Test: Little Labs Redeye 3D Phantom, Di-/Re-amp-Box

18. Juni 2020

Re-amping mit dem Redeye 3D

Die Redeye 3D Phantom ist zunächst mal eine ganz normale Di-Box, die aktiv über Phantomspeisung oder passiv betrieben werden kann. Mit einer Di-Box kann man ein Instrumenten- oder ein Linesignal in ein symmetrisches Signal umwandeln. Von der XLR-Ausgangsbuchse der Di-Box geht es üblicherweise weiter in den XLR-Eingang eines Mischpultes.

Die Redeye 3D hat aber noch mehr zu bieten. Mit einer sogenannten „Re-amp“-Schaltung kann man die Box auch andersherum betreiben: Statt unsymmetrisch rein und symmetrisch raus, führt man über die an dieser Box vorhandene XLR-Eingangsbuchse ein symmetrisches Signal rein und über die Klinken-Ausgangsbuchse ein unsymmetrisches Signal nach außen. Wie der Begriff „re-amping“ schon vermuten lässt, geht es darum, ein bereits aufgenommenes Signal nochmal über einen Verstärker zu schicken.

Ein typischer Fall wäre eine E-Gitarrenspur, die pur und ohne Effekt aufgenommen wurde. Das Signal der Gitarrenspur wird über die „Re-amp“-Box in den Gitarrenverstärker geleitet.

Frage 1: Wozu einen Gitarrenverstärker benutzen?

Um einen guten Gitarrensound zu bekommen, schließt man die Gitarre an einen guten Gitarrenverstärker an und stellt ein passendes Mikrofon vor den Lautsprecher. Besonders bei stark verzerrten Sounds ist das eine bewährte Methode. Der Klang der puren Gitarre ist dagegen meistens farblos und auch einfache Effektpedale hauchen dem Ganzen kaum mehr Lebendigkeit ein. Natürlich kann man mit einem der zahllosen Verstärker-Simulations-Plug-ins digital nachbearbeiten, dem Ergebnis fehlen aber die entscheidenden Feinheiten des Elektrogitarrensounds. Nicht zu unterschätzen ist neben einem kraftvollen Röhrensound die Filterwirkung des Gitarrenlautsprechers.

Redeye im Größenvergleich

Frage 2: Wozu eine cleane Gitarre aufnehmen?

Es gibt trotzdem einen guten Grund, in bestimmten Fällen eine pure Gitarre aufzunehmen. Die oben beschriebene Verstärker-Methode hat den Nachteil, dass der Gitarrensound bei der Aufnahme bereits fix und fertig ist und sich im Grundcharakter hinterher kaum noch verändern lässt. Hat man die Gitarre pur auf einer Spur, kann die „re-amping“-Methode zur Anwendung kommen. Dabei wird wie beschrieben die Gitarrenspur einzeln nach außen geführt und in den Gitarrenverstärker geleitet. Vor dem Gitarrenlautsprecher steht ein  Mikrofon, mit dem das Ganze wieder auf eine neue Spur aufgenommen wird. Jetzt hat man die pure und die verstärkte Gitarre jeweils auf einer eigenen Spur. Der Vorteil: Man kann in aller Ruhe den richtigen Sound beim „re-ampen“ suchen. Bringt eine Spur nicht das gewünschte Ergebnis, probiert man einen anderen Gitarrenverstärker oder eine andere Einstellung. Hinterher kann man immer noch aus den vorhandenen Spuren auswählen.

Die „Re-amping“-Methode kann man natürlich auch ganz ohne Box mit einer Direktverkabelung machen. Die  Redeye 3D vereinfacht die Sache jedoch dadurch, dass die Box durch Drücken auf den „Re-amp“-Knopf ohne Kabelveränderung das Signal der puren Gitarrenspur aus dem Aufnahmegerät in den angeschlossenen Verstärker leitet. Die an der Frontseite der  Redeye 3D sichtbaren Taster ermöglichen verschiedene Schaltungen, die z.B. mit „instrument / re-amp polarity“, „di / re-amp“ oder „re-amp / overdrive“ bezeichnet sind. Es empfiehlt sich, die englische Gebrauchsanweisung vor dem Einschalten mal durchzuarbeiten, denn durch einfaches Rumprobieren kann man schnell eine unschöne Feedbackschleife erzeugen.

Das Gerät hat in etwa die Größe einer normalen Di-Box und ist sehr sauber verarbeitet. Die aufgedruckten Bezeichnungen sind teilweise sehr klein, aber durch den guten Druck noch gut lesbar. Der Hersteller „Little Labs“ aus Kalifornien wirbt damit, einen hochwertigen „vintage-transformer“ eingesetzt zu haben. Die nach dem aufschrauben sichtbar werdenden Übertrager sehen eher unscheinbar aus und kommen ohne aufwendige Verkapselung aus. Immerhin haben sie eine ordentliche Größe, was ein gutes Übertragungsverhalten erwarten lässt. Unschön ist der Preis der Redeye 3D. Der Hersteller spricht zwar von „reasonable priced“, so richtig nachvollziehbar ist diese Preisgestaltung jedoch nicht, wenn man sich anschaut, was andere Hersteller für vergleichbar aufwendige Di-Boxen verlangen. Das soll jedoch nicht heißen, dass ein Hersteller wie Little Labs, der in den USA produziert, die gleichen Preise machen kann, wie sie bei Geräten aus Billiglohnländern wie China, Taiwan oder den Philippinen möglich sind.

Innenleben mit zwei Übertragern

Innenansicht mit den Tasten der Frontseite

Re-amping in der Praxis

Für einen einfachen Hörtest habe ich eine E-Gitarre (eine Harley-Benton SG) direkt mit dem Zoom H4 aufgenommen. Dann wurde die Gitarrenaufnahme in einen Marshall 9001 Preamp geschickt. Das Ausgangssignal des 9001 wurde über die Redeye in den PC geleitet und wieder aufgenommen. Das ist nur ein sehr vereinfachter Test, da die typische Anwendung, die Umwandlung von symmetrisch nach unsymmetrisch und umgekehrt, hier nicht vorkam. Auch ließ sich ohne Plan nicht feststellen, ob bei dieser Verschaltung der erwähnte „vintage transformer“ im Signalweg vorhanden ist.

Re-amping mit Marshall 9001 Preamp

Die Aufnahme des Re-amp-Signals zeigt wie erwartet eine starke Anhebung der Nebengeräusche, das unüberhörbare Rauschen stammt dabei vom 9001. Auf Störsignalanteile in dieser Größenordnung muss sich der Toningenieur beim „re-ampen“ immer einstellen, da bei metal-mäßig verzerrten Gitarrensounds eine enorme Verstärkung des Signals stattfindet, die kaum ohne Rauschen zu machen ist. Ansonsten ist der Klang ohne Auffälligkeiten, einen Soundeinfluss der Redeye-Box konnte ich nicht feststellen.

Fazit

Die Little Labs Redeye 3D Phantom, Di-/Re-amp-Box ist ein sauber verarbeitetes und durchdachtes Gerät, das Möglichkeiten bietet, die andere Anbieter kaum vorzuweisen haben. Der Preis ist jedoch etwas hoch. Die Bedienungsanleitung könnte auch ausführlicher sein.  Wer es sich leisten kann, erhält mit der Redeye 3D ein hervorragendes Arbeitsgerät für die Beschallung und den Studiobetrieb.

Plus

  • viele Schaltungsmöglichkeiten
  • gute Verarbeitung

Minus

  • hoher Preis

Preis

  • Straßenpreis: 329,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Ups, was ist denn hier passiert? Dieser Beitrag hat mich an den Test des Power Conditioners von letztens erinnert, wo der Tester am Schluss auch attestiert hat, dass man eigentlich gar nicht richtig testen konnte. Ich hoffe nicht, dass das jetzt zur Regel wird.

  2. Profilbild
    tenderboy  

    Gutes, kleines Teil, unauffällig im besten Sinne des Wortes.

    Das einzige das mich gestört hat dran, war das man nicht alles verkabelt hat lassen können, sondern für DI und Reamp-Betrieb immer einiges umstecken musste.

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