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Test: Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

18. Juli 2019

„Eisenschweine“ allererster Güte

Die neuen Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

Neben der neuen DRM-Serie aktiver Lautsprecher mit eingebautem DSP präsentierte Mackie auch die passiven Lautsprecher derselben Reihe – mit den empfohlenen Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen, die jetzt erhältlich sind.

Während in den aktiven Varianten moderne Class-D-Verstärker eingebaut sind, bleibt sich Mackie bei der MX-Serie treu und präsentiert zwei „Eisenschweine“ allererster Güte. Mit 13,8 bzw. 18,3 kg fühlt man sich fast an alte Zeiten erinnert, in denen es noch hieß „ist es nicht schwer, taugt es nichts“.

Die Gehäuse der Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

Immerhin hat sich Mackie „Built-Like-A-Tank“ als Trademark eintragen lassen. Und an dieser Aussage über die MX-Serie ist auf den ersten Eindruck auch nichts auszusetzen. Beim Auspacken fallen als erstes zwei dicke 14 mm Sechskant-Schrauben an der Ober- und Unterseite auf, an denen die Ringkerntransformatoren befestigt sind. Das ist schon mal ein Statement. Das Gehäuse ist rundherum aus so dickem Stahlblech (1,5 mm), dass man mit ihm auch einen Nagel in die Wand treiben könnte. Die hinteren Rack-Aufhängungen sind im Blech des Bodens und der Seitenwände integriert und gleichzeitig noch durch Stanzungen verstärkt. Die Front wiederum ist aus 5 mm dickem Aluminium und vermutlich auch durch nichts zu beeindrucken. Vorne sind zwei dicke Schutzbügel fest installiert, die zum einen die beiden Gain-Regler schützen und zum anderen das Handling der Endstufen stark erleichtern.

Mackie MX Endstufen groß und klein

Klein und groß definiert sich über die Länge

Übrigens sind die Breite, Höhe und das Design der Endstufen genau gleich. Die MX3500 ist allerdings ein gutes Stück länger als die 2500er, nämlich immerhin 67 mm. Also 370 mm im Vergleich zu nur 303 mm bei der MX2500. Das sollte man auch bei der Case-Auswahl beachten. Warum das speziell bei den MX-Endstufen wichtig ist, dazu gleich mehr. Und natürlich unterscheiden sich die Leistungsdaten und das Gewicht. Apropos Leistungsdaten, während man bei den meisten Endstufen aus der Namensgebung bereits die maximale Wattleistung herauslesen kann, “schummelt” Mackie hier ein bisschen. So leistet der MX3500 mitnichten 3.500 W, auch nicht gebrückt, sondern “nur” 2.700 W (bei 8 Ohm). Also immerhin 800 weniger als der Name verspricht. Im Stereo-Betrieb sind es dann 1.000 W bei 8 Ohm und 1.350 W bei 4 Ohm. Der MX2500 bringt es auf 1.500 W gebrückt und 2x 500 W bei 8 Ohm bzw. 2x 750 W bei 4 Ohm.

Gewichtsmäßig liegen die neuen Mackies eher im unteren Mittelfeld, auch wenn sie im ersten Moment sehr schwer rüberkommen. Aber wichtig ist es hier, das Leistungsgewicht zu sehen und nicht nur die 18 kg. Obwohl der mächtige Ringkerntransformator einen Großteil des Gewichtes ausmacht und das wirklich äußerst solide gebaute Gehäuse auch seinen Teil zum Gewicht beiträgt, ist der MX3500 im Vergleich zum gleich starken the t.amp Proline 3000 nämlich schon wieder ein Leichtgewicht. Der trumpft immerhin noch mit 37 kg auf, also ziemlich genau dem doppelten Gewicht. Und benötigt mit 3 HE auch noch ein größeres Case. Kostet dabei ziemlich genau das Gleiche, also schon ein direkter Konkurrent zu Mackie. Vergleicht man die große Endstufe dann mit einen Class-D-Digitalverstärker mit gleichen Leistungsdaten (z. B. den the t.amp TSA 4000) ist dieser zwar 6 kg schwer, dafür ist der TSA dann aber auch nicht 2 Ohm tauglich.

Während hinten das Gehäuse von zwei großen Lüfteröffnungen auf der rechten Seite dominiert wird, zieht sich vorne die Belüftung über die ganze Breite. Das sorgt, neben dem Schaumstoff vor der vorderen Öffnung, für eine sehr geringere Geräuschbelastung durch die Endstufe. Die Lüfter werden über einen Temperaturregler am Heatsink gesteuert und sind – speziell bei geringer Belastung – kaum zu hören. Selbst meine digitale Endstufe, die wesentlich weniger Hitze erzeugt, hat ein deutlich lauteres Lüftergeräusch und muss regelmäßig bei Events „versteckt“ werden, um in leisen Passagen nicht aufzufallen. Also ein deutlicher Pluspunkt für die Mackies.

Leider haben die beiden großen Lüfter dazu geführt, dass die Anschlüsse sehr weit nach rechts gerutscht sind. Dadurch dass das XLR-Eingangssignal durchgeschleift werden kann, hat man nun 4 XLR-Buchsen direkt nebeneinander. Wenn man dann noch wie Mackie die Buchsen so anordnet, dass die Sperre der “Male”-Kabel direkt auf die Eingangsstecker zeigt, hat man eine schöne Fingerverknotung, wenn im Case umgesteckt werden muss. Gerade bei der kleinen MX2500 Variante, sollte das Case nicht zu lang sein, um noch einigermaßen bequem an die Stecker zu kommen. Oder man verwendet kleine XLR-Kabel als Verlängerung, die dann im Case bleiben. Aber auch dann kann man das Umschalten der Eingangsempfindlichkeit oder den Wechsel zwischen Parallel/Stereo und Bridged nur mit sehr spitzen Fingern schaffen. Schade – das hätte man auch besser lösen können. Wenigstens die Speakon-Ausgänge sind mittig und gut erreichbar positioniert. Warum allerdings Ausgang 2 links und Ausgang 1 rechts ist, ist mir nicht ganz klar geworden. Ich habe auf jeden Fall dadurch erst mal links und rechts vertauscht.

Mackie MX3500 Endstufe - Verkabelung

Bitte lösen Sie das rechte obere Kabel…

Die Anschlüsse der Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

Über den Parallelmodus wird das Eingangssignal an Eingang 1 mono an Ausgang 1 und Ausgang 2 geleitet. Wenn man dann die 2 Ohm Fähigkeiten ausnutzt, die Mackie bietet, kann man vier 4 Ohm Lautsprecher auf die beiden Ausgänge aufteilen. Oder acht Mal 8 Ohm. Im “normalen” Stereo-Modus kann über einen NL4-Speakon auch stereo über ein Kabel ausgegeben werden.

Über dem Kaltgeräteanschluss befindet sich noch ein Breaker-Switch, mit dem die Schutzschaltungen der Mackies resettet werden können. Diese sind ziemlich komplex aufgebaut. So wird nicht nur bei Überhitzung in den Schutzmodus geschaltet, sondern auch bei Überlastung, Kurzschluss und zu geringer Impedanz. Da Mackie die beiden Modelle sogar für “tropische Regionen” freigegeben hat und ich die Endstufen bei meinen Tests noch nicht mal richtig warm bekommen habe, sollte Überhitzung aber sowieso kein Grund für einen Ausfall werden.

Ein Blick ins Innere offenbart einen blitzsauberen Aufbau. Alle Komponenten sind großzügig dimensioniert und schwingungsgefährdete Teile zusätzlich mit Heißkleber fixiert. Die Transformatoren – die am heißesten werden – liegen in einem dünnen, aber stabilen Luftkanal, der direkt zu den Lüftern führt. Und das Netzteil hat sogar einen eigenen Kühlkörper bekommen. Alles ist leicht erreichbar und eine erste visuelle Kontrolle sollte die meisten potentiellen Fehler schnell aufdecken können. Also tendenziell eine Endstufe, die eine sehr lange Lebensdauer verspricht.

Mackie MX3500 Endstufe von innen

Mackie MX3500 Endstufe von innen

Und jetzt zum Klang der Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

Aber genug von der reinen Betrachtung, wie klingen sie denn jetzt? Als erstes werden sie – getrennt über eine Aktivweiche – genutzt, um zwei 18-Zoll Hornlautsprecher anzutreiben. Zuerst die MX3500. 1.000 W bei 8 Ohm entspricht genau der Sinusbelastung der Hörner. Und was soll ich sagen? Bass können sie! Absolut trocken, mit sehr schnellem Impuls und vor allen Dingen beeindruckendem Wirkungsgrad. Verglichen sowohl mit älteren Tapco J 1400 (die auch aus dem Hause Mackie stammen) als auch mit einer digitalen Endstufe von 4-Acoustic ist der Wirkungsgrad und damit die Lautstärke bei vergleichbar geringer Gain-Stellung beeindruckend. Selbst wenn man beide Hörner auf einen Kanal legt, können sie gefühlt voll ausgefahren werden, ohne dass die Endstufe ins Schwitzen kommt. Auch die kleine Schwester, kann die beiden Bässe mühelos antreiben, kommt dann aber an ihre (Lautstärke-) Grenzen. Das alles aber ohne Verzerrungen, ohne in Protection zu gehen etc.. Und viel lauter hätte ich die Bässe eh nicht angetrieben. Die Wärmeabfuhr ist dabei so gut, dass die Lüfter nicht einmal hörbar lauter werden. Insofern sind die größeren Werte im Namen vielleicht doch nicht so verkehrt.

Einen Anteil an der geringeren Wärmeentwicklung ist die Class-H-Ausführung der MX Serie, die im Vergleich zu reinen Class-AB-Endstufen wesentlich weniger Verlustleistung und damit Wärme produziert. Erreicht wird das durch eine variable Versorgungsspannung. Das erklärt dann auch das, gemessen am Rest der Endstufe, überdimensioniert wirkende Netzteil, obwohl mit einem modernen Schaltnetzteil zur Gewichtsersparnis geworben wird.

Mackie MX3500 Endstufe von innen - Netzteil

Sauber aufgebautes Netzteil mit eigenem Kühlkörper

Der Eingangswahlschalter, mit dem die Empfindlichkeit des Eingangs umgeschaltet werden kann, regelt die Lautstärke zwar ein bisschen runter bzw. hoch, durch den hohen Wirkungsgrad kommen die MX-Endstufen aber eh schon mit geringen Eingangslautstärken sehr gut klar. Und das bei nicht wahrnehmbarem Eigenrauschen. Negativ fallen allerdings ein bisschen die minimalistisch ausgeführten Lautstärkeregler auf. Zwar aus Metall gefertigt und gut verschraubt, haben sie jedoch nur einen kleinen vertieften Punkt als Kennzeichnung der Stellung. Das ist speziell im Dunkeln oder bei schlechten Lichtverhältnissen schwer zu erkennen. Wären es meine Endstufen, würde ich mit Tipp-Ex oder ähnlichem einen farbigen Punkt machen, um auch aus einiger Entfernung die Stellung sehen zu können.

Jetzt kommen wir zur Full-Range-Performance. Auch hier überzeugt vor allem die Lässigkeit, mit der die MX-Endstufen die Boxen durch alle Lautstärkeregionen fahren. Speziell bei leisen Passagen fällt das kaum hörbare Lüftergeräusch positiv auf. Durch die 2-Ohm-Fähigkeit könnten hier sehr viele Lautsprecher, z. B. als (auch etwas lautere) Hintergrundbeschallung eingesetzt werden, ohne die Endstufe verstecken zu müssen.

Also alles erste Sahne mit den Mackie MX3500 und MX2500 Endstufen

Nicht ganz. Man hat ja so seine Testmusikstücke, die man mittlerweile in und auswendig kennt. Beim Testen viel mir auf, dass mir bei den ganz hohen Höhen ein bisschen Brillanz fehlt. Dazu habe ich dann noch mal mein Teststück mit den (fast schon nervig) hohen Frequenzen abgespielt und siehe da, es fehlt tatsächlich ein bisschen an den extremen Höhen. Das konnte ich durch eine leichte Erhöhung am angeschlossenen DCX 2496 (+1,5 dB ab 10 kHz mit sanftem Anstieg) leicht ausgleichen, ist dann aber nicht “out-of-the-box” neutral. Aber dann passte der Klang zu den anderen Endstufen und dem Hörerlebnis, das ich vom Lied gewohnt bin.

Fazit

Blitzsauberer Aufbau vs. schlechte Positionierung der Buchsen? Traumhafter Wirkungsgrad vs. wirklich nur leicht reduzierte Höhen? Welche Note gebe ich denn jetzt den Mackies? Für mich ganz klar eine Frage des Nutzungsszenarios. Wer die Endstufe z. B. irgendwo fest verbaut und damit eher moderate Musik mit vielen Lautsprechern antreibt, wird sich vermutlich eher über eine leichte Höhenreduzierung freuen. Wer Endstufen braucht, die extreme Leistung mit noch gut handhabbarem Gewicht bringen sollen, wird so oder so eine Klangregelung mit Weichen und Limitern davor haben und den Sound so modellieren, wie er ihn gerne möchte. Der könnte sich dann höchsten über die Buchsen aufregen, wenn die aber in einem Rack mit Patchbay oder Splitter sind, ist ihm das auch egal.

Im Großen und Ganzen bin ich Fan der Verarbeitung, der Wertigkeit und des extremen Wirkungsgrades. Und der sehr leisen Lüfter. Und vergebe daher trotzdem das “sehr gut”. Mit minus.

Plus

  • leise Lüfter
  • hoher Wirkungsgrad
  • sehr stabile Verarbeitung
  • gutes Leistungsgewicht
  • 2 Ohm fähig

Minus

  • ungünstige Steckverbindungen
  • extreme Höhen leicht reduziert

Preis

  • Mackie MX2500: 429,- Euro
  • Mackie MX3500: 599,- Euro
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