Test: M-Audio Black Box

7. Juni 2005

M-Audio Black Box

M-Audio, vor allem bekannt für seine Soundkarten, hat in letzter Zeit sein Sortiment kräftig ausgeweitet. Neben MIDI-Keyboards und Sample CDs haben wir heute das neueste Mitglied der M-Audio-Familie auf dem Prüfstand. Die „Black Box“ vereint einen Gitarrenamp-Simulator mit dutzenden Effekten wie Delay, Flanger, Tremolo, etc. … eine Beatbox und ein Recording-Interface zum optionalen Betrieb der Black-Box als Soundkarte inklusive Mikrofon-Preamp. Sämtliche Effekte können übrigens temposynchron zum eingebauten Drumcomputer oder aber zum Songtempo agieren. Entwickelt wurde die Black Box in Zusammenarbeit mit „Roger Linn Design“. Roger Linn ist Erfinder der legendären Linn Drum und war maßgeblich an der Entwicklung der AKAI Groove-Box MPC beteiligt. In letzter Zeit hat er mit seiner eigenen Firma „Roger Linn Design“ vor allem durch die Gitarren-Effektbox „Adrenalin“ von sich hören gemacht, die ein ähnliches Konzept wie die Black Box verfolgt, jedoch keine Soundkartenfunktionalität bietet.
Alles in allem also ziemlich viel Funktion in einem Gerät, man darf also gespannt sein.

Titel 1

Titel 1

Aufbau:
Die „Black Box“ befindet sich in einem stabilen Gehäuse aus schwarzem (wer hätte das gedacht!) Hartplastik und ist als Tischgerät konzipiert. Das Gehäuse wäre auch für einen Bühneneinsatz robust genug, allerdings bietet es keine per Fuß steuerbaren Schalter, womit sein Einsatzgebiet wohl eher im Studio zu finden sein wird. Mitgeliefert wird ein Adapter, mit dessen Hilfe man die „Black Box“ an einen Mikroständer montieren kann – sehr pfiffig und hilfreich.
Zentraler Hingucker ist ein großes, blaues Display in dem alle wichtigen Parameter dargestellt werden und das beim Editieren von Sounds hilfreich ist. Leider kann man das Display nur lesen, wenn man von vorne schräg draufschaut. Beugt man sich über das Gerät, ist das Display nicht ablesbar. Unterhalb des Displays befinden sich vier silberne Drehknöpfe zum Editieren der Sounds – sie haben unterschiedliche Funktionalität, je nach dem, was man gerade bearbeitet.
Rechts befinden sich Potis für Eingangslautstärke des Gitarrensignals, Outputlevel (analog), ein Mixregler für das Verhältnis zwischen Input- und Playbacksignal (wichtig, wenn man die Black Box als Recording-Interface benutzt!) und Level-Regler für den Mikroeingang.
Zusätzlich finden sich hier Clipping-LEDs für den Gitarren- und Mikroeingang.
Linker Hand finden wir zahlreiche Up/Down-Taster und Buttons für die Anwahl der Presets (100 an der Zahl plus Speicherplatz für weitere 100 Eigenkreationen), für die Auswahl der hundert Drumpattern, sowie zur Auswahl der einzelnen Parts eines Presets, wie etwa Amp, Delay oder FX, die dann im Display editiert werden können. Weiterhin gibt es einen Button, um die Drumpattern zu starten/stoppen und eine Tap-Taste, um von Hand das Tempo einzugeben. Dieses Tempo gilt dann sowohl für die Drumgrooves, wie auch für die Effekte, wie etwa Delay, etc.
Frontseitig haben wir einen Klinkeneingang für das Gitarrensignal und eine Kopfhörerbuchse, rückseitig einen Mikrofoneingang für dynamische Mikros, symmetrische Klinkenausgänge, einen digitalen S/PDIF-Ausgang, Anschlüsse für zwei Fußschalter und einem Expression-Pedal, einen USB-Port zum Anschluss an den Computer, sowie das Netzteil.
Zum einen kann man nun die Black Box ganz einfach mit einem Gitarren-Amp oder dem Eingang einer Soundkarte verbinden und loslegen. Doch damit würden Sie einen Großteil Ihres Potenzials und ihrer Möglichkeiten sträflich vernachlässigen. Der Black Box beigelegt finden sich nämlich 2 CDs. CD 1 enthält die Treiber, um die Black Box voll nutzen zu können (unterstützt werden Windows XP und Mac OS X ab Version 10.3.7 (alle Aussagen beziehen sich in diesem Text übrigens auf die Mac Version). Ist der Treiber installiert, was völlig stressfrei mit ein paar Mausklicks und einem Neustart erledigt ist, so steht auf dem Rechner nun ein neues Control-Panel zur Verfügung. Die Black Box wird nun lediglich mit einem USB-Kabel mit dem Rechner verbunden, und es kann losgehen.

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Außerdem kann man im Sequenzer seiner Wahl die Black Box als Treiber bestimmen.
Im Control-Panel legt man u.a. fest, ob die Black Box ihr Tempo selber generieren oder diese Informationen extern via MIDI-Clock beziehen soll.
Auf einer weiteren CD liefert M-Audio gleich noch eine abgespeckte Version des Audio-Sequenzers Live von Ableton mit, mit dem man sofort loslegen kann. Außerdem gibt es noch eine Auswahl akustischer Drumloops aus der hauseigenen ProSessions-Reihe.

Praxis:
Die Black Box bietet Nachbildungen der typischen und klassischen Verstärkertypen, diverse Fender Combos neben einigen legendären Marshall Modellen, Vox AC 30, Mesa Boogie und Soldano. Die Amps klingen durch die Reihe durchaus brauchbar. Vor allem Rock- und Heavy-Sounds finde ich sehr gelungen, die Clean-Sounds fallen da leider etwas ab, sie haben für meinen Geschmack zu wenig Druck und klingen etwas lieblos.
Der wirkliche Knaller der Black Box hingegen ist die FX-Abteilung. Zuerst gibt es auch hier die Standardkost, sprich Tremolo, Flanger, Chorus, Autowah, usw.
Der Clou allerdings ist, dass sich alle Effekte synchron zum gewählten Tempo nutzen lassen. Dies geschieht entweder per Tap-Tempo-Taste oder aber, wenn die Black Box zu einer Software synchronisiert wird und von dort ihre Tempoangaben bezieht. Neben den oben erwähnten Standard-Effekten gibt es noch ziemlich abgefahrene Effekte, die an typische Step-Sequenzer und Appregiator-Sounds, wie man sie vom Synthesizer kennt, erinnern (siehe Soundbeispiele).
Damit kann man seiner Gitarre Klänge entlocken und Ideen umsetzen, die sonst nicht ohne weiteres möglich oder denkbar wären – und stets alles synchron zum Songtempo!
Hat man sich an den Presets satt gehört und meint durch alle Special-FX durch zu sein, wird man feststellen, dass die Black Box noch einen weiteren Trumpf im Ärmel hat. Einige der Effekte erlauben es nämlich, ausgewählte Parameter über MIDI-Noten zu modulieren. Man kann also beispielsweise im Sequenzer eine MIDI-Notenfolge aufzeichnen und dann die Filterfrequenz eines Bandpass-Filters steuern, während man live Gitarre spielt. Die Black Box ist nämlich nicht nur ein Audio-Interface, sondern stellt im Sequenzer auch einen MIDI-Port zur Verfügung. Dieser funktioniert übrigens auch, wenn man einen anderen Audio-Treiber wählt, sprich mit einer anderen Soundkarte arbeitet. Sehr schön.

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Als dritter Block steht noch ein Delay zur Verfügung. Delay-Time, Wiederholungen und Volume stehen hier zur Verfügung. Natürlich folgt auch das Delay dem Tempo. Ein weiteres kreatives Leistungsmerkmal ist die Möglichkeit, auch die internen Drum-Loops durch das Delay oder alternativ durch FX und Amp zu schicken und somit sehr abgefahrene Sound-Kreationen zu erschaffen. Schade ist lediglich, dass man auf die werksseitigen Drum-Loops angewiesen ist und nicht etwa per MIDI Eigenkreationen übertragen und abspeichern kann.
Schade ist auch, dass man den eingebauten Tuner nicht nutzen kann! Laut Handbuch muss man zu diesem Zweck gleichzeitig die „Delay-“ und „Untility-Taste“ drücken – da tut sich aber leider nichts!
Außerdem habe ich einen Hall Effekt vermisst. Einen klaren Pluspunkt bekommt die Black Box hingegen für ihre Rauschunterdrückung. Denn egal wie wild die Effekteinstellungen sind, es herrscht stets absolute Ruhe. Dabei ist diese Rauschunterdrückung nirgends dokumentiert, d.h. auch nicht ein-/ausschaltbar, sie ist einfach da und funktioniert.

 

Fazit:
Zu allererst ist die Black Box eine Gitarrenworkstation, die sich sehr einfach bedienen lässt, gute Sounds bereitstellt und einen einfachen Drum-Computer zum üben bereitstellt. Soweit so gut. Andererseits wäre es natürlich sträflich, wenn man sich damit begnügen würde, denn was die Black Box nach einem ausführlichen Blick ins Handbuch und der Installation des Treibers zu bieten hat, hat mich echt begeistert. Wer auf rhythmisch bewegte Sounds und verfremdete Gitarrenklänge steht, findet hier einen idealen Sparringspartner.
Schade, dass es nur einen Mono-Eingang gibt, sonst könnte man auch beliebige Synthesizer, Groove-Boxen und ähnliches durch die Black Box jagen.
Dass man zum eigentlichen Gerät noch eine komplette und voll funktionsfähige Recording-Software bekomm,t ist definitiv mehr als eine nette Zugabe, zumal Live ja auch bekannt ist für einen unkonventionellen und experimentellen Umgang mit Sounds und Samples und damit der ideale Partner ist.
Zu den Kritikpunkten ist eigentlich alles gesagt. Der Tuner geht nicht, und es lassen sich keine eigenen Loops erstellen/importieren. Ich hege aber hier die Hoffnung, dass solche und weitere Features bzw. Bugs mittels Software-Update nachgereicht bzw. behoben werden.

Plus/Minus:

+++ Sequenzer/Appregiator Sounds
++ Konzept

— Tuner geht nicht
– Keine eigenen Loops möglich

 

Preis:

UVP: 299 €
Straßenpreis: ca. 269 €

 

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    bei mir hat der tuner der blackbox funktioniert. allerdings musste man schon mehrfach draufdrücken, um diese funktion starten zu können.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    sehr schönes Produkt für Anfänger und Fortgeschrittene! Habe nichts vergleichbares auf dem Markt gefunden – das Teil ist sein Geld superwert!
    Jürgen Höferlin

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      AMAZONA Archiv

      Ich habe auch das erste Exemplar meiner Blackbox zum Händler zurückgeschickt, weil der Tuner nicht ging so wie in der Anleitung beschrieben – Ich hatte es aber trotzdem an 10 Tagen 2Mal geschafft den Tuner einzuschalten, wusste aber nachher nie wie.
      Als die zweite Blackbox hier neu aus dem Karton auch den Tuner nicht konnte, habe ich endlich rausbekommen was falsch war: Man muss beide Tasten gleichzeitig „Doppelklicken“ – Hallo Windows-User !!! – Aber das steht in der Anleitung nicht !!!
      – Ich finde die Blackbox bei einigen verzerrten Sounds besser als den Line 6 X3 – Die Blackbox liefert zudem immer eine Stereo-Signal, wo der X3 meist nur Mono ausgibt.

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