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Test: Maybach Lester JR Double Cut, E-Gitarre

7. Februar 2021

Maybach - besser als das Original?

Test Maybach Lester Junior Doublecut

Fender, Gibson & Ibanez – das sind die drei großen Schirmherren der Gitarrenwelt und die vielleicht bekanntesten Marken. Unsere Redaktion achtet darauf, nicht als Sprachrohr dieser großen Namen zu agieren, sondern die Gitarrenwelt gründlich zu erforschen. Eine Marke, für die wir uns grundsätzlich begeistern, eben weil sie aus deutschem Lande stammt und verlässlich Qualität über die letzten Jahre produziert hat, ist Maybach. Wir haben die Teleman von Maybach mit einer Harley Benton verglichen, haben eine der besten Paulas aus deutschem Lande getestet, die Maybach Lester. Darüber hinaus haben wir uns auch für die Jazzmaster JazPole 63 begeistern können.

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Vor ein paar Jahren habe ich in einem Proberaum einer befreundeten Band – als so etwas wie Proben noch die Norm waren – eine Maybach Lester JR in der Hand gehalten. Ich spielte die Gitarre mit einem Big Muff über einen Vox AC30 und war hin und weg und hatte seitdem das gute Stück mental markiert. Der Moment ist gekommen und wir haben die Gitarre endlich in unsere Redaktion gekriegt, um sie ausführlich zu testen. Gleich vorweg: eins meiner persönlichen Highlights, gleich nach der Silhouette. Und auch wenn in den kommenden Wochen größere Namen wie Ibanez bei uns auf dem Programm stehen, deren Neuerscheinungen von NAMM wir uns anschauen wollen, ist für mich jetzt schon klar: Für den richtigen Gitarristen ist die Lester JR ein Juwel. Doch der Reihe nach.

Rockgitarre von Maybach – Klangholz, Specs & Qualität

Man muss den dickbäuchigen Cut des fünfziger Jahre Student-Modells schon mögen. Tat ich beim ersten Mal nicht – die etwas schmalen Cutflügel standen auf dem ersten Blick etwas im Missverhältnis zum massiven Korpus, aber man gewöhnt sich daran. Die Gitarre landet bei uns und wird einem der schönsten Gitarrenkoffer geliefert, die man serienmäßig zu einer Gitarre kriegen kann – aber das nur am Rande.

Test Maybach Lester Junior Doublecut

Die Doublecut-Form ist also authentisch 50er-Jahre. Von ’57 bis ’59 produzierten Gibson eine Menge neuer Modelle, unter anderem die ES-335, die schnell zum Kultobjekt avancierte. Auch dabei die Les Paul Junior Doublecut ’58, eine günstige Einsteiger-Gitarre, die im Original mit nur einem Tonabnehmer auskam und aus der Not eine Tugend machte: je puristischer, desto besser. Hardware-technisch ist bei der Maybach Lester Junior mehr drin, aber der Charakter ist auf allen Pickup-Positionen unverfälscht erkennbar. Der springende Punkt ist: Der Sound ist authentisch und steht für zwei Dinge: perfekt warmer Crunch, mehr Rumms als ein Single-Coil, ohne mit dem Schlagbrett klassischer Humbucker aufzufahren. Was die Amber Pickups leisten, schauen wir uns im Praxisteil dann genauer an.

Der Korpus ist aus Mahagoni gefertigt – keine Chambers, sondern ein vollwertiger Solid-Body mit einem geleimten Mahagoni-Hals. In der Hinsicht also auch nah dran am Gibson Original. Das gilt auch für das Griffbrett: Palisander kommt hier zum Einsatz. Was das Halsprofil angeht, gilt hier, dass es sich für besonders filigrane Kapriolen nicht unbedingt eignet. Der Big C-Hals erfordert einen ordentlichen Grip, was zum Spielgefühl der Gitarre jedoch gut passt und auch den originalen Specs entspricht. Der Nitrocellulose-Lack überrascht ebenfalls nicht. Vom Werk her sind bei dem mir vorliegenden Modell in Vintage White ein paar Gebrauchspuren vorhanden, die jedoch den Gesamteindruck nicht verwässern. Also: Mahagoni, Palisander und Aged Finish, eine Sattelbreite von 42,8 mm, Standard-Mensur von 628 mm und 22 Jumbo-Frets. Liest sich von den Specs her also 1 zu 1 wie beim Original. Schauen wir uns die Hardware mal genauer an.

Maybach Doublecut nach Gibson – Hardware & Pickups

Wenn Maybach sich also darauf verstehen, glaubwürdige und starke Duplikate historischer Gitarrenmodelle zu schaffen, kommt es vor allem darauf an, wie glaubwürdig die Pickups agieren, mit denen der Sound eingefangen werden soll. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Amber Pickups das handhaben werden: Die P90er aus dem Hause sind wie gesagt in Neck- und Bridge-Position verbaut und daher nicht ganz originalgetreu, aber das ist nicht weiter schlimm.

Test Maybach Lester Junior Doublecut

Die SD-Gotoh-Mechaniken tun ihren Dienst und sind von der Konstruktion her erfahrungsgemäß  stimmstabil. Der Dreiwegschalter überrascht auch nicht, da die P90er nicht splitten und pro Pickup haben wir es mit einem Volume- und Tone-Poti zu tun. Klanglich ist die Maybach Lester JR also angenehm flexibel und die Wraparound-Bridge ist historisch auch so originalgetreu wie nur möglich.

Der Sound der Maybach Lester JR Doublecut E-Gitarre

Als ich vor ein paar Jahren die Lester JR in der Hand hatte, wie eingangs erwähnt, war mir die Les Paul Junior DC nicht wirklich ein Begriff. Entsprechend war ich mit dem rauen Sound der Dog Ear-P90 Humbucker nicht wirklich vertraut. Immer wieder hört man, dass die P90 so etwas wie der stämmige, große Bruder des Singlecoil ist. Und ein Stück weit stimmt das auch – da ist dieses Glockige, Klare, das zum Twang einlädt (was, da bin ich ehrlich, nicht mein Zuhause ist in Sachen Gitarrensound), aber den Crunch und das warme Low-End soviel besser hinkriegt als jeder Singlecoil. P90 Humbucker haben mehr Volume, sind im oberen Frequenzbereich nicht ganz so klar wie ein Telecaster Singlecoil, dafür aber einfach, nun ja – lässt sich nicht anders sagen: fetter. Zumindest im Gesamtsound. Einen tollen Vergleich von Harley Benton, Gibson und Maybach könnt ihr hier sehen:

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Wir gehen den Weg über den REVV G20 und die Two Notes Cab Sims, um ein repräsentatives Bild des Sounds zu generieren. Kein Multiband-Kompressor, kein Bereinigen der Frequenzen. Wir beginnen mit dem Neck-Pickup und lassen ihn im klaren Bereich sauber dastehen. Offene Akkorde und ein gleichmäßiger Frequenzrahmen offenbaren einen glockigen Sound, der jedoch im oberen Frequenzbereich ein wenig mufft – da klingen Singlecoils schon wesentlich klarer. Dafür ist das Sustain absolut gleichmäßig und sagenhaft resolut – die Gitarre atmet in aller Ruhe aus und tut dies bemerkenswert gleichmäßig über Höhen und Tiefen hinweg.

Was die originale Les Paul Junior DC nicht hatte, waren zwei Tonabnehmer. Entsprechend ist das hier historisch nicht ganz korrekt – die mittlere Stegposition, die mit zwei Amber Pickups P90 gleichzeitig arbeitet. Hier kommt er zur Geltung: der berühmte P90 Crunch. Im dritten Beispiel arbeiten wir uns durch Clean, Boost und Overdrive mithilfe des Chase Bliss Audio Brothers. Der Attack springt einen nicht ganz so direkt an wie bei den Singlecoils einer Singlecut – dafür ist der Sound zu bauchig. Der Vorteil dessen kommt jedoch zum Ausdruck, wenn man einen Fuzz zur Hand nimmt. Die dreckigen P90er und Fuzz sind ein absolutes Dreamteam. Tatsächlich fallen mir nur die Pure Vintage 65er der Fender Jazzmaster aus der AM Orig. Serie ein, die hier einen ähnlich guten Eindruck machten.

Die Bridge-Position im Clean-Bereich ist für meine persönlichen Verwendungen selten wichtig. Erfreulicherweise jedoch bleibt hier die Maybach Lester JR Doublecut auch hier angenehm klar, reißt in den höheren Frequenzen nicht zu sehr aus und kratzt nicht – vorausgesetzt, man dreht das Tone-Poti ein klein wenig zurück.

Nun kommen wir zur Standard-Position der P90, die für dreckigen Rock, Grunge, Rockabilly, Alternative und Indie wichtige Funktionen erfüllt: die Bridge Position. Der positive Eindruck setzt sich fort: Anstatt sich mit Höhenlastigkeit um die Transparenz zu bringen, bleiben die Amber Pickups rund und gleichmäßig, mit starkem Punch und Low-End. In Sachen Klangdynamik könnte man der Lester JR eine leichte Starre attestieren, aber das fällt nicht nennenswert ins Gewicht.

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Fazit

So muss das: Wenn man sich schon vor dem Original verneigt, dann so. Man vermisst die guten, alten Gibson-Tage ein wenig. Für das Doppelte dieses Preises bekommt man eine LP Special 60 von Gibson – und dann gleich ein besseres Klang- und Spielerlebnis? Ich wage es zu bezweifeln. Die Lester Junior DC ist eine puristische Rockgitarre, die endlich ihr Comeback verdient hat. Vom Student-Modell, über Blues-Geheimtipp und Alternative-Liebling: Wird Zeit, dass die Gitarrenwelt im Jahre 2021 dem Junior DC Modell mehr Chancen einräumt und vom prächtigen P90er Sound in denkbar puristischster Ausführung profitiert. Maybach setzen dieser kultigen Gitarre hier ein tolles Denkmal.

Plus

  • warmer, voller Klang
  • tolles Sustain
  • Vintage-Feeling

Preis

  • 1699,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  AHU

    sich über den qualitativen Unterschied zwischen einer Kopie und dem Original auslassen und dann Soundbeipiele mit Vollfuzz bringen – passt schon irgendwie…
    Ne im Ernst – du solltest an deinen Soundbeispielen arbeiten, um eine Aussage zu erreichen.

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hallo Harry

      Von zehn Beispielen sind nur zwei mit dem Fuzz des CBA Brothers eingespielt. Und da auch nur, um im speziellen den Aspekt hervorzuheben – wie im Text erwähnt – wie gut die Amber P90 mit dieser Art Verzerrung arbeiten.

      Für eine richtige Gegenüberstellung macht nur ein Vergleichstest sind. Vielleicht kommt es dazu.

      LG

  2. Profilbild
    lambik  

    „Die P90er aus dem Hause sind wie gesagt in Neck- und Bridge-Position verbaut und daher nicht ganz originalgetreu, aber das ist nicht weiter schlimm.“

    Die Gibson Les Paul Special DC hatte aber schon 1959 zwei P90s 😎 und die scheint Maybach mit diesem Modell zu kopieren. Auf der Homepage heißt das Modell auch LESTER JR DOUBLE CUT SPECIAL.

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