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Test: Looptrotter Sa2rate 2, Saturator

30. Oktober 2020

Satt, satter, Saturator!

looptrotter sa2rate 2 test

Looptrotter Sa2rate 2, Saturator

Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, dass es auch in Ländern, die man nicht in der ersten Reihe der Musikalienhersteller wähnt, kleine, aber feine Hersteller gibt, die sich einen Namen aufbauen und es gegen die fertigungstechnische Übermacht aus China aufnehmen wollen. Die Firma Looptrotter Audio Engineering ist mit ihrer Entwicklungs- und Fertigungsabteilung in Polen ansässig und stellt mit dem Looptrotter Sa2rate 2 den Nachfolger des ersten Modells vor, der vom Ansatz her natürlich in die gleiche Kerbe haut wie sein Vorgänger. Auf geht’s!

Das Konzept des Looptrotter Sa2rate 2

Bei dem Looptrotter Sa2rate 2 handelt es sich, wie man anhand des Wortspiels erkennen kann, um einen „Saturator“, sprich ein Produkt, das angelieferte Signale in die Sättigung fahren soll. Vorbild für die Schaltung sind einmal mehr die klassischen Bandmaschinen, bei denen das ungeschriebene Gesetz, jedes aufgenommene Instrument mehr oder minder in die Bandsättigung zu fahren, seinen Ursprung hat. Als Gegenleistung für das rein Ingenieurs-technisch gesehen fragwürdige Unterfangen erhält das Signal eine Mischung aus Verdichtung, Kompression und Obertonsättigung, das nahezu jedem Instrument einen leichte „Anfettung“ verpasst.

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Looptrotter Sa2rate 2 Test

Looptrotter Sa2rate 2

Während man in den Anfangstagen der DAWs teilweise noch den extrem aufwändigen Weg des „Einschleifens“ einer Bandmaschine nebst ihres Aufnahmeverhaltens in den Aufnahmeprozess einfügte, hat sich in den letzten Jahren einiges im Plugin-Bereich in Sachen Qualität getan, so dass der Prozess stark an Bedeutung verloren hat. Allerdings behaupten sich wie auch zum Beispiel im Gitarrenbereich aus klanglichen Gründen einige Hersteller mit rein analoger Outboard-Technik, wie es auch bei dem Looptrotter Sa2rate 2 der Fall ist, der mit dem Format 19 Zoll, 1 HE und einem Gewicht von knapp 2,5 kg daher kommt.

Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern gehen die Polen allerdings nicht den Weg einer Röhrenschaltung, die bedingt durch ihre Bauweise klanglich geradezu für den Sättigungsbegriff steht, sondern setzen konsequent auf Halbleitertechnik innerhalb des Gerätes. Dieses ist in Stereo ausgelegt und verfügt über zwei Mal die gleichen Bedienungselemente.

Looptrotter Sa2rate 2 Test

Looptrotter Sa2rate 2

Die Konstruktion des Sa2rate 2

Wer wie ich einen Wespen-reichen Sommer hinter sich hat, wird wahrscheinlich eine ähnliche Assoziation haben, wenn er das Gerät das erste Mal in seinen Händen hält. Die schwarz-gelbe Optik erinnert je nach Prägung an das geflügelte Insekt oder eventuell auch an motorisierte Rallye-Einsätze vergangener Tage, will heißen, eine dezente Platzierung im optisch durchgestylten Regieraum ist unmöglich.

Die Verarbeitung ist sauber und sehr massiv. Insbesondere die Frontblende hinterlässt mit ihren 2 mm Dicke einen bleibenden Eindruck. Vor einigen Jahren hätte man hier noch den Vergleich zur russischen Militärtechnik bemüht, was jedoch heutzutage unangemessen erscheint. Insbesondere die Minischalter und der Netzschalter hinterlassen aufgrund ihrer haptischen Auslegung einen hervorragenden Eindruck und lassen eine lange Lebensdauer vermuten. Das Gerät verfügt über keine Füße und wurde nur für den reinen Rack-Betrieb ausgelegt

Im direkten Vergleich zum Vorgängermodell hat die Version 2 einige sehr sinnvolle Features erhalten, die den Einsatzbereich um ein Vielfaches erweitern. Beschränkten sich die Regelmöglichkeiten von Version 1 auf einen Drive- und Output-Regler, so verfügt Version 2 nun mehr über ein mittels zwei Reglern individuell einstellbares Mischverhältnis von Dry- und Wet-Signal. Zudem besitzt es zwei Schalter, mit denen zum einen die Bässe aus dem Sättigungsweg herausgenommen werden können und zum anderen die Höhen dezent angehoben werden.

Looptrotter Sa2rate 2 Test

Looptrotter Sa2rate 2 – Lo Safe

Bzgl. des Bassverhaltens kennt man den Effekt aus dem Bereich der Bassaufnahmen. Sobald man auch den Tiefbassbereich durch ein Distortion-Pedal/Plugin etc. schickt, verschlucken diese sehr gerne den gesamten anderen Frequenzbereich und verlieren dabei stark an Durchsetzungskraft. Um dies zu verhindert, führt der Looptrotter Sa2rate 2 eine weich aufsteigende Kurve bis hin zu knapp 800 Hz, ab dem der Sättigungsgrad stark ansteigt. Der Hi-Smooth hingegen hebt hohe Frequenzen vor der Sättigungsschaltung an und dämpft sie danach, woraus laut Herstellerangaben eine tiefere Sättigung der höheren Frequenzen resultiert.

Bekanntermaßen handelt es sich auch bei einer Saturisation um eine Halbwellenabschneidung, die aber im Gegensatz zu einem Overdrive oder gar Distortion vergleichsweise dezent in der Wirkungsweise ist. Um den Grad der Sättigung zu überwachen, verfügt der Looptrotter Sa2rate 2 über 2 LEDs, die über dem True-Bypass-Schalter angeordnet sind. Eine gelbe LED definiert die 4 % THD, eine rote LED die 8 % THD-Schwelle.

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Looptrotter Sa2rate 2 Test

Looptrotter Sa2rate 2 – Vorder- und Rückseite

Anschlüsse

Die Rückseite des Gerätes verfügt über eine sehr gute Ausstattung bzgl. der Anschlussmöglichkeiten. Neben den im Studio üblichen XLR-Buchsen (verriegelbar!) verfügt das Gerät ebenso über symmetrische TRS-Buchsen und als weitere Besonderheit über unsymmetrische Klinkeneingänge, die mit einer Eingangsempfindlichkeit von -10 dB angesetzt wurden. Dies bedeutet, dass man den Sa2rate 2 ebenfalls sowohl im Studio als auch für Live als Preamp zum Beispiel für einen E-Bass oder aber ein Keyboard verwenden kann, um bereits vor der Einspeisung des Signals in die DAW/P.A. einen gesättigten Sound zu generieren.

Außer der obligatorischen Kaltgerätesteckerbuchse findet man ansonsten keine weiteren Anschlüsse oder Regelmöglichkeiten auf der Rückseite des Gehäuses. Etwas unglücklich ist es, die unsymmetrischen Anschlüsse auf der Rückseite zu platzieren. Gerade wenn man einen E-Bass oder ähnliches anschließen möchte, möchte man ungern im Kabeltunnel oder unter dem Arbeitstisch herumkriechen.

Looptrotter Sa2rate 2 Test

Looptrotter Sa2rate 2 – Im Einsatz

In der Praxis

In Sachen Anschluss und Regelmöglichkeiten hat man das Gerät binnen kurzer Zeit verstanden, wenngleich man einen besonderen Augenmerk auf die Regler Dry und Wet legen sollte. Hier entscheidet sich letztendlich, wie stark die Aggressivität des Signals aussehen soll, in meinen Augen noch weit mehr als mit dem Drive-Regler.

Klanglich hinterlässt das Gerät einen zweischneidigen Eindruck. Stark punkten kann es bei völlig cleanen Signalen, die unter Umständen einen dezent sterilen Charakter aufweisen und die eventuell im Pegel etwas schwach auf der Brust sind. Hier eignet sich der Sa2rate 2 hervorragend als Aufholverstärker, der zudem eine persönliche Klangnote mit ins Boot bringt. Hat man hingegen bereits ein „dreckiges“ Vintage-Signal, das bereits im LoFi-Bereich unterwegs ist, läuft man schnell Gefahr, dem Originalsignal eher einen Fuzz-Sound hinzuzufügen als eine Sättigung. Insbesonders bei starken Impulsen und entsprechendem Aufleuchten der 8 % THD LED sind wir bereits deutlich im Distortion-Bereich, der meines Erachtens etwas harsch ausfällt.

Der von der Firma propagierte Sättigungseffekt einer analogen Bandmaschine wird meines Erachtens nicht wirklich erreicht, da die weich ansteigende magnetische Sättigung bei dem Sa2rate 2 nur in dezenten Einstellungen zutrifft, dies allerdings in hoher Qualität. Bei höherer Sättigung geht mir persönlich das Signal zu schnell in den Distortion-Bereich, was zwar nicht ganz meinen Geschmack trifft, jedoch im Avantgarde-Bereich durchaus seine Freunde finden wird.

Man sollte zudem immer im Hinterkopf behalten, dass gerade der Kompressionseffekt ein gewisses Suchtverhalten erzeugt, was aber auch dazu führt, dass die einzelnen Signale subtil im Solo-Bereich gewinnen, allerdings im späteren Mix an Durchsetzungskraft verlieren. Hier gilt es immer, auch ein Ohr für den späteren Mix zu haben und nicht im Vorfeld die einzelnen Spuren zu stark zu verdichten.

Von den beiden Kippschaltern Lo Save und Hi Smooth hätte ich mir etwas mehr Wirkungsgrad gewünscht. Während der Lo Safe zwar dezent, aber hörbar zu Werke geht, fällt es mir persönlich schwer, den klanglichen Unterschied bei der Aktivierung des Hi Smooth Schalters überhaupt wahrzunehmen. Bei einer solch dezenten Ausrichtung huscht der Blick immer wieder auf den Schalter zwecks Überprüfung der Schalterstellung, was für mich persönlich immer ein ungutes Zeichen ist. Ich bevorzuge hier mehr Effektivität oder besser ganz weglassen, zumal extrem subtile Unterschiede sich später im Mix nicht mehr ausmachen lassen.

Im direkten Vergleich zu mitgelieferten Plugins aus dem Kompressor- oder Sättigungsbereich überzeugte der Sa2rate 2 schon mit einer klanglich analogen Note und einer gewissen Eigenständigkeit. Ob dies hingegen ausreicht, um die entsprechenden Mehrkosten zu investieren, muss jeder für sich selber entscheiden. Insbesondere in einem gemasterten Mix haben es Prozessoren wie der Sa2rate 2 schwer, ihre klanglichen Vorzüge zu zeigen, es sein denn, das angelieferte Material und der Mix sind entsprechend luftig angelegt.

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Fazit

Mit dem Looptrotter Sa2rate 2 hat das polnische Unternehmen einen eigenständigen Sättigungsprozessor im Programm, der insbesondere steril klingenden Signale in Sachen Wärme und Sättigung auf die Sprünge hilft. Die Verarbeitung ist hervorragend, die einzelnen Komponenten sehr wertig in der Ausführung.

Inwieweit die analoge Solid-State-Lösung aus Kompressor und Obertonsättigung sich im eigenen Klangmaterial sinnvoll platzieren lässt, muss jeder für sich selber herausfinden.

Plus

  • Verarbeitung
  • Anschlüsse
  • Klang

Preis

  • 699,- Euro
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Klangbeispiele
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