Test: Mastering The Mix Bassroom, Mixroom, Levels, Animate, Reference, Expose, Plugin-Bundle

10. August 2020

Mixen und Mastern wie die Profis

mastering the mix plugin bundle aufmacher

Mastering The Mix Bassroom, Mixroom, Levels, Animate, Reference, Expose, Plugin-Bundle

Vorwort

Kurz nach der Veröffentlichung unseres Tests zum Mastering The Mix Plugin Bundles hat die Firma ein sechstes Plugin veröffentlicht und ihrem Paket hinzugefügt. Das neue Plugin Mixroom haben wir nun ebenfalls unter die Lupe genommen und unseren Artikel der Vollständigkeit halber erweitert.

 

Der Mastering-Service „Mastering The Mix“ wurde im Juni 2014 von dem Toningenieur Tom Frampton mit dem Ziel gegründet, Musikproduzenten dabei zu helfen, ihre Produktionen zu verbessern. Nach Hunderten von Mastering-Sessions und etlichen Feedback-Schleifen stolperte Tom Frampton über die immer wieder gleichen technischen Fehler in den Abmischungen. So entstand die Idee, Software-Plugins zu entwickeln, die Produzenten dabei helfen, ihre Produktionen selbst zu analysieren und in die Lage zu versetzen, Fehler frühzeitig zu beheben. Unter diesem Credo entstanden in den letzten Jahren sechs Plugins mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Mastering the mix – Bassroom

Das erste Mitglied in der Mastering-Kette nennt sich „Bassroom“. Dieses Plugin ermöglicht es, im Master-Channel nachträglich die tiefen Frequenzen zu bearbeiten. Dazu analysiert das Plugin den kompletten Frequenzbereich und gibt basierend auf einem ausgewählten Genre-Preset Empfehlungen für die richtigen Lowend-Einstellungen ab. Damit dies funktioniert, wurde der Algorithmus mit Hunderten der besten Musikproduktionen aus unterschiedlichen Genres gefüttert. Wer jedoch selbst einen Referenz-Track als Ausgangsbasis nutzen möchte, kann einfach via Drag ’n‘ Drop Funktion jede x-beliebige Musikproduktion als Vorlage in „Bassroom“ analysieren lassen und verwenden.

Bassroom - Presets

Bassroom kommt mit einer Vielzahl an Presets daher, die alle auf einer umfangreichen Analyse der weltbesten Musikproduktionen basieren.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Nachdem die eigene Musikproduktion mit dem Preset oder der eigenen Vorlage verglichen wurde, zeigt „Bassroom“ im 3-dimensionalen User-Interface an den Seiten Marker an, an die man die insgesamt fünf Frequenzbereiche ausrichten kann:

  • 0-20 Hz
  • 20 – 40 Hz
  • 40 – 80 Hz
  • 80 – 160 Hz
  • 160 – 320 Hz

Für die oberen vier Frequenzbänder lässt sich zusätzlich der Q-Wert einstellen. Etwaige Lautstärkeänderungen kann man über einen Level-Match-Regler nachjustieren und auch die Intensität der Frequenzanhebungen und -absenkungen lässt sich in 2er-Schritten zwischen +2 dB, +4 dB und +6 dB einstellen. Frequenzbänder, die weiter vorne platziert sind, werden präsenter wahrgenommen, Frequenzbänder, die weiter hinten liegen, werden als weiter entfernt wahrgenommen.

Bassroom

Im Handumdrehen lassen sich in Bassroom die tiefen Frequenzen nachjustieren.

Das Ergebnis kann sich hören lassen, denn während beim Einsatz vieler digitaler Filter Ringeffekte entstehen, ist es Mastering The Mix mit „Bassroom“ gelungen, diese zu verhindern und einen linearen Verlauf sicherzustellen. Dadurch klingen die Bässe knackig und transparent. Gerade für Produzenten, die keine ideale Abhöre haben oder auch keinen Subwoofer besitzen, ist „Bassroom“ damit ein nützliches Plugin, um die tiefen Frequenzen in Schach zu halten und mit gängigen Produktionen aus unterschiedlichen Genres vergleichen zu können.

Mixroom

Das jüngste Mitglied in der Mastering-Kette nennt sich „Mixroom“ und schließt an den Frequenzbereich an, den man mit Bassroom bearbeiten kann. Denn ist der Bassbereich erst mal richtig gemischt, gilt es immer noch, die richtige Abstimmung in den Mitten und Höhen zu finden. Viele Mischungen klingen entweder intransparent, zu dünn, zu undifferenziert oder in den Höhen zu schrill. Hier soll Mixroom Abhilfe schaffen. Das User-Interface ähnelt Bassroom stark, nur in der Komplexität der Bedienung legt Mixroom eine Schippe obendrauf. Denn anders als bei Bassrom, wo die Frequenzbereiche vorgegeben sind, kann man hier selbst Bänder hinzufügen und anschließend feinjustieren. Das gestaltet sich in der 3-dimensionalen Ansicht anfänglich schwierig und man sollte sich unbedingt das ausführliche Tutorial dazu anschauen.

mastering the mix Mixroom

Hat man die Bedienung dann raus, geht alles einfacher von der Hand. Genau wie in Bassroom legt man zuerst ein Stil-Preset fest oder lädt selbst eine Ziel-Audiodatei in Mixroom. Nachdem der zu bearbeitende Track mit den Referenz-Presets oder der Ziel-Audiodatei abgeglichen wurde, zeigt Mixroom einen Frequenzverlauf-Vorschlag an. Manuell kann man dann selbst Bändern hinzufügen, um sich dem Vorschlag anzunähern oder man nutzt die sogenannte “Add Smart Bands” Funktion und Mixroom fügt selbst Frequenzbänder ein, die man natürlich ebenfalls nachträglich feinjustieren kann. Für jedes Frequenzband lässt sich zusätzlich auch das Mid/Side-Verhältnis einstellen.

Animate

Das Plugin Animate besteht aus vier Bearbeitungsmodi, die man auch einzeln beziehen kann:

  1. Upward Expansion
  2. Transient Enhancing
  3. Dynamic Harmonic Distortion
  4. Dynamic Stereo Widening

mastering the mix animate

Alle vier Module sind identisch aufgebaut. Man kann über den Input-Regler die Lautstärke des Eingangssignals steuern und über Output das Ausgangssignal regeln. Mit dem Filterregler stellt man ein, auf welchen Frequenzbereich sich die Bearbeitung beziehen soll und zusätzlich stehen mit Threshold, Knee, Radio, Attack und Release in jedem Modul auch Kompressorfunktionalitäten zur Verfügung. Einen Überblick, wie Animate eingesetzt werden kann, gibt das folgende Video:

Bevor man alle Module bis ins Detail kennt und gemeistert hat, kann man natürlich auch auf die Vielzahl der mitgelieferten Presets zurückgreifen und schnelle Erfolge erzielen.

Die folgenden Klangbeispiele demonstrieren, wie sich alleine schon mit den mitgelieferten Presets die einzelnen Audiospuren aufwerten lassen. Das unbearbeitete Audiofile klingt dumpf, sehr mittig und undifferenziert. Im ersten Schritt wurde auf der Gitarrenspur „Expand“ angewendet, wodurch sich die Gitarre klar als Lead-Instrument abhebt. Mit dem Modul „Grow“ wurde das Stereobild der HiHats bearbeitet, wodurch der Track insgesamt an Weite gewinnt. Durch Hinzufügen von „Ignite“ auf der Kickdrum, wird durch die dynamisch, harmonische Distortion der „Click“ der Kick viel deutlicher hervorgehoben, wodurch die Kickdrum an Durchschlagskraft gewinnt. Zum Schluss wurde auf der Bassline „Punch“ angewendet, wodurch die Transienten leicht verstärkt werden, wodurch sich die Bassline im Mix besser durchsetzen kann.

Levels

Mit Levels fing alles an, denn dabei handelt es sich um das allererste Software-Plugin aus dem Hause Mastering The Mix. Dabei hat das Plugin in Zeiten von Streaming & Co. mehr Relevanz denn je, denn mit Levels im Master-Channel lassen sich die wichtigsten Attribute messen, die für die Wiedergabequalität auf unterschiedlichen Plattformen und Monitoren so essenziell sind.

Insgesamt ist Levels in sechs Sektionen unterteilt. Ist mit dem Audiosignal alles in Ordnung, so leuchten die Sektionen grün, ist etwas nicht ideal gemischt, so leuchten die Sektionen rot, so dass man Bescheid weiß, in welchen Punkten man den Mixdown verbessern kann.

mastering the mix levels

Peak

In dieser Sektion befindet sich das TRUE PEAK Meter, mit dem man überprüfen kann, ob das Audiomaterial übersteuert ist.

Stereo Field

Ein Vektorscop gibt darüber Aufschluss, ob der Track über ein ausgeglichenes Stereobild verfügt und dieser monokompatibel ist.

LUFS

Mit LUFS wird die absolute Lautheit gemessen, die in der EBU-Empfehlung R 128 eingeführt wurde und essenziell für das Mastering für Streaming-Plattformen ist. Links befindet sich in der Anzeige ein Short-Term LUFS-Meter, rechts davon die durchschnittlich berechnete Lautstärke.

LRA

Loudness Units geben über die Lautheitsunterschiede zwischen den einzelnen Sektionen wie Chorus, Bridge und Strophen Aufschluss.

Dynamic Range

In dieser Sektion kann man die Dynamik des Tracks überprüfen. Auch das ist ein wichtiges Kriterium für Streaming-Plattformen, da zu stark komprimierte Audiodateien leiser wiedergegeben werden als Tracks mit einer gesunden Dynamik.

Bass Space

Mit Bass Space lässt sich überprüfen, ob weitere Kanäle neben Kick und Bass tiefe Frequenzen beinhalten, die insgesamt das Klangbild negativ beeinflussen. Hierzu muss man lediglich die Kick- und Bassspur ausschalten, um das restliche Summensignal zu analysieren.

Ein detaillierte Walkthrough bietet Mastering The Mix in diesem Video:

Reference

Als letzte Instanz im Master-Channel empfiehlt sich der Einsatz von Reference. Hiermit lässt sich der eigene Track mit einem bis zu vier Referenz-Tracks vergleichen.

Dabei lässt sich nicht nur die Gesamtsumme miteinander vergleichen, sondern man kann auch bis zu fünf Frequenzbänder gegeneinander antreten lassen, wodurch sich feststellen lässt, inwiefern sich die Balance, Kompression, Stereobreite und Punch zwischen Referenz-Track und eigener Produktion unterscheiden. Selbstverständlich lassen sich die Tracks in der Lautstärke aneinander angleichen, so dass eine subjektive Bewertung des Audiosignals möglich ist.

Expose

Mit der Standalone-Software „Expose“ lassen sich Audiotracks anhand von Referenzwerten analysieren. So kann man zwischen diversen Presets wie Club, CD, Spotify, Soundcloud, Netflix, YouTube etc. wählen. Per Drag ’n‘ Drop zieht man das zu analysierende Audiofile einfach in die Software und anschließend wird dieses auf Lautheit, Spitzenpegel, Stereofeld und Dynamikumfang analysiert. Alle problematischen Stellen werden rot entlang der Wellenform angezeigt, alles was sich im Rahmen befindet, wird blau markiert dargestellt.

Expose

Expose ist die einzige Standalone-Software des Bundles, mit der sich Audiofiles durch einfaches Drag ’n‘ Drop analysieren lassen.

Fazit

Das Plugin-Bundle von Mastering The Mix ist durchaus nützlich und hilft dabei schnell und transparent, die eigene Audioproduktion zu analysieren und klanglich zu verbessern. Nützlich sind dabei die ganzen Video-Tutorials, die Mastering The Mix auf ihrem YouTube Channel bereitstellt. Außerdem werden hier auch regelmäßig Mastering-Videos hochgeladen, die den Einsatz der Plugins anhand echter Musikproduktionen veranschaulichen.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Klangergebnis
  • Video-Tutorials

Minus

  • etwas träges User-Interface

Preis

  • 59,95 Euro pro Plugin
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Bernd-Michael Land  

    Da sind ja sehr feine Sachen dabei und alles zu einem guten Kurs.
    Find ich klasse!

    Für ein perfektes Mastering ist aber eigentlich nicht das PlugIns oder eine fehlende Hardware ausschlaggebend, sondern immer das Können der Person, welche das Zeugs bedient.
    Es wird immer so gerne suggeriert, das jeder Ungeübte sofort perfekt Mastern kann, wenn er sich dies oder das kauft, dem ist aber leider nicht so.
    Manchmal ist das Lesen eines Buches sinnvoller.
    Es kann ja auch Niemand spielen wie Zawinul, nur weil er sich einen ARP 2600 in die Bude stellt.

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      c.rentschler  RED

      Stimmt. Die Tools von Mastering The Mix sind in Kombination mit dem eigenen Gehör und Können jedoch eine große Hilfe.

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        Marco Korda  AHU

        Genau, denn auch der geübte, erfahrene und gute Mastering-Profi nutzt irgendwelche Tools. Vielleicht nicht unbedingt die hier besprochenen, aber Soft-oder Hardware ist unabdingbar. Die Tools von Mastering the Mix machen einen sinnhaften und nutzbaren Eindruck, die für jeden, der sich mit der Thematik beschäftigt, erstmal interessant ist. Ob man sie gewinnbringend einbringen kann, steht woanders geschrieben – aber gilt das nicht für jedes Werkzeug?

        Gut, dass es den Menschen braucht und gut, dass es noch keine KI gibt, die das hinreichend gut hinbekommt.

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          MichFisch00  

          Doch gibt es. Gibt mittlerweile viele Web-Anbieter, die automatisiert Files mit ner KI mastern für wenig Geld und gleich die Distribution übernehmen. Und die Ergebnisse sind wirklich gut.

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            Marco Korda  AHU

            Ich muss vehement widersprechen. Natürlich kommt es darauf an, welchen Anspruch man hat. Will man ein professionelles Mastering und nicht nur „einfach irgendwie lauter“, dann kommt man mit Algorithmen nicht sonderlich weit.

            Diese Online-Services geben auch keine individuelle Beratung. Ich biete selbst Mastering an und offeriere dabei individuelle Beratung und Revision. Dabei kommt es oft dazu, dass ich Mixtipps gebe usf. Das kriegt man bei keinem Algorithmus.

            Wer gute Arbeit will, muss dafür tiefer in die Tasche greifen, bekommt aber auch ein richtig gutes statt nur ein mittelmäßiges Ergebnis. Ich habe einen Anbieter selbst ausprobiert. Heraus kam lediglich ein in der Lautheit angehobener Song. Das kann wirklich nahezu jeder selbst.

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              justme  

              Ein guter Hinweis, finde ich. Was für ein gutes Master beim Mix zu berücksichtigen ist, wird oft vernachlässigt…

  2. Profilbild
    wolftarkin  AHU

    Cool, mit Presets. Damit sich alles gleich anhoert.
    Was muss ich denn im Auto einstellen? Da hab ich keine Presets Club, CD, Spotify etc.
    Da hab ich nur Rock, Pop, Jazz und Techno.
    So kann man doch nicht arbeiten!

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Du verkennst anscheinend, dass es bei den Presets von Expose / Levels um die grundlegende „technische Sendefähigkeit“ geht, nicht um musikalische Genre. :)

  3. Profilbild
    bluebell  

    Ich bin ja eher der, der sagt „braucht man nicht“, und „eine Software ist dann professionell, wenn man Geld damit verdient, nicht wenn man dafür zahlt“.

    Aber wenn einer sagt, dass immer die selben Fehler gemacht werden, dann glaube ich das sofort.

    Und wenn er Tools anbietet, die denen eine Hilfestellung geben, die zu unbeholfen sind, die existierenden Tools zu nutzen, ist das keinesfalls verwerflich. Sind nicht viele „Mastering“-Tools letztlich nichts anderes als eine Sammlung von Plugins, die im besten Fall leicht bedienbar sind? Muss ja keiner kaufen. Und wenn jemand die Tools praktisch findet, ist das doch toll. Bei dem Preis treibt sich keiner in den Ruin.

  4. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    lso bei mir hat sich Expose sehr schnell als wertvolles Werkzeug zur Endkontrolle etabliert. Vor allem wegen der Integrated-LUFS (Langzeit) und den Target-Presets – sehr praktisch auch um z.B. die Lautstärke von Alben konsistent zu halten. Der Vorteil zu Levels ist, dass man mehrere Songs gleichzeitig miteinander vergleichen kann und die Langzeit-LUFS-Analyse schneller geht (da offline). Der Nachteil ist, dass man die Songs halt erst raus-rendern muss.

    Ansonsten muss man Software mit Langzeit-LUFS schon etwas suchen und wenn man sie findet erheblich mehr dafür ausgeben. Da ich schon iZotope Insight benutzte war Levels jetzt nicht so dringend für mich.

    Bassroom ist, entgegen dem dämlichen Interface und den nutzelosen Presets ein hervorragender Bass-EQ, der die Pre- & Post-Ringing-Probleme von linear- und minimalphasigen EQs unterbindet und in seiner Funktion quasi einzigartig am Plugin-Markt ist.
    Nur darf man auch hier nicht erwarten ohne Lautsprecher, die das Low End entsprechend abbilden können, im Mix / Master herumdoktern zu können.

    Und eine A/B-Reference-Werkzeug gehört sowieso in jedes Mix-Arsenal.

    meine zwei Cents :)

  5. Profilbild
    Eric  

    Diese produkte kenne ich nicht. Bin mit Ozone aber sehr zufrieden. Seit V9 gibts dort nichts mehr zu bemängeln. Aber am Ende zählt nur das Gehör.

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