Test: LinPlug SOPHISTRY

14. Juni 2006

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Bereits Ende des vergangenen Jahres stellte LinPlug den Software-Synth Cronox 3 vor. Amazona.de–Leser waren natürlich, wie immer, auch hier ganz vorne dabei und wurden im Februar durch den Kollegen Christian Hillmeier ins rechte – pardon – gelbe Licht gerückt. Nun ist es an mir den Cronox-Blue-Salon vorzustellen. Denn mit SOPHISTRY stellt die Berliner Software-Manufaktur LinPlug quasi eine Custom-Version des Cronox-Synths vor, die sich ganz auf die Darreichung von Ambient-Sounds konzentriert.

 

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Blue Salon – Enter here !

SOPHISTRY kommt in Form zweier DVDs und einem, leider nur englisch-sprachigen Cronox3-Handbuch, ins Haus. Die LinPlug-Homepage verspricht eine deutsche .pdf-Anleitung. Sorry, habe ich nirgendwo finden können. Eine DVD enthält die Windows XP- und eine Mac OS X-Version. Beide Installationen verlaufen schnell und problemlos. Aber dann, ja dann, kommt der Augenblick in dem die Installationsroutine die Librarydateien aufruft und nach dem Installationsort für die Samples fragt. Hier sollte der User genau wissen was er tut, denn SOPHISTRY kommt mit einer 5,2 GB großen Samplelibrary daher !! Und ehe man sich versieht, steht man vor der Frage, ob man die eh immer knappen Festplattenkapazitäten seines Notebooks mit der Library weiter dem Nullpunkt entgegen treiben will. Eine Rückfrage bei LinPlug bestätigt zum Glück, das auch die Auslagerung der Library auf eine externe Festplatte für SOPHISTRY kein Problem darstellt. Man muss dann beim ersten Hochfahren der Software einmal den Library-Pfad manuell vorgeben und dann weiß das Programm bei anschließenden Sessions wo der Sound-Hase lang läuft.

Blue Lines – Struktur und Aufbau

Der Grundaufbau von SOPHISTRY ist identisch mit dem des Cronox3. Die Programmierung des Softwareinstruments erfolgt auf sieben Oberflächenebenen mit den Kategorien Main, Generator 1 und 2, Generator 3 und 4, Filters, Effects, Modulation und schließlich Settings. Die Signale der vier Generators (klangerzeugenden Module), durchlaufen zwei Filterstufen und anschließend den Effektblock. Die vier Generators können als herkömmliche Oszillatoren, als Time-Sampler oder als Schrader verwendet werden. Hinter Schrader verbirgt sich ein Wavetable-Generator. Kurze Frage an LinPlug : Wer um alles in der Welt hat sich den Begriff Schrader ausgedacht ? Die Generators 3 und 4 können zusätzlich noch zu einem Loop-Sampler mutieren. Eine Funktion, die beim SOPHISTRY besonders häufig zum Einsatz kommt und daher später auch noch näher betrachtet werden soll. Um Bewegung in die Sache zu bringen, bietet die Modulationsebene fünf Envelope-Generatoren, vier LFOs und einen 32-Step Arpeggiator.

Für weitere Details erlaube ich mir an dieser Stelle auf den AMAZONA-Testbericht des CRONOX 3 von Christian Hillmeyer zu verweisen, der über das AMAZONA-Archiv leicht zu finden ist.

Blue Heart – Sophistry-Library

Wenn ein Software-Instrument als Ambient-Synthesizer benannt wird und mit einer Library von sage und schreibe 5,2 GB daher kommt, rückt natürlich zwangsläufig das mitgelieferte Klangfutter in den Mittelpunkt der Betrachtung. Ist man großzügig und rechnet alle Basic Waveforms mit ein, hat LinPlug SOPHISTRY insgesamt 700 (!!!) Presets, geordnet in 27 Kategorien, mit auf den Weg gegeben. Zum Glück haben die Klang-Kategorien aussagekräftige Bezeichnungen bekommen. Da findet der geneigte Ambientfreak schnell den gesuchten Sound und wird nicht durch blumige Namen ins Soundnirwana geleitet. Allein unter „Digital Emotions“ stelle ich mir doch etwas anderes als einen Synthesizer-Sound vor ;-). Dienebenstehende Abbildung zeigt alle Kategorien, aus denen das Klangfutter ausgewählt werden kann.

In den Ordnern Samples und Basic Waveforms I und II befindet sich gewissermaßen das klangliche Basismaterial von Sophistry. Wer also seine Ambient-Kompositionen von Grund auf zusammenstellen möchte, der findet hier umfangreiches Material. Leider endet bei den Basic Waveforms der Bereich der informativen Soundnamen. Die Wellenformen sind lediglich durchnummeriert. Auch das Samplematerial wurde nur numerisch benannt, enthält aber immerhin eine Tonhöhen-Information.Wie aus der Übersicht leicht zu erkennen ist, sind auch die Pad Sounds noch einmal in 10 Kategorien unterteilt. Auch hier beweist LinPlug Praxisnähe, denn im Prinzip ist ein Ambient-Klang doch irgendwie immer auch ein Pad-Sound. Wie vielfältig diese sein können, spiegelt die SOPHISTRY-Library eindrucksvoll wieder.Blue Elements – Details zur SOPHISTRY-Klangerzeugung
Wie bereits erwähnt, greift die SOPHISTRY–Library sehr stark auf die Sample-Funktionalitäten des Software-Instuments zurück. Daher sollen diese hier näher beleuchtet werden.

SOPHISTRY bietet drei verschieden samplebasierte Klangquellen an.

Beginnen wollen wir mit dem Time Sampler. Dieser Generator-Typ kann genau ein Sample laden (.wav oder AIFF). Eine Velocity Switch- oder Key Mapping Funktion sucht man hier vergeblich. Wie der Name des Moduls verrät, steht hier die Wiedergabezeit des Samples im Focus. Über den TIME-TRACK–Regler kann die Wiedergabezeit des Samples stufenlos und ohne Veränderung der Tonhöhe (!) modifiziert werden. Ist ein Sample z.B. 4 Sekunden lang bleibt es bei Reglerstellung 0 % bei 4 Sekunden Länge. Bei Stellung +100% sind es nur 2 Sekunden und bei –50 % 6 Sekunden. Der große TIME-Regler erlaubt das Time-Stretching eines Samples in sehr feiner Auflösung und dies wiederum bei gleichzeitig unveränderter Tonhöhe.

Es folgt ein Blick auf den sehr komplexen Loop Sampler–Generator. Im Prinzip bietet dieses Modul die vollständige Funktionalität eines Multi-Sample-Instruments. Zwei Funktionen sollen besonders hervorgehoben werden. Der Schalter „TRACK“ bestimmt, ob das Sample tonhöhenabhängig (getriggert über MIDI) wiedergegeben werden soll oder – im Schaltzustand „Aus“ – ob die Frequenz nur durch die nebenstehenden Parameter Octave/Semiton/Cent bestimmt wird. Im letzteren Fall lasen sich z.B. geräuschhafte Samples sehr gut notenunabhängig wiedergeben. Mittels „RELEASE LOOP“ lässt sich das Abspielverhalten des Samples nach dem NoteOff-Befehl bestimmen. Eingeschaltet = Samplewiedergabe endet am Loop-Ende ( Ausgeschaltet = Samplewiedergabe bis zum Sampleende. Zwei sehr kreative Tools, wenn auch zusammen mit der Loopprogrammierung eher etwas für Soundfrickler.

Last but not least verfügt SOPHISTRY über ein Sample-Tool mit dem merkwürdigen Namen Schrader. Dahinter verbirgt sich ein Wavetable-Generator, mit einem freiwählbaren Sample als Basis (=Wavetable). Wie sich diese Funktion klanglich auswirkt lässt sich mit Worten nur schwerlich beschreiben. Daher sei auf das folgende Klangbeispiel verwiesen. Hier stellen wir zunächst das Rohsample vor und dann, den Wavetable-Sound, den Herr Schrader daraus gemacht hat.

Klangbeispiele
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