichkeit aus dem Kamerabereich zu finden. Also, prima Idee.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Die Handtasche ist dabei

Sehr wertig wirkt auch das verwendete Gehäusematerial, gebürstetes Alu, hier wird bei der Konkurrenz meist einfaches Stahlblech verwendet. Die Materialdicke und die abgerundeten Seiten führen aber dazu, dass das 503 nicht mehr auf 3 HE im Rack unterzubringen ist.

Lindell Audio 503 Power, 6X-500 Preamp

Höhenvergleich 503 und ein typisches API 500 Rack

Zum Hörtest wird das Rack nun mit dem Lindell Preamp bestückt, als Vergleich wird ein Cranborne Camden 500 mit hinzugezogen, der sich auch preislich in derselben Liga befindet.

Lindell beschreibt den Preamp selbst als „fast“, „punchy“ und „in ya face“. Der Camden ist der Grundeinstellung als sehr neutral über das gesamte Frequenzspektrum zu werten.

Das macht sich auch gleich beim ersten Gesangstest bemerkbar, während der Camden 500 in den Höhen sehr offen klingt, nimmt sich der 6X-500 hier etwas zurück. Dafür drückt er in den Mitten deutlich mehr, hier ist der Einfluss der Trafosymmetrierung zu hören.

Nun interessiert mich, ob es einen Unterschied macht, ob der Eingangs- oder der Ausgangsverstärker beim Lindell höher angefahren wird. Der offenere Sound wird mit maximalem Input-Gain erzielt, wird der umgekehrte Weg gewählt nimmt sich der Preamp im höheren Bereich zurück, dafür treten aber die prägenden Mitten mehr ins Klanggeschehen ein. Der Sound wird intimer und rückt näher an den Hörer heran. Hier lässt sich also schön mit Soundnuancen spielen. Als nächstes versuche ich den Sound des Lindell mit dem Cranborne Preamp zu kopieren. Da der Camden die Mojo Schaltung anbietet, die harmonische Verzerrungen erzeugt, gelingt das auch recht gut. Mit 50 % Mojo in der Cream-Position lassen sich die beiden Sounds ganz gut annähern.

Was der Camden aber definitiv nicht zu bieten hat, ist der zweibändige EQ. Die Frequenzen sind bei den beiden Bändern nicht frei wählbar, ich entscheide mich für Gesang für 100 Hz und 6 kHz. Der EQ klingt sehr musikalisch und macht das Signal plastischer und holt es weiter nach vorn. Dabei dürfen, gerade mit dem High-EQ, durchaus auch höhere Anhebungen in Betracht gezogen werden, der Klang wird nie unnatürlich. Auch mit der Akustikgitarre klingt die Sache prima, hier kann mit 10 kHz ein schöner, edler Schimmer auf das Signal gesetzt werden.

https://www.amazona.de/test-cranborne-audio-camden-500-api500-mikrofonvorverstaerker/

Zwei ungleiche Gesellen, beide gut!

Etwas schwieriger ist der Low-EQ einzusetzen. Bei Stimme und Gitarre sind eigentlich nur die 100 Hz zielführend, 30 und 60 Hz sind einfach zu tief. Mit einem zusätzlichen Low-Cut wäre hier evtl. noch etwas zu machen. Oder aber die Frequenzen anders setzen, z. B. bei 45, 90 und 120 Hz.

Das ändert sich, als ich einige Drumbeats zuspiele. Das funktioniert mit dem MacBook über einen ART DTI Transformer prima, hier ist sogar noch etwas Spiel mit dem Gain möglich. Nun lässt sich mit den 60 Hz ganz wunderbar die Kick unterstützen, bei elektronischen Beats macht die 30 Hz Schalterstellung mächtig Dampf. Für HiHats und Shaker ist der High-EQ eine willkommene Gelegenheit, hier Glanzlichter zu setzen.

Da der 6X-500 Line-Signale so gut verträgt, probiere ich über eine DI nun auch noch, einen Bass einzuspielen. Das funktioniert, also schließe ich zum Vergleich noch den Warm Audio WA73-EQ über seinen Instrumenteneingang mit an. Hier kann der 6X-500 gut mithalten. Er klingt ein wenig drahtiger, bringt das Instrument aber schön zur Geltung. Auch hier lässt sich der EQ wieder gewinnbringend einsetzen.

Also ist der Microphone-Preamp, auch ohne direkte Umschaltung und Eingangsbuchsen, auch für Line und Instruments tauglich, was auch den Nutzen des sehr musikalischen EQs nochmals erhöht.

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Fazit

Mit dem 503 Power Rack in der ungewöhnlichen 3-Slot-Größe und internem Netzteil bietet Lindell Audio eine gut verarbeitete Alternative gerade für den transportablen Einsatz. Die praktische Transporttasche ist ebenfalls für diesen Einsatz vorgesehen. Mit den 800 mA Power pro Einschub ist es für alle Eventualitäten gerüstet.

Der 6X-500 Preamp bietet einen eigenständigen, gut einsetzbaren Grundsound, der durch die beiden Trafos geprägt ist. Der einfach zu bedienende EQ im Pultec Style trägt ein weiteres dazu bei, den Preamp, auch mit Line-Signalen und Instrumenten universell einsetzbar zu gestalten.

Überraschend auch die Preise, die Lindell aufruft. Gute Audioqualität zum günstigen Kurs, Mission erfüllt.

Plus

  • 503 Power:
  • praktiksches Format
  • gute Verarbeitung
  • internes Netzteil
  • hohe Leistungsversorgung
  • Transporttasche
  • günstiger Preis
  • 6X-500:
  • gute Audioqualität
  • direkter, eigener Sound
  • sehr musikalischer EQ
  • wertige Verarbeitung und Bedienung
  • flexibel einsetzbar
  • günstiger Preis

Minus

  • 6X-500: Frontpanel schlecht ablesbar

Preis

  • 503 Power: 311,- Euro
  • 6X-500: 369,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    swift  

    Danke für den Test. Lindell ist zumindest etwas günstiger als der 500er Durchschnitt. Vielleicht könnt ihr euch auch mal deren EQs und Kompressoren ansehen.

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