Test: Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN, API 500 Kompressor/Equalizer

14. Dezember 2020

Zwei schwedische Goodies von Lindell

lindel audio 7x 500 pex500 test

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN, API 500 Kompressor/Equalizer

Nachdem wir im ersten Teil das handliche Rack 503 Power und den Preamp 6X-500 besprochen und für gut befunden haben, wollen wir uns nun den Kompressor 7X-500 und den Equalizer PEX-500VIN von Lindell Audio näher anschauen und alle Geräte als Channelstrip bewerten.

Lindell Audio 7X-500

Der 7X-500 ist ein FET Style Kompressor. Die Farbe der Front, ebenso wie die der Potiknöpfe und Schalter, ist identisch zum 6X-500. Auch eine Power-LED ist vorhanden. Ungewöhnlich bei einem System-500 Modul ist die riesige Aussteuerungsanzeige mit 20 LEDs, mit der die Pegelreduktion angezeigt wird.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Der Lindell 7X-500 Compressor

Man sieht es dem 7X-500 auf Anhieb nicht an, aber hier haben wir es mit einer weiteren Version eines der berühmtesten Kompressor-Layouts zu tun, dem Universal Audio 1176. Dabei ist es Lindell gelungen, auf dem sehr begrenzten Platz tatsächlich noch einige Neuerungen unterzubringen.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Das Original – hier als UAD Software

Aber beginnen wir zunächst mit den üblichen Zutaten. Wie beim Original wird die Stärke der Kompression mit dem Input Poti gesteuert; der Output gleicht den reduzierten Pegel wieder aus. Die Ratio wird mit einem Dreiweg Schalter in 4:1, 12:1 und 100:1 geschaltet. Das ist eine Reduktion gegenüber dem Original, da stehen vier Kompressionsstufen plus dem berühmte All-Button-Trick zur Verfügung. Dieser dürfte beim 7X-500 in der 100:1 Schaltstufe abrufbar sein.

Attack und Release, beim 1176 stufenlos einstellbar, sind beim Lindell auch in drei Zuständen schaltbar, die praxisbezogen schlicht mit Slow, Med und Fast beschriftet sind.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Die Frontansicht

Nun kommen wir zu den Besonderheiten. Lindell Audio hat dem 7X-500 einen Mix-Regler spendiert, mit dem sich stufenlos eine Parallel-Kompression einstellen lässt. Auch der Sidechain HighPass Filter, der tiefe Signale entweder bis 100 oder 300 Hz unbearbeitet lässt, ist so im Original nicht zu finden. Der Filter ist natürlich auch zu deaktivieren, wie auch der gesamte Kompressor mit einem True Bypass aus dem Signalweg genommen werden kann.

Der Ausgang ist Trafo symmetriert, auch hier sitzt wieder der hauseigene LXO-056. Wie auch bei seinem Preamp Kollegen lässt sich der 7X-500 nachträglich mit dem Vintage OPA in einen 7X-500VIN verwandeln, die besser ablesbare schwarze Front der VIN-Serie erhält er damit aber nicht.

Lindell Audio PEX-500VIN

Der Equalizer betritt diesmal gleich in der Vintage Edition mit dem entsprechenden Operationsverstärker das Testlabor. Schalter und Potis entsprechen der Standardversion, nur die Frontplatte ist bei dieser Serie in einem viel besser ablesbaren schwarz lackiert.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Die VIN Serie kommt im neutralen schwarz

Mit dem PEX-500VIN nimmt sich Lindell Audio einen weiteren Studioklassiker vor und presst ihn ins System 500-Korsett. Die Rede ist vom Pultec EQP-1A, einem passiven Röhren EQ.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Der EQP-1A, hier als Software

Röhren hat der PEX-500VIN natürlich nicht an Bord, dass aber auch ohne dieses Feature ein authentischer Pultec Sound erzeugt werden kann, konnte vor einiger Zeit mein Test des Wes Audio Prometheus belegen.

Wie das Original bietet der PEX-500 VIN drei Bänder. Der Höhenbereich kann in den drei Frequenzen 10, 15 oder 20 kHz abgesenkt werden. Hier kopiert Lindell nicht sklavisch, das Original aus den 50ern arbeitet hier mit 5, 10 und 20 kHz.

Auch das Hi/Mid-Band ist anders ausgelegt. Da Lindell konsequent mit dreistufigen Schaltern arbeitet, sind hier aus den sieben Stufen des EQP-1A 6, 10 und 16 kHz über geblieben. Dieses Band bietet eine Verstärkung und lässt sich in der Güte regeln.

Das am spezifischsten ausgelegte Band beim Pultec Design sind die Tiefen. Hier lässt sich die ausgewählte Frequenz, beim PEX-500VIN 30,60 und 100 Hz, sowohl anheben, wie auch absenken. Hier hat Lindell fast die originalen Werte übernommen, allein die 20 Hz fehlen. Inwieweit Lindell die originalen Pegelbeeinflussungen übernommen hat, lässt sich anhand eines fehlenden Handbuchs nicht überprüfen.

Der EQ lässt sich in Gänze deaktivieren. Sowohl Ein- wie auch Ausgang sind mit einem Trafo bestückt, auch hier begegnen wir wieder dem Ausgangsübertrager LXO-056, im Eingang sitzt ein LXO-046.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Schön zu sehen, die beiden Trafos

Lindell 7X-500 und PEX-500 VIN – technische Daten

Hier muss ich leider passen. Auf der Lindell-Seite steht nur eine Bedienungsanleitung für den 7X-500 bereit. Da ist der Eintrag der Spezifikationen mit „Preliminary“ überstempelt und somit nur teilweise lesbar. Für den PEX-500, Standard oder VIN ist gar keine Anleitung verfügbar.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Die Infos

Da die Module seit 2012 im Handel sind und inzwischen in der Rev.2 vorliege, wäre das evtl. mal zu aktualisieren. Auch ein Vergleich zwischen den Standard Modulen und der VIN Serie wäre so leichter machbar.

Aber Tobias Lindell ist da wohl eher Praktiker, solange er also gut klingendes Audiogear entwirft, sei ihm dieser kleine Fauxpas verziehen.

Lindell 7X-500 und PEX-500VIN in der Praxis

Für den Praxistest wird nun das Gesamtpaket, das Rack 503 Power, der 6X-500 Preamp, der 7X-500 Kompressor und der PEX-500 VIN Equalizer, wieder zusammengefügt. Das ergibt einen sehr handlichen Channelstrip.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Preamp, Compressor, EQ im Rack

Kümmern wir uns zuerst um den 7X-500 Comp. Dieser ist klar vom Klassiker 1176 inspiriert, ohne diesen abzukupfern. Das zeigt sich schon an der Aussteuerungsanzeige, die mit 20 LEDs deutlich genauer und schneller ablesbar ist, als es ein VU Meter kann. Auch die Attack- und Releasezeiten sind nicht vom Original übernommen. So arbeitet Lindell mit Schaltern, die jeweils drei Werte anbieten. Das Original kann hier stufenlos bei Attack 20 – 800 Mikrosekunden bieten, bei Release sind es 50 Millisecunden bis zu 1,1 Sekunden. Hier orientiert sich der 7X-500 mit den schnellsten Zeiten am Original, bietet aber mit 0,5 und 2 Millisekunden Attack Werte, die über den 1176 hinaus gehen. Im Gegensatz dazu verringern sich die Realease-Zeiten mit 80 Millisekunden und 0,7 Sekunden.

Auch das Ratio muss mit drei Werten auskommen. Dabei hat es mit der 100:1 Schalterstellung der beliebte All-Button-Mode in das Lindell Modul geschafft, ohne den jede 1176 Variation unvollständig wäre. Die beiden restlichen Ratios liegen bei 12:1 und 4:1, die Stellungen 8:11 und 20:1 des Originals entfallen.

Bevor ich nun die zusätzlichen Features betrachte, höre ich, ob mit dem 7x-500 ein authentischer 1176 Sound erreicht werden kann. Eine gute Ausgangsbasis ist Ratio 4:1, Attack und Release in der Mittenstellung. Hier wird Gesang sanft eingegrenzt, ohne die Transienten zu kappen. Die Kompression lässt sich feinfühlig mit dem Input Regler einstellen, Output Level holt den verloren gegangenen Pegel zurück.

Das Levelmeter agiert sehr schnell und mit einer LED pro Dezibel sehr genau. Hier muss ich mich erst daran gewöhnen, nicht zu zaghaft ans Werk zu gehen. Der 7X-500 klingt auch mit höheren Einstellungen immer noch musikalisch, ohne das Signal zu sehr zusammen zupressen.

Die Erhöhung der Ratio auf 12:1 ist immer noch gut verträglich, der 100:1-Wert staucht das Signal schon ordentlich zusammen. Hier geht auch etwas die Höhenzeichnung verloren. Nun, vorwiegend wird diese Einstellung auch für pumpende Drums benutzt.

Attack und Release lassen in fast allen Kombinationen musikalischen Einsatz zu, Attack und Release auf den schnellsten Wert gestellt führt allerdings zu Verzerrungen. Das kann gewollt sein; gerade für Drums lassen sich hier im Spiel mit der Ratio sehr viele extreme Sounds formen.

Bei den meisten Instrumenten, z.B. E-Piano, Kontrabass, Akustikgitarre, führt das zu weniger schönen Ergebnissen.

Insgesamt ist der Lindell 7X-500 mit seinen gewollten Limitierungen ein schnell und gut einstellbarer Compressor im 1176 Style.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Besonders beeindruckend die lange LED Kette

Nun hat Tobias Lindell aber nicht nur den 1176 vereinfacht, er hat auch etwas hinzu gefügt. Da wäre zunächst der Comp Mix für paralleles Komprimieren. Hier wird ein Anteil des Signals unbearbeitet durchgelassen. Damit lassen sich sehr schöne Soundvariationen aus bearbeitetem und unbearbeitetem Signal zaubern.

Als zweites Goodie hat der 7X-500 den Sidechain HPF zu bieten. Hier wird je nach Schalterstellung entweder das komplette Signal komprimiert oder aber die Frequenzen unter 100, bzw. 300 Hz unbearbeitet gelassen. So lassen sich auch wieder Drumbeats ganz wunderbar formen, indem die tiefen Frequenzen der Kick durchgelassen werden.

Nun darf der PEX-500 VIN zeigen, was er kann. Der EQ im Pultec EQP-1 A Style arbeitet mit drei Bändern, wobei die beiden Höhenbänder einmal einen Boost und einmal eine Absenkung anbieten. Das Tiefenband lässt auf der (fast) selben Frequenz beide Anpassungen zu.

Ein Pultec EQ ist zunächst einmal etwas eigenartig zu bedienen; wenn die Logik dahinter klar ist, kann er ein wunderbares Werkzeug sein.

Der beliebteste Trick ist die Anhebung und Absenkung im Tiefenbereich. Die beiden Eingriffe heben sich nicht etwa gegenseitig auf, sondern interagieren miteinander. Das habe ich hier einmal mit einem White Noise Signal demonstriert. Beide Regler bei 30 Hz auf Vollanschlag, da werden tatsächlich die Tiefen bis 80 Hz angehoben, gleichzeitig tritt aber auch eine Absenkung von ca. 150 bis 300 Hz ein. Wir sehen schon, der PEX-500 VIN ist alles andere als ein analytischer EQ.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

Oben Neutralstellung, unten mit Bass EQ

Der selbe Trick geht auch in den Höhen, wenn beide EQs auf 10 kHz stehen. Hier lässt der Bandwidth-Regler noch weitere Beeinflussungen zu.

Lindell Audio 7X-500, PEX-500 VIN

oben Bandwidth schmal, unten breit

Der Equalizer ist bei vielen Instrumenten gut einsetzbar. Selbst bei maximalem Pegel bleibt das Signal immer musikalisch. So lässt sich toll bei einem Drumbeat die Kick herausformen, gleichzeitig die Snare betonen und die zu scharfen Becken einzähmen. Eine zu fette Hammond Orgel ist gut zu entschlacken, eine Violine weicher zu machen, ach, eigentlich kann jede Spur von dem PEX-500 VIN profitieren. Schade ist nur, dass Signale unter 6 kHz nicht angeboten werden, das ist leider dem Konzept von Lindell geschuldet.

Nun will ich mir noch anhören, was die Standard Version vom VIN unterscheidet. Der Preamp 6X-500 bietet ja auch zwei EQ Bänder, hier stelle ich also diese beiden Frequenzen mit dem PEX-500 VIN nach. Vorausgesetzt, dass hier dieselbe Schaltung verwendet wird, klingt das Signal des Preamps etwas härter, vielleicht auch moderner; der VIN EQ kommt weicher rüber und bietet mehr Tiefe. Würde ich mir einen Channelstrip aus den Lindell-Modulen zusammenstellen, würde er wohl so ausfallen, wie er hier vor mir steht. Preamp und Compressor in der moderneren Standardversion, der EQ darf dann den Vintage Touch mit einbringen.

Rechnen wir das mal kurz zusammen. Bei dem gesamten Paket kommen wir auf einen Endpreis von 1.468,- Euro, das ist für einen flexiblen und handlichen Channelstrip in dem oft nicht gerade günstigen API 500 Format sicher nicht zu hoch gegriffen.

Fazit

Nachdem vorab schon das Rack mit Preamp gute Noten einheimsen konnte, setzt der 7X-500 und der PEX-500 VIN den guten Eindruck nahtlos fort.

Dabei zeigt sich der 7X-500 Compressor als Überraschung im Bundle. Hier ist es Lindell gelungen, auf kleinstem Raum den Sound und die schnelle Bedienung des Klassikers 1176 unterzubringen und ihn auch noch im Funktionsumfang zu toppen.

Auch der PEX-500 VIN Equalizer kann die Vorzüge seines Vorbilds gut umsetzen, ist aber gegenüber diesem etwas im Umfang eingeschränkt.

Die Bedienung fällt hier, dank perfekter Anordnung der Bedienelemente, leichter als beim Original.

Alle Teile zusammen ergeben einen schönen, flexiblen Channelstrip auf hohem Niveau.

Plus

  • 7X-500:
  • flexibel
  • einfach zu bedienen
  • modernere Regelzeiten
  • große und schnelle Aussteuerungsanzeige
  • Parallelkompression und Sidechain
  • günstiger Preis
  • PEX-500 VIN:
  • einfache Bedienung
  • schöner Vintage Sound
  • seltenes Konzept für API 500
  • immer musikalisch einsetzbar
  • günstiger Preis

Minus

  • PEX-500 VIN:
  • leichte Funktionseinschränkung gegenüber dem Original
  • keine Bedienungsanleitung verfügbar

Preis

  • 7X-500: 369,- Euro
  • PEX-500 VIN: 419,- Euro
  • kompletter Channelstrip: 1.468,- Euro
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