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Test: Line6 POD Express, Multi-Effektpedal

Der neue kompakte Amp-Modeler und Multieffekt von Line 6

16. Juni 2024

Line 6 POD Express Der neue Line6 POD Express ist ein Amp-Modeler und Multieffektgerät und will Gitarristen begeistern. Mit einer Handvoll Amp-Emulationen und den wichtigsten Effekten kann es hier per Express direkt zur Sache gehen. Ohne viele Sound-Einstellungen geht es direkt zur Sache und hier bekommt man einiges für sein Geld geboten.

Die Line6 Sounds in einem kompakten Effektpedal – davon habe ich lange geträumt. Also weg mit der klassischen Bohne in Form des POG2 oder dem riesigen Pedalboard und her mit dem POD Express. Nein, es ist keine Eisenbahn im Ruhrpott oder ein Lieferant für Marihuana in Berlin (beides würde man ja auch anders schreiben), sondern der musikalische Schnellzug in Richtung neuer Sound-Landschaften.

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Gehäuse, Potis und Schalter des Line6 POD Express

Das kompakte Gehäuse in den Maßen 13 x 9,2 x 5,6 cm (L x B x H) besteht aus stabilem Kunststoff in einem klassischen POD-Rot. Die Oberfläche ziert eine schwarze, gebürstete Auflage, die sämtliche Beschriftungen in den unterschiedlichen Farben gut sichtbar präsentiert.

Die etwas erhöht angebrachten Fußtaster schalten das Pedal in den Bypass und ermöglichen das Tappen der Delay-Zeit. Durch die Erhöhung sind die Potis relativ gut gegen Tritte geschützt. Mit einem leichten Klicken agiert der On/Off-Schalter, während der Tap-Taster zusätzlich ein leichtes, quietschendes Schleifen einer Feder liefert, das mich ein wenig an die Klingel meiner alten Kinder-Spielstadt erinnert. Nichts, was man auf einer Bühne hören würde, aber ich hoffe, dass die Feder nicht so schnell den Geist aufgibt, wie es sich anhört. Der Tap-Taster aktiviert zusätzliche den Tuner. Beide Taster werden jeweils mit einer hellen LED angezeigt. Weiß signalisiert den Bypass und Rot für das Tempo.

Mit fünf Potis, einem Endlos-Encoder und einem Drucktaster werden sämtliche Einstellungen vorgenommen. Die Potis haben einen Schaft aus Kunststoff und sind mit dem Gehäuse verschraubt. Die schwarzen Potiknöpfe bestehen ebenfalls aus Kunststoff, sind geriffelt und haben eine weiße Markierung für eine bessere Ablesbarkeit.

Die vier Potis sind in ihrer Beschriftung farblich voneinander zu unterscheiden und sie regeln in ihrer primären Funktion Distortion, Modulation, Delay und Reverb. Hält man den Alt-Taster gedrückt, kann man ihre zweite Funktion in Form von Channel-Volume, Gain, Mitten, Bass und Treble des Amp-Settings einstellen. Das ist sehr übersichtlich und gut umzusetzen und funktioniert auch mit einer Hand, während man mit der anderen ein paar Palm-Mutes auf der Gitarre spielt.

Jedes Poti unterteilt sich in vier Bereiche. Beim Distortion wird Boost, Overdrive, Distortion und Fuzz geboten. Die Modulation punktet mit Chorus, Flanger, Phaser und Tremolo. Die anderen beiden Potis sind für analoge, digitale, Ping Pong- oder Tape-Delays, beziehungsweise Spring-, Hall-, Plate- und Space-Reverbs zuständig. Dabei steigern die Potis jeweils die Intensität, bevor sie zum nächsten Sound überspringen. Sehr praktisch gelöst. Es stehen also insgesamt 17 Effekte zur Verfügung, ein Looper wurde ebenfalls integriert.

Der Endlos-Encoder wurde zentral platziert und bietet 7 Verstärkermodelle. Sie erlauben die Wahl zwischen Clean, Special, Chime, Dynamic, Crunch, Heavy und Lead-Amps. Per Drucktasterfunktion können die Amps angewählt werden und eine LED im Encoder-Ring zeigt den ausgewählten Amp an.
An der Stirnseite des Gehäuses befinden sich der 6,3 mm Mono-Klinkeneingang sowie zwei Mono-Klinkenausgänge für den Stereobetrieb. Eine weitere 6,3 mm TRS-Buchse ist für zwei Fußtaster vorgesehen. Alle Buchsen sind vorbildlich beschriftet. Sie wurden allerdings nicht weiter befestigt und werden lediglich vom Gehäuse und der Platine gehalten. Eine USB-C-Buchse ist für Firmware-Updates und für die Nutzung als Audiointerface vorgesehen. Einen Editor gibt es bisher leider noch nicht.
Line 6 POD Express Gitarren effektpedal
Eine 9 V DC-Netzteilbuchse dient der Stromversorgung. Der POD Express benötigt 500 mA, ein Netzteil gehört nicht mit zum Lieferumfang. Dafür kann das Pedal mit ungewöhnlichen 3 AA Batterien betrieben werden, die mitgeliefert werden und in dem Batteriefach an der Unterseite des Pedals ihren Platz finden. Aufgeschraubt werden muss hierfür nichts.

Vier mitgelieferte Gummifüße können für einen besseren Stand in die dafür vorgesehenen Einbuchtungen geklebt werden. Die Erfahrung liegt irgendwo zwischen einem 5-Teile-Puzzle und einem „DIY-Erlebnis“. Klettband könnte ebenfalls aufgeklebt werden, allerdings müsste man dann auf den Batteriebetrieb verzichten. Die Füße empfehlen sich, da ganz ohne Gummi schnell unschöne Kratzer auf der Unterseite entstehen.

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Für die ruhigen Vertreter der Gitarrenfront ist an der Seite des Line6 POD Express eine 3,5 mm Kopfhörerbuchse und ein kleines Rädchen zur Lautstärkejustierung montiert. Das ist absolut zeitgemäß und praktisch.

Geliefert wird der POD Express im schwarzen Pappkarton mit buntem Aufdruck. Dazu gibt es einige ausgedruckte Heftchen. Während die „Spickzettel“, ja, die heißen hier wirklich so, sehr praktisch sind, da sie das aufgedruckte Pedal abbilden und die jeweiligen Funktionen kurz beschreiben, empfinde ich die mehrseitigen Sicherheitsbestimmungen und Software-Lizenz-Vereinbarungen in mehreren Sprachen als eine absolute Verschwendung von Ressourcen. Aber hier wollte man rechtlich wohl auf Nummer sicher gehen. Verrückte Zeiten …Aber ab mit dem Express auf das Pedalboard.

Der Line6 POD Express in der Praxis

Mit eingelegten Batterien und eingestecktem Klinkenstecker erwacht der Line6 POD Express und illuminiert seinen Encoder-Kranz in den unterschiedlichsten Farben. Erst jetzt sieht man, dass die Settings der jeweiligen Regler optisch perfekt angezeigt werden. Während im Ruhezustand der angewählte Amp mit einer roten LED angezeigt wird, ändert sich dies, sobald man eines der vier Potis bewegt. Regelt man beispielsweise das Mod-Poti, das blau beschriftet ist, so wechselt der Lichterkranz ins Blaue und die Intensität des jeweiligen Effekts wird ebenfalls durch eine ansteigende LED-Kette angezeigt. Sobald sich der Lichterkreis ganz schließt, gelangt man automatisch zum nächsten Effekttyp. Gleichermaßen verhält es sich mit dem Distortion in Gelb, dem Delay in Grün und dem Reverb in Orange. Drückt man den Alt-Taster, um die Amp-Settings zu justieren, wird der LED-Ring jeweils in Rot angezeigt. Pro Effekt kann also nicht allzu viel eingestellt werden, aber die Macros sind gut gewählt und absolut praxistauglich.

Der Name Express impliziert ja bereits, dass hier eine einfache und schnelle Umsetzung erfolgen soll. Also eher etwas für Player als für Tweaker. Aber mit den gewählten Effekten und Amps hat man hier eine große Auswahl, die für viele Musikstile geeignet ist.

Die Verstärker des Line 6 POD Express

Die Verstärker des Line 6 POD Express bieten eine große klangliche Bandbreite. Der cleane Amp ist eine sehr schöne Plattform, um die Effekte zu nutzen und die virtuellen Distortion-Pedale zu spielen. Die Klangabstimmung ist effektiv und auch wirklich klangentscheidend, denn mit zu viel Treble kann der cleane Amp auch mal etwas dünn klingen. Dementsprechend dürfen die Höhen ruhig weiter zurückgeregelt werden. Mit dem Gain-Poti und dem Overdrive, das übrigens auch ein sehr gutes Low-Gain-Drive nachbilden kann, hat man hier schon eine riesige Auswahl an Sounds.

Line 6 POD Express Multieffektpedal und Amp Modeller

Wer statt der virtuellen Clean-Amp- und Verzerrer-Kombination lieber auf eine Amp-Emulation mit Verzerrung setzt, dürfte bei den anderen Verstärkereinstellungen fündig werden. Special glänzt mit einem leicht angezerrten Sound. Der Chime -Amp, der sich aufgrund des Namens in der Vox-Ecke einordnen lässt, hat mich leider nicht überzeugt. Er klang immer recht topfig, egal wie der Equalizer eingestellt wurde. Ich würde ihn am ehesten mit den 5 W Vox-Amps vergleichen, einen AC15 oder AC30 kann er meiner Meinung nach nicht nachbilden.

Die Amps mit den Namen Crunch, Heavy und Lead sind wieder sehr gelungen und bieten tragendes Gain für Riffs und Lead-Sounds. Mit etwas Spring-Reverb oder einem dezenten Delay wird jeweils die Klangbreite erweitert und man gelangt in Rack-Sound-Gefilde.

Beim Wechseln der Amps war allerdings das Chanel-Volume immer wieder voll aufgedreht. Also aufpassen beim Sound-Einstellen. Hier würde ich mir eine Art Master-Volume für alle Amps wünschen.

Die Presets des Amp-Modelers und Multieffekts

Das Abspeichern und Anwählen der Presets ist denkbar einfach. Allerdings ist die Aussagekraft der Speicherplätze natürlich eine Herausforderung für das Gedächtnis. Hier sollte man bei Abspeichern mit einer gewissen Logik vorgehen, damit man auch weiß, welcher Sound sich hinter Weiß 3, Gelb 5 und Lila 7 befindet. Ansonsten sind die Presets sehr praktisch.

Die Effekte des Line 6 POD Express

Die Modulationseffekte klingen sehr gut und lassen mit dem einzelnen Poti klasse einstellen. Mit Chorus, Flanger, Phaser und Tremolo wurden alle Wald- und Wiesen-Effekte abgedeckt. Exoten finden im Line 6 POD Express keine Beachtung, dafür ist er aber konzeptionell auch nicht gedacht. Die Regelbereiche sind gut gewählt und es wabert und wubbelt ganz wunderbar.

Ebenso gelungen sind in meinen Ohren die Reverbs. Vom klassischen Spring-Reverb über einen großen Hall, ein tolles Plate-Reverb und einen sphärischen Space-Sound ist alles an Bord, was das Klangherz begehrt. Die Effekte erweitern das Klangbild und machen die Amp-Sounds noch interessanter, selbst wenn man sie dezent einstellt.

Line 6 POD Express Multieffektpedal

Die Delay-Sounds finde ich ebenfalls sehr gut. Das analoge Delay bringt etwas Modulation mit, das digitale Delay und das Ping-Pong sind wunderbar klar und direkt und das Tape-Delay ist klanglich gut abgestimmt. Hier sollte man aber beachten, dass das Tempo nur per Tap-Tempo eingestellt werden kann, was aber in meinen Augen zu verkraften ist. Was mir aber wirklich fehlt, ist die Möglichkeit, bei der Abstimmung mit einem Poti die Anzahl der Repeats zu verändern. Die Delays werden zwar je nach Regler-Stellung etwas lauter und prominenter, die Repeats bleiben aber gefühlt immer bei den 4 bis 5 Wiederholungen. Das ist mir zu wenig.

Der POD Express als Audiointerface

Sehr praktisch ist die Möglichkeit, den Line 6 POD Express als Audiointerface zu nutzen. Per USB-C lässt er sich schnell verbinden und die Sounds können direkt aufgenommen werden. Eine handliche und Hands-on-orientierte Option.

Der POD Express über Kopfhörer

Und wer mal eben mit Kopfhörern auf dem Sofa üben möchte und seinen Nachbarn eine Pause gönnen will, kann das ebenfalls machen. Per Batterie betrieben und mit dem Kopfhöreranschluss versehen, ist das denkbar einfach und macht richtig Spaß.

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Fazit

Der Line6 POD steht schon lange für viele gute Sounds in kompaktem Format. Mit dem POD Express hat Line6 sich jetzt auf das unkomplizierte Plug-and-Play fokussiert. Mit allen wichtigen Sounds, die man als Gitarrist braucht, ohne „Bells and Whistles“, geht es direkt zur Sache. Hier steht nicht das Einstellen der Sounds im Vordergrund, sondern das Spielen und die Musik. Und das ist doch klasse.

Die cleanen Sounds, Verzerrer und die Modulation sind wie gewohnt richtig gut. Auch im Low-Gain-Bereich, einer schwierigen Disziplin, kann mich der Line6 POD Express überzeugen. Mit 7 Amp-Sounds und 16 Effekten sollten sich alle klassischen Sounds nachbilden lassen. Sicherlich kann man den POD Express klanglich nicht mit einem Helix vergleichen, aber dafür kostet er ja auch nur 219,- Euro.

Der Chime-Amp könnte noch etwas nachgebessert werden, aber die Klangregelung, die in der zweiten Ebene versteckt ist, ist gut abgestimmt und sollte auch genutzt werden. Etwas mehr Repeats bei den Delays könnte man dem POD Express ebenfalls gönnen und langfristig wäre vielleicht auch ein Editor spannend. Ansonsten ist das Paket gelungen und macht richtig Spaß. Ein toller Begleiter um Klangideen direkt per Interface aufzunehmen oder einfach mal auf dem Sofa mit Kopfhörern zu jammen.

Plus

  • gut durchdachtes Konzept
  • cleane und verzerrte Amp-Sounds
  • gelungene Delay-Sounds, Modulation und Reverb
  • als Audiointerface nutzbar
  • durch Kopfhörerausgang und Batteriebetrieb sehr mobil
  • intuitiv und ohne Menüs bedienbar
  • Presets
  • visuelles Feedback der Settings

Minus

  • Chime-Amp klingt etwas topfig
  • Repeats der Delays nicht einstellbar

Preis

  • 219,- Euro
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