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Test: MÄAG PREQ2, Mikrofonvorverstärker

Ein Mikrofonvorverstärker der flexiblen Art!

23. September 2022
mäag audio preq2 test

MÄAG PREQ2, Mikrofonvorverstärker

Es gibt Produkte, die einen aufgrund ihrer Optik, respektive Farbgebung unmittelbar an einen Hersteller erinnern. So geschehen bei mir bei dem zum Test vorliegenden MÄAG PREQ2, der mit seiner „Villa Kunterbunt“-Farbgebung mich sofort an frühere Midas Produkte erinnerte. Rot, Gelb, Grün, Blau und Schwarz auf zweifarbigem blauen Untergrund lassen die Siebziger wieder auferstehen. Inwieweit der zweikanalige Preamp mit EQ, der mit 1 HE in den USA gefertigt wird und für Recording- und Mixing-Funktionen geeignet ist, seinen ambitionierten Ladenpreis von 3.399,- Euro rechtfertigt, soll dieser Test zeigen.

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Das Konzept des MÄAG PREQ2

Die Firma Mäag Audio mag den Spezialisten des Genres durchaus ein Begriff sein, für die meisten dürfte jedoch die von Cliff Mäag ins Leben gerufene Firma Neuland bedeuten. Als Alleinstellungsmerkmal für Mäag Audio ist einmal mehr der sehr beliebte und auch bei dem MÄAG PREQ2 verbaute Air-Band Shelving-Equalizer zu nennen, der erstmals 1993 mit dem NTI EQ3 eingeführt wurde. Der MÄAG PREQ2 orientiert sich mit seinem Funktionsumfang, Spezifikationen und Leistungsmerkmalen zu einem großen Teil an dem ebenfalls von Mäag Audio stammenden Stereo-Mastering EQ4M, der einen ausgezeichneten Ruf in der Szene genießt.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Front

Die beiden aufeinander abgestimmten Kanäle des PREQ2 verarbeiten entweder Line- oder Mikrofonsignalpegel, mit separaten Line-Pegel-Eingangs- und Mikrofon-XLR-Anschlüssen auf der Rückseite. Auf der Rückseite befinden sich außerdem XLR-Ausgangsanschlüsse für jeden Kanal sowie ein IEC-Ein/Aus-/Sicherungs-Netzschalter. Bei einem Blick in das massive Stahlgehäuse, das es aufgrund der Bauweise immerhin auf 4 kg Gewicht bringt, erkennt man jede Menge Wima-Kondensatoren, zwei große Mäag Audio MA02-Transformatoren mit Nickelkern und einen flachen Ringkerntransformator. Die Konstruktion ist sehr ordentlich auf einer einzigen Leiterplatte angeordnet, wobei hauptsächlich oberflächenmontierte Geräte verwendet werden. Es gibt Line-Eingangsempfänger und Line-Treiber (Operationsverstärker) von THAT Corp. und drei Regler mit je drei Anschlüssen, einen für 48 Volt Phantomspeisung und zwei für die 18 Volt ±Schienen, alle mit geeigneten Kühlkörpern ausgestattet.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Rückseite

Die MÄAG PREQ2 Mikrofonvorverstärkersektion liefert bis zu 71 dB Gesamtverstärkung durch einen diskreten Class-A (FET) Transistorvorverstärker, der mit +27 dBu Headroom und einem Rauschpegel von -128 dB arbeitet. Zwei optimierte Verstärkungsbereiche sind auf der Vorderseite wählbar, +20 dB bis +42 dB und +42 bis +71 dB, mit dem +25 dB Verstärkungsschalter auf der Vorderseite. Der maximale Mikrofoneingangspegel ohne Verwendung des 20 dB Dämpfungsglieds beträgt +8 dB. Die Mikrofoneingangssektion verfügt zudem über Schalter auf der Vorderseite für +48 Volt Phantomspeisung, -20 dB Dämpfungspad, +25 dB Verstärkung, einer grünen Signal-LED, +26 dBu Peak-LEDs und einem Phasenschalter. Die Mikrofonverstärkung ist mit einem einzigen, großen, roten Verstärkungsregler stufenlos einstellbar.

Der Line-Schalter auf der Vorderseite schaltet die XLR-Line-Eingangsanschlüsse auf der Rückseite anstelle des Mikrofonvorverstärkers um. Es ist möglich, sowohl Mikrofon- als auch Line-Level-Quellen immer mit dem PREQ2 verbunden zu lassen und jeden Kanal separat umzuschalten. So kann man einen Kanal als Mikrofonvorverstärker und den anderen als Line-Pegel-Verstärker verwenden, um gleichzeitig ein anderes Instrument aufzunehmen.

In den Mikrofoneingangsbereich befindet sich außerdem 1/4 Zoll TS-Buchsen für hochohmige Instrumenteneingänge mit einer durchgeschleiften 1/4 Zoll Instrumenten-Mikrofon-Durchgangsbuchse. Die Thru-Buchse bietet gleichzeitig einen isolierten, gepufferten Ausgang des Instrumenteneingangssignals oder des XLR-Mikrofoneingangs des Kanals mit einer eingestellten Verstärkung von +34 dB. Dies ist ein unsymmetrisches Signal, um einen langen Line-Out zu einem Gitarrenverstärker im Studio zu führen, um z. B. Live-Reamping durchzuführen oder um einen Stomp-Pedal-Effekt mit dem PREQ2 zu verwenden. Wenn die Instrument Input-TS-Buchse angeschlossen ist, erkennt der MÄAG PREQ2 automatisch die Schaltung, um das unsymmetrische 1/4-Zoll-Eingangssignal zum Mikrofoneingangstransformator zu leiten. Diese Schaltung verhindert auch, dass die 48 Volt Phantomspeisung den 1/4 Zoll- oder XLR-Line-Eingang erreicht, selbst wenn sie bereits eingeschaltet ist.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Innenleben

Die EQ Sektion des Mic-Preamps

Der Mäag Audio PREQ2 verfügt über eine dreifache Filter-Sektionen, deren Layout und Bedienelemente für beide Kanäle identisch sind. Nach der Mikrofoneingangssektion ist der erste Regler ein Hochpassfilter mit 12 dB/Oktave. Dabei kann man über eine sehr feine Rasterung den Frequenzbereich von 20 Hz bis 200 Hz anwählen. Der MÄAG PREQ2 verfügt nur über einen klassischen Bassregler, der nur als Booster mit 6 dB/Oktave arbeitet und als Bandpass die Frequenzen 10 Hz (als SUB bezeichnet), 40 Hz, 65 Hz, 100 Hz, 125 Hz und 165 Hz bearbeitet. Inwieweit man bei 10 Hz noch von Bandpass sprechen kann, steht auf einem anderen Blatt. Der maximale Boost liegt bei +10 dB.

Der Höhenbereich wird durch das legendäre AIR BAND abgedeckt, das ebenfalls eine Boost-Funktion von bis zu +10 dB als Shelving-Filter ermöglicht und in die Bereiche 2,5 kHz, 5 kHz, 10 kHz, 15 kHz, 20 kHz und 40 kHz unterteilt ist.

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MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Air Band

Der MÄAG PREQ2 in der Tonstudio-Praxis

Bevor ich auf den Klang des MÄAG PREQ2 eingehe, sollte man sich zunächst die Besonderheit des Produkts vor Augen führen, was zweifelsohne in Verwendung der Signalabzweigung vom ersten in den zweiten Kanal zu suchen ist. Hier lassen sich vor allem Reamping bei Gitarrenaufnahmen und das Einbinden von Pedaleffekten zum Beispiel für Gesangsaufnahmen durch parallele Arbeitsweise der beiden Kanäle einbinden. Die Besonderheit ist nicht nur die Übernahme der sonst üblichen D.I.-Boxen Funktionen, sondern auch die Tatsache, dass der zweite Kanal bei Bedarf über eine komplette Klangregelung verfügt. Die Kombination der beiden Kanäle bietet gerade später im Mix eine sehr große Variationsmöglichkeit der verschiedenen Klänge.

Übrigens, die besten verzerrten FX-Sounds für Vocals macht immer noch ein analoger Gitarrenamp oder seine Kollegen von der Pedal-Front, was ihr gerne einmal in einem A/B-Vergleich mit den entsprechenden Plugins überprüfen solltet. Was gerade bei der Verwendung von FX-Pedalen auf den Vocals für den späteren Live-Bereich sehr interessant ist, wenn ihr Effekte, welcher Art auch immer, in Pedalform aufnehmt, könnt ihr diese Effekte später problemlos auf einem Pedalboard mit zur Show nehmen und dort den Sound erneut verwenden. Welcher Sänger kennt nicht das Problem der kompletten Abhängigkeit vom FOH, in der Hoffnung, dass er den im Studio kreierten FX-Sound zur richtigen Zeit möglichst authentisch reproduzieren kann.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Loop

Wie immer beim Reamping gilt es gerade bei einer umfangreichen aktiven Signalbearbeitung wie es hier der Fall ist, den Ausgangspegel im Auge zu behalten. Die Inputs eines Gitarrenamps sind für die sehr pegelschwachen Signale einer E-Gitarre ausgelegt, was dazu führt, dass das unbewusste „Anblasen“ des Amps zwar auf den ersten Blick eine Zunahme der Voluminösität generiert, bei genauem Hinhören jedoch die Nebengeräusche ebenfalls anhebt und die Durchsichtigkeit des Sounds massiv beeinträchtigt. Von daher, Augen weg von der LED-Kette und nur auf die Ohren vertrauen.

Was eventuell für den stationären Betrieb zu überdenken ist, wäre eine zusätzliche/alternative Möglichkeit, die Klinkenbuchsen auf die Rückseite des MÄAG PREQ2 zu verlegen und sie über eine Patchbay entsprechend in die interne Verkabelung einzubinden. Gerade bei hochwertigen Kabeln hört auch immer ein zumeist massiver Klinkenstecker zum Leistungsumfang, was in Zusammenspiel mit dem entsprechenden Kabel je nach Rackaufbau ein ziemliches Gewusel auf dem Frontpanel generiert.

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MÄAG PREQ2

MÄAG PREQ2

Nun denn, was mir bei der Inbetriebnahme (nicht) ins Auge fällt, ist eine Status-LED. Es ist leider nur über die Aktivierung eines Druckschalters zu erkennen, ob der MÄAG PREQ2 mit einer Betriebsspannung versorgt wird oder nicht. Was sich hinter diesem Layout verbirgt, erschließt sich mir leider nicht, ich hätte mir gerne eine entsprechende Anzeige gewünscht. Legt man allerdings die ersten Signale an, hört man sofort, warum Mäag Audio unter den Spezialisten einen so guten Ruf genießt.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 Profil

Zunächst einmal klingt der Preamp über den gesamten Regelbereich im besten Sinne völlig neutral. Zudem bringen ihn auch große Dynamiksprünge oder massive Basslastigkeit zu keiner Zeit ins Schwitzen, der sehr große Headroom federt alle Ströme nahezu gelassen ab und fährt zu keiner Zeit in irgendeine Form in die Sättigung. Interessant ist, dass der MÄAG PREQ2 trotz seiner nur in Zweiband gehaltenen Klangregelung seine Funktion als Mikrofonvorverstärker um einen sehr große Einsatzmöglichkeit erweitert. Natürlich sind die klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten nicht mit einem Mehrband-EQ zu vergleichen, aber dies sind auch nicht seine Aufgaben.

Sowohl im Reamp-Betrieb als auch in der klassischen Aufholverstärkerfunktion überzeugen die beiden Bänder mit einem absolut nicht färbenden Ansatz, wobei das AIR Band bei Bedarf in der Tat einen sehr fein auflösenden Höhenbereich bietet, der je nach Frequenzbereich sowohl durchsetzungsstarke Mitten, als auch fein säuselnde Höhen im Angebot hat. Ein rundum überzeugender Preamp, der zudem mit einem ausgezeichneten Klang punktet.

MÄAG PREQ2 Test

MÄAG PREQ2 im Einsatz

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Fazit

Mit dem MÄAG PREQ2 Dual-Channel Strip hat der amerikanische Hersteller einen Aufnahme-/Mischkanal der Spitzenklasse in seinem Portfolio. In seiner Reamp-Funktion ist er in der Tat als konkurrenzlos zu bezeichnen, zumal er auch im klassischen Zweikanal-Betrieb zu überzeugen weiß.

Unbedingt einmal antesten.

Plus

  • Klang
  • Reamping-Funktion
  • Verarbeitung

Minus

  • fehlende Status-LED

Preis

  • 3.399,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ollo

    Der EQ4 und Magnum-K Kompressor die ich bei Plugin-Alliance als Plugin habe, sind jedenfalls ganz gut. Von daher sollte deren Hardware ja auch gut sein. Abgesehen davon, dass die preislich sowieso nie für mich in Frage kommen können.

  2. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Axel,

    Vielen Dank für Dein interessanten Artikel. Schade das der Preis hoch ist, der Sound überzeugt aber!

    Schönes Wochenende und viele Grüße, Garfield.

  3. Profilbild
    oosborne

    Sieht echt billig aus für das Geld. Da haben andere Hersteller quasi für ein 10tel des Preises schon mit der Frontplatte verschraubte Buchsen, Schalter und Potis.

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