Test: Mackie ProFX22, Life-Mischpult

24. Februar 2012

Arbeitstier für die Bühne mit 22 Kanälen

Mackie ProFX22 vs ProFX16

Die analoge Konsole Mackie ProFX22 ist der große Bruder des ProFX16 Mischpults, das ich bereits für AMAZONA.de getestet habe. Technisch sind die beiden identisch, mit dem einzigen Unterschied, dass der größere Mischer 22 Eingangskanäle zu bieten hat. Dies ist im übrigen auch an der Modellbezeichnung erkennbar. „Pro“ steht für Professional, „FX“ weist auf den 32-Bit Effektprozessor hin und die Ziffer 22 gibt die Zahl der Kanäle an.

Deshalb möchte ich mich bei diesem Test schwerpunkmäßig vor allem der USB-Schnittstelle und den Effekten widmen. Wer mehr Details zur Technik und Ausstattung wissen möchte, kann im AMAZONA.de-Archiv unter Mackie ProFX16 nachlesen (Link wie immer am Ende). Dort gibt es auch viele Fotos des optisch recht ansprechenden Mixers.

Kurzer Blick auf die Struktur des Mackie ProFX

Mackie hat sich bei seiner ProFX-Serie der Struktur des „klassischen Aufbaus von Kanalzügen“ angepasst. Bedeutet in diesem Fall: Nach dem Gainregler folgt zunächst die Klangregelung (von oben nach unten betrachtet) und dann kommen die Aux-Wege. Ich selbst benutze manchmal ein Modell der CFX-Serie. Bei diesem Mischpult folgen nach dem Gainregler erst die Aux-Wege und dann die Klangregelung, eine Einteilung, die nicht unbedingt üblich ist.

Eine gedruckte Bedienungsanleitung liefert Mackie nicht mit. Sie ist als PDF-Download erhältlich.

Vom Konzept gehört das große ProFX22 zu den Bühnenmischpulten. So bietet es sich für mittlere und größere Veranstaltungen an, bei denen eine all-in-one Lösung ohne viel externes Equipment gefragt ist. Neben der großen Anzahl von Kanälen für viele Sänger oder Musiker und den wirklich gut klingenden Effekten, findet sich in den Kanalzügen 11 bis 14 jeweils ein sehr einfach zu bedienender Kompressor. Er kommt mit einem einzigen Drehregler aus. Damit können Stimmen verdichtet werden, die Akustikgitarre „geglättet“ oder auch Snare und Bass mehr „Knack“ bekommen. Selbst Laien kommen gut mit den Kompressor-Einstellungen zurecht. Je weiter der Regler aufgedreht wird, umso stärker die Kompression. Falsch machen kann man dabei nichts, wenn man seinen Ohren vertraut. Das eingebaute USB-Interface ermöglicht Mitschnitte bei Auftritten oder Musikeinspielungen via Laptop.

16 rauscharme Mikrofonvorverstärker mit bis zu 50 dB Verstärkung, 22 Line-Inputs (14 Mono, 4 Stereo), 7-Band Graphic EQ für Summe oder Monitorweg, Dreiband-EQ mit durchstimmbaren Mitten in den Mikrokanälen und 4 Subgruppen zeichnen die Konsole aus. Außerdem sind weich laufende 60 mm Fader, 100 Hz Low Cut Filter in allen Mikrofon-Kanälen, 48V Phantomspeisung sowie Inserts (für externe Effekte) in den Kanälen 1 bis 10 im flachen, stabilen Stahlgehäuse untergebracht. Die Klangregelung greift beherzt zu und in punkto Routing können die Signale jetzt, anders als bei der CFX-Serie, direkt auf den Main-Mix gelegt werden.

Mitgelieferte Software

Mitgeliefert wird eine Software-Lizenz zur Registrierung der Musik Produktions-Software Tracktion 3 Basic Bundle (PC und Mac). Sie wird von der Mackie-Website heruntergeladen (Link). Nach der Registrierung und dem Eintrag der mitgelieferten Lizenz-Nummer ist Tracktion 3 startklar.

Das „Ultimate Bundle“ wurde bereits bei AMAZONA.de getestet (Link).

Auszüge aus dem Testergebnis: „Tracktion 3 ist eine echte Allrounder-Sequencer-Software, die umfangreiche Funktionalität bei einem schlanken Preis bietet. Viele Ausstattungsmerkmale und insbesondere das Bedienkonzept sprechen Einsteiger an. Besonders gut gefallen hat mir die übersichtliche und jederzeit transparente Sampleverwaltung – an vielen Stellen der Oberfläche lassen sich die Speicherorte der verwendeten Sample problemlos identifizieren. Da habe ich schon ein deutlich zugeknöpfteres Sample-Management erlebt. Die Software bietet auch fortgeschrittenen Sequenzisten kreative Tools, mit denen musikalisches Neuland erschlossen werden kann.“

Running Man 32-bit Efektprozessor

Der Effektprozessor bietet 16 feste Presets. Das ist nicht viel, wird mancher jetzt sagen. Aber wozu braucht man 100 verschiedene Sounds, die man im Leben nicht einsetzen wird? Alle Presets sind für den Liveeinsatz wie geschaffen.

Zum Test schließe ich meinen Klassiker SM58 an. Beim Einpegeln hilft die PFL-Taste und die „aufdringliche“ Rude-Solo LED blinkt unaufhörlich, um mich an die Solo-Einstellung zu erinnern. Der Effektbereich ist im Layout des Mixers klar abgegrenzt und trägt die Bezeichnung Internal FX.

Dort gibt es nur wenige Elemente und Einstellmöglichkeiten. Den Drehregler zur Effektauswahl mit der zweistelligen Anzeige, einen Stummschalter, die zweifarbige Signal-LED und drei weitere Drehregler. Letztere schicken das Signal auf die Aux-Wege 1 und 2 (Monitoring) und auf die Summe. Dreht man den Summenregler ganz auf, macht sich ein leichtes Rauschen bemerkbar. Gute Startposition ist die Einstellung „U“ (unity gain). Hier wird das Signal weder verstärkt, noch abgeschwächt. Im Aux-Master steht der Regler ebenfalls auf „U“. Jetzt kann der gewünschte Effektanteil im Kanalzug mit dem FX-Poti je nach Geschmack zugemischt werden.

Ein einziger Dreh reicht zur Preset-Auswahl. Zur Verfügung stehen:

  • 01 Bright Room
  • 02 Warm Lounge
  • 03 Small Stage
  • 04 Warm Theater
  • 05 Warm Hall
  • 06 Concert Hall
  • 07 Plate Reverb
  • 08 Cathedral
  • 09 Chorus
  • 10 Chorus+Reverb
  • 11 Doubler
  • 12 Tape Slap
  • 13 Delay (300 ms)
  • 14 Delay (380 ms)
  • 15 Delay (480 ms)
  • 16 Reverb+Delay (250 ms)

Diese Auflistung findet sich auch auf dem Pult wieder. Hauptsächlich sind es Hall- und Echo-Effekte. Die Bezeichnungen machen deutlich, was man zu erwarten hat. Alle Effekte klingen durch die Bank gut. Auch wenn sie nicht editierbar sind, so sind sie doch praxisorientiert voreingestellt. Letztendlich ist ja auch der Anteil im Mix von entscheidender Bedeutung für das Gesamtergebnis. Mir hat der Plattenhall sehr gut gefallen. Während Hall- und Delay-Effekte vorsichtigen Umgang mit dem Effektanteil verlangen, können Chorus und Doubler schon eine gehörige Portion mehr vertragen. Wird der Effektprozessor übersteuert, wechselt die Sig/Ol-LED auf rot. Ol steht übrigens für overload. Schaltet man das Mischpult aus, merkt sich der Effektprozessor die letzte Einstellung. Dass die Effekte auch auf die Monitorwege gelegt werden können, versteht sich bei modernen Pulten wie dem ProFX22 von selbst.

Wem das angebotene Effektspekrum nicht reicht, der kann für Outboard-Equipment entweder die Kanal-Insert-Buchsen einsetzen, nutzt einen der Aux-Wege und einen Kanalzug zur Rückführung oder wählt den Weg über die Aux-Returns. An dieser Stelle ist anzumerken, dass das ProFX22 lediglich drei Aux-Wege hat – und das ist auch das einzige Haar in der Suppe.

USB-Schnittstelle / Audiointerface

Für den Kontakt zur digitalen Welt ist eine USB 1.1 Schnittstelle eingebaut. Damit kann stereo aufgenommen und stereo wiedergegeben werden. Deshalb trägt dieses Interface auch die Bezeichnung 2 x 2. Die Wandlung (A/D/A) beträgt 16 Bit, 44,1 kHz/48 kHz. Ein langes USB-Kabel liegt dem Mischpult bei.

Was geht raus? Es gibt zwei Möglichkeiten, die Schnittstelle anzusteuern. Entweder wird die Stereo-Summe auf den USB-Bus gelegt oder alternativ die Subgruppen 1 und 2. Das bedeutet aber auch, dass es nicht möglich ist, einzelne Kanäle separat aufzuzeichnen.

Wie kommt es rein? Was die Wiedergabe betrifft, gibt es ebenfalls zwei Optionen. Einmal kann der 2-Track-Return-Weg genutzt werden, der sonst die Signale der Cinch Tape-Eingänge empfängt. Hier geht die Einspielung direkt auf die Summe, und ein einzelner Regler bestimmt die Gesamtlautstärke. Wesentlich komfortabler ist es aber, den Stereo-Kanalzug 21/22 zu verwenden. Ein kleiner Umschalter neben dem Gain-Poti gestattet diese Auswahl. Wird der Stereo-Kanalzug genutzt, stehen dem ankommenden USB-Signal sämtliche Möglichkeiten zur Verfügung. Also Klangregelung, Aux-Wege, Panorama und Fader – und natürlich das komplette Routing auf Subgruppen und Summe.

Bei meinem Rechner (Windows 7) funktioniert der Anschluss des Mixers nach dem Prinzip plug-and-play. USB-Stecker rein und ohne Installation irgendwelcher Treiber wird die Musik über das ProFX22 wiedergegeben. Aufnahmen in Wavelab funktionieren ebenfalls auf Anhieb und sind tadellos. Mit meiner Produktions-Software Cubase LE 5 wird’s da schon komplizierter. Auch nach langem Probieren bekomme ich keine Aufnahmen in den Rechner. Mit der beiliegenden Software Tracktion wollte ich mich nicht unbedingt für diesen Test vertraut machen. Zu anders sieht hier die Oberfläche aus als das, was ich von Cubase gewohnt bin. Wie dem auch sei, an den beschriebenen Routing-Möglichkeiten der Konsole ändert das ja auch nichts. Allerdings hätte mich die Latenz in Cubase durchaus interessiert. Vielleicht können Anwender von ihren Erfahrungen im Umgang mit Cubase und Tracktion berichten und die Kommentar-Funktion auf dieser Site rege nutzen. Ich würde mich darüber freuen.

Fazit

Das analoge Pult Mackie ProFX22 bietet zu einem attraktiven Preis in der Budgetklasse eine Menge brauchbarer Features und macht es dadurch auch für Projektstudios interessant. Als all-in-one-Lösung ist es für den Live-Einsatz ohnehin wie geschaffen. Die gute Verarbeitung, übersichtliche Struktur und das schicke Design sind weitere Pluspunkte. Schon zum Standard gehört bei Mischpulten heutzutage die USB-Schnittstelle. Da macht auch Mackie keine Ausnahme. Erwähnenswert sind die vier einfach zu bedienenden Kompressoren und die Effekt-Sektion mit gut klingenden Sounds. Bei einem Mischpult dieser Größenordnung sind eigentlich vier Aux-Wege Pflicht. Das Mackie-Mischpult hat leider nur drei und damit Punktabzug. Ansonsten ist das ProFX22 seinen Preis wert. Wer mit weniger Kanälen auskommt, sollte sich das technisch identische ProFX16 ansehen.

Plus

  • Verarbeitung
  • Kompressoren (Kanäle 11 bis 14)
  • Effektprozessor
  • 7-Band Grafik-EQ für Master oder Aux
  • 4 Subgruppen
  • Effekt Mute-Taste
  • USB-Schnittstelle
  • USB-Zuspielung via Kanalzug möglich
  • Break-Taste (siehe Test FX16)

Minus

  • nur drei Aux-Wege
  • keine gedruckte Bedienungsanleitung
  • keine Main-Inserts (siehe Test FX16)

Preis

  • 779,- Euro
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