Test: Mackie SDR 24/96 und MDR 24/96 HD-Recorder

12. Januar 2004

Preisbrecher im HD-Recording

MACKIE SDR 24/96 HD-Recorder

In der Rubrik €urotica stellen wir in unregelmäßigen Abständen Produkte vor, die zwar nicht mehr brandaktuell, aber immer noch extrem attraktiv und als Neuware im Musikfachhandel erhältlich sind. Wenn solche Produkte auch noch extrem im Preis gefallen sind, ist das für AMAZONA.de Grund genug, diese Produkte ausführlich vorzustellen.

Das Musikhaus Thomann bietet derzeit den Harddiskrecorder Mackie SDR 2496 zu einem äußerst attraktiven Preis von nur 1398 € an. Entsprechend interessant ist der nachfolgende Test.

Die Mackie Harddiscrecording-Preisbrecher

Mit dem Durchbruch des HD-Recordings spaltete sich das Lager der Anwender in zwei Gruppen. Die eine erledigt alles mit dem Computer und erfreut sich niedriger Preise der Komponenten, die andere schwört nach wie vor auf Hardware und muss dafür tiefer in die Tasche greifen.

Diese Situation zu ändern, ist eines der Ziele der Recorder aus dem Hause Mackie. Mit einem Preis, zu dem ein komplettes Computersystem samt Wandlern kaum zu haben sein dürfte, trumpft Mackie mit Features auf, die es auch mit deutlich teureren Konkurrenten aufnehmen können und lässt dem Anwender endlich Geldbeutel-unabhängig die Wahl zwischen den flexiblen, aber auch komplexeren Rechner-Lösungen auf der einen und der nach wie vor wie eine Bandmaschine intuitiv zu bedienenden Hardware-Lösung.

Überblick

Die Beiden kombinieren die gewohnte Bedienung realer Maschinen mit dem Komfort des nichtdestruktiven Arbeitens, den nur eine Festplatte bieten kann. Alle 24 Spuren können bei Bedarf auch gleichzeitig aufgenommen werden, dazu stehen die Sampleraten 44,1 und 48 kHz zur Verfügung. Jede Spur bringt acht virtuelle Tracks mit sich, so dass mehrere Takes ohne Änderungen im Routing aufgezeichnet werden können.
Auch mit den doppelten Frequenzen von 88,2 oder 96 kHz kann gearbeitet werden, dann nur mit 12 Spuren an den digitalen I/Os, aber die gesamte Aufnahmedauer von 90 Minuten besteht nach wir vor. Die internen Festplatten speichern bei 48 kHz satte 2200 Spurminuten; damit ergeben sich bei durchgehender Nutzung aller 24 Spuren 90 Minuten Aufnahmedauer.

MACKIE MDR 24/96 HD-Recorder

Erscheinungsbild

Auf vier bzw. drei Höheneinheiten präsentieren sich sowohl der MDR als auch der SDR mit einer eleganten, aufgeräumt wirkenden Frontplatte. Die 24 Aussteuerungsanzeigen mit zugehörigen Spurwahlschaltern, die Locator- und Input-Taster sowie die Transport-Knöpfe mit Status-LED lassen gleich Bandmaschinen-Gefühle aufkommen, und wer eine solche jemals bedient hat, kommt mit dem neuen Mackie-Recorder ebenfalls auf Anhieb zurecht.
Weiterhin ist auf der Frontplatte ein großzügiges Display zu finden (beim SDR ist es etwas kleiner) und mit Navigationstasten für das Funktionsmenu zuständig ist. Eine Zeitanzeige, die wahlweise Stunden, Minuten, Sekunden und Frames oder aber Takte, Beats und Ticks anzeigt, rundet das Bild neben dem Netzschalter, einem Diskettenlaufwerk (nur MDR) und einem Wechselrahmen für ein zusätzlich zur eingebauten Festplatte installierbares Laufwerk ab.
Auf der Rückseite befinden sich Slots für die im folgenden beschriebenen Einsteck-Karten, Anschlüsse für die Fernsteuerung und einen Fußschalter, Sync-Buchsen für SMPTE und Wordclock, ein MIDI-Port in Form einer neunpoligen Sub-D-Buchse zum Anschluss der mitgelieferten MIDI-Kabelpeitsche sowie ein Ethernet-Port. „Keinesfalls sollte dieser mit dem Anschluss für die Fernbedienung verwechselt werden“ beschreibt einaufgebrachter Warnhinweis, der wegen der gleichen zum Einsatz kommenden Steckverbinder auch nötig ist.
Schließlich ist eine Kaltgerätebuchse und der in modernen Geräten leider immer häufiger anzutreffende Lüfter auf der Rückseite zu finden.
Der SDR bietet nicht diese Modulare Bauweise, trotzdem sind hier schon alle wichtigen Anschlüsse vorhanden.

Anschluss

Der MDR 24/96 verfügt werksseitig nicht über Anschlussorgane für die Audiosignale, sondern erwartet diese als optionale Steckkarten. Dieses Konzept ermöglich den flexiblen Einsatz in jeder Studioumgebung, denn erweitert werden kann der MDR 24/96 über I/O-Karten, die mit denen des Mischpults Digital 8-Bus (d8b) identisch sind. Somit stehen bereits zur Markteinführung des Recorders die achtfache 24-Bit-A/D- und D/A-Karte AIO-8, das TDIF/ADAT-Optical-Interface DIO-8, die preiswertere Variante eines Nur-ADAT-Interfaces OPT-8 sowie die vierfache und damit ebenfalls achtkanalige AES/EBU-Schnittstelle PDI-8 zur Verfügung, die auch in den S/PDIF-Modus geschaltet werden kann.

Rückseite Mackie SDR

Zum Test standen uns drei AIO-8-Karten zur Verfügung, mit denen der MDR 24/96 analog in die Studioumgebung eingebunden werden konnte. Realisiert werden die Anschlüsse über je eine 25-polige SUB-D-Buchse für jeweils acht Signalwege, an die entsprechende Kabelpeitschen anzuschließen sind. Deren Anschlussbelegung gleicht den analogen Anschlüssen der DTRS-Recorder von Tascam, so dass eine ausreichende Verfügbarkeit dieser Kabel sichergestellt ist und niemand in die Bedrängnis kommt, selber löten zu müssen. Ein Tipp: Besonders hochwertige Kabelpeitschen stellt die Firma Cordial her.

Rückseite Mackie MDR

Bei analoger Einbindung der Recorder werden viele Anwender zwar 24 Ausgänge, aber nur acht Eingänge zum Anschluss an die Subgruppen der Konsole benötigen, die dann jeweils drei Eingänge beschicken sollen. Dieses Routing kann und darf mit Y-Kabelpeitschen erfolgen.
Der Betrieb mit 88,2 oder 96 kHz ist beim MDR derzeit ausschließlich mit den Interfacekarten PDI-8, also mit den AES/EBU-Schnittstellen, möglich. Der SDR bietet hierfür die ADAT-Schnittstellen. Dabei arbeiten die Schnittstellen im so genannten Double Wire Modus, bei dem nicht wie gewohnt zwei Signale über einen Anschluss geführt werden, sondern nur noch eines. Die Halbierung der zur Verfügung stehenden I/O-Ports durch diese Technik ist aber überhaupt nicht tragisch, da sich die Spurenzahl bei Nutzung der doppelten Abtastraten ohnehin halbiert.

Display

Ein Minuspunkt im Vergleich zum Computer sind bei Stand-Alone-Geräten oft die Displays. Die MDR/SDR-Displays schlagen sich hier aber wacker, und die Menustruktur ist übersichtlich. Ohnehin muss das Menu hauptsächlich nur für seltener benötigte Einstellungen aufgesucht werden. Zu diesen gehören die Konfiguration der Ein- und Ausgänge, das Setup der Digital-Karten und die Sync-Einstellungen, aber auch das Anlegen der Projekte und die Wahl der aktiven Festplatte. Dennoch braucht man auch bei den letzteren, öfter einmal benötigten Funktionen keine Angst vor dem Menu zu haben, denn die Haupt-Funktionsbäume lassen sich über dedizierte Tasten erreichen, und das Display ist auch für Computer-Hasser gut zu durchschauen.

Main-Display der beiden HD-Recorder

Synchronisation

Mit Hilfe der Sync-Karte lässt sich der MDR 24/96 sowohl in Bezug auf die Abspielgeschwindigkeit und Transportposition als auch in Bezug auf die Samplerate seiner Schnittstellen synchronisieren. Der SDR bietet diese Anschlüsse Serienmäßig. Eine TRS-Klinkenbuchse führt sowohl den Eingang, als auch den Ausgang für SMPTE-Zeitcode über den der Recorder wahlweise als Master für weitere Geräte dient oder als Slave mitlaufen kann.
Eine BNC-Buchse, die über einen Wahlschalter terminiert werden kann, dient als Eingang für die externe Vorgabe der Samplingfrequenz. In den meisten Fällen dürfte hier wohl Wordclock erwartet werden, aber die Mackie-Recorder können darüber hinaus noch mehr: Als Slave richten sich die Recoder nämlich auch nach SMPTE. Ein Wordclock-Ausgang rundet das Bild schließlich ab und lässt die interne Taktfrequenz des Recorders als Master arbeiten. Ebenso wird dieser Ausgang beim Sync-Betrieb zum Video benötigt, denn dabei sollte nur eine Maschine Slave zum Blackburst sein, die dann für die anderen digitalen Audiogeräte die Rolle des Masters übernimmt. Auch für diese Aufgabe sind die Mackies also gerüstet.

Meterbridge per Leuchtanzeige

Backup

Bei einem Harddisk-Recorder ist auch die größte Platte schnell voll. Dann geht es darum, angenehm, sicher und schnell ein Backup anfertigen zu können. Dazu bieten beide mehrere interessante Möglichkeiten. Zunächst ist in diesem Zusammenhang der Einschub-Schacht für ein Mackie Media M-90 Laufwerk zu nennen. Hierbei handelt es sich um ein herausnehmbares Festplattenlaufwerk, dessen interessanteste Funktion darin besteht, dass man auch gleich darauf aufnehmen kann und zum schnellen Fortsetzen der Aufnahmen bei voller Platte das Backup auch auf später verschieben kann, sofern man mehrere dieser Laufwerke besitzt.
Die zweite Möglichkeit des Backups bietet das Wechselmedien-Laufwerk Mackie Media Project, das mit 2,2 GB großen ORB-Cartridges arbeitet. Diese relativ preiswerten Medien erlauben auch eine umfangreichere Archivierung.
Sowohl das Mackie Media M-90 als auch Mackie Media Project werden betriebsfertig als Einschub für die Wechsel-Halterung geliefert. Dieser Einschub-Rahmen ist aber auch separat erhältlich und kann eine UDMA-fähige IDE-Festplatte aufnehmen.
Wer magnetischen Medien nicht traut und für beste Datensicherheit nur optische Aufzeichnungen zulässt, hat mit dem MDR 24/96 alle nur denkbaren Möglichkeiten. Denn faktisch gibt es kein Backup-Medium, das man nicht mit dem Mackie-Recorder betreiben könnte. Möglich wird diese Flexibilität durch die eingebaute 100 Base-T Ethernet-Schnittstelle mit FTP-Server-Funktion, die eine Datenübertragung auf jeden entsprechend ausgerüsteten Computer möglich macht. Vom Rechner aus lassen sich dann alle installierten Backup-Medien nutzen.

Mackie Remote 48

Remote 24 und 48

Erhältlich ist neben der getesteten kleinen Remote auch eine voll ausgestattete, große Remote, die gleich 48 Spuren zweier angeschlossener Recorder verwaltet.
Die Fernsteuerung Remote 24 beinhaltet nur die wichtigsten Funktionen der Recorder. Hierbei handelt es sich um die Transportfunktionen, die wie von anderen Maschinen gewohnt mit Tasten und Tally-LEDs ausgeführt sind, sowie um die Bedienelemente zum Scharfschalten der Spuren und zur Bedienung der Locatoren. Interessant gelöst ist die Funktion der in die Remote eingebauten Meterbridge, die aus nur einer LED-Kette besteht. Je ein Up- und Down-Taster ermöglichen die Aufschaltung dieser Kette auf eine beliebige Spur, die durch ein zweistelliges Siebensegment-Display angezeigt wird. Für die gewählte Spur stehen schließlich auch die Funktionen zur Auswahl der Takes auf der Remote zur Verfügung.
Die Fernsteuerung wird über ein RJ45-Kabel mit dem MDR 24/96 verbunden, das sowohl die Steuersignale als auch die Versorgungsspannung führt. Eine weitere Anschlussbuchse dient einem Fußschalter für den Punch-Betrieb im Selbstfahrer-Studio, der wahlweise an den Recorder oder an die Remote angeschlossen werden kann.

Praxis

In meinem Studio wurden die beiden Mackie Recorder auf Herz und Nieren getestet und zeigte keine Schwachpunkte. Im neu eingerichteten Studio B wurde sogar der Sync-Betrieb zu einer Betacam-SP-Videomaschine ausprobiert – auch hier zeigten sich die Mackie-Recorder von seiner besten Seite.
Inzwischen hauptsächlich an rechnergestützte Systeme gewöhnt, ist die Bedienung des MDR 24/96 auch für mich ein gutes Gefühl, es kommen sofort Bandmaschinen-Erinnerungen auf.“ Wenn das kein Lob an das Konzept ist, denn die von der Bandmaschine gewohnte Bedienung in Kombination mit den Vorteilen des Harddisk-Recordings, beispielsweise entfallende Spulzeiten, ist genau der Ansatz des MDR 24/96.
Für die Praxis höchst interessant ist das flexible Konzept der I/O-Module des MDR. Die Möglichkeit der gleichzeitigen Aufnahme aller Spuren übertrifft die meisten Rechner-Systeme, die zwar viele Spuren abspielen, aber oft nur wenige zur gleichen Zeit aufnehmen können. Damit sind die Mackies auch für Studios interessant, in denen beispielsweise akustische Drums aufgenommen werden.
Mit 12 Spuren in 24/96-Qualität eignet sich beide aber auch hervorragend für den mobilen Einsatz bei Klassik-Aufnahmen, die heutzutage immer öfter in Surround-Technik mit zusätzlichen Stützen durchgeführt werden. Bei dieser Anwendung ist es von Vorteil, dass Aufnahmen auch unmittelbar auf der Backup-Festplatte erfolgen können, da diese dann einfach gegen eine leere ausgetauscht werden kann, wenn die erste Platte voll ist und es darum geht, möglichst schnell weiter aufnehmen zu können. Dieser Vorteil ist allgemein im Live-Betrieb nicht zu unterschätzen, beispielsweise auch für den Mehrspur-Mitschnitt von Signalen, die bei einem Pop-Konzert aus dem Saalmischer ausgespielt werden.

Fazit

Die Mackie HD-Recoder SDR und MDR 2496 werden ihrem Ansatz voll gerecht und bieten endlich eine als Recorder dedizierte Hardware zu einem derart erschwinglichen Preis, dass der Anwender die Frage nach Computer oder Recorder nicht mehr allein von der Größe seines Geldbeutels abhängig machen muss. Eine umfangreiche und flexibel zu gestaltende Ausstattung sowie eine gelungene Bedienoberfläche lassen das Gerät zu einer Empfehlung für jeden werden, der lieber auf Transporttasten drückt, anstatt mit der Maus zu klicken.

Plus

  • Hervorragendes Preis/Leistungs-Verhältnis
  • 24-Bit 96kHz-fähig
  • Zuverlässigkeit
  • Bedienung
  • umfassende Ausstattung

Preis

  • Mackie SDR 2496 Straßenpreis: 1400 Euro
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    buenas noches . tengo una mdr 2496 qeu vino con las 6 tarjetas ( 3 de out y 3 de in ) ,para conectores de 25 pines. ustedes venden los conectores o en el mejor de los casos un plano de conexion. saludos

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