Test: Malekko Thicken, Gitarren Choruspedal

14. Juni 2018

Dick, dicker, Thicken!

Malekko Thicken titel

Da ist er endlich: der Malekko Thicken! Als ehemaliger Kopf der Industrialpioniere Ministry, der Revolting Cocks und Acid Horse hat sich Paul Barker über die Ländergrenzen hinweg als ideenreicher Soundspezialist etabliert. Der harte Industrialsound der späten 80er und 90er trägt ganz klar seine Handschrift, Rock-Schocker wie Marilyn Manson oder die Nine Inch Nails sind maßgeblich vom Soundvisionär beeinflusst worden. Als sich die Bands nacheinander langsam in den Ruhestand verabschiedeten, beschloss Barker, dass es an der Zeit sei, seiner ungebremsten Kreativität anderweitig Ausdruck zu verleihen. 2006 lernte er auf einer Musikmesse den Unternehmer Josh Holley kennen – das war die Geburtsstunde der Malekko Heavy Industries.

Ursprünglich war das Unternehmen vor allem in den harten Synthie-Gefilden unterwegs. Ein beträchtlicher Katalog an Eurorack-Modulen und das modulare Aushängeschild SYSTEM-500 könnten zunächst den Eindruck erwecken, dass Malekko mit Gitarrentretern nicht viel am Hut hat. Weit gefehlt: Die in Portland, Oregon, USA beheimatete Effektschmiede hat vor allem mit dem B:ASSMASTER ein echtes Kultpedal erschaffen. Nach dem Omicron Chorus versucht sich Malekko mit dem Thicken nun an seiner zweiten Version eines zeitgemäßen Chorus-Effekts. Man darf gespannt sein!

Malekko Thicken – Facts and Features

Auf den allerersten Blick besticht der Malekko Thicken vor allem mit seinem schlichten, aber geschmackvollen Design. Ein ansprechendes Retro-Türkis ummantelt das stabile Gehäuse im kompakten 110 x 60 x 30 mm Format, die sechs Potis sind griffig und die Verarbeitung über alle Zweifel erhaben – wie man es von Malekko eben gewohnt ist. Doch auf dem ersten Blick fällt das erste Manko auf: Statt auf der Stirnseite sind sämtliche Anschlüsse an den Seiten angebracht. Kein Weltuntergang, aber jeder Pedaltreter weiß: Platz ist auf einem Pedalboard Mangelware und Seitenanschlüsse sind da alles andere als hilfreich. „Stereospielereien“ sind mit dem Thicken leider auch nicht möglich. Das Pedal besitzt nur einen Audioeingang sowie -ausgang, dafür aber einen Expression-Input, was für Chorus-Effektpedale eher untypisch ist. Die Buchse für das 9-Volt-Netzteil ist an der linken unteren Ecke angebracht.

Der Lieferumfang des Pedals fällt spärlich aus – das Pedal wird quasi „nackt“ geliefert, ohne Netzteil, Gummifüße oder sonstige Spielereien. Die Gebrauchsanweisung sucht man in der Verpackung ebenfalls vergeblich und muss auf der Homepage des Unternehmens heruntergeladen werden. Zum Glück muss dafür nicht lange gestöbert werden – die Homepage ist ansprechend und übersichtlich aufgebaut, trotzdem hätte man sich über ein überschaubares, mitgeliefertes Handbuch gefreut. Und einen Blick in dieses zu werfen, lohnt sich beim Thicken allemal: Der kleine Stomper steckt voller zeitgemäßer und versteckter Features, die ihn aus der breiten Masse der Mitbewerber hervorheben. Malekko schafft es immer wieder, traditionellen Effekten wie Tremolo, Flanger oder Fuzz einen interessanten Twist zu geben – der Thicken bildet da keine Ausnahme.

Malekko Thicken – Bedienelemente

Malekko Thicken potis

Ohne Frage – die Jungs von Malekko haben sich hier was einfallen lassen. Rein technisch entsteht der Chorus-Effekt ja dadurch, dass einem Signal ein um ein paar Millisekunden verzögertes Duplikat beigemischt wird. Die Modulationsmöglichkeiten dieses zweiten Signals zeichnen die meisten Chorus-Pedale aus – und da hat Malekko ganze Arbeit geleistet. Zwischen zwei Delay-Modi kann hier gewählt werden (ein bisschen umständlich, aber dazu später mehr), die wiederum das Chorus-Signal modulieren und dies über das SPREAD-Poti entweder in exponentiellen oder randomisierten Abständen tun. Das Ergebnis ist ein ungemein sahniger und vielfältig einstellbarer Chorus-Sound, der vor allem in Kombination mit dem PREAMP-Poti dafür sorgt, dass das Pedal seinem Namen gerecht wird: Der Sound wird spürbar thicker und gewinnt an Substanz.

Folgende Funktionen sind den Potis zugewiesen:

  • Spread – je nachdem, welcher Delay-Modus gewählt ist, lässt sich über den Spread entweder die herkömmliche Verzögerungszeit einstellen oder die Intervalle des Random-Modes akzentuieren
  • S Vol – ermöglicht es, das Volume des Spreads einzustellen
  • C Rate – hier lässt sich die Chorusfrequenz einstellen
  • C Depth – hier lässt sich die Intensität des Chorus-Effekts einstellen
  • C Vol – regelt die Lautstärke des Chorus-Effekts
  • PREAMP – regelt den Input-Gain

Malekko Thicken Gitarren Choruspedal

Ob ratternde, kleine Chorus-Laser, schwelende Texturen oder butterweiche Grungesounds à la „Come As You Are“, die ungemein differenzierten Kontrollmöglichkeiten des Thicken machen sofort Lust auf mehr. Der DELAY-Mode ermöglicht das Kalibrieren herkömmlicher, „klassischer“ Chorus-Sounds, die im Geiste der grungigen 90er angewendet werden können und sich perfekt für ein Soundgarden-Cover eignen. Der RANDOM-Mode unterfüttert das Chorus-Signal mit chaotischen Intervallsprüngen, die sich entweder deutlich akzentuieren oder in ein schimmerndes Chorus-Beet verwandeln lassen – auch hier wieder über das Spread-Poti. Der Wechsel zwischen beiden Modi erfolgt, indem man das Pedal aussteckt, den Fußschalter gedrückt hält und das Gerät wieder an den Strom anschließt – jetzt befindet sich der Thicken entweder im DELAY- oder im RANDOM-Mode. Praktisch ist das nicht unbedingt, bei der Soundqualität jedoch zu verschmerzen.

Malekko Thicken Expression Port

Ein weiteres Feature, das den Malekko Thicken hervorhebt, sind die umfangreichen Möglichkeiten, per Expression-Pedal die Parameter anzusteuern. Ein Blick auf die heutige Marktlage offenbart auch sofort: Chorus-Effektpedale mit Expression-Funktion in mittlerer oder niedriger Preiskategorie sind quasi nicht existent – in der Hinsicht besitzt der Thicken hier ganz klar ein Alleinstellungsmerkmal. Die Handhabe ist auch recht einfach: Sofern das Expression-Pedal in der CV/EXP-Buchse steckt, gilt es, den Fußschalter des Pedals gedrückt zu halten und nach Belieben die Potis einzustellen. Jetzt lässt sich mit dem Expression-Pedal über die entsprechenden Frequenzen und Bereiche „sweepen“, entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn. Dies lässt sich mit mehreren Potis gleichzeitig machen. Beispielsweise lassen sich sowohl die Chorus-Rate als auch der Chorus-Depth gleichzeitig ansteuern, Spread-Rate und -Volume, oder sie können auch einfach nur den Preamp-Range ausschöpfen. Die Möglichkeiten mit dem Expression-Pedal sind endlos und machen den Malekko Thicken ungemein livetauglich – ein ganz klares Plus!

Der Malekko Thicken in  der Praxis!

Dick - Dicker - Thicken!

Bei aller Kreativität, die Malekko an den Tag legt, ist es erfreulich festzustellen, dass das Unternehmen dafür nicht an der Basis spart. Kongeniale Pedalkonzepte, einfallsreiche Parameter und abgedrehte Features sind nicht viel wert, wenn das Pedal einen Großteil des Signals verschluckt. Hier wird beim Einschalten sofort klar: kein Signalverlust, keine Störgeräusche, kein Rauschen – der Tone geht butterweich durch und verliert nichts von seiner Charakteristik!

Bevor man den Malekko Thicken einschaltet und loslegt, sollte man sich im Vorfeld für einen der Spread-Modi entscheiden. Die Unterschiede zwischen beiden können erheblich ausfallen, je nachdem wie sehr man an der Chorus-Intensität und dem Spread-Volume schraubt. Als Erstes kommt ein gemäßigter Chorussound im Delay Modus zum Einsatz. Chorus-Rate und Intensität sind auf elf Uhr gelegt, das Preamp-Poti auf 12 – sofort offenbart sich der leichte Gain mit Fulltone-Charakteristik, der gefällt.

Darf es ein bisschen mehr sein? Auch im Delay-Mode können mit der Chorus-Intensität gespenstische Sounds erzeugt werden. Chorus-Depth auf 3 Uhr, Spread im Anschlag und eine 12-Uhr Rate – raus kommt ein unheimlicher, intensiver Chorus-Sound im Stil von „Death Cab for Cutie“ oder „Broadcast“.

Kommen wir zum Random-Mode. Deutlich werden die chaotischen Intervallsprünge vor allem, wenn man den Akkord oder die Note(n) stehen lässt. Zunächst einmal ein Beispiel über den Clean-Kanal. Schnell wird deutlich, wie gut sich der Random-Mode vor allem für atmosphärische Parts eignet – Spread liegt auch hier im Anschlag für die deutliche Akzentuierung.

Im angezerrten Random-Modus offenbart der Thicken seine nächste Stärke. Zum einem schenkt er dem Signal ordentlich Schmackes, aber das ist nicht alles. Die randomisierte Delay-Fahne unterlegt das Signal mit einem ansprechenden, oszillierenden Teppich, dem das satte Chorus-Signal vorausgeht. Charakteristisch, satt und transparent.

Wem das noch nicht abgefahren genug ist, kann die Chorus-Rate auf Anschlag drehen, die Intensität spürbar heraufsetzen und sich an klassischen „Chorus-Lasern“ erfreuen, die vor allem bei hoher Preamp-Einstellung tremoloartige Gestalt annehmen.

Fazit

Der Malekko Thicken macht alles richtig und wird seinem Namen gerecht. Ob als Tone-Boost, regulärer Chorus-Effekt oder experimenteller Soundverdichter – in seiner Preisklasse ist der Thicken im Grunde konkurrenzlos. Die Zusammenführung des zeitlosen Chorus-Sounds und der Delay-Modi ist ein simpler, aber kluger Schachzug – er ermöglicht punktierte Chorus-Sounds genauso wie wabernde und oszillierende Soundteppiche. Grundsätzlich gilt: Chorus ist nicht jedermanns Sache, doch wer sich an der schwebenden Nomenklatur der Grunge-Zeit und späten 80ern erfreuen kann und diesen charakteristischen Effekt in mittlerer Preisklasse sucht, dürfte beim Malekko Thicken fündig geworden sein!

Plus

  • sehr gute Signalqualität
  • keinerlei Störgeräusche
  • einfache, intuitive Handhabung per Expression-Pedal
  • differenzierte Einstellungen des Chorus-Signals möglich
  • robuste Konstruktion

Minus

  • umständliches Wechseln zwischen den Delay-Modi

Preis

  • Ladenpreis: 209,- Euro
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