Lohnt sich der High-End-EQ fürs heimische Tonstudio?
Equalizer gehören in allen Schritten der Musikproduktion zu den wichtigsten Werkzeugen. Das gilt insbesondere beim Mastering, und genau für diese Anwendung schauen wir uns heute einen Spezialisten an. Zum Test steht das MAAT thEQred EQ-Plug-in. Dabei handelt es sich um ein EQ-Plug-in mit vielen Spezialfunktionen, die sich geradezu für den Job beim Mastering aufdrängen. Normalerweise kommt unser Testkandidat mit einem sündhaft teuren Preisschild von sage und schreibe 489,- Euro daher. Da das Plug-in zurzeit aber im Sale ist, haben wir die Gelegenheit genutzt, euch einen Überblick über die Möglichkeiten des thEQred EQ-Plug-ins zu verschaffen.
Was ist es? MAAT thEQred, digitales EQ-Plug-in, ein auf Mastering spezialisiertes linearphasiges Equalizer-Tool mit zwölf Bändern und Spektrogramm-Analyse.
- Konzept: Linearphasiger 12-Band-EQ für ästhetische Korrekturen im Mastering mit sehr feiner ±3 dB Darstellung.
- Klang: Extrem transparente, subtile Eingriffe ohne wahrnehmbare Klangfärbung, ideal für hochwertiges Akustikmaterial.
- Features: Spektrogramm, Klaviatur zur Frequenzsuche, Mid/Side-Modus, Autogain und Sortierfunktion.
- Performance: Sehr hohe CPU-Last und deutliche Latenz, klar auf Mastering beschränkt.
- Preis/Leistung: Im Sale interessant, regulär sehr teuer und nur für spezialisierte Mastering-Anwendungen sinnvoll.
Inhaltsverzeichnis
Wer steckt hinter MAAT thEQred?
Hinter dem Plug-in steht die Firma MAAT, hinter der wiederum der bekannte Mastering-Ingenieur Friedemann Tischmeier steht. Das Konzept der hauseigenen Equalizer-Serie (es gibt auch noch einen Orange EQ und Blue EQ) beruht auf den Algorithmen der Firma Algorithmix, die vor vielen Jahren ein Vorreiter im Bereich digitalen Audioprocessings war. MAAT hat sich zum Ziel gesetzt, diese Algorithmen in die Jetztzeit zu überführen und hat ganz nebenbei noch ein ansehnliches Portfolio an anderen Helfern für das Mixing und Mastering herausgebracht.
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Laut Hersteller dient der thEQred EQ vor allem für ästhetische Korrekturen beim Mastering, sprich dem Veredeln und „Schönmachen“ eines Mixes. Demgegenüber ist der Orange EQ für chirurgische Korrekturen gedacht, also das Entfernen von Störfrequenzen und der Blue EQ ist MAATs Version eines analogen EQs, mit dem man das Signal schönfärben kann. Soweit die Theorie. Schauen wir uns unseren Testkandidaten einmal im Detail an.
Übersicht des MAAT thEQred Plug-ins
Unser Testkandidat kommt mit zwölf Bändern daher, die sich im unteren Bereich des Plug-ins befinden. Den größten Bereich nimmt die Visualisierung des Audiomaterials und der erstellten Kurve in Anspruch, so wie man das mittlerweile von digitalen EQs gewohnt ist. Der thEQred stellt dabei keine Wellenform des Signals dar, sondern ein Spektrogramm, mit dem man sehr detailliert sehen kann, was passiert. Alle zwölf Bänder sind linearphasig. Dadurch soll gewährleistet werden, dass das Signal möglichst transparent bearbeitet wird und es nicht zu Phasenverschiebungen oder „Ringing“ kommt, wie das bei nicht-linearphasigen Equalizern der Fall sein kann.
Rein optisch wirkt unser Testkandidat etwas altbacken. Der Look erinnert doch stark an vergangene Jahrzehnte und ist nicht so übersichtlich und modern, wie man das von den Mitbewerbern kennt. Aber es soll ja hier um die klanglichen Werte gehen und nicht das optische Äußere. Selbstverständlich können alle zwölf Bänder mit verschiedenen Filterkurven wie Low- und High-Cut oder Bell genutzt werden. Auch lassen sich alle Bänder solo abhören.
Das Spektrogramm des MAAT thEQred zeigt über eine Farbabstufung sehr schnell an, wo viel Energie im Signal anliegt, sodass man gezielt dort korrigieren kann. Apropos Korrektur: Was auffällig ist, der thEQred zeigt standardmäßig lediglich eine Bandbreite von ±3 dB an, was mir zunächst gar nicht aufgefallen ist, da ich mich gewundert habe, warum EQ-Bewegungen kaum zu hören sind.
Das ist aber natürlich absolut sinnvoll, wenn man sich den Einsatz beim Mastering vorstellt, wo man oft nur im Bereich von 1 oder 2 dB, korrigierend eingreift. So hat man hier eine sehr feine Auflösung, in der man ganz detailliert arbeiten kann. Aber keine Angst, die Bänder selbst können bis zu 12 dB anheben oder absenken.
Zwischen Spektrogramm und den einzelnen Bändern befindet sich noch eine Klaviertastatur, auf der man Noten anspielen kann, wenn man zum Beispiel eine bestimmte Frequenz oder Note im Kopf hat und wissen möchte, wo genau diese liegt.
Das ist beim Mastering sehr hilfreich, um ein spezielles Problem zu finden und abzusenken oder anzuheben. Komischerweise funktioniert das Ganze aber nur, während die DAW läuft. Sobald man auf Stopp drückt, ertönt kein Klang mehr, wenn man auf die Klaviertastatur drückt. Das finde ich etwas seltsam.
Ein weiteres hilfreiches Feature ist die Sortierfunktion. Damit lassen sich alle verwendeten Bänder aufsteigend anordnen. Auch hier wurde mitgedacht, da das natürlich sofort Ordnung schafft und man besser überblickt, was man bisher eigentlich gearbeitet hat. Natürlich lässt sich der thEQred auch im Mitten-Seiten-Modus (Mid/Side) betreiben, alternativ zum Links-Rechts-Modus. Und last but not least bietet er eine Autogain-Funktion, sodass die Lautstärke immer gleich bleibt und man nicht durch Lautstärkeanhebungen oder -absenkungen in seinem Urteilsvermögen getäuscht wird.
Für welche Aufgaben ist der MAAT thEQred geeignet?
MAAT bezeichnet den thEQred als einzigartiges Werkzeug für Mastering-Ingenieure, die das letzte bisschen an Klangqualität aus einer Session herausholen wollen. Der thEQred sei geeignet, um Ultraschallinhalte zu entfernen oder zu viele DC-Anteile aus einer Mischung. Ganz besonders sei er geeignet für ästhetische Entzerrungen von Akustik-Performances, also speziell bei Klassik, Jazz und anderen High-End-Formaten.
Praxiseinsatz des MAAT thEQred
Kommen wir zum Einsatz des thEQred in der Praxis. Um es direkt vorwegzunehmen: Dieses Plug-in ist wirklich nur fürs Mastering gedacht. Die CPU-Last ist so hoch, dass ein Einsatz im Mixing nicht sinnvoll erscheint. Trotzdem habe ich für einige Beispiele Einzelsignale verwendet. Zum einen, weil man hier besser hören kann, was passiert, zum anderen, weil ich komplette Mischungen von Kunden verständlicherweise hier nicht verwenden kann. Die Einarbeitungszeit ist relativ schnell abgehakt, wenn man sich schon einmal mit einem digitalen EQ beschäftigt hat.
Sehr erfreulich fand ich auch das Lizenzierungsverfahren des MAAT thEQred. Man muss einfach die Demoversion herunterladen und beim ersten Start die Lizenz eingeben. Fertig. Kein Download von irgendwelchen Installern, ich musste auch kein Kundenkonto eröffnen. So lobe ich mir das. Selbstverständlich ist das Plug-in auf allen gängigen Plattformen und Schnittstellen verfügbar.
Auffällig ist die relativ hohe Latenz, die prinzipienbedingt bei linearphasigen EQs ja nicht zu verhindern ist. Man sollte sich dessen nur bewusst sein. Ein einzelnes Plug-in bringt Logic auf einem M2 auf eine Auslastung von 25 % auf dem ersten Kern – das ist schon heftig. Aber wie gesagt, man wird meist ja nur eine Instanz gleichzeitig verwenden. Die Arbeit geht trotz des altbackenen Designs flüssig von der Hand und man findet sich schnell zurecht.
Klangbeispiele des MAAT thEQred
Um es vorwegzunehmen: Alle folgenden Klangbeispiele sind relativ subtil. Schließlich handelt es sich hier um einen Equalizer, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, möglichst unauffällig zu klingen. Da kann man schwerlich erwarten, drastische Unterschiede zu hören.
Zunächst hören wir ein Schlagzeug, das wie alle Klangbeispiele aus den Logic Session Players stammt. Das unbearbeitete, trockene Signal lässt im Bassbereich ein wenig zu wünschen übrig. Deshalb habe ich mit dem thEQred die Bässe angehoben. Danach wurde der Mittenbereich um 400 Hz etwas entschlackt, da das Schlagzeug hier etwas überrepräsentiert war. Und um das Ganze noch etwas edler klingen zu lassen, habe ich auch die Höhen angehoben.
Das nächste Beispiel ist ein Klavier, bei dem ich ebenfalls versucht habe, den Bassbereich etwas runder und wärmer zu gestalten und die Höhen für einen offeneren Klang anzuheben.
Als letztes Beispiel hört ihr einen Kontrabass. Bei diesem ist im unbearbeiteten Zustand der Bassbereich etwas zu voluminös. Außerdem gibt es eine Resonanzfrequenz. Beides habe ich mit dem Testkandidaten entschärft und auch hier die Höhen für einen schöneren Klang noch etwas angehoben.
Wie eingangs schon erwähnt, sind die Unterschiede relativ subtil. Und ich wage zu behaupten, dass man das so oder ähnlich auch mit einem anderen Equalizer hinbekommen hätte.
Setzt man den thEQred EQ auf ganzen Mixen beim Mastering ein, ist der Unterschied zum Beispiel zu einem Logic Channel EQ dann nochmal etwas größer.
Hier kann sich der Einsatz durchaus lohnen. Gerade wenn es um sehr edles und hochwertiges Material, zum Beispiel aus Klassik oder Jazz, geht, wo man eine Klangfärbung unbedingt vermeiden sollte. Es ist schwer zu beschreiben, aber man hört einfach nicht, dass ein EQ dazugekommen ist, während man bei zum Beispiel Logic Channel EQ immer das Gefühl hat, dass hier etwas bearbeitet wurde. Auch hier sind die Unterschiede subtil, aber durchaus zu hören.
Was ich jetzt etwas störend beim Arbeiten mit dem MAAT thEQred empfunden habe, ist die hohe Latenz. Drücke ich bei Logic auf Stopp, so kann es noch ein oder zwei Takte dauern, bis das Signal tatsächlich nicht mehr zu hören ist. Gleiches gilt beim Starten einer Session. Es wird hier nun mal ganz klar, dass dieses Werkzeug wirklich nur fürs Mastering und nicht fürs Mixing oder gar Tracking geeignet ist. Aber das ist ja überhaupt auch nicht sein Anspruch.






































So ein hoher Unterschied zwischen Einführungspreis und regulärem Preis war meines wissen noch nie vorhanden. Geballte 400€, wenn man einen Tag zu spät ist! Hier trifft das Sprichwort zu: „Wer zu spät kommt, den bestraft…“! Viele stecken ihre Kohle in Klangerzeuger und vergessen das drumherum. Genau hier spielt der thEQred vermutlich seine Stärken aus. Daher wäre meine Empfehlung, was ich schon gefühlt 22 Millionen mal gesagt habe, z.B. ein Vergleichsbericht von 4 hochwertigen Equalizern: Der hier vorgestellte thEQred, FabFilter, iZotope und sonst noch einen. Ich werde das Gefühl nicht los, ich muss das tun. :o Na, dafür kaufe ich natürlich keinen extra Equalizer. Aber ich denke das wäre durchaus interessant. Aber bevor jetzt alle zum Equalizer greifen, macht generell erst Musik. Für den thEQred braucht man sicherlich detaillierte Informationen, die aus vernünftigen Studio-Monitoren kommen. Sonst nützt dieser wenig! Dennoch: Mir gefällt er!
@Filterpad von Einführungspreis kann keine Rede sein, dass Teil wurde 2020 veröffentlicht!
@geryzenz Uppps. Das ist komplett an mir vorbeigegangen. Sehr interessant.
@Filterpad Genau, uuuuups! Lesen wird ja von manchen überbewertet, aber hey, dafür warst Du, wieder einmal, der Erste, der seinen Senf dazu gegeben hat.
Gefühlt, bestimmt schon 22 Millionen mal
@schwarzMatt So schaut’s aus! 🥇🎖🏆
Eine Besonderheit ist sicherlich auch der sehr breit ausgelegte Frequenzbereich weit über den menschlichen Hörbereich hinaus.
Für das Geld oder weniger bekommt man aber zB auch die sehr hochwertigen EQs und Spezialisten von Tokyo Dawn Labs (TDR).
Puh, ich kann dazu nur sagen lächerlich. Das bekommt man in Wavelab als normales Analyse- und Bearbeitungswerkzeug dazu (bei der Pro Version).
Zu dem Preis und dann noch bei hoher CPU Last, eine Frechheit! Wir haben 2026 wie kann man da noch ne CPU kleinkriegen???? Einfach echt schlecht.
Und selbst wenn man das nur auf ner Summe nimmt, die Latenz egal wäre, mag ich nicht, wenn der Rechner nicht mehr richtig rund läuft. Man hat ja schließlich auch noch andere PlugIns laufen. Nö, der Preis ist sowas von mies, da kriegt man diverse andere PlugIns renommierter Hersteller, die dann insgesamt wesentlich mehr Wert für’s Geld bieten.
Ganz zu schweigen davon, das man so einen EQ eigentlich nicht braucht. Auch nicht zum Mastern… wenn ich nur an den Infraschall denke….mannoman so ein Unsinn. 😉
Ich verstehe es auch nicht. Technisch ist die Equalizer-Geschichte fertig erzählt. Auch der Linuxer kriegt mit den LSP Plugins kostenfreie und im Quelltext vorliegende Equalizer, die bis zur halben Sample-Frequenz (also bis zum Maximum) gehen und alle möglichen Algorithmen (inkl. phasenlinear) zur Auswahl anbieten.