Go the American Way
Das Manley Reference Cardoid Mic ist das “Basismodell” der Manley Reference Mikrofone. Das röhrenbasierte Großmembranmikrofon des kalifornischen Herstellers ist laut Entwickler das berühmteste moderne Mikro seiner Art, weil es schon „out of the Box“ – also ohne Kompressoren und EQs – einen sehr überzeugenden Klang haben soll. Also habe ich den sehr schweren Mikrofonkoffer in mein Studio gewuchtet und freue mich auf den Test!
Inhaltsverzeichnis
- Manley Laboratories, Inc. Reference Cardoid Mic
- Worum geht es beim Manley Reference Cardoid Mic?
- Die Ausstattung des Manley Reference Cardoid Mic
- Die Verarbeitung des Manley Reference Cardoid Mic
- Die technischen Daten des Röhrenmikrofons
- Meine Erwartungshaltung zum Manley Mikrofon
- Das Manley Reference Cardoid Mic in der Praxis
- Mitbewerber des Manley Reference Cardoid Mic
Worum geht es beim Manley Reference Cardoid Mic?
Manley Laboratories kennt man als High-End-Hersteller für Studioequipment. Die Channel Strips, Equalizer und Kompressoren haben einen tadellosen Ruf und die Bezeichnungen „Slam!“, „Massive Passive“ und „VoxBox“ lassen Studioprofis zustimmend nicken. Das sind Geräte auf höchstem Studioniveau.
Manley hat seine Anfänge in den späten 1980er-Jahren mit EveAnne Manley, die durch ihre Lötkünste und das Verständnis für Röhrenverstärker das Unternehmen begründete und seit 1993 als Manley Laboratories als eigenständiges Unternehmen in der 13880 Magnolia Avenue in Chine, Kalifornien, USA beheimatet ist – und zwar bis heute!
In Deutschland sind die Mikrofone von Manley nicht so bekannt – hier muss man sich gegen die Platzhirsche von Neumann, Telefunken und Lauten Audio behaupten. Und tatsächlich steckt sogar ein Stückchen Neumann im Manley Reference Cardoid, denn die Membran ist ein Nachbau der U47 Membran mit 6 Mikrometer dünner Goldbeschichtung.
Ein externes Netzteil versorgt das Mikrofon mit der nötigen Betriebsspannung. Mit einem Listenpreis nahe der 5.000,- Euro und einem aktuellen Straßenpreis von 3.499,- Euro (Stand 09/2024) zählen wir das Mikro durchaus zur High-End-Klasse.
Die Ausstattung des Manley Reference Cardoid Mic
Wie erwähnt, kommt das Manley Mikrofon in einem großen, road-tauglichen Koffer inklusive Spinne, Membranschutz aus Leder, Netzteil, Verbindungskabel, Stativgelenk und Stromkabel. Das Mikrofon wiegt satte 1,02 kg und ist 24,6 cm lang. Es ist über insgesamt 10 Gummis mit der Spinne verbunden, die das Manley sicher und erschütterungsfrei hält.
Die Konstruktion legt fest, dass dies ausschließlich für den Betrieb am Stativ oder Mikrofonarm ausgelegt ist. Die Metallstreben der Spinne machen einen Einsatz in der Hand faktisch unmöglich.
Der schwarze Mikrofonkörper mit dem Manley Logo, die roten Gummibänder und passend dazu ein roter Verschluss am Boden und ein roter Zierring am Mikrofonkorb machen die hier getestete „Black“-Variante sehr ansehnlich und edel.
Am Rahmen der Spinne wird ein verchromtes Schraubgelenk befestigt, um das Mikrofon auf einem Stativ zu betreiben. Auch dieses Gelenk hält mit Gummiringen weitere Erschütterungen vom Mikrofon fern.
Der Korb ist glänzend silber, sehr feinmaschig und man erkennt die goldene, mittig abgenommene Membran des Manley Reference Cardoid Mikrofons.
Im Inneren des Korpus werkelt eine 12AX7 Triode, die vom externen Netzteil mit Strom versorgt wird. Dafür liegt dem Mikrofon ein spezielles 7-poliges Kabel bei. Zum Mikrofonvorverstärker geht es dann ganz klassisch mit XLR-Kabel weiter.
Unten am Zylinder finden wir noch einen Pad-Schalter, der die Empfindlichkeit um 10 dB absenkt. Hier geht Manley einen technisch sehr eleganten Weg. Anstatt die Kapselspannung zu verändern oder einen Widerstand in den Signalweg einzufügen, verändert man die Menge der negativen Rückkopplung.
Allerdings weist das Handbuch klar darauf hin, dass bei einer möglichen auftretenden Verzerrung erst einmal ein anderer, leistungsfähiger Mikrofonvorverstärker herangezogen werden sollte. Die Membran ist immerhin in der Lage, Pegel bis zu 150 dB/SPL zu verarbeiten.
Die Verarbeitung des Manley Reference Cardoid Mic
Das ist alles wirklich sehr hochwertig gemacht. Das schwarz-eloxierte Aluminium, der edle „Manley“-Aufdruck, die massive Spinne, der Korb – das alles hat allerhöchste Anfass- und Anschau-Qualität. Einzig die Kreuzschlitzschrauben zur Fixierung des roten Bodenteils und dem Stecker fallen mit negativ auf. Man hat hier den Wunsch, die Schrauben könnten bündig versenkt werden.
Der Pad-Switch ist recht einfach gemacht, aber völlig ausreichend in der Handhabung. Und obwohl ich darauf keinen großen Wert lege: Bei anderen Herstellern gibt es für weniger Geld schon eine extra Holzkiste mit Samt ausgekleidet. Der Koffer wirkt doch etwas „robust“ für das an sich edle Mikrofon.
Aber hey: Dafür sollte kein Baum sterben müssen, oder?
Die technischen Daten des Röhrenmikrofons
• Nierencharakteristik
• All-Tube Triode Design 12AX7
• -10 dB Pad schaltbar
• Frequenzbereich: 10 Hz – 30 kHz
• Empfindlichkeit: 17 mV/Pa
• Noise typically -120 dB EIN
• Max SPL: 150 dB
• Ausgangsimpedanz: 200 Ohm
• Gewicht: 1,02 kg (Mikrofon)
Das klingt nach einem vergleichsweise lauten Mikrofon, das nach wenig Gain verlangt, oder? Na ja, manche Preamps kommen erst ab einer gewissen „hott-ness“ auf Touren. Das schauen wir uns im Praxisteil genauer an.
Meine Erwartungshaltung zum Manley Mikrofon
Das Mikrofon muss für diesen Preis definitiv abliefern – gar keine Frage. Der Hersteller lässt sich im Handbuch und auf seiner Website ausführlich über die zu erwartende Charakteristik aus. Der Klang würde einem – fabrikneuen – U47 Röhrenmikrofon von Neumann ähneln, ohne dessen Alterungseffekte, die sich in einer sanfteren Höhenwiedergabe bemerkbar machen.
- Vorderseite
- Rückseite
Wer sich dabei ertappt, so der Manley Werbetext, dass man bei seinem aktuellen Mikro immer wieder zum Kompressor greift und die Höhen bei 5 – 10 kHz anhebt, dann solle man sich definitiv das Manley Reference Cardoid Mic anhören.
Mit anderen Worten sollten wir es hier nicht mit einem sanften, extrem warm klingenden Röhrenmikrofon zu tun haben, sondern mit einem frischen und modern klingenden Studiomikrofon mit allen Vorteilen der Röhrentechnik (reich an Oberwellen und harmonischen Verzerrungen), mit dem man einen Sound verbindet, der nicht nach 60er Jahre klingt (siehe meinen Test des AEA R44C Mikrofons).
Das Manley Reference Cardoid Mic in der Praxis
Das kalifornische Mikrofon muss sich in meinem Praxistest gegen das Lewitt LCT640 TS behaupten – ein Kondensatormikrofon in der 900,- Euro Klasse, das durch seinen frischen und dynamischen Klang schon so manch teureren Gegner in die Knie gezwungen hat. Das Lewitt klingt sehr neutral, ebenfalls in der Tendenz hell, aber dennoch bassstark und auch feindynamisch von sehr hoher Qualität. Da das Manley „nur“ die Charakteristik „Niere“ beherrscht, habe ich mein Lewitt genau darauf eingestellt und alle weiteren Möglichkeiten deaktiviert.
Beide Mikrofone spielen am SSL PureDrive Quad Mikrofonvorverstärker in neutraler Drive-Einstellung, um nur den reinen Mikrofonklang aufzunehmen. Und genau diese Aufnahmen landen dann in der DAW Universal Audio LUNA in der neuesten Version 1.7.1.
Zunächst die Aufnahme (m)einer Stimme:
Bei Einpegeln der beiden Mikrofone fällt auf, dass das Manley tatsächlich ganze 6 dB lauter spielt, als das Lewitt und entsprechend muss sich der SSL beim Amerikaner weniger „anstrengen“, als beim österreichischen Kandidaten.
Da wir uns aber in einem gemäßigten Gain-Bereich bewegen (35 – 41 dB), muss man hier keine Rückschlüsse über den klanglichen Einfluss durch den Preamp ziehen.
Zuerst aus 25 cm Abstand, dann unter unterschiedlichen Besprechungswinkeln und dann mit geringer werdendem Abstand:
Es fällt gleich beim ersten Vergleichen auf, die beiden Mikrofone sind tonal sehr ähnlich. Beide befinden sich auf der hellen Seite des Spektrums mit ausgeprägtem Präsenzbereich und bester Sprachverständlichkeit.
Das Lewitt klingt einen Hauch schärfer und detailreicher, dafür ist das Manley sonorer und etwas reicher an Obertönen. Kein großer Unterschied, aber durchaus deutlich.
In Sachen Winkelabhängigkeit und Abstand verhalten sich die Mikrofone auf Augenhöhe.
Dann ein paar Akkorde auf einer akustischen Gitarre. Die Tendenz bleibt – ich bemerke nur einen kleinen Vorteil in Sachen Feindynamik für das Lewitt, dafür klingt das Manley voller und weniger sezierend. Die Aussage, dass das amerikanische Mikrofon schon „out-of-the-Box“ sehr gut zu gebrauchen ist, stimmt definitiv. Das Manley Reference Cardoid Mic ist sehr musikalisch und ready to go.
Final noch ein Klangbeispiel mit meinen Bongos und der afrikanischen Shekere. Das Lewitt ist sehr impulsiv, dynamisch und exakt, während das Manley einen Hauch gnädiger aufnimmt.
Die Lewitt-Aufnahme würde ich definitiv mit einem EQ zähmen wollen, während das Cardoid Mic kaum oder keine Korrektur benötigt.
An meinem SSL Pure Drive Quad betreibe ich das Lewitt bevorzugt mit den Drive-Einstellungen „Amber“ oder „Green“, die den Klang etwas sanfter und obertonreicher färben. Beim Manley klingt das schon in der Clean-Variante sehr gut.
Mitbewerber des Manley Reference Cardoid Mic
Im High-End-Bereich von Mitbewerbern zu sprechen ist schwierig, denn das Kaufverhalten in dieser Preisklasse ist sehr von persönlichen Erfahrungen, den verwendeten Preamps und den Vorlieben des Künstlers abhängig. Und in deutschen Studios erwartet man mindestes ein Neumann U87 (ab 2.789,- Euro), ein U47 FET (3.789,- Euro) oder U67 (7.499,- Euro). Gern gesehen sind auch das Lauten Audio Eden LT-386 (3.295,- Euro) oder das wirklich sehr gute Universal Audio Bock 167 (3.399,- Euro) – von den verfügbaren Vintage-Mikrofonen mal ganz abgesehen. Wobei für Sony C800, Telefunken und Co. gerne mal 5-stellige Beträge aufgerufen werden.
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