ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Test: Manley Force, 4-Kanal Preamp

Soundcheck

Um den Manley Force gut beurteilen zu können, darf wieder mein TLAudio A1 den Vergleichspartner spielen. Nach dem Einschalten nimmt sich der Force erst mal eine kleine, ca. 30 Sekunden Pause, bis das Gerät betriebsbereit schaltet. Üblicherweise schadet es bei einem Röhrengerät auch nicht, ihm 15-20 Minuten Aufwärmzeit zu gestatten.

ANZEIGE

Zeit also für die Mikrofonauswahl, hier darf zuerst ein dynamisches Mikrofon, mein altes Sennheiser MD431 Profipower, zum Einsatz kommen.

Während sich der TLA hier mit einer Schalterstellung bei ca. 3 Uhr begnügt, muss ich beim Manley die Gain-Stufe voll aufreißen. Überraschend ist jedoch, dass selbst in dieser Maximalstellung so gut wie kein Rauschen wahrnehmbar ist. Hier ist der wahrlich nicht schlechte TLA deutlich unterlegen. Beim Force schaffe ich es, nur die dritte Pegel-LED zum Leuchten zu bringen. Das über meinen RME-Wandler geschickte Signal steuert sich in der DAW aber auf -3 dB aus, die Ausgänge des Force scheinen also so einiges raus zu schicken. Somit alles in Ordnung.

Um mehr Gain-Reserven zu haben, schalte ich den Force in den High-Modus. Holla, was ist das? Hier agiert der Manley nicht mehr so lautlos, das Rauschen nimmt deutlich zu, dazu gesellt sich ein hörbares Netzbrummen. Ein Blick auf die Online-Seite zeigt mir, dass Manley vorschlägt, immer bei voll aufgedrehtem Low-Modus zu starten und erst bei Bedarf den Pegel zu reduzieren. Dies scheint also der optimale Betriebspunkt für die Elektronik zu sein. Der High-Modus kommt nur für ganz schwache Signale zum Einsatz.

ANZEIGE

Wie klingt das amerikanische Prachtstück nun aber? Zum Soundvergleich spendiere ich dem TLAudio ca. 50% seiner Röhrenansteuerung, mehr macht ihn für Gesang schon arg rough. Der TLA ist ein recht neutraler Preamp, mit Röhre treten die Obertöne besser zur Geltung. Er reißt in den Höhenlagen aber auch etwas auf.

Hier bleibt der Manley viel geschlossener, richtig seidig klingen die Höhen. Die oberen Mitten klingen kompakter als beim Vergleichsgerät und drücken die Stimme nach vorne, das klingt gleich richtig groß. Auch die unteren Mitten bekommen einen Schub, der der Stimme ein tragendes Fundament verleiht. Dabei bleiben alle Bereiche immer schön fein aufgelöst.

Ups, eigentlich habe ich es nicht so mit amerikanischem Sound und Eisen-Transformatoren, aber was der Manley da bringt, alle Achtung. Ich bin gespannt auf die weiteren Tests.

ANZEIGE
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Danke Armin, dass du so offen und ehrlich bist, darauf hinzuweisen, dass du dir das Gerät nicht anschaffen würdest. Es ist wirklich nicht einfach, als Normalsterblicher einen Einsatzbereich zu finden, es sei denn als zweikaliges Special im Studio. Das Gerät hat jedoch vier Kanäle, die auch alle vier bezahlt werden müssen ;-) In Bezug auf die Besonderheit des Klanges: selbst wenn man nur zwei Kanäle hätte und nutzen würde, sie müssten vom Klang her zum Rest passen. —

    Ernstlich erwogen würde ein Kauf des vierkanaligen Produktes wohl nur von relativ großen Studios, die Besonderes bieten wollen und das Geld dafür haben.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Hi MidiDino,

      genau das wollte ich ausdrücken. Der Force macht einen eigenen Sound und darauf muss man stehen. Das war bei mir definitiv der Fall, der Kanal für 650,- passt, aber 4 Kanäle für meine Anwendung brauche ich nicht.
      Mit einer 1-Kanal-Version oder API500 Kassette ist eher nicht zu rechnen.
      Ein 2-Kanaler für, sagen wir mal, die 1300,- plus 200,- Aufschlag für Gehäuse+Netzteil wäre mein Deal.
      Für Studios, die als Klientel Bandrecording mit Drums/Bass/Git/Vox haben ist der Force eine ganz klare Empfehlung.

  2. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Also die Sache mit dem Netzbrummen ist ja schon schwach. Ich finde, das müsste auch ein Minus in der Bewertung sein. Schon erstaunlich, dass bei einem Gerät dieser Preisklasse sowas thematisiert werden muss.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Das Netzbrummen ist kein grundsätzliches Problem, sondern tritt besonders in einer Konstellation auf.
      Ich habe das einfach gegeneinander aufgewogen. In seinem optimalen Arbeitsumfeld, +40 dB voll offen, arbeitet der Manley ohne Fehl und Tadel.
      Wer öfters gainschwache dynamische Mikros benutzen möchte, für den dürfte der Force nicht der optimale Preamp sein, alle anderen dürften sich an seinen klanglichen Vorzügen erfreuen, sofern der Grundcharakter zusagt.
      In den meisten Konstellationen liefert er sehr gute Werte in Bezug auf Rauschen und Brummen, deshalb keine Abwertung.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum, um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Politische Inhalte und Statements werden durch die Redaktion gelöscht.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

ANZEIGE