Test: M-Audio BX3, BX4, Multimedia-Lautsprecher

23. November 2020

Multimediamonitore für den schmalen Geldbeutel

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M-Audio BX3, BX4, Multimedia-Lautsprecher

M-Audio BX3 und BX4 sind laut Hersteller „Referenzmonitore“. Somit sollten sie also entweder höchsten Ansprüchen genügen oder so etabliert sein, dass deren charakteristische klangliche Merkmale so verbreitet sind, dass sie als Bezugssystem herangezogen werden können. Wir sprechen also entweder von Monitoren bekannter Hersteller in der „3.000 Euro plus“-Klasse oder Speaker wie die Yamaha HS-Serie (die mit den weißen Tiefmitteltönern), die gerne als das klassische „Mittelmaß“ als Abhöre dienen.

Die M-Audio BX3 kosten 109,- Euro pro Paar, sind aus MDF und Kunststoff gefertigt und es kommt für den „Bassbereich“ (bewusst in Anführungszeichen) ein 3,5“-Chassis zum Einsatz. Bei der BX4, für ganze 129,- Euro pro Paar, sind es 4,5“-Tiefmitteltöner.

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Sie merken schon, wohin das hier führt: Als Autor stehe ich übertriebenen Marketingausdrücken à la „Referenzmonitore“ etwas skeptisch gegenüber – immerhin hat man das kleine Wörtchen „Multimedia“ noch in den Produktnamen aufgenommen. Somit werden wir uns die kleinen Speaker von M-Audio auch eher im Vergleich mit der vom mir getesteten Behringer MEDIA 40 USB und anderen günstigen Speaker-Modellen anhören.

M-Audio BX3 und BX4: Verarbeitung und Ausstattung

Nimmt man die kompakten Speaker aus der attraktiven Verkaufsverpackung, so wird einem schon klar, wohin die Reise geht. Der Kunststoff der Frontplatte wirkt einfach und das restliche Gehäuse ist beschichtetes MDF. Bei den kleineren Modell BX3 hing bei meinem Testmodell ein dünner Klebstoff-Faden an einem der 3,5“ Lautsprecher – hoffentlich der Vorserie geschuldet. Dafür zieren die Chassis eine kohlefaserartige Maserung und die Chassis sind passgenau in die Schallwand eingelassen. Als Material für die Tiefmitteltöner gibt M-Audio für die BX3 und BX4 übrigens Kevlar an. Der Hochtöner verfügt über eine 1“ Seidenkalotte, der über eine Art Wave-Guide verfügt, um den Wirkungsgrad zu erhöhen.

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Beiden Modellen ist die Auslegung gleich: In jeweils einem Speaker befindet sich die Verstärkerelektronik, während der zweite, passive Speaker mit einem 3,5 mm Klinkenkabel angebunden wird. Die aktive Elektronik verfügt über 120 Watt, wobei uns bewusst sein muss, dass dieser Wert nicht mit 120 Watt einer PA-Endstufe oder eines ausgewachsenen Nahfeldmonitors zu tun hat.

Interessant: BX3 und BX4 haben unterschiedliche Verstärkereinschübe, die zwar sehr ähnlich sind, aber nicht identisch. Theoretisch hätte man der größeren BX4 auch die etwas kompaktere Elektronik der BX3 einsetzen können. Ich denke, der Unterschied liegt in der Bassreflexöffnung, die Teil der Backplane ist: Etwas größer und deutlich länger ist diese Öffnung bei der BX4 geraten. Die Grundlagen von Thiele und Small hatten man aber bei beiden Modellen sicher nicht im Kopf.

Hier der Port der M-Audio BX3:

M-Audio_BX3_4_Bx3port

… und hier der BX4:

M-Audio_BX3_4_BX4port

Die Elektronik ist recht gut ausgestattet: High-EQ und Low-EQ zum Anpassen der Höhen und Bässe, 2x Cinch (RCA) und 2x 6,35 mm Klinkeneingänge. Dazu auf der Front ein Stereo-Aux-Ausgang und ein Kopfhörerausgang (warum eigentlich?). Praktisch: Man kann umstellen, welcher der Lautsprecher rechts oder links steht. Das ist gut, denn so kann man den aktiven Speaker näher zur Steckdose stellen. Auf der Front dann noch der Volume-Regler unter einer nicht zu hellen, weißen Betriebs-LED. Dort kann man die BX-Speaker auch mit einem Linksdreh ausschalten.

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Alles in allem sind die neuen BX-Modelle von M-Audio gut ausgestattet. Bluetooth, Auto-Power-off oder gar einen DSP findet man hier nicht, was aber bei dem Preis auch nicht zu erwarten ist.

Zum Lieferumfang hinzu gehört noch ein Software-Paket mit Pro Tools | First M-Audio Edition und 20 Avid Effect-Plugins.

Technik

Die kleineren BX werden mit einem Frequenzbereich von 80 Hz bis 22 kHz angegeben. Bei genauerem Lesen findet man auch heraus, das die 120 Watt Spitzenleistung genau genommen 2x 25 Watt RMS sind, was eher dem Hebotenen entspricht. Die Abmessungen der BX3 belaufen sich auf 120 x 145 x 208 mm (B x T x H) und das kleine Kistchen wiegt dabei schlanke 1,68 kg.

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Bei der BX4 mit 4,5“ Tiefmitteltöner werden 69 Hz bis 22 kHz angegeben, bei ebenfalls 2x 25 Watt RMS. Die 4er ist geringfügig größer und misst 156 x 175 x 225mm (B x T x H). Hier muss man stolze 2,23 kg „wuchten“.

Beide Modelle werden über ein Netzkabel mit Strom versorgt, das ebenso zum Lieferumfang gehört wie das Verbindungskabel der beiden Speaker und ein Aux-Kabel (Stereo, 3,5 mm Klinke).

Klang

Da freut sich der Autor, wenn er mal nicht 30 kg pro Midfield-Monitor wuchten muss, sondern gerade mal 3 bis 4 kg auf seinem Studiotisch platzieren darf.  Jeweils eine Armlänge Abstand zum Hörplatz und eine Basisbreite von etwa 1,5 m bieten ein bestmögliches Klangerlebnis.

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Diverse Experimente mit unterschiedlichen „Untersetzern“ in Form von Spikes, Akustikschaum oder echtem Kautschuk haben übrigens kaum einen Unterschied gemacht. Man sollte die kleinen Kistchen nur nicht direkt auf der Tischplatte betreiben.

Dieses Wort “Klangerlebnis“, darüber habe ich lange nachgedacht. Ich bin ganz offen: Nachdem ich die BX3 angeschlossen und in Betrieb genommen hatte, war mein erster Gedanke: „Da klingt ja mein iMac besser.“ Verhangene Mitten, kaum Bass und die Höhen, naja gut, damit kann man leben.

Ein beherzter Griff zu den Bass- und Höhenreglern hat das kaum verbessert. Von Bass ist da immer noch nicht zu sprechen und die mumpfigen Mitten blieben auch weiterhin mumpfig. Am Schlimmsten: Das jegliche Fehlen von Dynamik. Ich habe erst mal nachgesehen, ob ich in meinem Apollo Twin versehentlich einen Kompressor im Signalweg hatte. Ne, leider nicht. Mehr Pegel? Nein, das Ganze ist und bleibt flach und wenig dynamisch, schade.

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Positiv kann ich bewerten, dass sich das Klangbild gut von den Chassis löst und so etwas wie Räumlichkeit gezeichnet wird.

Da die BX-Modelle von M-Audio sicher nicht als High-End-Speaker eingesetzt werden, habe ich meine Tests auch überwiegend mit Titeln aus dem Bereich Pop, RnB und Rock gemacht. Aber wie schon angedeutet, vom Hocker gehauen hat mich das wirklich nicht: „Changes“ von 2Pac wird dem Rapper nicht gerecht, „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode pumpt langweilig vor sich hin und die „Streets of Philadelphia“ bleiben leider dunkel und traurig.

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Schauen wir uns also die mit ein bisschen mehr Volumen und einem 4,5“ Tiefmitteltöner ausgestatteten BX4 an.

Die Mitten klingen gut, der Oberbass ist knackig und sogar die Höhen profitieren vom größeren Chassis. Wie das? Noch mal gehe ich alles durch: die Verkabelung, Aufstellung, die gehörten Songs. Nein, ich bleibe dabei: Der M-Audio BX4 ist ein guter Multimedia-Speaker. Recht neutral, deutlich dynamischer und kraftvoller als der kleine Bruder, viel mehr Fundament und eine ebenso gute räumliche Abbildung. Die Höhen sind nach wie vor kein „Auflösungswunder“, aber hier fügt sich der Tweeter viel besser in das Geschehen ein.

Dafür sind die BX4 natürlich auch viel teurer, oder? Nein. 20,- Euro Preisdifferenz pro Paar. Sind es 109,- Euro bei der BX3, so sind es 129,- Euro bei der 4er. Und selten sind 20,- Euro so gut angelegt, wie beim Griff zum größeren Bruder.

Vergleich zur Konkurrenz

Den Vergleich zur Behringer Media 40 USB  kann ich gerne kurz machen: Mit 93,- Euro pro Paar sind die Behringer viel besser als die M-Audio BX3, aber nicht so gut, wie die BX4. Konnte ich bei der Media 40 USB noch viel mit dem Equalizer retten, so macht das die BX3 eher schlechter. Die BX4 hingegen klingt mit etwas mehr Bass und Höhen durchaus ansprechend.

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Gehen wir eine Etage im Preis nach oben, dann wird doch schnell deutlich, dass sich die M-Audio BX wirklich im Lowcost-Bereich tummeln. Eine KRK Rokit RP5 (149,- Euro pro Stück) oder die formidablen Fluid Audio FX50 bieten schon echte Monitorqualitäten und können auch schon mal für einen kleinen Mix herhalten.

 

Fazit

Was soll ich sagen? Während die M-Audio BX4 durchaus ein guter Multimedia-Lautsprecher sind, mag ich die BX3 niemanden empfehlen – schon gar nicht bei einem Preisunterschied von nur 20 Euro pro Paar: Das ist gut angelegtes Geld. Mit ordentlicher Ausstattung und guter Verarbeitung ist zumindest der größere Bruder ein anständiger Lautsprecher für die Wiedergabe von iTunes, YouTube & Co. Wer echte Monitorqualitäten sucht, muss aber etwas tiefer in die Tasche greifen.

Plus

  • gut ausgestattet
  • sehr kompakt
  • preisgünstig
  • BX4 klanglich gut

Minus

  • BX3 klanglich unterm Durchschnitt

Preis

  • M-Audio BX3: 109,- Euro / Paar
  • M-Audio BX4: 129,- Euro / Paar
Forum
  1. Profilbild
    gaffer  AHU

    Schon in den Siebzigern hätte es keiner gewagt, seine Stereoanlage vorzuzeigen, wenn er nicht mindestens das Dreifache für seine passiven!! Speaker ausgegeben hätte. Was soll ich da erwarten. Danke dass du es auch ausgesprochen hast.

  2. Profilbild
    Phakt  

    Moin, Bei dem Preis hat sich wohl ein fehler eingeschlichen :)
    Dort steht 2x BX3

    Grüße

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