Test: Mackie HR824 MK2, Midfield Abhörmonitor

18. Februar 2013

Midfield-Abhörmonitore für größere Studios

Die Mackie HR824 Mk2 ist ein Studiomonitor für mittlere Hörabstände und ist als Nachfolgerin der bekannten HR824 gleichfalls schon ein paar Jahre am Markt erfolgreich. Im Einzeltest bei AMAZONA hatten wir bislang nur die kleine Schwester HR624 Mk2, nun folgt das große Modell.

Die Technik der Mackie HR824 MK2

Die Mackie HR824 Mk2 ist ein Aktivlautsprecher, der mit einem 22 cm-Tieftöner und einer 25 mm-Kalotte bestückt ist. Letztere besitzt eine Titanmembran mit Polymer-Sicke, verfügt über Neodym-Magneten, wird von wärmeleitendem Ferrofluid im Luftspalt gekühlt und bedämpft und von einem Drahtgitter geschützt. Der Hochtöner ist mit einem ausgeprägten Hornansatz versehen, der das Abstrahlverhalten bei der Übergangsfrequenz einengen soll und zudem den Wirkungsgrad steigert.

Von vorne mit drehbarem Logo und beleuchtetem Ein-/Aus-Schalter.

Der Tieftöner besitzt eine Kunststoffmembran, einen Magnesiumkorb und einen großen, schweren Ferritmagneten. Beide Chassis sind mit Kompensationsmagneten geschirmt, eine Maßnahme, die jedoch für Haushalte ohne Röhrenmonitore und Magnetkompasse von geringem Nutzen ist. Das Gehäuse besteht aus MDF einer Wandstärke von 19 Millimetern und ist im Inneren durch Verstrebungen versteift. Der Monitor besitzt eine nach akustischen Kriterien geformte Schallwand aus lackiertem Aluminiumdruckguss. All das ergibt ein beachtliches Kampfgewicht von 16 kg. Für Fans: Die Lautsprecher besitzen eine THX pm3-Zertifizierung.

Die Mackies sind einzeln zu kaufen und nicht gepaart. Dank ihrer Hochglanzoptik sehen sie hochwertig und auch etwas neureich aus. Und sie sind recht groß: Auf den Produktfotos wird deutlich, dass das Gehäuse den 9 Zoll-Tieftöner noch um einiges überragt: Die Mackies sind daher immerhin 27 cm breit, 35 cm tief und 43 cm hoch und werden zurecht als „Midfield Monitor“ angepriesen. Die rückseitige Herkunftsbezeichnung bestätigt den Verdacht, dass ein derartiges Trumm zu einem Straßenpreis von 600 Euro nur noch in China gefertigt werden kann.

… und von hinten. Die Passivmembran wird von einer gelochten Metallblende verdeckt, an der das Verstärkermodul befestigt ist.

Die Anschlüsse der Midfield-Abhörmonitorer

Auf der Rückseite lauert – unsichtbar, da von einer seitlich geschlitzten Metallblende verdeckt – eine ovale Passivmembran mit Durchmessern von 15 und 30 cm. Auch an dieser Blende befestigt ist das Verstärkermodul klassischer Prägung. Es wirken zwei integrierte A/B-Endstufen mit, laut Hersteller, 150 und 100 Watt Nennleistung, versorgt durch ein konventionelles Netzteil mit Ringkerntrafo. Die Frequenzweiche trennt Hoch- und Tieftöner bei 1,9 kHz mit einer Frequenzweiche vierter Ordnung. Eine schaltbare Stand By-Funktion reduziert den Stromverbrauch in Signalpausen ab acht Minuten Länge.

Der Tieftöner wird am unteren Ende seines Übertragungsbereiches von einem dreistufigen Hochpassfilter und einem Peaklimiter vor mechanischer Überlastung geschützt, ein Thermolimiter verhindert die Überhitzung der Schwingspule bei hohen Durchschnittspegeln. Bei Einsatz des Peaklimiters wechselt die Farbe des Netzschalters von weiß nach rot.

Pegelsteller, Filter und Anschlüsse.

Das Anschlussfeld der HR824 Mk2 befindet unterhalb der Elektronik auf der Rückseite des Gehäuses, so dass Netzkabel und Signalzuleitung nicht nach hinten aus dem Gehäuse ragen. Das sieht gut aus und kann zumindest bei Verwendung der beiden nicht verriegelbaren Cinch- und (symmetrisch) Klinke-Anschlüsse ein Herunterfallen verhindern, falls einmal jemand über die Kabel stolpert. Einen symmetrischen XLR-Eingang gibt es freilich auch. Beim Anschließen sollte man etwas Vorsicht walten lassen, denn hinter den Anschlussbuchsen befindet sich eine wackelige Plastikverkleidung. Dies ist aber auch schon der einzige mechanische Mangel, der mir aufgefallen ist.

Am Verstärkermodul ist der Pegel einzustellen, auf „5Uhr“ liefert die Mackie in einem Meter Abstand 100 dB Schalldruck an einer Spannung von – 7,5 dBu. In dieser Position ist in der Nähe des Hochtöners ein leichtes Rauschen zu vernehmen. Wer geringe Lautstärken bevorzugt, sollte die Eingangsempfindlichkeit beider Lautsprecher reduzieren. Entweder vertraut man dabei auf die Skalierung des Minipotentiometers auf der Rückseite oder misst die Pegel mithilfe eines Pegeltons nach. Da es sich nur um eine relative Messung handelt, geht das mit fast jedem Haushaltsmikrofon, eine sorgfältige Positionierung und Ausrichtung ist aber wichtig. Am besten eignet sich ein am Hörplatz aufgestelltes Kleinmembran-Kondensatormikrofon mit Kugelcharakteristik.

Oberhalb von 10 kHz lässt sich der Pegel der Hochtonkalotte wahlweise um 2 dB erhöhen oder absenken. Dabei darf der individuelle Geschmack zum Zuge kommen. Außerdem empfiehlt sich das Gegenchecken der eigenen Mixe auf einer guten Stereoanlage, im Club, Auto oder unterwegs am MP3-Player. Wenn es andernorts regelmäßig zu dumpf klingt, sollte man den Hochtonpegel des Studiomonitors absenken, um mehr Höhen zu produzieren. Und umgekehrt.

Das bereits erwähnte Hochpassfilter hat drei schaltbare Eckfrequenzen von 37 Hz (im Studio), 47 (für sehr hohe Pegel, kritische Räume oder Nachbarn) und 80 Hz (nur für diese Frequenz gilt die THX-Zertifizierung; unterhalb wird der Einsatz eines kräftigen Subwoofers vorausgesetzt). In der 37 Hz-Position reicht die HR 824 Mk2 noch eine halbe Oktave tiefer als ihre kleine Schwester 624 Mk2 und liefert dabei eine fast doppelt so hohe, verzerrungsarme Maximallautstärke. Sie kann somit für alle Arten elektronischer und akustischer Rock- und Popmusik als „Full Range“-tauglich angesehen werden. Nur für den bei filmischen Surround-Anwendungen gewünschten – für musikalische Anwendungen dagegen eher hinderlichen – „Big Boooom“ sollte man einen Subwoofer hinzuziehen.

Der natürliche Roll-Off des Basslautsprechers, das schützende Hochpassfilter und das Bassreflexprinzip mit Passivmembran bilden zusammen ein Hochpassfilter sechster Ordnung mit Gruppenlaufzeiten im bereits zweistelligen Millisekunden-Bereich (zu denen sich noch Phasendrehungen des höher wirkenden Shelving-Filters zur Ortsanpassung gesellen können). Das gibt Anlass zur der Vermutung, dass der Lautsprecher über eine etwas – im eigentlichen Wortsinn – „zögerliche“ Basswiedergabe verfügen mag. Wie viele andere Monitore könnte auch die Mackie durch eine digitale und phasenkorrigierende Ansteuerung noch technisch verbessert werden.

Etwas Physik:

Helmholtz-Resonator, Bassreflex und Passivmembran

Wenn man über den Hals einer Flasche bläst, regt man einen Helmholtz-Resonator (nach Hermann von Helmholtz) zum Schwingen an. Aus Erfahrung wissen wir: Je leerer die Flasche und je größer das Luftvolumen, desto tiefer der Ton.

Wer mehrere Flaschen gleichen Volumens zur Verfügung hat, wird feststellen, dass der Ton bei lang- und dünnhalsigen Flaschen deutlich tiefer ausfällt als bei dick- oder kurzhalsigen.

Die beiden letzten Beobachtungen kann man verstehen, wenn man den Helmholtz-Resonator als Feder-Masse Schwinger betrachtet. Eine große Masse (umgangssprachlich: ein großes „Gewicht“) senkt die Resonanzfrequenz, eine härtere Feder hebt sie wieder an.

Eine Bassreflex-Öffnung ist ein Helmholtz-Resonator, der vom rückwärtig abgestrahlten Schall des Tieftöners angeregt wird. Wenn man das Luftvolumen im Lautsprecher und den Bassreflex-„Flaschenhals“ geeignet dimensioniert, liegt dessen Resonanz knapp unterhalb der Grenzfrequenz des Tieftöners im Lautsprechergehäuse und erweitert den Frequenzganz zu tiefen Frequenzen hin um rund eine Oktave. Das funktioniert aber nur, wenn genug Masse ( = Luftvolumen) bei geringem Rohrdurchmesser und großer Rohrlänge zur Verfügung stehen, andernfalls gerät die Resonanzfrequenz zu hoch. Wird das Rohr aber so lang, dass es bis in die Nähe der Rückwand reicht, oder so dünn, dass Rauschen oder Pfeifgeräusche auftreten, funktioniert der Resonator nicht mehr wunschgemäß. Mit Dämmwolle kann man das akustisch wirksame Volumen noch etwas „vergrößern“, aber irgendwann bleib nur noch die Vergrößerung der Box übrig, die bei Nahfeldlautsprechern gewissen Grenzen der Zumutbarkeit unterliegt.

Zu allem Überfluss tritt bei höheren Frequenzen noch eine weiterer Resonanzeffekt auf: Wiederum angeregt durch den Tiefmitteltöner, beginnt auch die Luft im Tunnel, sich wie eine Feder zu verhalten und daher zyklisch auszudehnen und zu verdichten. Die Folge ist eine zumeist unerwünschte Pegelerhöhung mittlerer Frequenzen; jeder Lautsprecherentwickler vermutet beim Anblick von Frequenzgangüberhöhungen in diesem Bereich oft zurecht die sogenannte „Tunnelresonanz“.

Explosionszeichnung: Die Passivmembran ist oval.

Abhilfe schafft eine sogenannte Passivmembran, wie sie u.a. alle Mackie HR-Lautsprecher verwenden. Sie wirkt als Helmholtz-Resonator, aber ihre „Masse“ ist durch eine geeignete Geometrie und Materialauswahl fast beliebig wählbar. Die „Federhärte“ wiederum kann durch die Einspannung in weiten Bereichen variiert werden. Strömungsgeräusche entfallen.

Es gibt nur einen Haken: Während Luft, Löcher und Plastikrohre fast umsonst zu haben sind, kostet ein solcher Passivwandler schon etwas mehr Entwicklungsaufwand und – Geld. Außerdem muss er halt irgendwo hin; bei Mackie versteckt er sich auf der Rückseite der Box.

Die optimale Aufstellung von Midfield-Studiomonitoren

Ich rate davon ab, die HR824 Mk2 als Nahfeldmonitore für den typischen „Musikerschreibtisch“ oder aktuelle Mixmöbel in Erwägung zu ziehen. Es sieht saublöd aus und klingt auch nicht besonders. Das Filter zur Ortsanpassung ist „gut gemeint“, aber nur eine einfache gestrickte Notlösung für ein komplexes und individuelles Anpassungsproblem.

Klingt viel besser: Die Mackie in freier Aufstellung auf einem Metallständer.

Diese Monitore sollten in einem Respektabstand von zwei bis vier Meter auf einem soliden Ständer montiert werden, dafür hat Mackie an der Unterseite vier Gewinde zur Befestigung spendiert.

Durch den gegenüber Nahfeldmonitoren vergrößerten Hörabstand und die (s.u.) kraftvolle Basswiedergabe wird der Raum kräftig angeregt und antwortet darauf, wie es seiner akustischen Beschaffenheit entspricht. Wie viele große Monitore bereiten die Mackies mehr Spaß, wenn man etwas lauter abhört. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.

Nearfield- oder Midfield-Abhörmonitore?

Ich habe in den letzten Jahren einige Nah- und Midfield-Monitore der „neuen Mittelklasse“ angehört. Durchweg waren diese erstaunlich preiswert und gut verarbeitet (das Erstaunen hat sich mit der Gewöhnung an fernöstlich produzierte Erzeugnisse der Audiobranche ein wenig gelegt), mit Fünf-, Sechs- oder Achtzöllern im Bass bestückt, mehr oder minder konsequent in ihrer Gehäuse-Geometrie optimiert, aktiviert und in ihrem Amplituden-Frequenzganz nach allen Möglichkeiten der eingebauten, mit Operationsverstärkern bestückten, Filter glatt gebügelt. Wenn man an diese Art des Nahfeldhörens liebt oder darauf angewiesen ist, weil man in einem Raum mit schlechter Akustik arbeitet, klingen viele der heute angebotenen Monitore sehr gut – und in Folge der Einheitsfrequenzgänge auch viel ähnlicher als noch vor rund zehn Jahren.

In der Vergangenheit konnten auch Lautsprecher mit ziemlich verbogenen Frequenzgängen eine beeindruckende Monitorkarriere hinlegen: Die Yamaha NS10 sind das wohl bekannteste Beispiel. In all ihrer klanglichen Bescheidenheit haben diese aber tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber fast allen aktuellen Einsteigermonitoren: Sie produzieren einen schlanken, trockenen Bass (besser: ein winziges „Bässchen“) ohne wüste Phasendrehungen. Es handelt sich nämlich um eine geschlossene Box, und das kostet „untenrum“ leider etwa eine Oktave. Viele Leute kommen trotz schwachem Bass und deutlicher Mittenbetonung sehr gut klar mit der NS10. Viele meinen: Gerade deswegen.

Wer Platz, Lust und Laune hat, kann sich heute locker einen hochgradig linearisierten Monitor mit einem „Achter“ Tieftöner ins Heimstudio stellen, und er bekommt dann erst einmal deutlich mehr: mehr Box, Tiefbass und Pegel. Im direkten Vergleich zum „Fünfer“ leidet oft die Präzision der oberen Mitten, besonders im Bereich der Übergangsfrequenz zum Hochtöner, in deren Bereich der große Tiefmitteltöner bereits extrem bündelt, der Hochtöner aber durch seinen im Verhältnis zur Wellenlänge geringen Membran-Durchmesser maximal breit abstrahlt. Zwar werden die „On Axis-Frequenzgänge“ durch aktive Filter und Einzelansteuerung der Chassis auf beeindruckende Weise geglättet, und ein mittlerweile fast überall anzutreffender Hornansatz an der Hochtonkalotte verrringert all zu deutliche Sprünge in der Richtcharakteristik. Auch das bewirkt jedoch nur eine Verbesserung, aber keine Wunder.

Deutlich kleiner wird das Problem erst mit einem gut gemachten, aber eben auch deutlich aufwändigeren Drei Wege-Lautsprecher. Die waren zeitweise in der Monitor-Mittelklasse fast verschwunden, mittlerweile gibt es eine kleine Renaissance, aus technischen Erwägungen oder begründet durch die Suche nach sichtbaren Alleinstellungsmerkmalen.

Generell: Monitore sollten nach einer Vorauswahl immer vor Ort erprobt werden, am besten über einen Zeitraum von ein paar Tagen. In dieser Zeit sollte man auch wirklich damit musizieren. Da die akustische Abstimmung heute oftmals ähnlich ist, entscheiden im Musikgeschäft oft Aufstellung und Lautstärke über den Kauf; manchmal hat auch der Verkäufer ein Wörtchen mitzureden. Auch die klangliche Beurteilung in gut durchgeführten Tests ist immer subjektiv. Womit wir beim Thema sind…

Sehen aus wie Espresso-Maschinen, sind aber billiger und klingen besser: Mackies HR-Monitore 624 und 824, jeweils Mk2.

Der Klang der Mackie HR824 MK2

Die oberen Mitten der Mackie HR 824 Mk2 gehören zu den Besten, die ich je aus einem der oben beschriebenen Zweiwegkonzepte mit Achtzoll-Tieftöner gehört habe; nur die mehr als doppelt so teure Genelec PM8050APM kann es noch besser: Die Mackies klingen hoch aufgelöst in Tiefe und Breite des Raumes, erlauben daher ein sehr genaue Platzierung von Instrumenten und Stimmen im Mix, und gut aufgenommene und gemischte Leadvocals klingen plastisch und nah. Außerdem hört man: Atemgeräusche, billige Hallfahnen, schnarrende Gitarren, vibrierende Snare-Teppiche, schlechte Mikrofone und MP3-Artefakte. Auch das ist wichtig.

In den höheren Frequenzen klingen die Mackies edel und strahlend. Eine rohe Hi Hat nervt, aber das tut sie auch ohne Lautsprecher. Mit den Mackies dreht man solange am Equalizer, bis es passt; dafür sind Monitore da. Als gewohnheitsmäßiger Warmduscher und Nahfeld -„Gewebekalottenhörer“ wäre ich bereit, für den Gewinn an Information, die mir die Mackie liefert, auch das zusätzliche Quantum an Aggressivität in Kauf zu nehmen. Im gesamten Mittelhochtonbereich klingen die Mackies erfreulich genau. Und dabei auch etwas kühl.

Im Bass reicht die Mackie so tief, wie man es von einem modernen, ausgewachsenen Monitor mit Passivmembran erwartet, sogar noch etwas tiefer. Leider ist der Bass zwar sehr präsent, aber nicht sonderlich sauber. Er neigt ein wenig zum „Schwimmen“, und das passt nicht sonderlich gut zu den analytischen Mitten und Höhen. Ab dem Punkt, an dem ich die Tiefen meines Mixes mit Hilfe der Mackies aufgeräumt hatte, klang dieser auf einer guten Stereoanlage wiederum etwas zu dünn.

Heißt: Wer an den akustischen Qualitäten seines Musikzimmers zweifelt, eh knapp bei Platz und Kasse ist und schon genug Stress mit den Nachbarn hat, kaufe sich einfach kleinere Monitore mit unproblematischerem Bass und meist homogeneren Mitten. Wie z.B. die Mackie HR 624 Mk2 und viele andere. Wer jedoch richtigen Tiefbass braucht, z.B. um elektronische Musik auf ihre Clubtauglichkeit zu überprüfen, der sollte zuerst seinen Hörraum optimieren, um die Mackies dann in einer gewissen Eingewöhnungszeit näher kennen lernen, während der eigene Mixe auch gelegentlich „vor Ort“ überprüft werden.

Fazit

Die Mackie HR 824 MK2 sind gute Monitore, was unserer Gesamtbewertung entspricht, die sich primär an der Eignung für Musikschaffende orientiert. Die  räumliche Auflösung und Transparenz in den mittleren und hohen Lagen ist ausgezeichnet, der Bass ist dank hohen technischen Aufwandes enorm tief, aber etwas ungenau, und der klangliche Gesamteindruck ist etwas inhomogen. Die Mackies sind aber auch günstiger als die Mehrheit der Mitbewerber dieser Gewichts- und Größenklasse – und das bei tadelloser Verarbeitung, hoher Betriebssicherheit und mit dem Support eines großen Herstellers.

Vorschlag zum Schluss: Die 824 fürs Wohnzimmer. Die Mackies kann man direkt mit einem beliebigen mobilen Audioplayer oder einer Soundkarte verbinden, bei den allermeisten HiFi-Lautsprechern muss dagegen noch ein potenter Verstärker im Gesamtbudget von 1200 Euro Platz finden. Die Mackies bieten echten „Full Range“-Musikgenuss für HiFi-Freunde, die gerne ein wenig Gas geben, einen kräftvollen und analytischen Klangcharakter lieben, sündhaft teure Endverstärker gerne im Laden stehen lassen und auf das gängige Schönheitsideal der schlanken HiFi-Säule verzichten können, jedoch weniger auf Schleiflackoptik.

Der „Mut zum Monitor“ wird dann gleich noch einmal belohnt: Die Mackies sind nämlich nicht nur deutlich pegelfester, sondern auch betriebssicherer als die meisten passiven HiFi-Lautsprecher und eignen sich daher auch für alle besonderen Anlässe daheim, unterwegs und – natürlich – im Studio.

Plus

  • großer, sehr gut verarbeiteter Monitor in hochwertigem Look
  • eigenständige, hochwertige Technik, gegossene, akustisch optimierte Schallwand
  • Full Range: Wiedergabe des gesamten hörbaren Frequenzspektrums
  • transparenter Klang in den Höhen und Mitten
  • vier Gewinde für die Stativbefestigung
  • symmetrische (XLR, Klinke) und unsymmetrische Eingänge (Cinch)
  • Wer's braucht: THX, Stand By-Automatik, Filter zur Ortsanpassung, magnetische Schirmung
  • kurze, knackige, informative und bebilderte Anleitung mit Hintergrundinformationen
  • günstiger Preis

Minus

  • ungenaue Basswiedergabe, etwas inhomogener Klangeindruck
  • verlangt nach guter Raumakustik
  • ein Gehäuse in Hochglanzoptik ist weniger praktisch für professionelle Studios und den "Rock'n'Roll"-Alltag

Preis

  • 599,- Euro (pro Stück)
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  AHU

    Griass Di Falk,

    super geschrieben, der Test, mit vielen Hintergrundinformationen.
    Und gottseidank nicht „Mackie-gläubig“, stattdessen klare Beurteilung der akustischen Sachlage. Das mit dem übertriebenen Bass kann ich bestätigen, allerdings nur vom Vorgängermodell.

    Tendentiell klingen mir die Mackie HR´s (auch die 624er) etwas zu „schön“, um wahr zu sein. Ich hatte stets Schwierigkeiten, darauf zu mischen.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

  2. Profilbild
    Tyrell  RED 11

    Bin sehr beeindruckt. Ist ja fast schon ein Workshop geworden. Ich wünschte ich hätte Platz und nicht nur einen kleinen. umgebauten Kellerraum, dann wären die grossen Mackies bei mir in der engeren Auswahl.
    Nur eines, auch Deine „freihstehende“ Versuchsanordnung ist doch eigentlich zu nah an der Wand, oder? Werden nicht dadurch auch nochmals die Bässe betont?

  3. Profilbild
    falconi  RED

    Du hast natürlich Recht, ich habe die Lautsprecher für’s Foto ein wenig zurecht geschoben. Dabei haben sich auch die Kabel dematerialisiert.;)

    In aller Kürze:

    1. Im Bassbereich führt jede Wand zu einer Schalldruckanhebung von bis zu 3 dB. Eine Platzierung von Lautsprechern in Raumecken ist besonders ungünstig, vor allem dann, wenn der seitliche und hintere Wandabstand identisch sind (wie zugegebenermaßen auf meinem Foto); dann gibt es ein scharfes Resonanzmaximum und eine Basserhöhung von bis zu 9dB.
    Aber wie weit sollte man denn nun den Lautsprecher von den Seiten- und Rückwänden entfernen?

    2. In Wahrheit gibt es dafür noch ein zweites, wichtiges Kriterium: Reflektionen der Rückwand und der Seitenwände „verschmieren“ leider auch die räumliche Wahrnehmung, die uns ja beim Mischen besonders wichtig ist. Das geschieht oberhalb von etwa 200Hz, darunter kann das menschliche Gehör Schall nicht orten. Versuchen wir es mal ohne „Workshop“: In den allermeisten Räumen und bei einer typischen Aufstellung im Stereodreieck (das Verhältnis der Lautsprecher zueinander ist mindestens so groß wie der Abstand zum Hörer, aber nicht mehr als doppelt so groß) ist man hier mit 1 Meter Abstand von allen Wänden auf der sicheren Seite. Damit spielt dann auch die Bassüberhöhung durch nahe Wände oder Ecken keine nennenswerte Rolle mehr.

    3. Ein Kriterium sollte man noch beachten, zur Vermeidung von Raummoden, also der berühmten „stehenden Wellen“. Damit kommt man sogar zu ganz konkreten Empfehlungen für die Lautsprecherabstände:

    Du misst zunächst die Abstände zwischen Deinen vier Wänden. Sagen wir, es sind 4 mal 6 Meter, und der Raum sei 3 Meter hoch. Die Entstehung von Raummoden kann man nun wirksam verhindern, indem man die Schallwand in einer Entfernung von 3/16 oder 5/16 des jeweiligen Wandabstandes von der Wand entfernt platziert. Von den 4 Meter zueinander entfernten Wänden solltest Du also einen Abstand von 127cm oder 78cm halten, von den zueinander 6 Meter entfernten 190cm oder 97cm, und Deine Lautsprecherständer sollte eine Höhe von 94cm (die ebenfalls möglichen 56cm scheiden wohl auf praktischen Gründen aus) haben.

    Wenn Du Dich nun noch in Deinem „Raum“ bewegen und gar musizieren kannst, hast Du alles richtig gemacht. In vielen, vor allem kleinen, Abhörräumen oder typischen „Bedroom-Studios“, lassen sich alle drei Kriterien nicht immer erfüllen. Dann helfen Diffusoren, die „akustisch wirksamen“ Abstände zu verkürzen oder zu optimieren.

    • Profilbild
      Tyrell  RED 11

      Aber kann dann Dein Eindruck vom schlechten Bassverhalten nicht durch die akustischen Gegebenheiten Deines Raums beeinflusst worden sein? In anderen Tests haben die Bässe sehr gut abgeschnitten.

    • Profilbild
      falconi  RED

      Sorry, hier ist noch ein ordentlicher Bug.
      Sagen wollte ich natürlich:

      „der Abstand des Höres von den Lautsprechern ist mindestens so groß wie der Abstand der Lautsprecher zueinander, aber nicht mehr als doppelt so groß“

      So ist’s besser!

  4. Profilbild
    falconi  RED

    Ich habe die Lautsprecher in zwei akustisch optimierten (aber immer noch) Wohnräumen und in meinem sehr „trocken“ klingenden Aufnahmeraum aufgebaut, und immer blieb der Eindruck bestehen, dass der Bassbereich zu weich und geringfügig zu vorlaut ist und damit nicht ganz zu Mitten und Höhen passt. Ich hatte stets das ungute Gefühl, über die Mackies keine ausreichende Kontrolle beim Mischen zu haben. In beiden Abhörräumen arbeite ich übrigens ebenfalls mit wirklich großen Monitoren (auch auf einem Bild zu erahnen), die einmal aktiv und einmal passiv entzerrt sind.

    In seinem großen Monitor-Vergleichstest auf AMAZONA vom Oktober 2008 schrieb Hagen Fin zur Mackie HR824MKII:

    „Jedoch ist der Bassbereich eindeutig viel zu überzogen und neigt zum Schwimmen! Ich möchte Opulenz nicht verteufeln, im Gegenteil: auch ich neige gerne mal dazu, jedoch ist der Bassbereich der Mackie 824 MKII definitiv zu stark ausgeprägt und dominiert den Gesamtklang.“

    und etwas später

    „Insofern ist auch das Impulsverhalten eher suboptimal und es fehlt der Box etwas an Punch.“

    „Die Box klingt für alle anderen Anwendungen wie zum Beeindrucken eines Kunden oder zum DVD-Schauen sehr gut.“

    Ich schließe mich an. Ich kenne auch viele gut und fundierte Tests dieser Monitore, online und in deutschen und englischsprachigen Printmedien.
    Daher will ich generell einen negativen Raumeinfluss überhaupt nicht ausschließen. Außerdem: Geschmackssache!

    Wie auch immer.
    Wie bereits in meinem Artikel geschrieben, rate ich besonders vor dem Kauf der Mackies HR824Mk2 zu einer ausführlichen Erprobung vor Ort.

    Wenn einem die Mackies dort auch klanglich gefallen, bekommt man sehr viel Monitor für relativ wenig Geld!

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Schade das die HR im Nahfeld nicht zu gebrauchen ist. Meine koaxialen KEF Q300 sind mit ihrer Reflexöffnung vorne, dem unprätentiösen aber tiefen und impulsreichen Bass immer noch sehr gut. Besonders im Nahfeld. Leider sind es HiFi-Boxen und ich habe irgendwie keine Lust mehr einen kräftigen Verstärker als Zwischenglied zu nutzen. Hat einer eine Empfehlung oder ist die neue XR die Lösung? Mehr als 1000€ sollten es nicht werden. Paarpreis! Bändchen mag ich übrigens nicht.

  6. Profilbild
    Jörg Kirsch StageAID  RED

    Ich habe die HR-824 an meinem Arbeitsrechner, rein als PC Monitor in Verbindung mit einem Psychoakustikprozessor. :-) ( Bin SPL-Fan)
    Beim Musikhören empfinde ich sie in erster Linie als Wohlfühlmonitore mit sehr guter Transparenz und Null Stressfaktor, ein amerikanischer Freund nannte das“ Ear-Candy“.
    Der Bassbereich ist natürlich etwas unpräzise….muss er auch aufgrund der Eigenschaften als Feder-Masse System.
    Aber beim Genußhören macht er verdammt viel Spass.

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