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Test: Malekko Ekko 616 MKII Dark, Gitarren Delaypedal

14. Juli 2017

Analoges Meisterstück

Die Nachfrage nach guten Echopedalen ist nach wie vor ungebrochen hoch und der Markt bietet dazu eine schier unendliche Auswahl. Da muss man schon mal genauer schauen, um das eine oder andere interessante Gerät zu entdecken. Echos fabrizieren können sie alle mehr oder weniger. Doch ein gutes Delay bietet auch immer Anreize für neue Inspirationen und hier sind es ganz besonders die Vertreter der analogen Fraktion, die sich mit ihren warmen, organischen und manchmal auch unkontrollierbaren Sounds von den Kollegen der DSP-Abteilung abheben. Das Malekko Ekko 616 MKII Dark ist genau so ein „analoger Fall“ und steht nun bei uns zum Test bereit.

Facts & Features

Die Firma Malekko dürfte nicht nur im Gitarrenuniversum ein Begriff sein, auch im Bereich der Tasteninstrumente hat sich die 2006 in Portland/Oregon gegründete Firma mit ihren Synthesizermodulen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das Malekko Ekko 616 MKII Dark ist, wie die Produktbezeichnung es schon vermuten lässt, die zweite Version dieses Echos analoger Bauart. Die verbauten BBD-Chips ermöglichen eine maximale Verzögerungsdauer von 650 ms. Zudem wurde dem Effekt eine Modulationssektion spendiert, die von leichten Chorus- und Flanger-Effekten bis hin zum sirenenartigen Geheul den Klang bereichern soll.

Dark? WtF?

Das Malekko Ekko 616 MKII Dark basiert auf dem Ekko 616 MK II, einem Analogecho, das sich schon länger im Programm befindet. Was aber bedeutet nun das Wort Dark in der Typenbezeichnung? Gegenüber dem Basismodell verfügt unser Testpedal über ein zusätzliches Lowpassfilter, das die Höhen bei 400 Hz abregelt und so den Echos grundsätzlich eine gedämpfte, düstere Atmosphäre verschafft. Eben wie im Dunkeln. Wie im Dunkel bzw. im Blindflug fühlt man sich allerdings auch, wenn es um die Ablesbarkeit der Potis und Schalter geht. Selbst bei Tageslicht ist es nahezu unmöglich, die Beschriftungen zu erkennen. Das ist man wohl beim Design des Pedals und dem Thema „Dunkelheit“ offensichtlich etwas über das Ziel hinaus geschossen.

— Hätten Sie’s gesehen? Die Beschriftung, die keine ist —

Anschlüsse, Potis und Schalter des Malekko Ekko 616 MKII Dark

Und wenn wir schon beim Meckern angelangt wären – leider wurden auch beim Malekko Ekko 616 MKII Dark der Audioein- bzw. Ausgang sowie der Anschluss für das Netzteil an die Außenseiten des Gehäuses gelegt. Ein Satz Winkelklinkenstecker sei also ans Herz gelegt, möchte man das Pedal auf dem Board zwischen den anderen Effekten möglichst platzsparend unterbringen. Dabei ist das mattschwarz lackierte Gehäuse sehr kompakt ausgefallen, die Maße betragen schlanke 82,6 x 63,5 x 139,7 mm bei einem Gewicht von knapp über 300 Gramm.

— Malekko Ekko 616 MKII Dark – rechte Seite mit Audioeingang und Anschluss für das Netzteil —

Die drei großen Regler wurden fest mit dem Gehäuse verschraubt und regeln die typischen Parameter eines Delaypedals. So bestimmt Time die Verzögerungszeit (bis zu 650 ms), der Regler Mix das Mischungsverhältnis zwischen Original- und Effektsignal und Regen schließlich sorgt für die Anzahl der Wiederholungen. Oberhalb davon sitzt eine Reihe weiterer, deutlich kleinerer Regler, die sich beim genauen Betrachten als zwei Schalter und zwei Potis zu erkennen geben. Auch hier ist die Identifikation aufgrund der schwarzen Beschriftung auf dem mattschwarzen Gehäuse gar nicht mal so einfach. Man muss schon zweimal hinschauen, um die Funktionen der vier Regler zu erkennen.

Malekko Ekko 616 MKII Dark Gitarren Delaypedal

Ganz links sitzt ein Schalter, der die Modulationssektion des Malekko Ekko 616 MKII Dark startet (Mod). Gesteuert werden die Modulationen des Echosignals von den zwei direkt danebensitzenden Potis Speed und Depth. Die LFO-Frequenz wird stets über eine rot pulsierende und leuchtstarke LED am linken oberen Gehäuserand angezeigt. Eine weitere rote LED sitzt am rechten Rand des Gehäuses. Sie informiert darüber, ob sich das Pedal momentan im True- oder im Buffered-Bypass Modus befindet. Der Schalter mit der Bezeichnung T/B zur Auswahl des gewünschten Modus komplettiert die Viererreihe der eingeschrumpften und etwas unglücklich platzierten Bedienelemente.

— Unglücklich platzierte und wenig robuste Mini-Potis und Schalter —

Unglücklich deshalb, weil sie sehr nah an den drei großen Reglern positioniert wurden. Bei den beiden Schaltern stellt das kein Problem dar – draufklicken und fertig. Das Steuern der beiden Modulationspotis kann allerdings zu einer fummeligen Angelegenheit werden, zumal die beiden winzigen Potis zusätzlich noch recht ordentlich auf ihren Achsen wackeln. Ganz im Gegensatz zu den drei großen Reglern, die mit ihrer festen Verschraubung im Gehäuse und einem Drehwiderstand wie in Butter die Ansprüche an ein Boutiquepedal vollkommen befriedigen. Immerhin wurden sämtliche Bedienelemente weit genug weg vom Fußschalter platziert, sodass selbst bei einem Fehltritt nichts schiefgehen sollte. Der Metallschalter selbst ist leider keine Softclickvariante, obwohl man es auch schon schlimmer hat Knacken hören.

Sound und Praxis mit dem Malekko Ekko 616 MKII Dark

Ach, ein guter Sound entschädigt doch für so vieles. Und klingen tut es einfach verdammt gut, das Malekko Ekko 616 MKII Dark! Zunächst einmal überzeugen die zwei Basiskategorien – einwandfreie Signalqualität bei eingeschaltetem Effekt und ein erfreulich niedriges Rauschspektrum. Die erzeugten Echos klingen ungemein dicht, warm und voluminös, das gilt sowohl für kurze Slapbacks als auch für die größeren Delay-Zeiten, die mit 650 ms für ein reines Analogecho schon recht luxuriös ausgefallen sind.

Hören wir rein, für die nun folgenden Klangbeispiele wurde folgendes Equipment verwendet: Orange Micro Dark, in dessen Einschleifweg das Malekko Ekko 616 MKII Dark platziert wurde, H&K GL112-Box mit Celestion Vintage 30 Lautsprecher, Music Man Silhouette Special Gitarre, AKG C3000 Mikrofon und Logic Audio als Software.

Klangbeispiel 1 zeigt das Ekko 616 MKII Dark mit fast maximaler Verzögerungszeit. Das Regen-Poti befindet sich gut dreiviertel aufgeregelt, das Mix-Poti befindet sich in der 12-Uhr-Position.

Schon ein sehr fetter Sound, zudem angenehm rauschfrei und völlig frei von Artefakten. Das ist verdammt nah dran an Studioqualität.

Auch bei den mittleren Verzögerungszeiten macht das Malekko Ekko 616 MKII Dark eine extrem gute Figur. Das Lowpassfilter wirkt sehr musikalisch, denn die Atmosphäre der Echos ist zwar düster, aber keineswegs frei von Obertönen. Und vor allem einer grandiosen Dynamik, die in jeder Echowiederholung noch spürbar ist.

In Klangbeispiel 3 nun eine kurze Delay-Zeit. Auch hier beeindrucken Dynamik, Signaldichte und das sehr gut klingende Filter. Wer vermisst hier schon ein Tonepoti?

Atmosphärische Echos von allerbester Qualität erzeugen ist die eine Seite des Malekko Ekko 616 MKII Dark. Eine weitere wahre Fundgrube an Sounds tut sich zusätzlich nach dem Drücken des Mod-Schalters auf. Ist die Modulationssektion erst einmal gestartet, sind Sounds irgendwo zwischen sanftem Chorus, wabernden Flanger- und Phaser-Sounds oder schlicht schrillem Kreischen des LFOs. Obwohl sich, wie ich bereits weiter vorne erwähnte, das Bedienen der beiden Minipotis für Modulationsgeschwindigkeit und -tiefe selbst mit trockenen Fingern als ziemlich fummelige Angelegenheit erweist.

Klangbeispiel 4 zeigt das Ekko 616 MKII Dark mit einem ganz sanft eingesetzten Chorus und einer kurzen Verzögerungszeit.

In Klangbeispiel 5 nun eine höhere Geschwindigkeit des LFOs. Die Verzögerungszeit ist unverändert wie in Beispiel 4. Die Anzahl der Wiederholungen (Regen) wurde etwas zurückgenommen, das Mix-Poti befindet sich nach wie vor in 12-Uhr-Position.

Klangbeispiel 6 zeigt das Pedal mit einem Overdrivesound und einem Riff dazu. Die Modulation ist nach wie vor aktiviert und es ist erstaunlich zu hören, wie sauber und frei von Artefakten das Signal trotz des „breitgemachten“ Sounds noch klingt. Hier wird nichts digital gewandelt und das spürt man bis in die Fingerkuppen!

Fazit

Mich hat das Malekko Ekko 616 MKII Dark trotz kleinerer Mängel absolut überzeugt. Die erzeugten Echos klingen fantastisch dicht und voluminös, zudem verwöhnen ein sehr niedriges Rauschspektrum und eine ebenso hochwertige Signalqualität die Ohren des Zuhörers. Dem nicht genug, denn auch die Modulationssektion mit ihrem Mix aus Chorus-, Flanger-, Phaser- und „allem dazwischen Sounds“ weiß zu begeistern und könnte so manches Modulationspedal auf dem Pedalboard überflüssig machen. Eindeutig eines der besten Analogdelays am Markt und zu diesem Preis ein echtes Schnäppchen!

Plus

  • atmosphärischer und dichter Klang
  • kreative Modulationssektion
  • Flexibilität
  • Rauschverhalten
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Bedienung der Minipotis und Schalter etwas fummelig
  • Beschriftung der Bedienelemente quasi unsichtbar

Preis

  • Ladenpreis: 175,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Schöner Test, die Modulationssounds klingen wirklich sehr geil, die Beispiele bringen das Pedal toll rüber. Trotzdem schrei ich hier so lange nach Synth-Demos, bis bei jeder Tretmine welche dabei sind. Echt jetzt. :-) :-)

    • Profilbild
      elektrock  AHU

      Ich sag mal so „Klingt’s mit einer Gitarre dann klingt’s auch mit einem Synthi und Pegel genug wird’s schon ertragen ohne gleich zu clippen!“

  2. Profilbild
    zm33

    Beim anhören der Beispiele fällt mir sofort „Jean Luc Ponty – Open Strings“ ein (MPS 1972, Ponty – Violine mit delay). Klingt wirklich exakt danach. Bin verführt das Ding sofort zu kaufen. Wirklich schön.
    Kann man bei euch Testberichte eigentlich als Favoriten in seinem Account speichern?

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Vielen Dank für die Blumen, muss ich mir direkt mal anhören! So ein Delay wie das Malekko inspiriert einfach ungemein, ich könnte damit glatt ein ganzes Album mit Ambientkrams aufnehmen :)

  3. Profilbild
    L. Lammfromm  

    Der Spaß des Autoren am Gerät ist den Hörbeispielen deutlich anzuhören! Das letzte Hörbeispiel hat mich umgeworfen.
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    Das klingt wirklich sehr schön, das gute Ding!
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    Ich glaube dem Autor aufs Wort, dass das Kistchen auch als Chorus, Flanger und Phaser schöne Klänge zaubert. Beispiele, die genau das zeigen (also: nur als Chorus etc.) hätten mich gefreut. Soll aber keine Kritik sein, der Testbericht macht Appetit und man merkt dem Autoren auch an, dass er sein offenkundig berechtigtes Lob vor dem Hintergrund verfasst hat, dass er jede Menge Konkurrenzgeräte kennt.
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    Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her – und gemessen am gebotenen Wohlklang – finde ich das Malekko Ekko 616 MKII Dark hochinteressant!

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