Test: Manley Dual Mono Mic Preamp, Vorverstärker

13. Dezember 2019

Aufnehmen, fertig, so klingt es bei Manley

Tja, Manley, Manley, Manley. Die meisten kennen die Marke für ihren Massive Passive, doch mit diesem kennt man nicht mal einen Bruchteil der Produkte, die Manley seit Jahren mit Hingabe baut. Seit vielen Jahren unter der Leitung von Schirmherrin EveAnna Manley dreht sich alles um die Röhre sowie auch Röhrenmikrofone, Vollverstärker im HiFi-Sektor und unzählige weitere Produkte. Seit nunmehr 30 Jahren ist der Aufholer, um den sich unser heutiger Test dreht, auf dem Markt, weshalb Manley sich dazu entschieden hat, für den Manley Dual Mono Mic Preamp eine Jubiläumsedition herauszubringen.

Damals von Gründer David Manley entworfen, erfreut er sich nun eines überholten Schaltungsdesigns und frischer Farbgebung. Gefertigt in kompletter Handarbeit kommt das 1 HE hohe 19 Zoll Gerät mit Echtheitszertifikat und unterzeichnetem Brief von EveAnna Manley. Die Besonderheit am Manley Dual Mono Mic Preamp: In 5 dB Schritten lässt sich die Eingangslautstärke von 40 bis 60 dB variieren – jedoch nicht per simpler Aufholung bzw. Absenkung, sondern durch die „Negative Feedback“ Schaltung, die sich in mehreren Produkten der Marke wiederfindet.

Manley Dual Mono Mic Preamp

Authentizitätszertifikat des Manley Dual Mono Mic Preamp

Unter der Haube des Manley Dual Mono Mic Preamps

Über eine Feedback-Schaltung holt man sich bis 20 dB mehr Eingangspegel auf das Gerät – was einerseits dafür sorgt, dass Bändchenmikrofone fantastisch mit dem Vorverstärker harmonieren und genug Aufholverstärkung bekommen, andererseits kann man so auch für sämtliche anderen Eingangsquellen eine grundsätzliche Änderung des Klangverhaltens erzielen.

Manley Dual Mono Mic Preamp

Ein Blick auf die Röhren und Eingangswandler

Die damit in Verbindung stehende Slew Rate (Ansprechverhalten/Schnelligkeit des Operationsverstärkers) wird so grundsätzlich variiert – in niedrigeren Einstellungen erzielt man so eine Art Transientenglättung und somit einen röhrenartigeren Sound, der schön weichzeichnet und mittenbasiert ist. Das Gegenteil findet statt, wenn man ordentlich Gains auf den Manley Dual Mono Mic Preamp packt. Alles wird schön reaktiv, oben und unten passiert etwas mehr und die Transienten sind scharf und knackig. Die Mitte – also ca. 50 dB – stellt die neutralste Position der Klangregelung dar. Je nach Anwendung, Zweck und Mikrofon (z. B. Bändchen) funktionieren natürlich auch einige Einstellungen besser als andere, generell lässt sich aber sagen, dass sich durch die Variation dessen tatsächlich auch eine gewisse charakterliche Bandbreite ergibt, die sich im Produktionskontext großartig verwenden lässt, auch um verschiedene Eingangssignale gegeneinander abgrenzen zu können. Aber wenden wir uns zunächst den Basics des Manley Dual Mono Mic Preamps zu.

Manley Dual Mono Mic Preamp

Briefsammlung beim Öffnen des Pakets

Aussehen und Verarbeitung des Manley Dual Mono Mic Preamps

Was gleich ins Auge fällt: Für die Jubiläumsedition musste das für die Marke typische Stahlblau einem satteren, royal und feierlich anmutenden Blau weichen, das doch deutlich präsenter und vordergründiger erscheint als der Farbton, durch den man die Geräte sonst auch schon von Weitem erkennt. Ansonsten ist alles wie gewohnt: die Manley typischen in-house gefertigten Schalter, die sich wie großartig und gewappnet für die nächsten 30 Jahre anfühlen und die vertrauenerweckende Frontplatte, die sich mit einer Höheneinheit zufrieden gibt. Verschleißtechnisch muss man sich hier eigentlich nur was die Röhren angeht Sorgen machen, der Rest hält für immer.

Schaut man einmal in das Gerät herein, offenbaren sich auf den ersten Blick zunächst die Manley IRON Eingangswandler. Danach fallen einem die zwei verschiedenen Röhren pro Kanal ins Auge. Hier werkelt zunächst eine 12AX7EH pro Kanal an der Input-Stage, die wenig Rauschen in das Gerät mit herein bringt, am Ausgang sitzt eine 6414 pro Kanal, die mit der Spannung am Ausgang klarkommt. Anstelle von Zinn wurde hier mit Silber gelötet und – kurz gesagt – ist das Gerät innen wie außen verarbeitungstechnisch über jeden Zweifel erhaben. Das doppelt abgeschirmte Netzteil befindet sich abgegrenzt vom Audioweg in der Gehäuseecke. Vor allem in Kombination mit den Röhren könnte es ansonsten auch zu unangenehmen mikrofonischen Interferenzen kommen. Dennoch: Hier sind „Mojo“ und Leben vorprogrammiert.

Betrachtet man den Manley Dual Mono Mic Preamp von außen, zeigt sich, dass beide Kanäle getrennt voneinander mit Phantomspeisung zu befüttern sowie in der Eingangsempfindlichkeit anpassbar sind. Für beide gemeinsam gestaltet sich allerdings die Regelung der oben beschriebenen Feedback-Schaltung. Für beide Kanäle gibt es zudem jeweils einen 3-Wege-Kippschalter, der für das Drehen der Phase genutzt werden kann, befindet er sich allerdings in Mittelstellung, gibt er ein weiteres Schmankerl des Kanalzugs preis: Die „Direct Inputs“, ausgeführt in großer Klinke auf der Frontplatte, können nun genutzt werden. Diese senken das Signal in einem auch direkt auf Line-Pegel ab, was es dem Nutzer ermöglicht, seine digitalen Geschichten aus dem Interface einfach durch den Preamp zu schicken.

manley labs dual mono mic preamp

Auf der Rückseite befinden sich von links nach rechts zunächst die Buchse für das Kaltgerätekabel, Sicherung und Erdungsmöglichkeit. Rechts daneben befinden sich die Ausgänge für beide Kanäle. Hier bekommt man einerseits symmetrische XLR- als auch unsymmetrische Klinkenbuchsen geboten, auf der rechten Seite befinden sich noch die beiden XLR-Mikrofoneingänge. Hier gibt es wirklich nichts zu mäkeln, alles ist wie es kann und soll und – nochmals hervorzuheben – mit Sicherheit für viele Jahre ein treuer Begleiter in allen Situationen. Nicht mal nennenswert warm wird das Gerät. Das mag zunächst nach kopflosen Lobhudeleien klingen, wir sind hier aber auch einfach am absoluten Ende der Preamp-Versorgerkette. Das einzige, was hier ausschlaggebender Faktor für einen Nichtkauf sein kann, sind Preis und Klangcharakter. Und diesem widmen wir uns im Praxisteil.

Praxis: Klang und Nutzbarkeit des Manley Dual Mono Mic Preamps

Kurz gesagt: Der Manley Dual Mono Mic Preamp nimmt dem Eingangssignal die Decke und den Boden. Dieser Preamp sorgt dafür, dass „Boxiness“ ein Gedankenspiel der Vergangenheit darstellt – hiermit lassen sich Dinge mit großem Dynamik und spektralem Umfang toll einfangen.

Charakterlich bereichert er diese fortan mit „schäumend“ warmen Röhrenmitten – aber bei Weitem nicht den typischen etwas hinterher hängenden Röhrenbässen und -höhen. Sondern hier kommt der altbekannte Manley Sound zum Tragen, bei dem man das Gefühl bekommt, dass es nach oben und unten keine Grenzen mehr gibt. Spektrale Vollmundigkeit mit einem Touch Magie? So könnte man es wohl in Worte fassen. Es ist einfach nur als nicht greifbar zu bezeichnen, wie die Röhrengeräte von Manley färben (bzw. nicht färben). Natürlich bekommt man mit dem Röhren-Preamp nicht den besten Rauschabstand geboten und natürlich will man damit auch wahrscheinlich keine AES-Radiomoderatorenstimme mit Trockenheitsgarantie aufnehmen – könnte man aber! Das Mojo ist definitiv da, aber zeitgleich irgendwie auch nicht – und vor allem: Nie zu sehr.

Von einer Aufwertung des Signals zu sprechen, wäre falsch und richtig zugleich: Es fühlt sich eher an, als würde man sein Signal in einen feinen Zwirn à la Haute Couture packen – „Bigger than Life“ wäre hier wohl tatsächlich mal eine passende Umschreibung. Es fühlt sich eher an wie ein gewisser „Bonus“ als wie eine Färbung. Wer von dem Signal träumt, dass man nach der Aufnahme kaum noch anfassen möchte, sondern einfach so stehen lassen kann, der kommt mit dem Manley Dual Mic Pre wahrscheinlich schon ziemlich weit.

Was die zusätzliche Einstellung von Eingangsverstärkung und Slew-Rate anbelangt: Falsch machen kann man hier eigentlich so gut wie gar nichts. Möchte man aber in eine bestimmte klangliche Richtung, unterstützt sie einen dabei sehr. Gerade bei Vocals ist es genial, eine weiche Damenstimme mit Röhrenweichzeichnung oder eine knackscharfe männliche Rap-Vocal mit ordentlich Transientenschärfe im Handumdrehen bearbeiten zu können. Die Unterschiede, die sich hier erzielen lassen, sind schon extrem hörbar, aber auch bei den härtesten Einstellungen verliert der Dual Mono Mic Pre niemals die gewisse Röhrengüte, es bleibt immer „rund genug“. Wenn hier etwas schlecht klingt, liegt es mit Sicherheit nicht am Preamp.

Um das hier Umschriebene zu unterstreichen, habe ich mich für ein paar Audiobeispiele der abstrakteren Art entschieden. Was man hier zunächst hört, ist ein Shure SM57 mit den Instrumenten, die ich gerade um mich herumliegen hatte. Gitarre und gezupftes Cello sowie danach kurz meine Stimme. Danach wird es noch mal magisch – mein Fender Rhodes MK1 – einfach via „Direct In“ durch den Preamp aufgenommen. Ob einem auffällt, was der Preamp bewirkt? Die Sachen wurden einfach in meinem Regieraum am Abhörplatz ohne nennenswerte Vorbereitung mit einem „schäbigen“ SM57 aufgenommen. Die Qualität und der Charakter dessen, was ihr hier hört, lassen mich persönlich eher an die ein oder andere große Produktion denken. Das ist großes Kino, was da rauskommt. Und wer es braucht und haben möchte, der kauft es sich auch.

Fazit

Der Manley Dual Mono Mic Preamp sei einem lieb und (oder – aber) teuer, ob er es dem Nutzer Wert ist, sei diesem selbst überlassen. Wir bewegen uns hier in der absoluten Königsklasse der Aufholer – ob das Produkt „gut“ ist, steht somit außer Frage. Was hier für ein „Tone“ anliegt, ist absolut wunderbar und über jeden Zweifel erhaben. Die Verarbeitungsqualität steht dem ebenfalls in nichts nach. Das Gerät wird mit Sicherheit ein bis zwei Dutzend an Röhren überdauern.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Nutzbarkeit

Minus

  • Kostenfaktor

Preis

  • 3.499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    costello  RED

    Sehr schöner Test von einem nicht minder schönen Preamp. Ich bewundere Multiinstrumentalisten wie Dich, die mühelos vom Keyboard zur Gitarre wechseln können :-)

  2. Profilbild
    lohk

    Eines irritiert mich hier doch, und dabei möchte ich dem Test nicht und schon gar nicht den unzweifelhaften Qualitäten dieses Gerätes widersprechen:
    Aber wenn das Feedback (Gegenkopplung) zunimmt, dann wird die Gesamtverstärkung weniger und die Straffheit oder ähnliche Effekte nehmen zu, nicht ab. Bei der größten Verstärkung ist das Feedback am kleinsten! Da klingen die Schaltungen am „weichsten“, etc.
    Die hier beschriebenen Effekte sind aber umgekehrt. War das nun wishful thinking des Autors oder irgendetwas anderes? Der beschriebene Effekt klingt eher nach einem bestimmten feedforward Effekt, etwas was manche Schaltungen machen, was aber immer auch recht knapp an einer Schwingneigung entlangschrammt. Gibt es hier noch bessere technische Angaben?

    • Profilbild
      Vincent  RED

      Hey lohk,

      der von Dir als letztes Beschriebene Effekt kommt dem meiner Auffassung nach genau am nächsten! Leider gibt es was das angehtz nicht viele Quellen, die da tiefer gehen. Im Gespräch mit den Vertrieblern habe ich es mir jedoch exalt so noch einmal erklären lassen!

      Gruß,
      Vince

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