Test: M-Audio ProFire 610

Der bleibende Eindruck

Nun sind Messewerte eben nur Messewerte und wie jegliche Messtätigkeit mit Fehlern behaftet. Und Zahlen sind auch keine Höreindrücke. Deswegen schreiten wir zum letzten Test, dem subjektiven Hörtest.  Das Nine Inch Nails Album „The Slip“ bot sich dafür als Testkandidat besonders an. Erstens habe ich sonst leider keine eigene Musik im 96kHz / 24 Bit Wave Format und zweitens steht es als kostenloser Download auf der NIN Seite zur Verfügung. Ein dritter Grund ist, dass Trent Reznor ja auch als Audiofetischist bekannt ist und deswegen angenommen werden darf, dass „The Slip“ auch mit 96kHz aufgezeichnet wurde und nicht nur einen Mixdown in Audio-DVD Qualität erfahren hat.
Nun gibt es ja diverse wissenschaftliche Studien darüber, dass eine hochwertige analoge Endstufe bzw. Vorstufe beim AD/DA Wandlungsprozess ungleich mehr audiophilen Klanggewinn bringt als das Hochschrauben der Samplerate. Und so überrascht das Ergebnis des Hörtest eigentlich nicht wirklich für das Mittelfeld, in dem wir uns bewegen – und überrascht doch wieder gleichzeitig. Die beiden Wandler liegen in ihrer Charakteristik derart nahe beieinander, dass die Unterschiede, sollten sie da sein, über meine Tannoy Monitore nicht aufgelöst werden können. Wiederum spielt die 610 hier mit ihren symmetrischen Ausgängen ihre Lautstärke gegenüber den unsymmetrischen Ausgängen und den ca.20 dBu leiserem Pegel der Transit aus und wirkt dadurch etwas zackiger mit mehr Punch und Offenheit. Aber auch ein Spur hektischer mit einer kleinen Nuance von Überfärbung. Jedoch ist bei gleicher Lautstärke im A/B Vergleich kein nennenswerter markanter Unterschied oder gar Vorsprung dem einen oder dem anderen Wandler zuzuordnen.
Auch der Unterschied im Hörtest zwischen 44 und 96kHz fiel in bei beiden Interfaces eher marginal aus. Diese Ergebnisse erstaunen schon etwas, dann aber auch wiederum nicht, sind doch beide Interfaces vom gleichen Hersteller und die Qualität der Endstufen dem mittigen Testfeld entsprechend. Das gute Abschneiden der Transit freut mich persönlich schon mal. Das Minimalinterface wurde zwar meistens freundlich aufgenommen, aber irgendwie nie richtig ernstgenommen.  Die Tests haben jedoch gezeigt, dass das Transit keine halbe Sache ist. Zumindest auch nicht „halber“ als das 610 in Sachen Audioqualität. Die Frage, die sich nun automatisch stellt, ist: Werten die Testergebnisse das 610 im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern jetzt auf oder ab?


FAZIT – Mehr als Facelifting

Addieren wir also gemeinsam: Das 610 hat symmetrische Anschlüsse, die wesentlich höhere Pegel vertragen und liefern als das 410 und das Transit. Damit ist man weiter entfernt vom Grundrauschen und damit sicherer bei kritischen Aufnahmesituationen. Die harmonischen Verzerrungen sollten, denke ich, eher als kosmetische Unschönheiten auf dem Schaubild gewertet werden. In der Praxis dürften sie, wie gesagt, kaum ins Gewicht fallen. Das 610 hat die wesentlich besseren Octane Vorverstärker gegenüber dem 410. Weiterhin hat das 610 nun endlich vier analoge Eingänge, die gleichzeitig genutzt werden können. Beim alten 410 waren entweder die Vorverstärker oder die Line-Eingänge nutzbar. Gut, dass auch die zwei (Kopfhörer) Monitore geblieben sind.  Zu sagen ist noch, dass Monitor 1 immer auf die Ausgänge 1 und 2 geschaltet ist und Monitor 2 auf die Ausgänge 3 und 4. Hinzu kommen noch die sehr guten Latenzzeiten und die stabilen Treiber, sowie der 150 Euro niedrigere Einführungspreis. Das 410 kostete nämlich damals bei Einführung 499 Euro. Zu dem Preis gibt es heute fast das Profire 2626. Was die 192kHz Samplingfrequenz angeht, so ist das letzten Endes in dieser Preisklasse nur Augenwischerei. Qualitativ hochwertige analoge Vor- bzw. Endstufen bringen nachweislich wesentlich mehr Klangtreue als hohe Samplingfrequenzen. Highend Audio benötigt eben Highend Equipment, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Aber ein nette Dreingabe zur  Kompatibilitätsgewährleistung ist die 192kHz-Fähigkeit allemal – keine Frage, zumal über den  S/P DIF auch der verlustfreie Anschluss an externe ADDA-Wandler möglich ist.
Insgesamt können die neuen Profire Geräte also nicht darüber hinwegtäuschen, was sie sind: gute Mittelklassewandler. Motu, Apogee, RME, Benchmark oder Metric Halo etc. spielen definitiv in einer anderen Liga … und Preisklasse. Zudem hat Apogee gerade vor Kurzem die Einstellung der Entwicklung für Windows (mit Ausnahme der X-HD Karte) bekannt geben und wird künftig nur noch Apple Macs unterstützen. Das wäre für M-Audio Produkte undenkbar.  Als ernstzunehmende Alternativen für das 610 blieben vor allem das etwas teurere 8×8 Presonus FirePod, das ebenfalls acht hervorragende Vorverstärker hat, allerdings auch im 19 Zoll Rackformat daherkommt, das 6×10 Focusrite Saffire und das 8×8 USB2 Interfaces FastTrack Ultra, ebenfalls von M-Audio. In der Summe ergibt sich für das 610 ein hervorragendes Technologie-Update als konsequenter Nachfolger des FireWire 410. Wer schon ein 410 hat, muss selber überlegen, ob ihm zwei Analogeingänge mehr und verbesserte Vorverstärker einen Austausch des Interfaces wert sind. Für alle anderen, die ein verlässliches, wirklich gut klingendes Audiointerface in der 350 Euro Preisklasse suchen, kann ich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen und mich damit dem damaligen Urteil unseres Chefredakteurs zum FireWire410 nur anschließen. Das, was das ProFire 610 kann, kann es richtig gut.

Plus

+++++ internationale Steckeradapter inklusive
+++++ geringe Latenzen
+++++ Octane Vorverstärker
+++++ DSP-Mischer
++++ Klang
++++ Routing
++++ Größe
++++ MIDI I/O

Minus

– Gewicht

Preise

ProFire 610: 355 Euro
ProFire 2626: 599 Euro

Und der Vollständigkeit halber: Transit 69 Euro

Hersteller: M-Audio

 

 

Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Wow, die Latenz ist ja genauso gut wie die meiner „RME 9652 HDSP“ PCI Karte! Hätte nicht gedacht, dass das überhaupt sein kann. Ich habe schon öfter gelesen, dass Firewire PCI in Sachen Latenz technisch unterlegen ist…
    schönen Gruß,
    Frank

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Die letzte Frage unter „Der bleibende Eindruck“ wird nicht beantwortet – was ist es denn nun?

    An welcher Stelle setzt die synchronisierbare Master-Volume-Regelung auf: vor D/A oder dahinter?

    Gruß,
    Martin

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Gemeint ist die letzte Frage in dem Absatz „Werten die Testergebnisse das 610 im Gegensatz zu seinen älteren Geschwistern jetzt auf oder ab?“ und nicht die Überschrift.

  3. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    „An welcher Stelle setzt die synchronisierbare Master-Volume-Regelung auf: vor D/A oder dahinter?“

    Da der Master unabhängig von den Returnbussen arbeitet, wird er wohl nach der D/A Wandlung sitzen.

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Nun, das wäre ja phantastisch, weil damit die Nachteile der digitalen (Bitreduktion) Lautstärkeregelung entfielen und Geräte wie „BigKnob“ oder „SPL Volume2/8“ obsolet würden.

      Ist das nun Deine Vermutung oder Wissen?

      Gruß
      Martin

      • Profilbild
        Markus Schroeder  RED

        Hallo Martin,

        ich hab nochmal bei M-Audio nachgefragt. Beim 610 wie beim 2626 greift der Masterregler nach dem DSP-Mischer und regelt den Ausgang des DAC. Die Signale gehen also FULL SCALE in den DAC. Das ist jetzt offiziell.

        grüße,
        Markus

  4. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    Ah, sorry hab ich falsch verstanden.
    Der Satz sollte eigentlich eine Überleitung zum Fazit sein, da man die Testergebnisse wirklich werten kann wie man will.

    Um aber deine Frage direkt zu beantworten: IMHO klanglich gesehen wird das 610 im Vergleich zum 410 und zur Transit abgewertet, da es hier in 5 Jahren keine relevanten Verbesserungen gegeben hat. Vom Preis/Leistungsverhältnis her ist es aber eine deutliche Aufwertung gegenüber der hauseigenen Konkurrenz und dem Rest sowieso.

    So ähnlich steht das auch im Fazit und ich kann das hier nur wiederholen.

    Grüße :)

  5. Profilbild
    c.hatvani  AHU

    Hallo Markus, könntest Du etwas über den TC Electronics Impact Twin sagen? z. B., ob er vom Sound her hochwertiger klingt als das M-Audio?

    Gruß,
    Chris

  6. Profilbild
    user79

    Ich hatte die Gelegenheit das M-Audio Profire 610 (315 Euro) und das MOTU Ultralite mk3 (480 Euro) Audio Interface auf DAC zu Testen. MOTU wurde als ein höherwertiges Audio Interface eingestuft, daher der Vergleich. Bei den günstigen Audio Interfaces ist der DAC wichtig, um die weitere Kosten zu vermeiden. Sonst würde man laut Foren eine Apogee, oder RMS holen.

    Den Hörtest habe ich mit einem Grado RS 325si (Kopfhörer mit hoher Auflösung) durchgeführt. Das MOTU klang flach, nicht ganz sauber, nicht transparent. Das ist eigentlich eine Schande. Der M-Audio Profire 610 hat es drauf gehabt, klanglich mehr darzustellen als meine ASUS Xonar D2X Soundkarte.

    ASUS DAC:

    24-bit D-A Converter of Digital Sources:
    TI Burr-Brown PCM1796 *4 (123dB SNR, Max. 192kHz/24bit)

    M-Audio DAC:

    Signal-to-Noise Ratio -108dB (A-weighted)
    Dynamic Range 108dB (A-weighted)
    THD+N 0.0016% (-96dB) @ -1dBFS, 1kHz

    Ich habe mit dem Profire 610 eindeutig mehr Klänge/Instrumente wahrnehmen können. Die Instrumente kamen sehr real vor. Die Aufnahme von der E-Gitarre ist ebenfalls klar gewesen, doch dies kann ich nicht mit dem MOTU vergleichen, weil ich mir beim MOTU nicht mehr die Mühe gegeben habe dies zu testen. Das MOTU ist ohne externen DAC’s nicht zu gebrauchen. MOTU hat den Vorteil, dass es ein EQ, Compressor, REVERB hat.
    Das Profire 610 hat nur ein Mixer, aber das kann der besser als MOTU, Profire 610 lässt sogar Software Channels mischen.

    Fazit: Falls es auch beim Abspielen gut klingen soll, dann M-Audio Profire 610.

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