Test: Maybach Lester Wild Cherry 59, E-Gitarre

10. Dezember 2019

Eine Paula aus deutschen Landen

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged E-Gitarre

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged E-Gitarre

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich die Gelegenheit, eine Strat-Kopie des deutschen Herstellers Maybach unter die Lupe zu nehmen – HIER gibt es den entsprechenden Artikel. In dem kann man nachlesen, dass die Strat aus deutschen Landen einen erstklassigen Eindruck hinterließ und so war es nur folgerichtig, dass wir uns auch mal eine Paula von Maybach für einen genauen Test würden zukommen lassen. Bitte schön, diesem Auftrag ist man gefolgt und hat uns die Maybach Lester Wild Cherry 59 aged E-Gitarre zur Verfügung gestellt, die wir im folgenden Test mal genauer betrachten werden.

Maybach Lester – Facts & Features

Abgesehen von der Form der Kopfplatte gibt es bei der Maybach Lester Wild Cherry 59 aged E-Gitarre zum Original von Gibson keinen Unterschied zu bemerken. Zumindest nicht optisch, aber beim Gewicht schon, denn obwohl der Korpus der Maybach-Paula nicht gekammert ist, präsentiert sie sich erfreulich leichtgewichtig. Bei den Tonhölzern hat man wohl auf gut abgelagerte Stücke zurückgegriffen: Ein zweiteiliger Mahagonikorpus mit dezent geflammter Ahorndecke sowie ein eingeleimter Mahagonihals wurden hier verwendet und in einem kirschroten Ton gebeizt, was dem Instrument seinen Namen verleiht. Ein dezentes Aging der Oberfläche und an der verbauten Hardware erzeugt einen schönen Vintage-Look, viel ist es nicht, hier mal ein kleiner Kratzer, dort eine abgenutzte Stelle im Finish oder angelaufenes, mattes Chrom auf den Metallteilen bzw. den Kappen der zwei Tonabnehmer. Völlig unspektakulär also.

Neben dem Kirschrot dominieren cremefarbene Töne das Bild. So wird der gesamte Korpus von einem cremefarbenen Binding umschlossen, gleiches gilt für die Seiten des Griffbretts und auch das Pickguard, die Rahmen der Pickups sowie die Abdeckung rund um den Dreiwegeschalter erscheinen in diesem altweißen Farbton. Aufmerksamen Betrachtern der Fotos wird vielleicht auffallen, dass bei unserem Testinstrument die Kappe für den Schalter fehlt, die ist auch cremefarben und wohl beim Transport zu uns verloren gegangen. Schwamm drüber, dafür überzeugt der Schalter in seiner Funktion absolut und das ist viel wichtiger, als ein abhandengekommener 1-Euro-Artikel aus dem Zubehör.

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged - dezentes Aging

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged – Der Hals

Die Halsprofile der Gibson Les Paul der Baujahre 1957 bis 1959 sind Basis für die Lester-Modelle von Maybach und alles andere als die Baseball-Schläger, die der ewige Konkurrent Fender zu dieser Zeit bei seinen Strats und Teles zum Teil anbot. Hier geht es angenehm schmal zu, darüber hinaus wurde unser Testinstrument mit einer vorbildlichen Saitenlage ausgeliefert – was man bei einer Gitarre dieser Preisklasse auch erwarten kann und sollte. Bei der Wahl des Griffbretts fiel die Entscheidung wie beim Original auf Palisander, in das die 22 Bundstäbchen absolut sauber eingesetzt und an den Kanten bearbeitet wurden. Lediglich bei der abschließenden Politur der Bundoberflächen wurde wohl etwas gespart, denn es schabt im jetzigen Neuzustand der Gitarre deutlich beim Ziehen der Saiten. Aber gut, dieses Manko wird sich nach einer gewissen Zeit des Einspielens ganz sicher von selbst erledigen. Nichts zu meckern gibt es beim Sattel, der sitzt ganz sauber in seiner Führung und nicht fehlen bei einer Paula dürfen natürlich die fetten Perlmutt-Inlays an den bekannten Positionen.

Die Hardware der Lester

Am Design der Kopfplatte dürften sich vermutlich die Geschmäcker scheiden, in jedem Falle aber arbeiten die dort angebrachten Vintage-Style-Mechaniken sehr gut. Sie stammen von Kluson und besitzen die Tulip-Knöpfe für die entsprechende Vintage-Optik. Sie sehen aber wirklich nur alt aus, funktionieren tun sie wie brandneu: Ohne jegliches Spiel auf ihren Achsen und extrem zuverlässig beim Halten der Stimmung! Für die Verankerung der Drähte sorgt die bewährte Kombination aus einer Tune-o-Matic Brücke sowie einem Tailpiece auf der Decke mit leicht angelaufenem Chrom. Ich erwähnte es bereits weiter vorne.

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged Kopfplatte

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged Kopfplatte

Die Elektronik der Lester

Nix Seymour Duncan-DiMarzio-Einheitsbrei! Auch bei der Maybach Lester Wild Cherry 59 aged E-Gitarre kommen wieder die Pickups der deutschen Firma Amber zum Einsatz. Ich benutze deshalb das Wort „wieder“, da ich das Vergnügen hatte, bereits Pickups des ebenfalls deutschen Herstellers in der Maybach Stradovari zu begutachten bzw. zu hören. Damals war ich schwer beeindruckt von der Klarheit, der Wärme und der Präzision, mit der die drei Singlecoils ihren Sound abfeuerten. Ob die beiden Amber Spirit of ’59 Humbucker ebenso zu überzeugen wissen wie ihre einspuligen Kollegen, werden wir später im Praxisteil noch erfahren.

Geschaltet wird wie immer über einen knackig einrastenden Dreiwegeschalter am oberen Korpusende und auch bei Klangfarbe und Lautstärke erwarten den Les-Paul-Kenner mit den vier Reglern und ihren aufgesteckten Goldknöpfen keine Überraschungen. Über den Schalter habe ich mich weiter vorne bereits (positiv) geäußert, ein ähnlich gutes Bild geben die Potis ab, die wunderbar weich auf ihren Achsen laufen und sich in der Praxis mit einem linearen Regelweg zeigen.

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged - leichtes Aging der Chromteile

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged – leichtes Aging der Chromteile

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged – In der Praxis!

Dank des recht flachen Halsprofils und der ab Werk sehr gut eingestellten Saitenlage lässt sich die Maybach Lester Wild Cherry 59 aged direkt aus ihrem mitgelieferten Luxus-Case einwandfrei bespielen. Zu der guten Bespielbarkeit kommt das niedrige Gewicht hinzu, das manchen Spieler einer „echten“ Paula von Gibson neidisch machen könnte! Der Grundsound besitzt genau das Format, das man von einer Les Paul erwartet: reich an Sustain und ausgeglichen im Frequenzspektrum, gespickt mit einer Prise guten Attack und dazu mit einem schönen Obertonspektrum bestückt. Dazu kommt eine hervorragende Dynamik, die sich bereits im unverstärkten Zustand aufdrängt und durch die beiden Amber-Pickups nahezu verlustfrei an den angeschlossenen Amp geliefert wird.

Die beiden Humbucker überzeugen kaum weniger als die Einspuler-Kollegen aus der von mir getesteten Stradovari und liefern ein warmes und breites Klangbild, wie man es nur von richtig guten Paulas mit ihren legendären PAFs kennt. Doch Klänge mit Worten zu beschreiben, ist nicht ganz einfach und deshalb hören wir in den folgenden Klangbeispielen mal in einen kleinen Teil rein, den uns die Maybach Lester Wild Cherry 59 aged bieten kann.

Maybach Lester Wild Cherry 59 aged Back

Maybach Lester – Die Klangbeispiele

Für die Audio-Tracks habe ich wieder meinen Referenz-Amp Orange Micro Dark benutzt. Der war wie immer verbunden mit einer Celestion Vintage 30 Box, ehe das Signal ohne weitere Effekte mit einem AKG C3000 Mikrofon in Logic Audio aufgezeichnet wurde.

Beginnen wir mit einem verzerrten Riff, eingespielt mit dem Steg-Humbucker. Der Klang ist warm, dynamisch und reich an Obertönen, von Nebengeräuschen ist trotz der relativ hohen Verzerrung rein gar nichts zu hören.

Im zweiten Beispiel hören wir ebenfalls den Amber ’59 am Steg, nun allerdings mit einer Sololinie.

Beispiel 3 zeigt ein Beispiel für einen Crunch-Sound, eingespielt mit beiden Pickups und leicht zurückgenommenen Volume-Potis. Das Klangbild bricht weder in Dynamik noch im Frequenzspektrum zusammen.

Nun noch einmal zurück zum High-Gain, im nächsten Track hören wir den Hals-Pickup mit hoher Verzerrung.

Unverzerrt kann sie auch, die Maybach Lester Wild Cherry 59 aged. Das hört man im abschließenden Beispiel, für das ich den Front-Pickup mit einem Cleansound benutzt habe. Fans von dicken, fetten Blues-Sounds kommen hier voll auf ihre Kosten!

Fazit

Nach der Stradovari nun also die Lester – und sie kann ebenso überzeugen wie ihre Schwester aus dem Lager der Strat-Kopien. Die Maybach Lester Wild Cherry 59 aged ist eine sehr gut verarbeitete, toll klingende und wunderbar zu bespielende Les Paul, die weit mehr als eine Alternative zum USA-Original darstellt. Und das nicht nur vom Preis her betrachtet.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • schönes, dezentes Aging
  • Luxuskoffer im Lieferumfang

Minus

  • -

Preis

  • 2095,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd  

    keine polierten Bünde und dann kein Minus?
    Bei einer 300€ Gitarre taucht das dann häufig als Minus auf.
    Komisches Qualitätsempfinden hier….

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Hi harry,

      bei der ansonsten überragenden Qualität der Gitarre wollte ich das ausnahmsweise mal nicht als Minuspunkt aufführen. Sonst bin ich bei dir.

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