Test: LTD EC-1000 Piezo QM STB, E-Gitarre

18. Dezember 2018

Von richtig hart bis richtig zart!

LTD EC-1000 Piezo QM STB

LTD EC-1000 Piezo QM STB

Zugegeben, auf den ersten flüchtigen Blick wirkt die LTD EC-1000 Piezo QM STB nicht viel anders als eine gewöhnliche Singlecut-Metal-Gitarre, wie sie es ja zuhauf auf dem Markt gibt. Düstere Optik, zwei Humbucker on top: Fertig ist die x-ste Paula-Kopie, könnte man meinen. Doch dem ist nicht so, denn unter der Haube bzw. in der Brücke integriert steckt ein Piezo-Pickup, der der EC-1000 Piezo QM STB auch ganz sanfte, ungewöhnliche Töne entlocken kann. Was uns die LTD EC-1000 Piezo QM STB so alles bietet und was man mit ihr anstellen kann, werden wir uns im folgenden Artikel mal näher betrachten.

LTD EC-1000 Piezo QM STB front

LTD EC-1000 Piezo QM STB – Facts & Features

Unter dem Namen LTD ist der japanische Hersteller ESP im mittleren Preisbereich gut vertreten und genau aus diesem stammt auch unser Testmodell, das für knapp unter der 1000-Euro-Grenze angeboten wird. Wie bei vielen weiteren Instrumenten von ESP/LTD kommt auch bei der EC-1000 Piezo eine so genannte „Set-Neck-Konstruktion“ zur Anwendung, was bedeutet, dass an einen durchgehenden Ahornhals zwei Teile Mahagoni angeleimt wurden. Dadurch verspricht man sich Vorteile in allen Bereichen der Klangerzeugung der Gitarre, sei es nun durch ein längeres Sustain oder durch ein insgesamt verbessertes Resonanzverhalten. Dass dies kein Ammenmärchen, sondern tatsächlich ein Fakt ist, haben wir bereits in Test von Instrumenten des Herstellers feststellen dürfen. Ganz gleich, ob nun das ESP oder das LTD Logo auf der Kopfplatte rankte.

Die aufgeleimte Wölkchenahorndecke besitzt ein perfektes Bookmatch-Design, die beiden Teile wurden absolut parallel zueinander aufgeleimt, in einem Schwarzton gebeizt und mit einer Hochglanzlackschicht versiegelt. Neben diesem Finish, der Hersteller bezeichnet es sinngemäß als „See Thru Black“, gibt es die EC-1000 mit Piezo-Pickup noch in einem nicht minder eindrucksvollen, durchscheinenden Blauton („See Thru Blue“). Beide Modelle besitzen ein cremefarbenes Binding, das den Rand der Decke umschließt und sich bis zur Kopfplatte fortsetzt.

LTD EC-1000 Piezo

Die EC-1000 Piezo in „See Thru Blue“

Der Lack ist vorne wie hinten perfekt aufgetragen und das entsprechend auch auf der Halsrückseite. Erfreulicherweise ist ESP/LTD hier aber eine Mixtur gelungen, die ein Ankleben der (feuchten) Greifhand weitestgehend verhindert. Das Halsprofil entspricht den Erwartungen an eine Metal-Gitarre voll und ganz: Äußerst flach und mit dem Griffbrettradius von 14″ und einer Sattelbreite von schlanken 42 mm sind auch moderne Spielereien überhaupt kein Problem. Vorbildlich eingesetzt und abgerichtet dazu wurden die 24 Extra-Jumbo-Bünde, die an den Seiten von dem Binding umschlossen werden, das schon an den Seiten der Decke beginnt.

Ganz und gar nicht gespart wurde an den riesigen Perlmutt-Inlays auf dem Griffbrett, das aus einem schön gezeichneten Stück Pau Ferro besteht. Etwas mehr Tendenz zum Rotstift ist allerdings bei den Mechaniken zu finden, die zwar recht unpräzise laufen, dafür aber immerhin eine Klemmvorrichtung besitzen. Wenn die Gitarre korrekt in Stimmung gebracht wurde, dann gab es während der Testdauer grundsätzlich keine Probleme beim Halten der Stimmung. Wenn jedoch Korrekturen vorgenommen werden mussten, dann mit Gefühl und noch etwas mehr Geduld. Und damit sind wir auch schon bei der Hardware angelangt.

LTD EC-1000 Piezo headstock

Kopfplatte der LTD EC-1000 mit Typenbezeichnung auf der Abdeckkappe des Truss Rods

LTD EC-1000 Piezo QM STB – Hardware & Elektrik

Die ToM-Bridge mit ihren sechs Piezosätteln gehört sicherlich zu den interessantesten Teilen an dieser Gitarre. Unterhalb der Brücke gelangt das Kabel des Piezos gut versteckt durch eine kleine Bohrung in die Decke und schließlich in das Elektronikfach auf der Rückseite. Dort hinten finden wir zudem das Fach für die zum Betrieb notwendige 9-Volt-Batterie, dessen Deckel zwar versenkt eingesetzt, jedoch nicht als Schnellverschluss ausgeführt wurde. Zum Öffnen des Fachs müssen zwei Kreuzschlitzschrauben abgenommen werden, ehe man Zugriff zum Saftspender erhält.

Der Piezo-Pickup ist Teil der sehr flexiblen elektrischen Schaltung der EC-1000, er ist sozusagen das Sahnehäubchen auf den Kuchen, den die beiden Seymour Duncan Humbucker in Hals- und Stegposition als Basis liefern. Bei den beiden Doppelspulern treffen wir auf alte Bekannte, so sitzt ein ’59 in der Halsposition, während am Steg der gute alte Evergreen JB (Jeff Beck) auf seinen Einsatz wartet. Angewählt werden die beiden Humbucker über einen Dreiwegeschalter in der gewohnten Les-Paul-Position, reguliert wird mit einem Volume-Regler und einem gemeinsamen Tone-Poti. Das dritte Poti dient ausschließlich zur Bestimmung der Lautstärke des Piezos, der sich allein oder auch zusammen mit den beiden Humbuckern betreiben lässt. Das wird über einen Dreiwege-Minischalter geregelt, der sich griffgünstig in unmittelbarer Nähe der drei Regler befindet. Er schaltet die Funktionen Piezo an, Piezo Mix mit den Humbuckern oder aber Piezo aus.

Um eine optimale Ausbeute über das Signal zu erhalten, gibt es am unteren Ende des Korpus gleich zwei Klinkenbuchsen, um entweder nur das Signal der beiden Humbucker abzunehmen oder aber um über eine zweite Buchse beide Welten zu einem Ganzen zu mischen. Die untere Buchse ist darüber hinaus für die Aufnahme eines TRS-Kabels vorbereitet, dort liegt das Signal der beiden Humbucker an der Spitze und die des Piezo-Pickups am Ring des Stereosteckers an. Das folgende Diagramm verschafft einen guten Überblick über die Elektrik der LTD EC-1000 Piezo.

Der eine oder andere unter uns kann sich sicher jetzt schon ausmalen, was mit diesem Angebot alles möglich ist: Wie wäre es mit High-Gain auf dem JB am Steg, garniert mit ein paar kristallinen Höhen aus dem Piezo? Oder vielleicht doch lieber einen Steelstring-Sound mit etwas zugemischtem Mittenbrett vom Sound des ’59 Humbuckers am Hals? All das ist möglich, da möchte ich die an dieser Stelle regelmäßig anstehende Schelte bezüglich der fehlenden Singlecoil-Option der Humbucker mal stecken lassen und direkt zum Praxisteil übergehen!

LTD EC-1000 Piezo rear

LTD EC-1000 Piezo QM STB – in der Praxis

Die Verarbeitung verdient also mehr als drei Sternchen, doch wie steht es mit dem Sound und der Bespielbarkeit, der beiden wichtigsten Faktoren? Mehr als gut kann man nur sagen. Erneut zeigt sich, welche Auswirkungen doch eine Konstruktion mit durchgehendem Hals auf den Klang einer Gitarre hat. Unsere LTD EC-1000 Piezo QM STB strotzt bereits im unverstärkten Zustand nur so vor Resonanz und Sustain, was durch alle drei Pickups nahezu unverfälscht an den angeschlossenen Verstärker abgegeben wird. Die Bespielbarkeit an sich ist dank des flachen Halsprofils richtig gut und wäre sicher noch ein ganzes Stück besser, wenn man sich bei der Einstellung ab Werk etwas mehr Mühe gegeben hätte. Doch mit wenigen Umdrehungen an den Bolzen der ToM-Brücke lässt sich eine äußerst komfortable Saitenlage frei von jeglichem Scheppern oder Schnarren einstellen.

Hören wir rein in den Sound der LTD EC-1000 Piezo, für die Klangbeispiele habe ich wieder mein Referenz-Setup mit dem Orange Micro Dark und angeschlossener Celeston V-30-Box verwendet. Abgenommen wurde mit einem AKG C3000, dessen Signal in Logic aufgezeichnet wurde.

Im ersten Beispiel hören wir den Sound des Piezo-Pickups. Klar, wie eine Westerngitarre klingt das nicht zwingend, zumindest nicht das pure Signal. Im Bandkontext könnte man aber mit diesem Klang durchaus etwas anstellen.

Klangbeispiel 2 zeigt den Sound der beiden Duncans, hier ebenfalls unverzerrt. Ein Klang, der dank der kräftigen Resonanzen und des guten Sustains der Grundkonstruktion wunderbar dicht und dynamisch ist.

Wir ziehen den Griff des Dreiwegeschalters ganz nach oben und hören im nächsten Beispiel den Sound des Seymour Duncan ’59 in der Halsposition. Ebenfalls unverzerrt.

Jetzt zu den Zerrsounds, in Beispiel 4 ein Riff, eingespielt auf dem JB am Steg. Hier lässt die LTD EC-1000 Piezo QM STB beeindruckend gut ihre Muskeln spielen. Der Sound ist bissig, scharf und trotz der hohen Verzerrung ist kaum ein Matschen festzustellen. Das Sustain ist hier schier endlos, ich habe nach dem letzten Ton einfach mal die Gitarre machen lassen …

Etwas sensibler bezüglich Differenzierung im Klangbild präsentiert sich hingegen der SD ’59 am Hals. Hier sollte man mit der Zerre des Verstärkers etwas vorsichtiger umgehen, um kein zu starkes Matschen zu provozieren.

LTD EC-1000 Piezo Body

Fazit

Die reguläre LTD EC-1000 ist sicher schon eine sehr gute Gitarre, durch die Piezo-Option jedoch macht die LTD EC-1000 Piezo QM STB jetzt einen nicht zu verachtenden Quantensprung in Sachen klanglicher Flexibilität. Bei den übrigen Werten wie Verarbeitung, Klang und Optik kann das Instrument ebenso überzeugen, lediglich die schlappen Mechaniken kosten in der abschließenden Wertung ein paar Punkte.

Plus

  • extrem flexibler Klang dank Piezo-Pickup
  • sehr gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • schöne Optik
  • Leichtgewicht

Preis

  • Ladenpreis: 999,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    anttimaatteri  

    Eine Gitarre zum schwach werden. Optik klasse (schwarze Version) und Sound klasse. Klingt wirklich gut mit dem Setup über meine Monitore etc. und eine LesPaul-Variante hatte ich eh noch nie.^^

  2. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Hi Stephan,

    ein schön geschriebener Testbericht über ein schönes Instrument.
    Da ich selber als Hauptgitarre eine Elektrische mit Piezo habe (Duesenberg Starplayer TV+) , hier ein Tip aus der Praxis: Es lohnt sich unbedingt, das Piezosignal nicht durch einen färbenden Gitarren-Amp zu leiten – man bekommt hier ähnlich suboptimale Ergebnisse, wie wenn man eine Western-Piezo an einen E-Gitarrenamp hängt – sondern entweder in einen Akustik-Verstärker, oder per DI direkt ins Pult oder in einen Modeller mit Bypass der Amp-/Speaker Emulation.
    Bei den amerikanischen PRS mit Piezo wird dies auch explizit seitens des Hestellers empfohlen, da wie bei der LTD EC1000 die Konstruktion mit zwei separaten Buchsen „MAG“ und „Piezo“ zu getrennter Signalführung einlädt, u.a. zeigt Steven Wilson in einem Video, wie kreativ es klingt, wenn der akustische Teil den knackigen Attack einer Western hat, während der komprimierende Crunch dann den langen Sustain beisteuert.
    Ich persönlich nutze ein Modeller Board, um schnell und ohne Gedöns mitten im Song von reinem akustischen Sound auf Crunch oder sogar Hi-Gain umzuschalten – mit dem besten aus beiden Welten. Würde mich auch interessieren, wie die LTD EC1000 ohne Orange Dark/Celestion klingt.
    (Steven Wilson’s Demo: https://www.youtube.com/watch?v=Wh-ak5qvIhg)
    Gruß, Carsten

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hi Carsten,

      danke für das Lob und die Ergänzungen :) Stimmt, einem Piezo-Signal sollte man am besten einen eigenen Amp/Pult widmen!

      Gruß :)

      Stephan

  3. Profilbild
    enricog84

    Hab meine EC1000P aufgrund von einem Wackelkontakt Anfang des Jahres zum Austausch zurückgeschickt.
    Heute endlich den Ersatz erhalten. Zu meiner Überraschung hatte diese direkt ein push/pull coil split verbaut. Keine Ahnung ob das nun Standard ist, aber das macht die ohnehin schon flexible Gitarre nochmal ein Stück besser ;)
    Ansonsten kann ich dem Review zustimmen, eine tolle und flexible Gitarre.

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