Test: Maybach Albatroz 65, E-Gitarre

26. Januar 2021

Klangvolles Fliegengewicht mit P90-Power

Maybach Albatroz 65

Maybach Albatroz 65

Wo hat man den P90-Pickup nicht schon überall gesehen und gehört – auf Strats, Teles, Paulas und wie sie alle heißen mögen. Auf einer SG-Style-Gitarre ist mir persönlich jedoch noch keiner präsentiert worden, dann wird es ja mal höchste Zeit dafür! Der P90-Pickup ist schon etwas Besonderes, besitzt er doch in aller Regel ein viel fein aufgelösteres Höhenspektrum als ein Humbucker, klingt aber wegen seines höheren Outputs deutlich fetter und wärmer als der typische Singlecoil. Das prädestiniert ihn vor allem für Crunch-Sounds und damit für alle Arten von Rock und Blues-Rock, in denen er seine Stärken voll ausspielen kann. Auf der Decke der Maybach Albatroz 65 sitzt genau solch ein P90-Typ und ansonsten kein weiterer Schnickschnack und wir wollen doch mal schauen, wie und ob er die angepeilte Klientel der Blues-Rocker bedienen kann.

E-Gitarre SG: Maybach Albatroz 65, Facts & Features

Der Spaß beginnt schon vor dem Auspacken, denn die Maybach Albatroz 65 wird in einem hochwertigen Luxuskoffer geliefert, in dem ich neben der Gitarre auch ein Zertifikat mit allen Specs zum Instrument befindet. Das Finish der Albatroz bezeichnet der Hersteller als „Dark Wine Aged Red“, es handelt sich um einen dunkelroten Nitrolack, der auf einen Mahagonikorpus aufgebracht und mit leichten „Kampfspuren“ versehen wurde. Die Illusion ist gut gelungen und zum Glück nicht zu heftig ausgefallen: Hier und da mal einen Kratzer und dort etwas mattere Stellen im Lack erwecken den Eindruck, als wurde unser Testinstrument nicht etwa im Spätsommer 2020 hergestellt, sondern eher seit vielen Jahren gespielt und bei ebenso vielen Gigs benutzt.

Die nahezu symmetrische Form des Korpus mit seinen beiden spitz zulaufenden Cutaways dürfte dem Großteil von uns bekannt sein, Spieler wie Angus Young, Santana, Tony Iommi, Robby Krieger von The Doors, Mike Oldfield oder auch der legendäre Frank Zappa setzen die SG in ihrer Karriere oft und gerne ein. Sie alle schwörten bzw. schwören bis heute auf das leicht zu bespielende und gut zu handelnde Instrument, das zudem mit einem angenehm niedrigen Gewicht punktet. Vor allem das Gewicht ist bei der Maybach Albatroz 65 ein Thema, denn sie ist unglaublich leicht, was zum einen auf die sparsame Bestückung mit Elektronik und Hardware und zum anderen auf ein gut abgelagertes Tonholz zurückzuführen ist. Es ist in der Tat erstaunlich, wie eine Feder ruht das Instrument auf dem Schoß oder baumelt am Gurt. Dabei zeigt sie sich gut ausbalanciert – von Kopflastigkeit keine Spur. Da zeigt sich der mitgelieferte Luxuskoffer um einiges schwerer!

Maybach Albatroz 65 Case Koffer

Wenn der Koffer mal nicht Porno ist (!)

Zum Schutz vor (noch mehr) Kratzern wurde im vorderen Teil rund um den Aktionsradius des Plektrums ein dreischichtiges Pickguard auf die Decke geschraubt. Der P90-Pickup hingegen sitzt direkt in der Decke und besitzt ein schwarzes Kunststoffgehäuse, was zusammen mit der ebenfalls schwarzen Kopfplatte und dem tiefen Rot der Lackierung ein stimmiges Bild im Vintage-Style ergibt. Der Tonabnehmer stammt aus eigener Entwicklung von Maybach, die Hersteller gaben ihm den Namen „Amber P90“, die Möglichkeiten der Beeinflussung seines Klangs beschränken sich auf einen Volume- sowie einen Tone-Regler, die weitab, aber dennoch griffgünstig nahe des unteren Ende des Bodys eingesetzt wurden. So wie man es von der guten alten Gibson SG kennt, wurde die Klinkenbuchse ebenfalls auf die Decke gesetzt, somit heißt es etwas aufpassen, möchte man nicht beim versehentlichen Tritt auf das eingesteckte Kabel danach den nächsten Service aufsuchen müssen.

Die Schaltung der Maybach Albatroz 65 – wenn man es denn so nennen kann

Maybach E-Gitarre: Mahagoni & Palisander für den Hals

Keine Überraschungen zeigen sich beim Betrachten des Halses. Wie beim Original wurde auch hier Mahagoni verwendet und mit einem Griffbrett aus Palisander verleimt. Die Verarbeitung ist hervorragend gelungen, alle Bünde sitzen sauber in Reih und Glied und wurden an ihren Kanten unspürbar abgerichtet. Lediglich die Oberflächen der Bundstäbe wirken im jetzigen Neuzustand etwas rau, aber das dürfte sich bereits nach einer kurzen Spielzeit erledigt haben. Ein klein wenig Kritik muss auch der Sattel einstecken, denn er sitzt nicht ganz genau mittig in seiner Position, was aber für die Praxis keine große Bedeutung hat.

Wie immer an dieser Stelle erfolgt die Beschreibung der Halsrückseite – wie ist das Profil und vor allem: Klebt der Lack? Nun, das 65-Neckshape (so bezeichnet es der Hersteller) präsentiert sich als sehr angenehm bespielbar und ist meines Empfindens nach eher von der schlankeren Sorte. Bei der Lackierung gibt es ebenso wenig zu kritisieren. Hier scheint Maybach mit dem aufgebrachten Nitrolack ein guter Kompromiss zwischen dem Schutz des Holzes und einer praxistauglichen Bespielbarkeit gelungen zu sein.

Alternative zu Gibson & Epiphone: Maybach Albatroz

Ist die Maybach Albatroz 65 hinsichtlich ihrer Elektronik schon sparsam ausgerüstet, so gilt das auf jeden Fall auch für die Konstruktion des Stegs. Die Wraparound-Bridge besitzt nämlich keine Saitenreiter, was bedeutet, dass im Falle einer Unreinheit der Oktaveinstellung hier großes Fingerspitzengefühl und ein geschultes Ohr gefragt ist. Möglichkeiten der Einstellung bieten lediglich zwei Inbusschrauben, mit denen der Abstand der Brücke zu den zwei Bolzen insgesamt justiert werden kann. Zur Ehrenrettung sei aber gesagt, dass uns das Testinstrument mit einer absolut sauberen Einstellung erreichte, das gilt nicht nur für die Oktavreinheit, sondern insbesondere auch für die gut eingestellte Saitenlage.

Maybach Albatroz 65 Bridge Brücke

Rudimentäre Wraparound-Bridge mit leichten Gebrauchsspuren der Bolzen

Am anderen Ende der Drähte sitzen sechs Kluson-Mechaniken im Vintage-Style mit Tulip-Buttons. An deren Funktion gibt es keine Kritik, sie halten das Instrument bestens in Stimmung und wenn mal nachgestimmt werden muss, dann geschieht das butterweich und ohne jegliches Spiel auf den Achsen.

So klingt die Maybach Albatroz 65 in der Praxis

Durch ihr gut abgelagertes Tonholz schwingt die Maybach Albatroz 65 bereits unverstärkt wunderbar ein. Der Grundsound wird von kräftigen Mitten bestimmt, einem fein aufgelösten Obertonspektrum sowie einem warmen und ausdauernden Sustain. Das Handling ist dank des unglaublich niedrigen Gewichts ganz hervorragend, man kann es nicht oft genug erwähnen. Ein Lob gibt es auch für die gut eingestellte Saitenlage, die angenehm flach, aber dennoch absolut frei von Schnarren auf der gesamten Länge des Halses ist und Akkorde in den tiefen Lagen genau so gut ermöglicht wie Solo-Linien jenseits der Oktavlage.

Dieser hochwertige Grundsound wird von dem P90-Pickup nahezu komplett aufgefangen. Trotz der eingeschränkten Schaltung mit nur einem Volume- und einem Tone-Regler bietet sich dank des großen Dynamikumfangs des Tonabnehmers eine erstaunlich breite Klangvielfalt, die insbesondere im Crunch-Bereich einen wunderbar warmen, durchsetzungsfähigen und charakterstarken Sound zugleich erzeugt. Das Experimentieren mit dem Volume-Poti und unterschiedlicher Anschlagstärke mit dem Plektrum bietet den fast perfekten Sound für alle Arten von Low-Gain-Sounds, die durch das kräftige Schwingen der Mahagonikonstruktion an jeder Stelle auf dem Griffbrett stets einen druckvollen Support erhalten. Konstruktionsbedingt brummt der P90 jedoch bei höheren Gain-Settings, allerdings wird sich wohl keiner eine Gitarre mit P90 zulegen, um damit Heavy-Metal zu spielen. Die Maybach Albatroz 65 spielt ihre Stärken eher bei gemäßigten Zerrgraden aus, dort aber kann sie ohne Zweifel begeistern!

Der Sound der Maybach Albatroz 65 SG E-Gitarre

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich die Albatroz 65 an den Eingang meines Mesa/Boogie Studio 22+ Combos angeschlossen. Vor dem Combo wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal ohne weitere Effekte in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Fazit

Die Maybach Albatroz 65 ist ganz bestimmt kein Instrument für den Top 40- oder Studiogitarristen, der eine Menge unterschiedlicher Sounds für sein Repertoire benötigt – zu spartanisch ist ihre Ausstattung mit nur einem P90-Pickup. Dafür aber glänzt das sehr gut verarbeitete Instrument mit einem charaktervollen und durchsetzungsfähigen Klang, der sie perfekt für alle Stile macht, die mit nur wenig Zerrung auskommen. Ein ganz heißer Tipp für alle Fans von Blues und Blues-Rock!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • extrem leicht
  • P90-Sound
  • Bespielbarkeit
  • hochwertiger Koffer im Lieferumfang

Minus

  • Brücke ohne Saitenreiter

Preis

  • 1644,- Euro
Klangbeispiele
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  1. Profilbild
    AMOS omb  

    Also ich kann mich überhaupt nicht damit anfreunden mir ein Instrument für über 1600 € zu kaufen und schon „Schäden“ daran zu haben. Für das Geld möchte ich mich über die ersten selbst fabrizierten Kratzer schon selbst ärgern. Da stellt sich mir immer die Frage warum Tester bei Billig Teile so viel Wert auf Lackverarbeitung legen. Neu ist kein Vintage, auch nicht wenn man es so aussehen lässt. Ansonsten finde ich das Teil schon wegen dem Gewicht sehr interressant.

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